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Wer hätte das gedacht, „perlatentia“ wird 10! Wer deutschen Tribal Fusion sucht, wird diese Gruppe finden, und heute noch gehören sie zu den Höhepunkten aller Tribal-Großereignisse, nicht nur in ihrer Heimatstadt Hannover. Wir haben Patricia und Elena befragt, wie bei „perlatentia“ alles angefangen hat, was auf ihrer Jubiläums-Veranstaltung abgehen soll und wie es mit ihnen weitergeht.
Wir als junger Tribe hatten das gemeinsame Ziel, in eine neue Richtung zu gehen, zu experimentieren – auf technisch anspruchsvollem Level. Das führte natürlich dazu, dass nicht alle, die am Anfang dabei waren, auch dabei blieben...von den 13 Frauen, die nach dem Einführungswochenende mit Gabriella zusammenkamen, blieben schließlich acht, die dauerhaft zusammenarbeiten wollten.

Die ersten ein bis zwei Jahre waren wir ein ziemlich bunter Haufen, und es brauchte einige Zeit, bis sich eine Organisationsstruktur und eine gemeinsame Identität entwickelt hatten. Ich glaube, wir hatten das Glück, in einer Phase zusammenzufinden, in der jede von uns in ihrem Leben noch viele Türen offen hatte und sehr locker mit neuen Herausforderungen umging – wir waren bis auf eine alle mitten im Studium.

Schwierig wurde es, als die Abschlussarbeiten und Vollzeitjobs kamen, dann die Familienplanung losging und ein Hobby wie das Tanzen plötzlich nicht mehr bei allen an erster Stelle stehen konnte – da hatten wir so einige Krisen und Konflikte...da wir jedoch alle schon in unserer Studienzeit tänzerisch zusammengewachsen waren, gab es noch immer

Aus den Anfängen - "perlatentia" in der "Urbesetzung"
v.l.n.r.: Jasmin, Imme, Elena, Wiebke T., Patricia, Alexandra und Wiebke S.
Der Bauchtanz ist ein schnelllebiges Genre, der Tribal Fusion ist besonders rasant. Wie schafft man es da, 10 Jahre als Gruppe zusammen zu bleiben?
Patricia: Als wir anfingen (2004), gab es in der Richtung Tribal Fusion praktisch nichts in Deutschland, ja eigentlich in ganz Europa. Es gab einige erfolgreiche deutsche Tribes wie z. B. NEA’s Tribal, die sich allerdings bis dahin ganz auf ATS konzentriert hatten, oder Tribaala, die damals auch gerade anfingen, sich mit Tribal Fusion zu beschäftigen.
den selben Strang, an dem wir alle zogen. Immer mal wieder hatte eine von uns andere Prioritäten und pausierte für Wochen oder Monate, um dann aber auch wieder einzusteigen. Gleichzeitig wurde für mich das Tanzen zum Beruf, so dass ich nach und nach mehr Verantwortung für die Gruppe trug.Ich sehe mich als eine Art „künstlerische Leiterin“  und erwarte ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Ich möchte, dass alle für sich selbst beurteilen, ob und wann sie genug Zeit für „perlatentia“ haben, oder ob gerade im Job oder in der Familie etwas wichtiger ist. Natürlich ist dann die Konsequenz, dass man nicht bei allen Auftritten dabei sein kann. Gleichzeitig braucht man aber keinen „Rauswurf“ zu fürchten. Wenn man wieder mehr Zeit in das Training investieren kann, ist man wieder auf der Bühne dabei. Wir planen immer sehr weit im Vorfeld und haben oft auch noch Plan B und C parat... Ich denke, durch diese Balance und Entscheidungsfreiheit haben wir es geschafft, auch verschiedene Gruppenkrisen zu meistern und uns immer wieder zusammenzuraufen.
Wie schafft man es da außerdem, tonangebend zu bleiben?

Patricia: Sind wir das? Aus der eigenen Perspektive sieht es ja immer etwas anders aus. Ich denke, wir waren einfach wahnsinnig schnell am Puls der Zeit, und haben uns durch unser Engagement und unseren Anspruch an uns selbst einen guten Ruf erarbeitet, noch bevor die große „Tribal Fusion-Welle“ über Europa rollte. Wir haben nie große Promotion oder viel „Festival-Hopping“ betrieben, wir haben immer nur von einem Projekt, einer Einladung, einer Kooperation zur nächsten gearbeitet und uns so ein recht stabiles Netzwerk mit vielen tollen Künstlern und Veranstaltern aufgebaut. Ich freue mich natürlich, wenn man uns als Inspiration oder als Vorreiter sieht – das ist ein großes Kompliment, wenn man bedenkt, wie groß, vielseitig und begabt die Tribal-Szene in Europa inzwischen aussieht!

