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“WildCard Bellydance” sind eine der lebhaftesten und frischesten Tribal-Stämme, die wir je erlebt haben, Wenn man sie sieht, denkt man unwillkürlich an unsere “Neas Tribal”, und das kommt nicht von ungefähr, stehen die beiden Gruppen doch in regem Austausch mitein- ander. Im Herbst kommen zwei ihrer Mitglieder, Reyna und Robin, zu uns in den Schwarzwald, aufs 3. Oberrheinische Tribal Festival. Im folgenden Gespräch erzählt die Chefin Seba, wie der Stamm entstanden ist und was das Besondere an ihm ausmacht. Danach erläutern Reyna und Robin, was sie uns alles vorführen wollen.
Ihr seid ursprünglich “Black Sheep Bellydance” gewesen, danach habt ihr bei Fat Chance Bellydance gelernt®, wie fügt sich das alles zu „WildCard Bellydance“ zusammen?

Ich bin mit dem Tribal 2001 durch Kajira (Veranstalterin vom „Tribal Fest“ in Kalifornien) und ihrer Gruppe „Black Sheep Bellydance“ (BSBD) in Berührung gekommen. Kajira ist 2004 nach Maui (Hawaii) gezogen, wollte aber, daß BSBD in ihrem Sinne weitermacht. 2005 wurde ich dann zu ihrer Assistentin als Leiterin von BSBD in Kalifornien ernannt. Nach einer Weile kamen uns dann doch Zweifel und wir haben uns überlegt, lieber unseren eigenen Vorstellungen zu folgen. Also haben wir 2008 „WildCard Bellydance“ gegründet. Ich wohne zwei Stunden vom Studio der Fat Chance Bellydance® in San Francisco entfernt, deswegen ist für mich auch überhaupt nicht mit Aufwand verbunden, dort immer mal wieder vorbeizuschauen und Unterricht zu nehmen.
Genau genommen machen es alle Mitglieder von „WildCard“ so, und zwei von uns haben auch schon das General Skills-Zertifikat erworben.

Als wir dann an unserem eigenen Format gearbeitet haben, wurde uns schnell bewußt, daß wir alle zusammen über einzigartige Grundlagen verfügen, das komplette BSBD-Format wie auch das des traditionellen ATS®. Wir haben uns das alles sehr genau angeschaut und darüber diskutiert, was uns daran gefällt, was nicht und wie es sich beim Tanzen anfühlt. Dann haben wir ausgewählt, neues ausprobiert und das getanzt. Herausgekommen ist unser sich ständig weiterentwickelndes „WildCard Bellydance“-Format.

Wenn ihr schon euer eigenes System tanzt, wo bekommt ihr da eure Ideen und Eingebungen her, und wer entscheidet, welche Neuheit, welcher Schritt oder welche Bewegung Bestandteil des Gruppen-Repertoires wird. Wie geht es bei euch überhaupt bei der Entwicklung einer neuen Bewegung vonstatten?

Ich besuche sehr viele Workshops von den unterschiedlichsten Lehrern, sehe mir viele Shows live und auch im Netz an und präge mir ein, wo das Publikum besonders drauf reagiert. Ansonsten gilt bei uns, jedes Mitglied bringt ihre eigenen Ideen ein, die ihr auf diese oder jene Weise gekommen sind. Wir geben zweimal in der Woche Unterricht und treffen uns darüber hinaus zum gemeinsamen Tanzen und um an neuen Ideen herumzubasteln.

Wenn wir an einer neuen Bewegung arbeiten, beteiligen sich alle an dessen Entwicklung. So eine Bewegung braucht auch einen klaren und deutlichen „cue“, der vom Rest der Truppe sofort erkannt wird. An manchen Bewegungen haben wir Monate gearbeitet, weil es bei den Auftritten einfach nicht so recht mit ihnen klappen wollte. Das lag meist daran, daß der „cue“ nicht für alle eindeutig genug war. Über-haupt ist mir aufgefallen, daß einige der Bewegungen sich mählich verändern, in dem Maße nämlich, wie wir sie an unsere Auftritte anpassen. Und wenn uns dann klar wird, daß etwas so oder so besser läuft, dann wird nicht lange gefackelt und entsprechend geändert.
Bei euch fällt auf, daß ihr über all die Jahre zusammengeblieben seid, ohne daß jemand neues dazugestoßen ist, und es hat ja auch kaum jemand „WildCard“ verlassen. Da so etwas bei Tribal- und Bauchtanzgruppen beileibe nicht die Regel ist, wüßten wir doch schon gern, wie ihr dieses Wunder bewirkt habt.
Na ja, im Lauf der Jahre haben uns drei Tänzerinnen verlassen. Die Lebensumstände ändern sich eben, und davon bleibt keiner verschont. Wenn jemand nicht mehr mitmachen wollte oder konnte, haben wir uns stets zusammengesetzt und gemeinsam beschlossen, keine neue aufzunehmen und einzuarbeiten, sondern lieber all unsere Kraft darin zu setzen, unser Format weiterzuentwickeln. Drei Dinge sind uns als Stamm wichtig: Mitarbeit und persönlicher Einsatz, hervorragende Tanzqualitäten und daß die Persönlichkeit einer jeden sich bestens in die Gemeinschaft der Truppe einfügt. Austausch und Verständigung sind eine der wesentlichen Säulen dafür, daß es die Gruppe immer noch gibt. Wir besuchen uns untereinander und haben viel Kontakt, weil sich so sicherstellen läßt, daß wir immer noch alle auf derselben Wellenlänge schwimmen. Und wenn nicht, dann führen wir eben diese quälenden Gespräche, ohne die sich dicke Luft nicht bereinigen läßt. Bei „WildCard“ haben wir zwei Schwesterpaare: zum einen Robin und Reyna, zum anderen MJ und mich. Dieser Umstand und unsere Freude am Tanz haben ebenfalls viel dazu beigetragen, daß die Gruppe beisammen und stark bleibt.

