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© Photos © Yaniv Halfon
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Bei uns sind sie längst ein Begriff und werden entsprechend gut besucht, die Sommer-Universitäten. Aber erfunden haben es, nein, ausnahmsweise nicht die Schweizer, sondern die Amerikaner. Und die Königin dieser Idee ist inzwischen Tori Halfon, die Erfinderin und Leiterin des “Tribal Massive”, der größten Tribal Fusion-Lehranstalt der Welt. Seit einiger Zeit fahren auch einige der begabtesten und besten unserer deutschen Tänzerinnen dorthin und sind geradezu begeistert. Latifah Abdel aus Karlsruhe hat es sich dann auch nicht nehmen lassen, Tori Halfon nach ihrer Herkunft, nach Tribal Massive und nach den Zukunftsplänen der Veranstaltung zu befragen. (Dieses Interview erscheint zeitgleich im amerikanischen Magazin “Zaghareet”, dort in der englischen Version).
“GERADE DAS MACHT DEN TRIBAL FUSION
FÜR MICH SO SPANNEND!”

Interview mit Tori Halfon
    von Latifah Abdel (Übersetzung von Marcel Bieger)

Erzähl uns doch bitte zunächst einmal etwas über Dich. Wer ist Tori Halfon, wer ist die Macherin hinter “Tribal Massvie”?

Hm, keine leichte Frage. Also vermutlich bin ich eine vielschichtige Persönlichkeit. Da wäre zunächst einmal die Berufs-Tori (ich bin in einer Schokoladen-Fabrik tätig und vertreibe deren Produkte an Hotels); diese Tätigkeit verhilft mir dazu zu organisieren und Disziplin zu üben. Aus diesem Grunde ist “Tribal Massive” wohl auch eine sehr gut organisierte Veranstaltung, auf der sich jeder wohlfühlt. Darüber hinaus bin ich auch noch Tochter, Ehefrau und Schwester. Die Familie ist mir sehr wichtig, und wann immer ich kann, fahre ich zu ihr nach Kalifornien und verbringe dort ein paar Tage. Dann gibt es auch noch die Bauchtanz-Tori. Ich habe 2000 bei einer ortsansässigen Tänzerin mit OT-Unterricht begonnen, habe eines Tages Rachel Brice gesehen und war hin und weg; das wollte ich auch können. Also bin ich auf Tribal Fusion umgestiegen und die Westküste rauf und runter gereist, um bei möglichst vielen Lehrerinnen zu lernen. Irgendwann bin ich auf den Trichter gekommen, statt selbst zu reisen, die Dozenten lieber hierher nach Las Vegas einzuladen; denn immerhin ist Las Vegas die Welthauptstadt der Unterhaltung. Rachel Brice war übrigens auch schon hier. Manchmal hatte ich fünf verschiedene solcher Veranstaltungen im Jahr, und das ist eigentlich zuviel Arbeit für fünf kleine Veranstaltungen; deswegen habe ich versucht, daraus eine große zu machen, und so ist dann einige Jahre später Tribal Massive entstanden.

Tribal Massive gilt heute für alle Tribal Fusion-Tänzerinnen als das Paradies. Was ist deiner Meinung nach das Besondere an diesem Tanzstil?

Ich halte den Tribal Fusion für eine ungemein spannende Tanzform. Ich habe seine Anfänge miterlebt, wie er sich dann explosionsartig ausgedehnt und sich in verschiedene Untergruppen aufgeteilt hat (Gothic, “Burlesque” usw.) und wie die