Elena: Es sollte jedenfalls meiner Meinung nach nicht das primäre Ziel einer Tanzgruppe  sein, sich ständig etwas Neues und möglichst Publikumswirksames auszudenken. Gemeinsam an der Qualität des Tanzes arbeiten, sich nach eigenen Möglichkeiten aktiv in den Schaffensprozess einbringen, ab und zu mal über den Tellerrand schauen und für Ideen anderer offen bleiben:
Das ist für mich der Weg zum Erfolg. Und so wie sich bei uns die spannenden Projekte und Kooperationen ergaben, wird es sich bestimmt auch für andere Gruppen ergeben, wenn sie sich auf das Wesentliche konzentrieren – nämlich das Tanzen!
Ihr fühlt Euch eher dem ITS als dem ATS verpflichtet, und auch in dem gibt es gerade wieder neue Formate. Wie seid ihr in den 10 Jahren mit all diesen Neuentwicklungen, Umbenennungen und neuen Anforderungen umgegangen?

Patricia: Neben unseren Choreographien, die immer recht experimentell und unterschiedlich ausfallen, haben wir uns mehr und mehr in Richtung „Original“-ATS entwickelt, vor allem was die Haltung und die Basisbewegungen angeht. Je mehr die FCBD-Lehrerinnen nach Deutschland kamen, desto mehr faszinierte uns die Schlichtheit und Ästhetik des „old school“ -Stils. Angefangen hatten wir ja mit dem NEA's Tribal-Format – und erst nach und nach lernten wir die Unterschiede der verschiedenen Formate überhaupt kennen. Bei mir persönlich wuchs dabei mehr und mehr die Liebe zu Carolenas ursprünglichem Stil.

Natürlich haben wir auch viele eigene Kreationen und Varianten anderer Gruppen in unserem Impro-Format – heutzutage heißt das ja dann „ATS movement dialect“ . Über die Zeit haben uns neue Herausforderungen gereizt und sind dabei große Zimbel-Fans geworden. Immer die gleichen Rhythmen zu spielen fanden wir auf die Dauer nicht so spannend. So hat sich nach und nach unser eigenes Impro-Zimbel-Format entwickelt, bei dem mit jedem Cue auch ein neuer Zimbelrhythmus gespielt wird. 

Umbenennungen oder neue Formate kommen und gehen. Das stört auch nicht, wenn man sich als Gruppe entschieden hat, was für einen Weg man stilistisch einschlagen will. Gleichzeitig darf das natürlich nicht in Stein gemeißelt sein und nicht die natürliche Weiterentwicklung hemmen – manchmal schon ein echter Balanceakt.

Könnt ihr euch noch erinnern, wie ihr euch kennengelernt habt?

Elena: Die „Urbesetzung“ hat sich über die Bauchtanzkurse des Hochschulsports Hannover  kennengelernt. Am Anfang kannten wir uns nur flüchtig von den Kursen und von gelegentlichen gemeinsamen Auftritten. Als Patricia begann, sich für Tribal Style zu interessieren, organisierte sie einen Workshop mit Gabriella von NEA's Tribal und fragte in den Unisport-Kursen rum, wer mitmachen wollte. So fanden sich die ersten „Perlen“ zusammen.

Als wir Jahre später beschlossen, uns nach neuen Mitgliedern umzusehen, tauchten in Patricias und meinen Tribal-Kursen im „Tanzraum“ Anna und Dani auf. Beide fielen uns auf, weil sie sehr engagiert waren und wirklich toll tanzen konnten! Als wir feststellten, dass es auch auf der zwischenmenschlichen Ebene gut funktioniert, luden wir erst Anna und später Dani ein, bei „perlatentia“ mitzutanzen. Zum Glück nahmen sie die Einladung auch an und sind eine große Bereicherung für die Gruppe!
Wer ist alles im Laufe der Zeit dazugekommen, und wer hat Euch verlassen?

Patricia: Als wir begannen uns regelmäßig zu treffen, waren wir 13 und im Nachhinein noch gar keine richtige Gruppe. Ich denke, unsere „perlatentia-Identität“ kam auf, als wir dann zu acht unterwegs waren, und auch erste überregionale Erfolge hatten. Drei Tänzerinnen haben uns seit dieser Zeit aus verschiedenen Gründen verlassen, neu dazugekommen sind 2010 Anna und 2013 Dani. Somit sind fünf von uns noch „Original-Gründungsmitglieder“ und seit der ersten Probe vor 10 Jahren dabei.

fast komplett - die aktuellen "perlatentia" :
v.l.n.r.: Patricia, Jasmin, Dani, Imme,
Anna und Elena (Tribal Festival Hann.'14),
es fehlt Wiebke S.
Foto links: "perlatentia" - die Zimbeln sind (fast) immer dabei (Tribal Festival Hann.'14)
... auf allen Bühnen zuhause - z.B. im Jahr 2012 auf der Orientale in Düsseldorf
"perlatentia", hier auf der "World of Orient 2011" in Hannover
Foto unten: "perlatentia zu Gast bei Anyana in Hildesheim, 2014
In zehn Jahren erlebt man einiges, vor, auf und hinter der Bühne. Könnt ihr euch an besonders lustige oder ergreifende Momente erinnern?

