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Beim Tribal Star-Wettbewerb in Hannover sind sie bei den Gruppen auf dem ersten Platz gelandet, dabei war dies ihr erster Auftritt in Deutschland. Grund genug für „Hagalla“, sich die Gruppe einmal näher anzuschauen. Im folgenden Interview erzählen sie, wie sie zu „Berill“ geworden sind und wie es in der ungarischen Bauchtanz-Szene zugeht.
Wer gehört alles zu Berill Tribal, und habt ihr außer Bauchtanz noch eine andere Tanzausbildung?

Die Berill Tribal Bellydance Group hat sich 2010 in  Békéscsaba (deutsch Tschabe) im Südosten Ungarns gegründet. Davor haben wir mit einigen anderen Künstlerinnen in einer anderen Bauchtanz-Gruppe vor Ort getanzt. Letztes Jahr haben wir dann beschlossen, unabhängig vpn den anderen einen eigenen Tribe zu gründen - Berill. Berill besteht aus: Csilla Pribojszki, Erika Major, Ildikó Novák, Kamilla Cservenák, Kitti Seeberger und Krisztina Csukás. Gegenseitige Freundschaft hält diese Gruppe zusammen, wir haben keine Führerin, und wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Csilla ist die Choreographin und Lehrerin, und Kriszti ist unser „warm-up girl”. Sobald sich uns die Möglichkeit bietet, bei einer großen Tänzerin, die nach Ungarn kommt, einen Workshop zu besuchen, dann nehmen wir die auch wahr. Wir alle tanzen Tribal und Tribal Fusion. Csilla hat darüber hinaus Bollywood uns Raks Sharki gelernt, Ildiko tanzt seit ihrer Kindheit ungarischen Volkstanz, Kamilla hat Ballett und davor
Berill Tribal Bellydance - v.l.n.r.: Ildikó Novák, Kamilla Cservenák, Csilla Pribojszki,
Kitti Seeberger und Krisztina Csukás
Modern Dance gelernt. Und wir alle zusammen betreiben immer noch vor und nach dem Training Joga.

Anfangs haben wir bei unserer ersten Lehrerin “Show Bellydance” gelernt. Dabei handelt es sich weder um Raks Sharki noch um Tribal, sondern von allem etwas. Wir haben auch keine glitzernden und glänzenden Kostüme getragen. Unsere Lehrerin hat eigentlich zu arabischer Musik mit marokkanischen Schritten getanzt und dazu ein sehr einfaches Tribal-Kostüm getragen. Ein paar Jahre später sind wir dann auf richtigen Tribal gestoßen, und heute beschäftigen wir uns mit ATS und Tribal Fusion.

Habt ihr oder hattet ihr einmal Vorbilder?

Als wir noch bei unserer ersten Lehrerin waren, gab es dort in ihrem Tanzstudio eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenen-Gruppe. Wir hatten aber keine Vorbilder von außen. Wenn jemand mit Bauchtanz anfing, ist sie in die Anfänger-Gruppe gegangen. Dort haben wir alle dann auch die Grundlagen gelernt. Wenn eine ausreichend talentiert oder besonders fleißig war, ist sie irgendwann in die Fortgeschrittenen-Gruppe gekommen.

Wenn wir heute trainieren oder Unterricht haben, folgen wir stets demselben Grundmuster: Zum Aufwärmen gibt es nicht allzu langes Joga und Stretching. Danach geht es an die Grundlagen, Combos, Drills, Shimmies, Schritt-Kombinationen und schließlich die Choreographien. Und am Ende des Trainings gibt es dann wieder ein paar Joga-Asanas.

In eurem Stil mischt ihr neu (Tribal) und alt (Trommelsolo), wie seid ihr darauf gekommen?