Tribal Fusion-Künstler nach einer Weile die Ursprünge wiederentdeckt haben, also ATS® und den klassischen Bauchtanz. Und seitdem entwickelt sich der Tribal Fusion schon wieder weiter, aber diesmal mit den traditionellen Elementen im Gepäck. Das gerade macht den Tribal Fusion für mich so spannend. Nun gut, der Orientalische Tanz hat ebenfalls Wandlungen und Weiterentwicklungen mitgemacht, und zwar erhebliche; aber der Tribal Fusion hat sich noch mehr Experimenten unterzogen. Auf der anderen Seite freut es mich, wenn der Tribal Fusion sich seiner Ursprünge erinnert; denn genau das findet im Tribal Fusion statt, auch wenn man die traditionellen Elemente mit anderen mischt. Ich meine auch, daß der Orientalische Tanz mittlerweile den Tribal Fusion ernst nimmt, weil er eine Qualitäts-Ebene erreicht hat, die sich nicht mehr übersehen läßt.
Was unterscheidet Tribal Massive von anderen Veranstaltungen?

Nun, wir haben mit als erste die einwöchigen “Intensives” angeboten. Alles hat damit angefangen, daß Kajira Djoumahna Rachel Brice für eine ganze Woche nach Hawaii geholt hat. Ich war dort, und danach stand mein Plan fest. Die Kameradschaft der Frauen auf Hawaii tat ein übriges, und aus allem zusammen ist Tribal Massive entstanden. Das war noch zu der Zeit, als ich in Las Vegas fünfmal im Jahr Wochenend-Veranstaltungen gemacht und mir gedacht habe: “Hm, das Wahre ist das aber nicht.” Mir ging es um Unterricht in einer richtigen Tanzschule, damit die Tänzerinnen sehen können, was sie gerade tun. Ich wollte keine Messe, wo das “Shoppen” im Vordergrund steht, und ich wollte auch keine offene Bühne. Auf meiner Veranstaltung sollte nur gelernt werden. Deswegen hatten wir bei den ersten Tribal Massives auch keine Show, nicht einmal eine Hafla. Es ging einzig und allein ums Schwitzen, Lernen und Üben. Ich war damals der Ansicht, daß der Tribal Fusion so etwas dringen nötig habe. Aber im Lauf der Zeit kamen immer mehr Leute aus anderen Ländern und die hätten gern ein paar Tribal-Sachen gekauft, weil es die bei ihnen zuhause nicht gab. Deswegen haben wir dann schließlich eine Hafla mit Basar eingerichtet. Und die Show kam dann irgendwie ganz von selbst hinzu.

Aber hinter Tribal Massive steht immer noch der Grundgedanke, eine Art Tanz-Akademie zu schaffen, in der Tänzerinnen, denen bei sich zuhause die Möglichkeit dazu fehlte, wie die Profis trainieren zu können. Und, ganz wichtig, wo sie mit ihrem Dozenten auch reden können. Das sind die beiden Grundpfeiler des Tribal Massive, und hier kann man sich ganz normal und nicht von Fan zu Star mit seinem Lehrer unterhalten, entweder beim gemeinsamen Essen oder bei jeder anderen Gelegenheit.

Hier kann man sich miteinander austauschen. Seit wir Tribal Massive ins Leben

gerufen haben, breiten sich die Wochen-“Intensives” immer mehr und überall in der Welt aus.  Es gibt insgesamt weniger Festivals, aber immer mehr “Intensives”. Ich halte das für eine richtige Entwicklung; denn als Tänzerin muß man lernen, und da gibt es keinen besseren Weg, als seine ganze Woche lang mit seinem Lehrer zu arbeiten. Man kann schließlich nicht bei 1 Stunde in der Woche hoffen, jemals Profi zu werden. Man muß sich anstrengen und über sich selbst hinauswachsen, ehe der Körper wirklich anfängt zu lernen. Man muß sich so in Erschöpfung bringen, daß das Gehirn aufhört zu denken; erst dann lernt man nämlich und fängt an sich weiterzuentwickeln.
Das Ganze nennt sich “Mega Massive”, und die Website dazu steht seit dem 30 April www.themegamassive.com Seit diesem Datum kann man sich auch registrieren. Natürlich geht es mit dem alten Format weiter, aber dann nur für Fortgeschrittene und Profis.

“Mega Massive” wird fünf Tage andauern, und zwar unmittelbar vor “Tribal Massive”, und die Show dazwischen stellt die Brücke zwischen beiden Veranstaltungen dar. “Mega Massive” wird in der City von Las Vegas im weltbekannten Hotel und Casino “Golden Nugget” stattfinden. Die beiden Shows (“The Tribal Massive Bellydance Showcase” und “The Massive Spectacular”) finden hingegen gleich nebenan im Plaza statt. Wir sind wirklich froh darüber, allen Interessierten nun auch diese Möglichkeit bieten zu können, die gern auch alles andere um sich herum haben möchten. Also, Basar über mehrere Tage und am Wochenende Shows, damit möglichst viele sie sich ansehen können. Und damit können wir auch wieder zu den Ursprüngen des Tribal Massive zurückkehren: Konzentriertes Arbeiten zur eigenen tänzerischen Fortentwicklung, ohne sich von irgend etwas ablenken zu lassen.

Nach dem Skandal um das Tribal Fest in Sebastopol glauben viele bei uns in Europa, daß Tribal Massive an seine Stelle treten wird, damit hier die Szene, die Gemeinschaft und die Möglichkeit, viel zu lernen, fortbestehen können. Was hältst du davon?

Ich glaube, wenn jemand ein Festival besucht, kommt er nicht unbedingt allein in der Absicht, hier ein “Intensive” mitzumachen. Ich weiß, manche Festivals schmücken sich mit dem Begriff “Intensive”, aber ich meine, das ist nicht dasselbe

Ein Festival sind drei bis fünf Tage lang Workshops, und weil man da allerlei Neues lernen und ausprobieren kann, sind solche Festivals auch eine gute Sache. Doch Festivals stehen auch Amateuren, Tanzfreunden und anderen offen, die sich nie auf ein “Intensive” verirren würden. Zu einem “Intensive” kommen Profis und Halb-Profis, die den Sprung wagen wollen. Deswegen glaube ich ganz ehrlich nicht, daß jetzt die Massen vom Tribal Fest zu uns strömen. Was in Kalifornien passiert ist, ist eine Tragödie, die niemand vorausahnen konnte. Ich kenne Kajira (ehemalige Leiterin des “Tribal Fest”, über die Hintergründe des Untergangs dieses Festivals lies die “Extrablätter” aus dem Sommer des Jahres 2015, die Red.) schon seit vielen  Jahren, ich hatte sie hier in Las Vegas, und es tut mir unendlich leid für sie. Ich glaube auch, daß sie eines der Opfer war.

Aber noch einmal zurück zum Unterschied zwischen einem Festival-Besucher und einem Tribal Massive-Teilnehmer, und da geht es auch um unterschiedliche Formen von Gemeinschaft. Wer ein Festival besucht, tut das gewöhnlich mit Freundinnen, damit man gemeinsam Spaß hat. Wer aber zum Tribal Massive geht, teilt sein Zimmer vermutlich mit einer Tänzerin aus einem anderen Land. Und das bringt es auf den Punkt: “Tribal Massive” erschafft eine weltweite Gemeinschaft. Hier lernt man ständig neue Menschen kennen und mit ihnen zu kommunizieren.
Du weitest “Tribal Massive” aus – es gibt ein Mini Massive in Japan -, was hast du noch vor?

Oho, da kann ich für 2017 etwas sehr Spannendes verkünden: Wir erweitern die “Massive”-Familie um eine Festival-Komponente.

Homepages:
www.thetribalmassive.com
www.theminimassive.com
www.themegamassive.com

www.latifah-abdel.de
Web-Design: Konstanze Winkler
beliebte Gäste beim Tribal Massive: Zoe Jakes und ihre "House of Tarot"
Tori Halfon beim diesjährigen Finale von Tribal Massive
zum Tribal Massive Showebericht ...