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Fusion-Feuilleton
„Immortal Desires“, die erste Show der Bellydance Evolution, ist nicht nur einfach ein sehr gute Show, sondern eine Sensation, die weltweit Begeisterung ausgelöst hat und auslöst. Nach der Europa-Premiere in Hannover im Rahmen von Asmahan el Zeins „World of Orient“ (s. Show-Bericht in dieser Zeitung) herrschte der dringende Wunsch vor, dieses Tanzspiel – denn es ist ja eine Mischung aus Tanz und Theater – nochmals erleben zu dürfen. Aber da waren Jillina und die ihren schon längst weiter.

Die Aussicht ist nicht unbegründet, Bellydance Evolution 2011 oder 2012 in unseren Breitengraden wiederzusehen. Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, will unser Bellydance Evolution Magazin über allerlei rings um dieses Konzept berichten.

Den Anfang macht heute Eliana, eine der zwölf europäischen Ensemble-Tänzerinnen, die für uns berichtet, wie es hinter den Kulissen zugegangen ist. Daneben haben wir auch die anderen Wettbewerbs-siegerinnen gefragt, die ersten Antworten hierzu erscheinen dann in Teil zwei unseres Magazins.
Vorwort von
Marcel Bieger
Grafik und Layout
Konstanze Winkler

Hinter den Kulissen von „Bellydance Evolution“ in Europa

von Eliana

WIE ALLES ANFING

Eines Tages kam Djamila - meine Tanzkollegin und Leiterin der Orient Academy, wo ich unterrichte - auf mich zu und sagte, dass sie eine tolle Überraschung für mich hätte: “Jillina hat mich angeschrieben, und gefragt, ob sie Dich wegen Bellydance Evolution kontaktieren dürfe. Sie wollte zuerst mich fragen, weil sie ja weiß, dass Du bei mir Mitglied der Asmana Dancers bist... aber sie würde es gerne sehen, wenn Du Dich als Gruppentänzerin für Bellydance Evolution bewerben würdest.“

Natürlich war ich total aufgeregt und auch angenehm überrascht, dass ich Jillina wohl bei ihrem letzten Workshop bei uns in der Orient Academy so positiv aufgefallen und ihr in Erinnerung geblieben war. Zum Glück hatte Djamila nichts dagegen, dass ich vielleicht für eine längere Zeit verreisen müsste und im Studio und beim Ensemble Training fehlen würde. Sie leitete meine Begeisterung und Zustimmung an Jillina weiter und damit fing meine Bellydance Evolution Story an!

Jillina schrieb mich also an und so habe ich mich gleich beworben, im November 2009: Zwischen zwei Shows habe ich mein Video gedreht, geschnitten und eingeschickt. Die Entscheidung, wer von mehr als zwanzig Bewerberinnen für Bellydance Evolution in Europe genommen wurde, wurde erst Anfang Februar 2010 bekannt gegeben.

Eine lange Zeit, aber das Warten hatte sich gelohnt: Ich war als eine der zwölf Tänzerinnen für die Europa-Tournee ausgewählt! Ein Traum von mir ging in Erfüllung, nämlich mein persönlicher Traum, bei einer professionellen Bauchtanzshow unter Jillinas Leitung mitzuwirken.

Nach der Bekanntgabe der Gewinnerinnen ging es sofort für uns los: Jillina hat uns allen Anweisungen geschickt, welche Choreographien jede von uns lernen sollte. Ich sollte acht Gruppentänze lernen. Shalymar el Amar, meine Tanzkollegin aus Berlin, die auch für BDE ausgewählt wurde, sollte in neun Choreographien mitwirken.

Jillina hat uns mehrmals dringend darum gebeten, die Choreographien zu lernen: Es sei sehr wichtig, denn bei den Proben in Hannover sei keine Zeit mehr, die Choreographien zu erlernen - da würde nur noch an den Formationen gearbeitet.

Immer wieder hat Jillina uns an die Choreos erinnert, und Shalymar und ich haben uns schon gewundert, wieso sie das ständig wiederholte, denn wir übten ja fleißig. Später, in Hannover bei einem Abendessen, erzählte uns Jillina, daß es ihr am Anfang der Tournee widerfahren sei, daß die gecasteten Tänzerinnen zwar zu den Proben erschienen, aber die Choreographien noch nicht gelernt hatten! Nach diesem Gespräch konnten wir alle ihr „I hope the choreography learning is going well :-)!“ in den E-Mails sehr gut nachvollziehen.
Jillina dachte schon bei den Vorbereitungen an alles: Unter anderem stellte sie die Frauen bei den einzelnen Tänzen so zusammen, daß viele die gleiche Sprache sprachen oder sich schon gekannt und zusammen gearbeitet haben. So blieb ich bei fast allen Gruppen-tänzen mit Shalymar zusammen, denn Jillina wußte, daß wir uns seit der jomdance-Ausbildung bei Said el Amir kannten und schon gemeinsam getanzt hatten.

