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Fotos © Vanessa Eghardt
3. TRIBAL KONGRESS IN HERRSCHING AM AMMERSEE
Vom 04.11.2011 bis zum 06.11.2011 fand der dritte Tribal-Kongreß des Bundesverbandes Orientalischer Tanz e.V. (BVOT) in der Begegnungsstätte Wartaweil in Herrsching am Ammersee statt.
Ein Erfahrungsbericht
von Vanessa Eghardt
Der BVOT kümmert sich um die Belange von Kursteilnehmerinnen, Tänzerinnen, Dozentinnen und Studiobesitzerinnen aus dem Bereich Orientalischer Tanz und, mit steigender Tendenz, Tribal Dance. Dem vermehrten Wunsch nach Austausch und Zusammenarbeit innerhalb der Tribal-Szene kommt der BVOT seit einigen Jahren durch das Angebot der Tribal-Kongresse entgegen.
Das Dozententeam (v.l.n.r.): Schemzedah, Sora, Maharet, Martina Crowe-Hewett, Shaddai, Samira Habibi, und Christel Harsch
Den Bundesverband habe ich im Studio von Bambi Sahab, dem „Tarab“ in Heidelberg, kennengelernt. Seit 2008 lerne ich dort bei Bambi Orientalischen Tanz und besuche regelmäßig Workshops zum Thema Tribal, ITS sowie Fusion bei Sora. Seit 2010 gehöre ich zum Stamm Les Amatrices. Als in der Gruppe der Tribal-Kongreß, den Sora mitorganisierte, zur Sprache kam, war ich sofort neugierig und habe mich angemeldet.

Es sollte für mich ein Wochenende voller Überraschungen werden. Wer würde zum Beispiel bei einem Landschulheim mit einem modernen Gebäude mit hellen Räumlichkeiten mit zimmereigenen, geräumigen Bädern rechnen? Organisiert wurde dieser Kongreß von Sora und Samira Habibi, Vorstandsmitgliedern des BVOT, die mit ansteckender Ruhe die Teilnehmer empfingen. Weit und breit nur freundliche Gesichter und Vorfreude auf ein schönes Tanzwochenende.
Die Teilnehmerinnen erwartete ein buntes Workshopprogramm quer durch die Tribalwelt mit Martina Crowe-Hewett („Drills & Skills“), Schemzedah („Contemporary Technique & Kombis“), Shaddai („Fusion For Beginners, Basics & Combis“), Christel Harsch („Gruppendynamik & Bühnenpräsenz“), Samira Habibi („ATS - 1001 Turkish Steps“), Maharet („Flamenco-Tribal“) und Sora („Floor worx“, „Bellybuttonbeatz“). Für Samstag waren Offene Bühne und anschließend Tribal-Party angesagt.
Das Workshopprogramm begann am Freitag. Ich besuchte Martina Crowe­-Hewetts „Tribal Fusion Skills & Drills“. Auf ihre herzliche, ungekünstelte Art servierte Martina uns nach den obligatorischen „Glute Squeezes“ ein reiches Schlemmermenü des nordamerikanischen Tribal Fusion. Dabei achtete sie auch darauf, unsere Kondition nicht gleich am ersten Tag überzustrapazieren. Vieles gab es als Probierhäppchen – der echte Drill wurde dann unsere Hausaufgabe.
Wofür ich ihr dankbar war, denn das Überschreiten von Leistungsgrenzen oder ein Muskelkater sind zu Beginn eines Kongresses sicher unerwünscht.
Nach dem Abendessen empfing uns Märchenerzählerin Lilith in einem schön dekorierten Raum mit gedämpftem Licht. Sie ließ uns ein wenig plaudern und zur Ruhe kommen, so daß es vollkommen still wurde, als sie dann ihre Erzählpose einnahm und zur ersten Geschichte ansetzte. Schnell füllte sich der Raum mit Hirtentöchtern, Königinnen und alten venezianischen Jungfern. Denn Lilith hatte für uns Geschichten von starken Frauen herausgesucht, die sie mit viel Gefühl für Atmosphäre und Stimmung frei vortrug. Ohne Probleme nahm man ihr vom Lindwurm bis zum alten Weib alles ab.
Mein Workshop bei Maharet startete am Samstag um neun Uhr. „Arabic Flamenco Meets Tribal Style“ erwartete mich. Mit viel Elan klärte uns Maharet über den Ursprung von Flamenco Fusion auf. Sehr anschaulich und informativ war ihre Rock-Kunde mit praktischen Nähtipps. Es folgte eine Einführung in Maharets Tribal System. Dann zeigte sie uns einige Grundschritte und –figuren, wie z.B. den Volta-Schritt oder den Gypsy Step, sowie die Handhabung des Rockes.

