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Konstanze Winkler
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"GRENZGÄNGER"
Zum Einjährigen der Gruppe
„The Violet Tribe“
von Marcel Bieger
Musizierende Tänzerinnen oder tanzende Musikantinnen, so etwas war und ist immer noch ungewöhnlich. Ganz ehrlich, wie funktioniert das, und was würdet Ihr Leuten raten, die das auch mal versuchen wollen.
Bianca: Aufwendiger als ein reines Konzert oder ein reiner Tanzauftritt ist es tatsächlich, denn abgesehen davon, daß man sich verschiedene Parts, Texte und Choreographie-Teile merken muß, stellen sich plötzlich auch noch organisatorische Fragen wie: Kann ich eigentlich im BH singen? Oder: Verdammt, wohin mit den Schuhen, ich bin ja gleich mit Tanzen dran! Wenn man vorher sehr genau plant, in welcher Reihenfolge sich die unterschiedlichen Anforderungen für den Einzelnen am besten umsetzen lassen, klappt das aber ganz gut.

Dr. P: Ich bin zum Glück nie mit Tanzen dran. Aber insgesamt passen Musik, Tanz und Theater doch sehr gut zusammen – und es funktioniert, sobald die Chemie stimmt und jeder seine Stärken einbringt.

Svahara: Ich würde doch mal behaupten, daß eine Tänzerin sowieso schon musikalisch ist! Die meisten OT-Tänzerinnen haben zumeist über das Zimbeln oder Trommeln schon Rhythmik-Erfahrung, und manche machen eben noch mehr und nehmen Gesangsunterricht oder lernen ein Instrument. Wer beides verbinden möchte, dem würde ich einfach raten: Such dir ein Instrument und eine Tanzart, die dich ansprechen, und mach beides! Man ist nie zu alt anzufangen.

Annun: Und eine Musikerin kann sich umgekehrt tänzerische Fertigkeiten aneignen, vor allem wenn sie vielleicht schon mal in der Kindheit und Jugend getanzt hat. Es ist aber wie mit allen Dingen des Lebens: Viiiiiiiel Zeit zum Üben investieren. Und dann noch mal … und noch mal … und eigentlich … immer.

Arzo: Und man braucht ein Programm, daß alle mal nach vorne bringt, ob als Musikerinnen oder Tänzerinnen. Deshalb treten wir mit TVT immer mit einer Show von mindestens zwanzig, dreißig Minuten auf. Nicht nur, weil es sich nicht lohnt, für fünf Minuten die PA aufzubauen und den Soundcheck zu machen, sondern auch, damit wir vorne auf der Rampe Parität haben. 

Lily: Und wenn man das alles bedacht hat, läßt sich eigentlich nur noch sagen: Folge deinem Herzen und tu, wovon du überzeugt bist!

Ein Jahr liegt hinter Euch, was waren für Euch typische, beglückende und solche Momente, die man am liebsten nie mehr wieder erlebt?
Dr. P.: Ein Highlight war auf jeden Fall das Konzert im Leipziger Schauspielhaus beim letztjährigen Wave Gotik Treffen.

Mariam: Ja, da konnten wir dabei zusehen, wie sich der Zuschauerraum mehr und mehr füllte, und wir merkten zum ersten Mal, daß unser Schaffen auch so weit weg vom Ruhrgebiet riesige Wellen schlägt. 

Bianca: Das war wirklich überwältigend, und es stimmte einfach alles: die Räumlichkeiten, der Sound, das Licht und die Reaktionen der Gäste. Überhaupt war es ein großes Glück, daß wir unseren sozusagen allerzweiten Live-Termin gleich auf einem so renommierten internationalen Festival abhalten durften. So etwas passiert nicht so leicht, weil man sich dort nicht selbst bewerben kann, sondern über die Plattenfirmen oder Agenturen gebucht wird.

Svahara: Nie mehr möchte ich zum Beispiel für einen Auftritt 1600 Kilometer in 28 Stunden und mit 30 Liter Koffeeindrinks intus fahren, die alle nach wiedergekäuten Gummibärchen schmecken. Am Ende dieser Reise waren wir nur noch ein brabbelnder Haufen alter Zombieschminke.

Bianca: Das war mal wirklich eine unserer besten Ideen: Gegen elf am Abend dachten wir, daß wir doch eigentlich auch ganz gut wieder zurückfahren könnten, statt in Bolków (in Polen, dort haben wir auf der Castle Party gespielt) zu übernachten, ein Teil von uns hatte nämlich am nächsten Abend schon wieder etwas vor. Da kann man nur sagen: Liebe Mitmenschen, bitte nicht nachmachen! 

Arzo: Ziemlicher Dusel war es auch, daß wir direkt mit so hochkarätigen Bands wie QNTAL, Coppelius und Persephone spielen konnten. Das sind so One-in-a-million-Chancen, und dann hatten wir auch noch gleich mehrere davon. Ich weiß noch, daß ich wie erschlagen war, als Bianca anrief und sagte, der Agent von QNTAL hat bei uns angefragt. Das sind so Sachen, da arbeitet eine normale Band Jahre drauf hin.

Annun: Ja, das waren echt grandiose Erlebnisse. Toll war auch das „erste Mal“ im Atelier Arto in Hamm, oder sich gemeinsam an kleinen Dingen des Lebens zu freuen und hinterher zu sagen: “Erinnerst du dich noch?“ und gemeinsam über Insiderwitze zu lachen. Es ist einfach schön, die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit genüsslich zu betrachten und an Neuem zu arbeiten. Es ist immer spannend, nie langweilig! Das schweißt zusammen.

Wie geht es weiter, wie wollt Ihr, daß es weitergeht, und wie wird es aller Wahrscheinlichkeit nach weitergehen?
Dr. P.: Sebastopol hat dieses Jahr leider noch nicht geklappt, finanziell wäre es von der Gage nicht machbar gewesen, weil wir ja nicht nur uns, sondern auch unser ganzes Equipment hätten transportieren müssen. Aber wir bleiben für nächsten Jahr mit Kajira und Chuck im Gespräch.

Bianca: Immerhin haben wir nun mehr Zeit, das neue Programm vorzubereiten. Das neue Album erscheint offiziell am 22. Juli, wir stellen es aber schon am 18. Juni an der RÜ-Bühne in Essen vor. Nach der Zusammenstellung einer „Kuriositätensammlung“ ziehen wir nun ins „Grand Hotel“ ein, und zwar in ein sehr ausgefallenes und leicht gespentisches. Dort tummeln sich glamouröser Swing (in der Hotelbar), ein vertonter Macbeth-Auszug (im Hoteltheater), herrschaftliche Renaissance-Musik (in der Königssuite), Orient- und Balkaneinsprengsel und Texte in sechs verschiedenen Sprachen.

Und dann wäre da noch der Hotelsumpf mit seinen ungemütlichen Erscheinungen. Hm, und wenn ich mir das alles noch mal so durch den Kopf gehen lassen, werde ich mir allmählich selber ein bißchen unheimlich ... 

Lily: Ich hoffe, daß uns die Leute noch lange sehen und hören wollen und wir noch mehr Menschen erreichen. Wir werden alle ein gutes Stück weiterwachsen und weiterlernen. Ich lerne gerade Harfe zu spielen und mache (zusammen mit Annun) im Juni in Belgien Suhailas Certificate Level 1. Du siehst, wir sind alle dabei, den TVT nochmal ein gutes Stück nach vorne zu bringen, von Biancas genialen Ideen mal ganz abgesehen.

Arzo: Neues Album heißt natürlich auch neue Show, neue Kostüme ... Auf jeden Fall wollen wir noch flexibler werden, was Ausfallsituationen angeht, also kommen auf ein Stück mehrere alternative Tanznummern. Falls eine von uns mal ausfällt, muß die Vertretung nicht so improvisieren.

Svahara: Ich freue ich mich darauf, mit jeder CD immer neue phantastische Geschichten zu "erzählen", egal ob mit Körper, Instrument oder Stimme. Ich sag nur, auch mit dem „Grand Hotel“ werden die Fans einiges geboten bekommen, sowohl visuell als auch akustisch.

Mariam: Das Schönste am Ganzen ist, die verrücktesten Ideen auszuleben. Das wünsche ich mir auch weiterhin für die Zukunft, denn ich habe die besten Kolleginnen dafür an meiner Seite!  

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Photos ©: 1 Detlev Janßen, 2 und 3 Sarah Till, 4 www.labellos.de ,5 www.vampires.tk , 6 www.midnightpix.de , 7 The Violet Tribe
homepage: http://www.myspace.com/violettribe
facebook: The Violet Tribe
Das Cover der ersten CD "Ravishing Collection of Curios
VT bei den Fantasy Days, Svahara, Bianca und Henneth Annun
die zweite Show beim Wave Gothic Treffen in Leipzig
WGT Leipzig; Mariam Ala Rashi und Bianca
die vierte Show in Bolkow, Polen, Castle Party
Show Nummer acht - Qntal Support