Außerdem sollten wir Jillina unsere Fotos zumailen, auf denen unser Tanz-Make-Up gut zu erkennen war. Später in Hannover hat sie uns dann den Grund dafür genannt: Das Stück sei keine reine Tanz-Show, sondern ein Theaterstück, und da müsse man auch an seiner Schminke etwas ändern: sich intensiver schminken und bühnentaugliche Kosmetik-Produkte benutzen.
Einige von uns, hatten tatsächlich so ein Make-Up noch nie getragen.

v.l.n.r., vorne: Sharon Kihara, Badriya, Nefershu, Eliana, Nabila, Heather Aued
dahinter Sarah Shahine, Shalymar, Edith Kiss
DIE PROBEN BEGINNEN

Endlich war es soweit: Eine Woche vor der Show reisten wir in Hannover an, und vom ersten Tag an standen Proben auf dem Programm. Heather Aued, Jillinas rechte Hand und eine der Haupttänzerinnen von BDE, hat uns gleich am ersten Tag vorgewarnt: „Mädels, nehmt es nicht persönlich, wenn wir euch 20 000 mal korrigieren, aber das ist wichtig für die ganzen Gruppenformationen, für die Show. Am dritten Tag werdet ihr denken, es ist zu viel, ich drehe durch. Denn die Proben werden härter und schneller. Wir hoffen, daß  ihr alles so umsetzen könnt, denn wir möchten keine von euch wieder aus dem Ensemble nehmen müssen. Das ist nämlich schon vorgekommen.“ Wir haben uns mit großen Augen angeschaut und mit noch mehr Eifer und Ehrgeiz trainiert, denn jede von uns wollte bei der Show auf der Bühne stehen.

An den ersten beiden Tagen ging es aber noch nicht so hart und schnell zu. Der erste gemeinsame Abend war sehr schön und harmonisch. Wir hatten ein gemütliches Abendessen und unterhielten uns sehr nett: Woher jede von uns kommt, was für Sprachen wir sprechen, wie jede von uns auf die Idee kam, sich bei BDE zu bewerben. Am zweiten Tag gab es eine Mittagspause von einer Stunde. Jillina und Heather meinten, das sei die längste Pause in der Geschichte von BDE! Sonst seien zwanzig Minuten bis eine halbe Stunde üblich. Sie waren mit der Leistung unserer Gruppe höchst zufrieden. Heather meinte sogar, wir seien bislang die stärkste Gruppe. Diese Aussage hat uns natürlich sehr motiviert!
Verschiedene Gruppen-Formationen, spontane Änderungen, und natürlich der Ausdruck – alles mußte sitzen. Der Anspruch war sehr hoch. Ich muß zugeben, daß ich kurz an mir zweifelte. Aber nach Gesprächen mit den anderen stellte ich schnell fest, daß es allen so ging. Jede von uns dachte mittendrin einige Male: Wie sollen wir das bloß schaffen? Also trafen wir uns dann abends nach den offiziellen Proben im Hotel, und probten zusätzlich: in einem der Gänge oder vor dem Fahrstuhl, wo eben gerade genug Platz war. Das war nicht nur ein Spaß für uns, sondern insbesondere für die anderen Hotelgäste.
auch das Bühnen Make-Up ist wichtig
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Bellydance Evolution Hannover: Elisabeth Strong, Eliana, Katka, Shalymar
Heather ergänzte dann, das sehe man an den Füßen. Für einen, der mit Tanz nichts zu tun hat, mag das etwas komisch klingen. Aber ich verstand sofort, was sie meinte. Nicht nur an der Haltung sondern vor allem an den Fuß-Positionen im Tanz erkennt man, wie professionell eine Tänzerin arbeitet. Zum Glück meinte Heather aber: „Bei Euch muß ich nichts sagen, die Füße stimmen bei allen.“ Dieses Gespräch blieb mir im Gedächtnis: Noch eine Kleinigkeit, die eine große Bedeutung hatte.

Am dritten Tag wurde das Tempo tatsächlich erhöht! Die Gruppen-Formationen wurden erklärt, und wir mußten alles sofort umsetzten - am besten fehlerfrei, denn wir hatten keine Zeit für Fehler.
BDE Hannover: Das Casting-Ensemble eröffnet die Show
Fotos: Titelcollage, Nr. 3, 6 © Konstanze Winkler
Nr. 4 © André Elbing
Nr. 1, 2, 5 © Eliana
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Insgesamt haben wir sechs Tage geprobt. Natürlich kann man immer noch etwas mehr tun, aber die Zeit hat gereicht, daß wir als Gruppe zusammenwuchsen. Obwohl wir in dieser Zusammenstellung zum ersten Mal zusammen arbeiteten und alle verschiedene Sprachen sprachen, waren wir zu einem Team geworden. Daß dies funktionierte, lag wohl an der persönlichen Einstellung von jeder von uns: Tanz geht vor. Denn jede von uns brachte eine große Tanzerfahrung als Solistin mit und Erfahrung als Dozentin oder Studioleiterin. Wir waren zwölf starke Charaktere, starke Persönlichkeiten. Und trotzdem waren alle fähig, sich in der Gruppe etwas zurückzunehmen und zu integrieren.
ELLYDANCE EVOLUTION - DAS MAGAZIN