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"ICH FÜHLE MICH WIE IN EINEM ANDAUERNDEN PROZESS..."
Interview mit
Amirah
von Marcel Bieger
Du hast gerade den ersten Platz in der Kategorie „Tribal Fusion, solo“ gewonnen und darfst dich nun „Bellydancer of the world“ nennen.

Ich bin darüber sehr, sehr glücklich, und der Sieg hat mich sehr überrascht. Natürlich hatte ich auf den Titel gehofft, aber nicht fest damit gerechnet. Ich bin einfach auf die Bühne gegangen und habe meinen Tanz aufgeführt, ohne darüber nachzudenken, wie der wohl bei der Jury ankommen würde. Jetzt freue ich mich natürlich umso mehr, daß er bei ihr soviel Anklang gefunden hat.

Aber so bin ich eben, ich betrete die Bühne, tanze so, wie es mir wichtig ist, und entweder gefällt das den anderen oder nicht. Aber die Jury war ja von meiner Darbietung angetan, und darüber bin ich glücklich. Es hätte ja auch anders kommen können, so viele Teilnehmerinnen waren sehr gut …

Aber nicht gut genug …

(lacht) Ist eben alles eine Geschmacksfrage.

Du bist heute nicht zum ersten Mal bei diesem Wettbewerb angetreten.

Stimmt, ich war letztes Jahr schon dabei und habe mit Milka als Duo Kokoro den 1. Platz gemacht.

Also sind der Contest des Oriental Festivals und du eine richtige Erfolgsgeschichte. Hast du die wunderbare Choreographie eigens für diesen Wettbewerb entwickelt?

Ja, ich hatte da noch eine andere Sache, die auch sehr gut gewesen wäre, aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen, ich mache dort dies und jenes, und dann keinen weiteren Gedanken mehr daran verschwenden. Wenn ich an einem Wettbewerb teilnehme, nehme ich nicht nur daran teil, um einen Preis zu gewinnen. Bei einer solchen Veranstaltung will ich einiges von mir geben. Für mich ist es am allerwichtigsten, mich als Tänzerin weiterzuentwickeln. Deswegen habe ich ja auch für „Bellydancer of the World“ eine ganz neue Choreographie entwickelt. Und ich wollte mich mal von einer leichteren, bunteren Seite zeigen, nicht immer nur „dark“.

Stimmt, du tanzt ja auch schwarzen Tribal Fusion, dabei haben wir dich doch auch schon gesehen …

Richtig, ich will mich ja auch nicht auf einen Stil festlegen lassen, sondern das tanzen, was ich möchte. Außerdem fühle ich mich ja noch wie in einem andauernden Prozeß. Ich habe meinen endgültigen Stil noch nicht gefunden. Da gefällt mit zum Beispiel ein Metal Song, zu dem ich gern tanzen würde, und etwas später kann es etwas Fröhliches sein und noch später wieder etwas anderes.

In deiner Vorführung heute haben wir auch ein wenig Vintage und eine Prise Steampunk entdecken können, nicht wahr?

Langsam nähere ich mich dem Gipfel und forme meinen ganz persönlichen Stil aus. Weil mir so viele Richtungen gefallen, dauert es auch immer eine Weile, bis ich ein Stück so zusammen habe, daß es „meins“ ist. Natürlich macht es mir großen Spaß, auszuprobieren und zu entwickeln, ich will ja auch auf der Bühne meinen Spaß haben. Für diese Choreographie ist auch mein Kostüm besonders wichtig, das ich selbst entworfen und geschneidert habe.

Wir hatten den Eindruck, als wären heute zum Contest sehr viele Belgier erschienen, sowohl vor wie auch auf der Bühne. Sie sind in fast allen Kategorien angetreten. Ist das repräsentativ für Belgien, habt ihr so viele Tänzer?

Ja, der Eindruck hat euch nicht getäuscht, und stimmt, wir haben sehr viele gute Tänzer in Belgien. Dabei sind wir ein kleines Land und rein zahlenmäßig ist unsere Szene nicht sehr groß, aber sie wächst immer weiter heran. Außerdem spricht sich der Contest hier in Duisburg bei uns in Belgien immer mehr herum.

Hat Leylas „Bellydancer of the World“ denn eine so große Bedeutung für Belgien?

Wenn einer unser Tänzer hier auftritt, spricht sich das im ganzen Land herum. Im folgenden Jahr wollen dann schon mehr diesem Beispiel folgen. Außerdem liegt Duisburg ja nicht allzu weit von uns weg. Längstens zwei Stunden mit dem Auto, und meist ist man noch schneller hier. Ich halte es für eine tolle Sache, daß den belgischen Tänzern hier bei Leyla eine solche Möglichkeit geboten wird, ihr Talent unter Beweis zu stellen.

Hier auf dem Contest trifft man auf Teilnehmer aus vielen kleineren Ländern. Ein oder zwei Holländerinnen sind angetreten, eine Schweizerin, aber aus Belgien gleich ein Dutzend.

Und das finde ich riesig! Ich habe so vielen Tänzern die Daumen gedrückt und sie angefeuert, die ganze Veranstaltung war toll. Bei so vielen belgischen Bewerbern bin ich einfach nicht mehr weggekommen (lacht) und deswegen gleich den ganzen Tag geblieben.

Wir haben vor kurzem mit Salwa aus Brüssel gesprochen, und sie hat uns erzählt, daß die belgische Szene endlich aufwacht.

Das sehe ich ganz genau so. Und dank Leyla und ihrem Contest wird die belgische Szene sich immer weiter erblühen.
homepage Amirah: www.amirah.be
Amirah tanzt am 16. April bei der „Großen Orientalischen Nacht“ im Rahmen der Ostertanzwoche im Studio von Leyla Jouvana in Duisburg. (www.leyla-jouvana.de)
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Photos © 1 und 3 André Elbing; 2, 4 und 5 Konstanze Winkler
Grafik & Layout: Konstanze Winkler
Als wir Amirah (Tine Verheyen) zum ersten Mal gesehen haben, tanzte sie mit Milka im Duo Kokoro beim 3. Contest auf Leyla Jouvanas und Rolands 17. Orientalischen Festival (2009). Die beiden zeigten ein tolles Stück Steampunk, das den 1. Platz belegte. Beide sind dort auch einzeln daufgetreten und haben den 2. bzw. 3. Platz belegen können. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis eine der beiden sich noch einmal allein der  Jury stellte.

Ein Jahr später war es dann so weit, Amirah trat in der Kategorie Tribal Fusion solo an und gewann die Spitze. Wir haben sie kurz nach der Verleihung sprechen können. Amirah tanzt am 16. April bei der "großen Orientalischen Nacht" im Rahmen der Ostertanzwoche im Studio von Leyla Jouvana in Duisburg.