Startseite/Aktuelles
zurück zu Marcels
Fusion-Feuilleton
weiter...
- 10 -

Die Dänin Dud Muurmand erscheint uns mit einem Schleier vor dem Gesicht wie ein Klageweib aus der altgriechischen Tragödie. Sie kriecht über den Boden, reißt sich schließlich den Schleier herunter und erhebt sich zuckend und tanzend. Dabei entfernt sie sich nicht von der Stelle. Ganz in Schwarz (mit ein wenig Rot) gekleidet steht sie wie die Göttin der Goths da  Dann kommt der Wandel über sie, und sie springt im Kreis herum, in einer Mischung aus Zigeunertanz und Fusion. Daraus entwickelt sich dann der Tanz des Todesengels. Eine intensive Künstlerin, die zum Hinschauen zwingt, die in den Bann zieht.

Die hannoverschen Lokalheroinen perlatentia sind nun an der Reihe, und sie tribaln zu einem Balkan-Rock mit fettem Bläsersatz, Zwei fröhliche und schwungvolle Stücke erwarten uns und führen uns beschwingt in die Pause. Bester Unterhaltungstanz ohne Schnörkel. Daß sie auch noch anders können, haben sie jüngst bei der World of Orient bewiesen. Eine wirkliche Spitzengruppe zeichnet sich eben dadurch aus, mehrere Register ziehen zu können.

Nach der zweiten Pause kommt es zur Preisverleihung für die Künstlerinnen des Vortages für den Publikumspreis der "Offenen Bühne" vom Freitag. Auf den mit einem Preis bedachten ersten drei Plätzen stehen (laut Abstimmung des Publikums):

1. Platz          Galatea

2. Platz          Mariam Ala Rashi

3. Platz          Elena / Tribe Akasha

Und schon geht es mit den Tanzdarbietungen weiter. Patricia aus dem Stamm „perlatentia“ tanzt uns ein Balkan-Fusion-Solo zu osteuropäischer, opernarienhafter Kunstmusik. Ihr Auftritt ist perfekt in Technik, Dramatik und Ausstrahlung. Ihr Tanz wird (mit der Musik) ungarischer, ein folkloristischer Reigen entspannt sich, in dem sich aber immer wieder moderne Brechungen finden. Ein Meisterwerk.

Hinter Gaia Gaia verbergen sich Linda Thorsager & Dud Muurmand, und im Duo bescheren sie uns mit Balkan, Fusion, Tribal und Flamenco (die Musik folgt dem jeweiligen Genre). Das Ganze klingt nicht nur zerrissen, sondern ist auch so gemeint. Die beiden führen uns einen richtigen Streit unter Freundinnen vor. Es hagelt böse Blicke, Anrempler, giftige Mienen und getanzte Vorwürfe. Daß sie das Stück dann heil bis zum Schluß über die Bühne bringen, ist ein halbes Wunder!

Die Kölner Tänzerin Apsara Habiba ist nun mit ihrem Solo-Auftritt an der Reihe. Wenn Apsara sich mit einem Thema auseinandersetzt, dann wirklich gründlich. Hier ist es der Fusion. Anfang des Jahres hat sie dieses Stück zum ersten Mal aufgeführt (s. MFF Teil 1 „Mashallah“ auf diesen Seiten), und seitdem konsequent weiterentwickelt, mit immer neuen Zutaten versehen und noch mehr an sich gearbeitet. Sie nimmt die ganze Tanzfläche für sich ein, tanzt hierhin und dorthin, schüttet ein Füllhorn an Bewegungen und Posen aus – darunter auch ihr berühmter backbender, bei dem sie sich nach hinten durchbeugt, bis sie mit der Stirn den Boden berührt -, dazu Flutters, Shimmes, Drehtanz und, und, und ... Das Publikum ist zurecht hingerissen, verfolgt begeistert den fast zehnminütigen Auftritt.

Einen schweren Stand haben Allat Dalanda mit ihrem Auftritt nach Apsara und vor Ariellah. Dabei haben sie sich wirklich etwas hübsch Gruseliges ausgedacht: Fünf Frauen in Kapuzenumhängen marschieren zu Filmmusik von einem alten „Hammer“-Klassiker ein und drehen sich, daß die langen Mäntel wehen. Als sie sich der schweren Stoffe entledigen, ertönt Rammstein, und sie rocken furios fusionären Tribal. Da steckt schon sehr viel an Potential und Ideen drin, noch ein paar kleine Ecken abgeschliffen, und es wird richtig gut.