Wir haben inzwischen eine tolle Schülerinnen-Gruppe, die Black Diamond Bellydance. Das gibt uns die Möglichkeit, neue Mit- glieder bei „WildCard“ aufzunehmen, wenn wir sie brauchen. Wir ziehen sie aus Black Diamond heran, denn bei denen wissen wir, woran wir sind, wir bilden sie schließlich schon seit Jahren aus.

Kommt ihr zum ersten Mal nach Deutschland?
Was erwartet ihr hier?


Reyna: Ich komme eigentlich zum zweiten Mal nach Deutschland, aber zum ersten Mal, um bei euch aufzutreten. Letztes Jahr war ich eine Woche lang in München und Stuttgart, aber nur mit Freunden und als Touristin. Es war ganz toll, und ich habe mir fest vorgenommen, nach Deutschland zurückzukehren, aber diesmal mit  meiner Schwester Robin. Wir hatten auch schon Vorbereitungen getroffen, im September Europa und Deutschland zu bereisen. Aber dann kam die Einladung zum 3. Oberrheinischen Tribal-Festival im Oktober, und wir haben nicht nur mit Freuden zugesagt, dort
aufzutreten und zu unterrichten, wir haben unsere ursprüngliche Reise auch um eine Woche nach hinten verschoben. Ich bin schon ganz gespannt, diesmal die deutsche Tanzszene kennenzulernen und mich mit den Kolleginnen auszutauschen. Ich bin ein wahrer Glückspilz, weil meine beiden größten Leidenschaften – Tanz und Reisen – auf diese Weise zusammenfinden. Für mich wird ein Traum wahr.

Robin: Für mich ist es das erste Mal in Deutschland. Ich freue mich schon sehr darauf, die deutschen Tänzerinnen zu sehen und mich mit ihnen anzufreunden. Deswegen ist mir mein Workshop auch so wichtig, weil man da am besten neue Leute kennenlernen und auch noch mit ihnen zusammen tanzen kann.

Was dürfen wir von Reyna & Robin erwarten, was zeigt ihr auf der Bühne, und was lernen wir in euren Workshops?

Reyna & Robin: Also, wir sind Schwestern, und deswegen stehen wir nicht nur auf der Bühne, sondern auch sonst in enger Verbindung miteinander. Wir haben beide gleichzeitig bei Black Sheep und dann bei FCBD® Unterricht genommen, und wir haben auch beide gemeinsam die Umwandlung von Black Sheep in „WildCard“ mitgemacht. Wenn wir zusammen tanzen, blickt man auf ein ganzes Stück gemeinsamer Geschichte.

Auf der Bühne möchten wir euch zeigen, was „WildCard Bellydance“ so unverwechselbar macht. Das liegt ja nicht nur an unserem Tanz-Format, sondern auch an unserer Musik und an unseren Kostümen. Wir arbeiten seit einiger Zeit mit einer Rock-Band aus unserer Gegend zusammen, „Arcane Dimension“, und haben mit ihnen gemeinsam eine CD aufgenommen, die Anfang des Jahres erschienen ist. Wir haben alle Nummern gemeinsam mit der komponiert, und jedes Stück zeigt die flotte und wuchtige World-Fusion-Musik, auf die wir stehen. In diesem Jahr haben wir auch angefangen, unsere eigenen Röcke zu entwerfen. Wir waren immer schon ein sehr buntes Völkchen, und seit einiger Zeit probieren wir auch verschiedene Materialien und Muster aus, um daraus Röcke zu schaffen, die typisch für uns sind.

In unseren Kursen erlernt man nicht nur die Grundlagen unseres Formats, sondern auch Kombinationen und Drehungen, die das „wild“ in „WildCard“ verdeutlichen. Alle unsere Schritte und Bewegungen sind ATS® kompatibel, sie sind alle aus ATS® Grundlagen entstanden. Aber unsere Workshops richten sich nicht nur an ITS- oder ATS®-
Tänzerinnen, sondern an alle Stile und alle Ebenen. Wir zeigen nicht nur Bewegungen, „cues“ und Übergänge, wir befassen uns auch mit anderen Aspekten unserer Kunst wie Drehtechniken, Musikalität, Zimbeln und Bühnenpräsenz. Eigentlich ist in unseren Workshops für jede etwas dabei!

Homepages:

www.wildcardbellydance.com
WildCard Bellydance (v.l.n.r.): Kristen, Martha Jane (MJ), Reyna, Robin, Seba und Jill
Reyna und Kristen reiten auf "Vlad" dem Einhorn (Tribal Fest 12, Sebastopol CA)
Reyna (Photo © Distinct Glimpse Photography)
Robin, Reyna und Seba
Reyna und Robin
Photos © Dano Blanchard
Grafik/Design: Konstanze Winkler
WildCard Bellydance
WIE KOMMT DAS „WILD“ IN „WILDCARD“?
Interview mit „WildCard Bellydance“

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)