Es folgte der Workshop “Tribal Fusion Contemporary” bei Schemzedah. Dort hatte ich mich aus purer Neugier angemeldet. Was habe ich mir denn unter Zeitgenössischem Tribal Fusion vorzustellen? Die Antwort fand ich in ihrem Workshop. Mit viel Freude, Charme und mitreißender Energie zeigte uns die gerade erst angekommene Wienerin an praktischen Beispielen wie man die Prinzipien Kraft, Zeit und Raum tänzerisch nutzen kann. Und rein zufällig ließen sich die Beispiels-Kombinationen dann zu einer wunderschönen Choreographie zusammensetzen. Das Kraftvolle aus dem Tribal Stil, gemischt mit Elementen des Zeitgenössischen Tanzes und gewürzt mit dem Mut zum Unkonventionellen – das trifft genau meinen Nerv.

Die Show selbst war ein Fest für Augen und Ohren, kein Wunder  bei so vielen tollen Tänzerinnen. Und der Spontanauftritt von Samira und den Teilnehmern ihres Workshops – keine Probe, keine Absprachen nur Improvisation aufgrund eines gemeinsamen Vokabulars – zeigte uns, was Tribal ist!

Nach zwei Showblöcken übernahm Heike Christiane Daume das Mikrofon und forderte alle auf – Tänzerinnen und Publikum –, zu ihr auf die Tanzfläche zu kommen. Gemeinsame, spontane Folklore war angesagt! Ein großartiges Ende für diese Show! Zum Ausklang gab es noch freien Tanz mit vielen schönen Improvisationen in Soli, Duetten und spontan gebildeten Gruppen.

In zwei der Workshops am Sonntag durfte ich nach Absprache mit den Teilnehmerinnen und den Dozentinnen einen Blick werfen.

Wie zu erwarten war, saßen alle Teilnehmer in Soras Workshop „Floorworks & Duos“ auf dem Boden, waren aber bei bester Laune.

Christel Harsch baut in ihren Workshops eine Schutz-Atmosphäre auf, in der die Frauen Gelegenheit haben, sich einfach fallen und von einer netten Partnerin führen zu lassen. Für mich trotz meiner Zaungastrolle einer der ergreifendsten Momente des Kongresses.

Der diesjährige Tribalkongreß war in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Erstmals wurde das Konzept dreistündiger Workshops auf einem BVOT-Kongress umgesetzt. Dadurch und durch kleine Workshop-Gruppen entstand eine für Dozenten und Teilnehmer sehr gelöste, beinahe familiäre Atmosphäre, in der es möglich war, intensiv zu lernen und zu lehren.

Die wunderschöne Landschaft und die komfortablen Zimmer trugen zusätzlich dazu bei, daß man sich rundherum wohlfühlte. Die Organisation war durchweg sehr gut und vor allem flexibel. Mir persönlich werden vor allem die herzliche Atmosphäre, der kreative Austausch und das offene Miteinander in Erinnerung bleiben.

Ein letztes gemeinsames Mittagessen, schnell noch ein paar Adressen ausgetauscht und dann verabschiedeten wir uns mit vielen Umarmungen und vollgepackt mit schönen, neuen Erfahrungen voneinander.
Und ich freue mich schon auf den Jahreskongress des BVOT am 17.-20.05.2012 in Bonn, sowie den neuen Folklore-Kongress vom 23.-25.11.2012 in Hannover.
Kontakt:

Bundesverband Orientalischer Tanz e.V.
c/o Tarab
Bergheimer Str. 80
61115 Heidelberg
Pressestelle: Melanie Meier,
0170-6634540, pressestelle@bv-orienttanz.de

Homepage: www.bv-orienttanz.de
Gruppenbild der Teilnehmerinnen
"...sich auch mal fallen lassen"
gemeinsames Tanzen zu Folklore-Musik
Die WS-Gruppe von Schemzedah
die WS-Teilnehmerinnen
Workshop mit Martina Crowe-Hewett
grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler