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Fusion-Feuilleton
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MARILYN MONROE IN WALHALLA

„Xahira & Friends“
29. April 2009 in Köln

Fotos: Joachim Neumann

Wenn es gleich zu Beginn barbarisch wird, darf man sich nicht wundern, wir sind zu Gast bei Xahira, der einen Hälfte vom Duo Karma, das ja bekanntlich dem Orient regelmäßig ein Desaster bereitet (und das bald schon zum 5. Mal).

„Xahira & Friends“ ist so etwas wie die Schülerinnen-Show vom Studio ZaDaRo, und wie allgemein üblich gesellen sich auch ein paar „Friends“ dazu. Doch damit sind die Gemeinsamkeiten mit den Schülerinnen-Festen anderer Tanzschulen auch schon fast zu Ende. Denn hier erwarten uns nicht endlose Abfolgen von mehr oder minder begabten Schleiertänzerinnen, sondern „xahiraeske“ Beiträge (bitte den Zungenbrecher zu entschuldigen). Will sagen, die einzelnen Kurse und Klassen bemühen sich, mehr als nur den zu paukenden Stoff (um im Schülerbild zu bleiben) wiederzukäuen, sie machen sich Gedanken darum, wie man das Ganze anders, neu und phantasievoll umsetzen kann. Und einiges von dem, was hier dargeboten wird, sieht man dann später auf der „Orient Desaster“-Show wieder, in endgültiger Form, wenn man so sagen darf.

Für uns bei „Hagalla“ waren einige sehr beachtenswerte Beiträge zu sehen, die wir nicht anstehen wollen, hier wiederzugeben. Und da kehren wir gleich an den Anfang zurück, zu den Barbaren nämlich. Beim letzten Orient Desaster gab es einen Zombietanz zu sehen, und der hat bei allen so viel Eindruck hinterlassen, dass man einen neuen „Schocker“ vorbereitet hat. Als grimmige Wikinger stürmt der Tribe Tabora auf die Bühne. Wir schreiben bewußt Wikinger und nicht Wikingerinnen, denn die Mädels haben sich mit falschen Bärten, angeklebten Fellstücken (als üppiger Achselbehaarung) und ähnlichen männlichen Attributen ausgestattet und erheitern so das vorwiegend weibliche Publikum nicht unerheblich. Wie diese furchterregende Schar mit ihren (Gummi-) Schwertern herumfuchtelt und mit den Beinen herumstampft, hat entfernt mit Tribal zu tun (wir gestehen, wir sind etwas ratlos und lassen uns gern vom Gegenteil überzeugen) und gleitet vollends in Disco und Rock’n’Roll über, als die jungen Damen sich dessen erinnern, der sie in ihrer Kindheit an Elternstatt im Fernsehprogramm begleitet hat: Wicki!

Ob die Wikinger jemals so grauenerregend waren wie hier zu sehen, mag dahingestellt bleiben, Schwerter gab es aber noch mehr zu begucken, dafür aber ernsthafter und dem Thema entsprechend in einer Fantasy-Atmosphäre. Sara & Lisa bewegen sich zu getragener Musik (sozusagen „aus der Familie“), einer mittelalterlichen Ballade  wie zu einem höfischen Reigen mit ihren Klingen. Sehr gut aufeinander abgestimmt drehen sie sich mit- und umeinander, und bauen auch nachgeahmte Kampf- und Fechtposen ein. Alles fügt sich ineinander, und so sollten die beiden auch dringend weitermachen.

Deutlich moderner geht es jetzt bei der Gruppe Dea Mantis zu, hier tanzen die jungen Frauen einen Orientalischen Tanz und einen Hip Hop, und das beides zusammen in einem Stück. Von dem einen ist was dabei, und von dem anderen auch, und beides kommt immer wieder durch. „Beef“ und „Battle“ werden nur angedeutet, man sieht sie aber, und gelegentlich bauen die Mädchen-Gangs sich auch  voreinander auf, aber das löst sich dann stets wieder in Orientalischem Ballett auf. Die Musik könnte ein wenig knalliger sein, aber ansonsten: Alle Achtung, das ist Fusion im besten Sinne des Wortes!