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EAST MEETS WEST, eine hervorragende Idee.
In Ost- und Mitteleuropa breiten sich Bauchtanz und Tribal rasant aus, Tänzerinnen und Gruppen von dort sind mittlerweile auch auf unseren Festivals zu finden, und es werden immer mehr. Eine echte Bereicherung, wie wir finden. Es kann aber noch mehr daraus werden. Da fällt Anita Blake besonders angenehm auf, sie lädt nämlich zu einem Festival ein, auf dem sich gerade Ost und West begegnen sollen.

Ihr Zaghareet Fest präsentiert deutsche und ukrainische Künstlerinnen in lockerer Party-Atmosphäre. Wohl nichts dürfte zur Völkerverständigung geeigneter sein. Hier ein Gespräch mit Anita.
"TRIFF UNS AUF MEINER HAFLA"

Interview mit Anita Blake

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Hallo, ich heiße Anita, und ich komme aus der Ukraine. Mit dem Tanzen habe ich schon in der Kindheit begonnen, mit Gymnastik und Ballett, danach kamen Hip Hop und Moderne Choreographie. Ich habe von einem Tanzstil in den nächsten gewechselt und habe bei vielen Tanz-Gruppen mitgemacht. 2009 erwachte mein Interesse für den Bauchtanz. Zu der Zeit wurde der auch in der Ukraine populär. Ich habe einige Darbietungen dieses neuen Genres gesehen, und wenig später war mir klar: Das ist genau das richtige für mich! Also habe ich mich wieder in einer Schule eingeschrieben, diesmal jedoch in einer Bauchtanz-Schule. Nach ungefähr einem Jahr stieß ich auf den Tribal Fusion. Zuerst konnte ich mir nur DVDs davon anschauen – Carolena Nericcio, Rachel Brice und Sharon Kihara, um nur einige zu nennen. Aber ich habe mich dann auch nach Workshops umgesehen und bin so bei Taisas Tanzstudio gelandet. 2009 bin ich zum ersten Mal öffentlich mit einer Tribal Fusion Nummer aufgetreten. Das kam so gut an, daß Taisa mir gleich eine Stellung als Tanzlehrerin in ihrem Studio angeboten hat. Seitdem bin ich Tanzlehrerin, auch für Tribal Fusion.

Nach einem weiteren halben Jahr habe ich geheiratet. Mein Mann Alexander arbeitet in Deutschland, und so bin ich mit ihm nach Deutschland gezogen. Er stammt auch aus der Ukraine, sogar aus meiner Heimatstadt Charkow, nach Kiew der größten Stadt im Land.
Damit bist du also in Deutschland gelandet.

Genau, und ich wollte hier auch auf eigenen Füßen stehen, mein eigenes Studio eröffnen, deutsche Tänzer kennenlernen und Mitglied der Szene werden. Die erste Tänzerin, die ich hier kennengelernt habe, war Leyla Jouvana.

Sie war mir auf Anhieb sympathisch, und so bin ich bei ihrer Projektgruppe eingestiegen. In dieser Formation bin ich übrigens auch beim letzten Orientalischen Festival im November in Duisburg aufgetreten. Ich habe in der Folge noch andere Kolleginnen kennengelernt, allesamt tolle Tänzerinnen und wunderbare Menschen.
Nachdem ich hier mit immer mehr Kolleginnen zusammengekommen bin, reifte in mir die Idee, sie alle einmal zusammenzubringen, auf einer Hafla bei mir. Meine liebe Freundin und ehemalige Lehrerin in der Ukraine fragte mich zu jener Zeit, ob ich eine Möglichkeit für sie sähe, nach Deutschland zu kommen und hier ATS® zu unterrichten. Immerhin hat sie erst kürzlich ihr „Sister School“-Zertifikat erworben, das sie berechtigt, diesen Stil zu unterrichten. Ich habe das gleich für eine gute Idee gehalten und Taisa in mein Studio eingeladen.
Dazu die deutschen Tänzerinnen Henneth Annun, Lily Dux und Cristina Zegarra. Und dann kamen mir immer mehr Ideen, und am Ende war rund um die Hafla ein richtiges Festival entstanden. Meine Hafla wird eine richtige Party, auf der die Leute essen und trinken, einander besser kennenlernen, miteinander reden und wunderschöne Tänze anschauen können. Gibt es eine bessere Möglichkeit für Ost und West, Freundschaft zu schließen?
Erzähl uns doch bitte etwas über die Ukraine und den Bauchtanz und den Tribal dort.

Beide sind dort sehr angesagt. Vor vier oder fünf Jahren kam der Bauchtanz in meiner Heimat groß heraus. Tribal hat etwas später angefangen, wird aber immer populärer. Viele internationale Stars haben inzwischen die Ukraine besucht - Sharon Kihara, Manca Pavli und Sherri Wheatley, um nur einige zu nennen -, und die haben dem Bauchtanz und Tribal zu noch mehr Durchbruch verholfen. In diesem Jahr erwarten die Ukrainer Kami Liddle und Deb Rubin, und unser großes Tribal Festival, „Tribal Weekend“, hat sich längst in eine „Tribal Week“ verwandelt.

Wie lange bleibst du in Deutschland, nur für eine gewisse Frist oder für immer?