Wenn man in Ungarn zu jemandem, der nicht vom Fach ist, von „Tribal Bauchtanz“ spricht, hat der in der Regel keine Ahnung, was das sein soll. Selbst nach unseren Auftritten kommen Leute zu uns und fragen, was wir denn da getanzt hätten. In Ungarn glauben die Menschen, Bauchtanz habe mit Glitzerkostümen zu tun. Deswegen müssen wir bei den meisten Auftritten bei uns – wir sind in der Provinz zuhause – klassischen Bauchtanz vorführen. Na, eigentlich führen wir keinen Raks Sharki auf, aber unsere Kostüme sind nicht so schwer wie bei den Tribal-Tänzerinnen oder so düster wie bei den Tribal Fusionisten. Und wir tanzen zu weicherer Tribal- oder Tribal Fusion-Musik. Aber unsere Schritte und Bewegungen entsprechen durchaus denen des Tribal und des Tribal Fusion.
Unser Hauptaugenmerk liegt aber auf dem orientalischen Tanz, weil die Menschen hier ausgefallenen Fusion oder Gothic nicht mögen. Deswegen tanzen wir zuschauerfreundlich mit dem Gewicht auf Tribal und Tribal Fusion, aber auch mit Trommelsolo und so weiter. Wenn wir bei größeren Veranstaltungen auftreten, tanzen wir auch zu wilderer Musik und tragen avantgardistischere Kostüme. Aber wenn wir zuhause auf der Bühne stehen, sind unsere Kostüme eher weniger abgehoben.
Wenn ihr ein neues Stück entwickelt, wie geht ihr da vor?
Was kommt zuerst, ein Musikstück, ein bestimmter Schritt, ein Kostüm oder sonst was?

In der Regel entwickelt Csilla die neuen Stücke. Sie sucht die Musik aus, und wenn sie etwas Passendes gefunden hat, hören wir uns das gemeinsam an. Wenn alle mit dem Stück einverstanden sind, kümmert sie sich um die Choreographie. Hin und wieder bringt sie auch Kostümvorschläge ein. Meist inspiriert sie ein Musikstück oder eine bestimmte Bewegung. Aber eigentlich kann alles ihre Kreativität in gang bringen.

Wie oft trainiert ihr, tanzt ihr, probt ihr in der Woche. In Hannover habt ihr perfekt synchron gewirkt, und das kommt nicht von einer Stunde Tanzen in der Woche.

Wir tanzen alle seit fünf bis sechs Jahren miteinander. Krisztina und Ildiko sogar noch ein bißchen länger. Alle „Berill“-Tänzerinnen haben vor einigen Jahren in derselben Bauchtanz-Gruppe angefangen. In der jetzigen Form sind wir erst seit letztem Jahr zusammen. Wir proben zweimal in der Woche für zwei Stunden, und zuhause übt jede für sich. Wenn größere Auftritte anstehen, sehen wir uns vorher häufiger. Ildiko und Csilla bereiten gerade ein Balkan Duo vor, und sie proben dafür zweimal in der Woche, zusätzlich zum Gruppentraining. Also, in ruhigen Zeiten tanzen wir zwei Stunden in der Woche, aber in der Regel mehr, und es werden auch leicht sechs Stunden pro Woche.
Es kommt aber auch vor, daß wir ein bestimmtes Thema haben und dafür die passende Musik suchen. Doch erst wenn alles andere erledigt ist, machen wir uns an die Kostümentwürfe.
Wer entwirft und schneidert eure schönen Kostüme?

Den Kopfschmuck und die BHs haben wir selbst gemacht. Die Gürtel, die wir in Hannover getragen haben, stammen aus Indien. Doch meistens fertigen wir die auch selbst an. In der Regel haben wir eine tolle Grundidee, und jede von uns schneidert sich dann etwas für sich, das  zum Grundkonzept paßt. Die Röcke und Hosen bekommen wir von Kamillas Tante und Csillas Schneiderin, und manchmal entwirft auch Krisztina etwas für uns.

Fotos © Konstanze Winkler
Seitengestaltung: Konstanze Winkler
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Ildikó und Krisztina
Csilla
"TRIBAL IST  EINE GRUPPENANGELEGENEIT"
Interview mit der ungarischen
Berill Tribal Bellydance Group
von Marcel Bieger (auch Übersetzung)