Elena: Oh ja, da gab es so einiges – wahrscheinlich würden die Geschichten irgendwann ganze Bücher füllen! Am lustigsten sind eigentlich die ganzen Spinnereien und „Running Gags“ aus dem Backstage, die aber natürlich eher der Situationskomik zuzuschreiben sind.

Ganz besondere Momente waren es für mich, als wir mit so großartigen Künstlern wie Beata und Horacio Cifuentes, Ariellah und Frédérique oder auch Samantha Emanuel zusammenarbeiten und auf der Bühne stehen durften! Es bedeutete für uns immer eine Extraportion Probenstress und Aufregung – aber letzten Endes sehe ich so etwas immer als eine Chance als Tänzerin zu wachsen. Das ist sehr wertvoll.

Für euer 10-Jähriges habt ihr wieder eine Veranstaltung geplant.
Was genau erwartet uns da?

Patricia: Wir feiern am 06.12. im Fährhaus Linden-Limmer in Hannover. Das befindet sich im Lindener Freizeitheim, wo wir seit unserer Anfangszeit regelmäßig proben - also ein bedeutender Ort für uns!

Wir planen eine bunte, zwanglose Party mit Showprogramm, aber vor allem viel Gelegenheit zum Mittanzen, Klönen und Feiern. Jeder, der möchte, kann etwas vorführen, egal ob Schüler/in oder Profi, Gruppe oder Solo (Anmeldungen bitte an mich), und zwischen den Showblöcken ist die Tanzfläche freigegeben für alle.

Wir selbst halten uns an dem Abend auftrittsmäßig eher zurück und freuen uns darauf, uns mal zurücklehnen und genießen zu dürfen!

Natürlich sind nicht nur unsere Tanzkollegen eingeladen, gerne dürfen Freunde, Familie, Fans und alle, die einfach gern mitfeiern wollen, dazu kommen!

Wohin strebt ihr als Gruppe in den nächsten Jahren?

Patricia: Jetzt gerade schalten wir eher einen Gang zurück, aber es geht ja auch schon wieder auf die Weihnachtspause zu. Nachdem wir diesen Sommer mehrere große, aufwändige Termine hatten sowie eine Videoproduktion, sind viele von uns erstmal froh, sich etwas auszuruhen oder sich mit anderen Projekten zu beschäftigen. Elena und ich stellen z.B. gerade das „O.P.E.N. ART Projekt“ auf die Beine, und mit Dani zusammen tanze ich im Bewegungschor der Staatsoper Hannover, mit dem wir 2015 in verschiedenen Opernproduktionen auf der Bühne stehen werden.

Das heißt aber nicht, dass bei „perlatentia“ nichts los ist: Wir proben weiterhin regelmäßig, haben dieses Jahr auch noch den einen oder anderen Auftrittstermin zu bewältigen und haben schon Ideen und Pläne für 2015, z. B. die Pflichttermine wie das „Tribal Festival Hannover“ und außerdem „Sterne des Orients“ in Bremen im April.

Außerdem steht die Veröffentlichung unseres ersten „richtigen“ Promo-Videos an (einen genauen Termin gibt es noch nicht). Was danach kommt, lassen wir uns überraschen – ganz so, wie in den letzten 10 Jahren. Irgendwas passiert immer!

Projekt NOSFERATU: "perlatentia" mit Ariellah und Frédérique
Das "O.P.E.N. ART Projekt" - mit Olga, Patricia, Elena und Nastja
Homepage: www.perlatentia.de
Bewerbungen für die Showbühne am 6.12. bitte an Patricia
Karten für die Show "perla-10-tia" Birthday Bash gibt es an der Abendkasse
Fotos: Titelbild, Foto "Urbesetzung" , Plakat, und Portraits von Patricia und Elena © "perlatentia", alle anderen © Konstanze Winkler
Grafische Gestaltung(WebDesign: Konstanze Winkler
PERLA-10-TIA! EIN TRIBE WIRD ZEHN
Interview mit Patricia und Elena
von Konstanze Winkler und Marcel Bieger