Ich habe vor, für immer hierzubleiben (lacht). Ich lebe hier, ich arbeite hier und ich mag Deutschland sehr. Ich bin mit meinem Mann aus der Ukraine nach Düsseldorf gezogen, weil er in dieser Stadt arbeitet. Er ist IT-Spezialist und hat mit Sicherheits-Technologien zu tun. Aber bitte frag jetzt nicht nach, so genau kennen ich mich damit nämlich nicht aus (lacht).

Du hast eben erzählt, daß du in Deutschland zuerst auf Leyla Jouvana getroffen bist. Tanzt du immer noch in ihrer Projektgruppe?

Nicht mehr regelmäßig, aber das letzte Mal bin ich auf ihrer Oster-Tanzwoche (14. April) aufgetreten. Ich habe mich bislang nur ihrer Projektgruppe angeschlossen und habe keine andere Lehrerin gehabt, habe lediglich mit einigen die Bühne geteilt. Seit ich hier bin, habe ich natürlich auch viele Festivals besucht, und damit ist noch lange nicht Schluß. Im November gebe ich in Dresden Tribal-Fusion-Workshops.

Vor kurzem hast du hier deine eigene Tanzschule eröffnet, die „Lamia Dance Company“

Stimmt, und dort erteile ich Unterricht in klassischem orientalischen Tanz und in Tribal Fusion. Am 21. April habe ich auch die „Offene Klasse“ eröffnet, wo alle „schnuppern“ kommen dürfen, um festzustellen, wie sich solche Tänze anfühlen und ob das etwas für sie ist, ob sie das auch erlernen möchte.

Kommen wir zurück zur Hafla, wann ist dir die Idee dazu gekommen

Wie ich vorhin schon gesagt habe, hatte ich anfangs noch nicht vor, so bald nach der Studio- eröffnung schon eine Hafla oder gar ein Festival anzusetzen. Aber meine Freunde und mein Mann haben immer wieder gesagt, warum eigentlich nicht? Irgendwann konnte ich dann nicht mehr anders, als mich mit der Sache zu befassen. Ich habe das Vorhaben von allen Seiten erwo- gen und mir schließlich gesagt, also gut, warum eigentlich nicht, du kannst es wenigstens mal versuchen. Und jetzt steht etwas ganz Tolles an. Essen & Trinken, Musik & Tanz, Auftritte und zum Finale kommen alle auf die Bühne. Dann feiern wir dort ein einmaliges Tribal-Spektakel. Und es gibt sogar einen kleinen Basar, allerdings mit deutschen Händlern, keinen ukrainischen.

Wir kennen die deutschen Stars, die du eingeladen hast, aber Taisa kennen wir – noch – nicht. Was bekommen wir denn von ihr auf der Hafla zu sehen?

Sie wird Tribal Fusion tanzen, und sie und ich werden ein Stück zusammen aufführen. Und vielleicht schließen sich uns eine oder zwei von meinen Schülerinnen an.

Kann man immer noch Karten erwerben?

Ja, ein paar sind noch übrig, aber wie du dir sicher vorstellen kannst, löst eine solche Veranstaltung ziemliches Interesse aus. Ich glaube, es ist auch das erste Mal, daß ein solches „East Meets West“-Treffen stattfindet. Denn so lautet ja schließlich die Grundidee des Festivals, der Osten trifft auf den Westen, ukrainische Tänzerinnen begegnen deutschen Tänzerinnen und umgekehrt. Ukrainische Tänzerinnen haben noch nicht viele Möglichkeiten, in den Westen zu kommen. Und auf meinen Haflas erhalten sie die wundervolle Gelegenheit, sich dem Westen vorzustellen. Ja, du hast richtig gehört, es soll nicht bei dem einen Termin bleiben, für den Winter plane ich schon das nächste „Zaghareet Fest“, so der offizielle Festival-Name. Ich will allerdings erst einmal die erste Veranstaltung abwarten und auswerten.

Eine Eintrittskarte kostet 15 Euro, und darin sind ein Imbiß und antialkoholische Getränke enthalten. Man kann auch etwas Warmes zu essen und alkoholische Getränke bekommen, muß dafür aber extra bezahlen. Und wer noch mehr wissen will, schaue bitte auf meiner Seite nach www.lamiadance.com  ...

...dort findet sich auch ein Link auf das “Zaghareet Fest” mit allen Daten für die Workshops, die Hafla und so weiter. Ich habe meine Homepage übrigens selbst eingerichtet, allerdings mit der Hilfe von meinem Mann, er ist ja schließlich Computerexperte. Das Design und die Inhalte sind allerdings allein von mir. Aber Alexander hilft mir auch sonst gern.
Als letztes eine eher persönliche Frage: Anita Blake hört sich nicht sehr ukrainisch an.

Stimmt, Anita Blake ist ja auch mein Künstlername, eigentlich heiße ich Anna. Aber in der ukranischen Tanz-Szene kennt man mich nur als Anita Blake, und nicht als Anna. Auch sonst rufen mich alle Anita.

Photos © Konstanze Winkler, wenn nicht anders vermerkt
Photo © Alexander Demenshin
Photo © Alexander Demenshin
Anita (Mitte) mit Leyla Jouvanas Projektgruppe beim Festival im November 2011