Startseite/Aktuelles
zurück zu Marcels
Fusion-Feuilleton
weiter...
- 7 -

Und schon einen Tag später trifft sich alles zur Großen Tribal-Shownacht am Samstag wieder, nein, diesmal sind es ein paar mehr, die gekommen sind, sogar ein paar viel mehr, so daß zusätzlicher Platz fürs Publikum geschaffen werden muß. Das alles vollzieht sich problemlos und unaufgeregt. Mögen Asmahans Tribal-Treffen auch noch so perfekt sein, sie haben doch auch noch ein wenig den Charme eines improvisierten Rock-Konzerts, und das trifft ja auch den Charakter einer so jungen Tanzrichtung.

Wie im vorigen Teil schon erwähnt, sind die Grenzen fließend, wir haben bei der Offenen Bühne Spitzenqualität neben absolut Amateurhaftem erlebt, und das war ja auch gut, richtig und spannend so. Wir erwarten für diesen Abend etwas Ähnliches, nur eben mit Gala-Charakter (und wir sollen nicht enttäuscht werden).

Aller Anfang ist schwer, und so fällt der Gruppe Shir o Shakar nicht gerade ein einfaches Los zu. Sie sind übrigens heute Abend eines der wenigen Verbindungsglieder zu „Alles Tribal 5“, wo sie auch aufgetreten sind. Die jungen Damen tanzen uns indisch bestimmten Fusion. Eine nicht alltägliche Choreographie, die sie erstmals auf einem Tribalfest im Norden zeigen und für eine solche Show bedarf es einer soliden Einstimmung, eben genau das, was dieser Stamm uns bietet.

Aus den Niederlanden kommt Aveyanda Skye, und sie war auch schon bei „Alles Tribal 5“ dabei, aber mit dem, was sich hier gleich entwickelt, hat keiner gerechnet, am allerwenigsten sie selbst. Kaum hat ihr Vortrag begonnen – es sollte ein Gothic-Fusion-bestimmter Tanz werden – hakt die mitgebrachte CD und weigert sich, sich weiter abspielen zu lassen. Helena, die wunderbare Moderatorin, ruft Karim ins Rund, der seine Handtrommel mitgebracht hat (und eigentlich nur zuschauen und ein wenig Reklame für sein „Oriental Festival“ im Kloster Knechtsteden machen wollte). Der läßt sich auch nicht lange bitten und fängt an zu trommeln. Aveyanda improvisiert auf seine heißen Rhythmen, und alle sind begeistert.

Und nun schlägt uns Publikum ein weiteres Mal die Stunde, denn noch einmal kommt Clarissa über uns. Zusammen mit Andrea ist sie Lobos no dansa, und die beiden werden blutrünstig. Clarissa umtanzt die liegende Andrea fledermausgleich mit ihren Isis-Flügeln zu sehr getragener, fast opernhafter Musik. Da Andrea aber ein böses Flugwesen ist, wehrt sie sich gegen die Nähe der anderen, und so umlauern die beiden sich tänzerisch. Ihre Tanzposen sind zum Teil denen der Wrestler abgeschaut, und dunkelste Gothic-Stimmung beherrscht die Szene.

Gotisch geht es dann auch gleich weiter, als der schwärzeste Dark-Fusion-Export aus dem Ruhrgebiet aufläuft, Penthesilea. Von den Stammtänzerinnen sind nur zwei dabei, verstärkt werden sie durch zwei neue Kräfte, und gemeinsam tanzt man einen Tribal der improvisierten Art. „Mutter“ Arzo behält die Führung nicht allein für sich, und zusammen mit den Gothic-Kostümen, einigen eigenen Tanzbewegungen und schwerem Industrial Rock entsteht eine düstere Melange, die für diese Gruppe typisch ist.

Im Anschluß tanzt „Penthesileas“ Arzo (die Autorin von „Tribal Signs“) ein Solo, und sie zeigt, woraus im Ruhrgebiet die Gothic-Fusion-Träume gemacht sind: Breakdance, Hip-Hop als Musik wie als Tanzbewegungen, aber auch Filmposen und Rückgriffe auf den New Wave der 80er Jahre. Bei ihr und ihrer Truppe steckt noch sehr viel Potential drin.

FUSION AUS DEM OBERHAUS

2. NDTT, Die Große Tribal-Shownacht