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Homepage Bex: www.bexbellydance.co.uk
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Auf dem Proserpina-Nacht-Festival in Dresden
(http://proserpina-nacht.com/) hatte ich Gelegenheit, mit der englischen Tänzerin Bex ins Gespräch zu kommen. Sie ist durch ihren ganz eigenen „Psychobilly-Style“ bekannt geworden, man rühmt sie auch für ihre exakte Technik und ihre spürbare Bühnenpräsenz.

Bex gehört schon seit einiger Zeit zu den Säulen der schwarzen Fusion-Szene. Aus unserem Gespräch ist ein Interview entstanden, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Ich freue mich auch sehr, daß Bex am 8. November zu mir zum „Oriental Varieté“ nach Karlsruhe kommt. Wenn ihr auf der Suche nach etwas Neuem seid, dann geht in ihre beiden phantastischen Workshops “Psychobilly Sweethearts” and “Medusa”. Aber lest selbst.
"HORROR- UND MONSTERFILME
INSPIRIEREN MICH"

Interview mit Bex

- von Latifah Abdel
(Übersetzung Marcel Bieger)

Wann hast du mit dem Tanzen angefangen?

So 2007, 2008, da habe ich den Gothic Bellydance kennengelernt. Ich arbeitete damals in einem Club bei uns in der Stadt als DJ. Dort trat eine Frau auf, um uns zu zeigen, was es mit Gothic Bellydance auf sich hat. Ich glaube, sie hat zu einem Stück von „Sisters of Mercy“ getanzt. Ich war hin und weg, weil ich vorher nicht geahnt hatte, daß man mit Bauchtanz auch dunkle und angsteinflößende Gefühle wiedergeben kann. Das hat mich alles tief beeindruckt, ich habe dann bei der Frau Unterricht genommen, und so hat alles angefangen.


Wie würdest du dich selbst als Tänzerin beschreiben? Oder hältst du nichts von Etiketten?

O je, es fällt mir nicht leicht, mich selbst zu definieren. Ich glaube, ich habe mit Gothic Bellydance angefangen, denn ich habe zu richtiger Goth-Musik getanzt. Davon habe ich mich aber zum „Horror Psychobilly Bellydance“ weiterentwickelt, und der ist zu meinem ganz persönlichen Stil geworden. Ich habe noch nie jemanden gesehen, die das tut, was ich mache, weder im Outfit noch in der Musikauswahl. Ich würde mich aber am ehesten als Vertreterin des Dark Fusion bezeichnen, weil ich nicht immerzu und ausschließlich Psychobilly tanze. Im Dark Fusion kann ich auch mehr das zeigen, wonach mir gerade ist, eine Geschichte erzählen oder frech sein …

Nee, Etiketten gefallen mir überhaupt nicht. Manche Leute wollen alles in eine Schublade stecken, aber ich möchte Künstlern keinen Aufkleber auf die Stirn pappen. Solange Künstler wissen, was sie auf der Bühne tun und dabei echt rüberkommen, braucht man meiner Meinung nach keine Bezeichnung dafür. Auf der anderen Seite helfen einem am Anfang, wenn man sich noch orientieren muß, Etiketten sehr viel weiter. Wenn man Gothic Bellydance tanzen will, sollte man in einen Gothic Club gehen und sich umschauen, wie es dort zugeht. Wenn man nämlich selbst Gothic Bellydance vorführen will, muß man wissen, was alles dazugehört und was nicht. Also kann es recht hilfreich sein, sich bei der Suche an Etiketten zu orientieren, aber jemanden in eine Schublade zu stecken, ist nicht gut, weil man damit der Künstler-Persönlichkeit nicht gerecht wird.

Was macht deiner Meinung nach eine gute Tänzerin aus?

Mir sind die Künstler am liebsten, die sich auf der Bühne ausdrücken können und nicht nur danach streben, unbedingt anders als die anderen zu sein oder der nächste Star zu werden. Ich wünsche mir, daß Künstler die Leidenschaft beim Tanz nicht nur fühlen, sondern auch weitergeben. Sie müssen keine spektakulären Sprünge aufführen, um mich oder das Publikum zu begeistern.
Welchen Rat würdest du einer jungen Tänzerin geben, die es weit bringen will?

Üben, üben, üben, nicht mehr und nicht weniger. Versuche, du selbst zu sein, und übe. Mach dir nichts draus, was die Leute über dich denken. Solange du dir selbst treu bleibst und von deiner Kunst überzeugt bist, bist du eine Künstlerpersönlichkeit, und damit eine gute Tänzerin.


Hast du irgendwelche tänzerischen Vorbilder, oder ist das Leben selbst dir Inspiration?

Als ich mit dem Tanzen begonnen habe, war ich hin und weg von Zoe Jakes, Ariellah, Morgana, Shashi und auch Rachel Brice und Mardi Love. Aber ich lasse mich auch von den Tänzerinnen inspirieren, denen ich tatsächlich begegnet bin, wie Alexis Southall, weil die soviel macht und eine unglaubliche Technik hat. Oder von meiner Lehrerin Dawn O’Brien, eine Tänzerin, wie es wohl keine zweite gibt und die über ein enormes Wissen der menschlichen Anatomie verfügt. Und die ganzen anderen britischen Künstlerinnen, die ständig etwas Neues versuchen. Also alles in allem, ich bekomme von allem und jedem Anregungen. Ich könnte zum Beispiel spazieren gehen, ein Blatt sehen und mir sagen „Oh, das ist aber hübsch“, und dann entsteht ein Stück über ein Blatt. Ich schaue mir auch gern Horror- und Monster-Filme an, weil ich gern schräg drauf bin (lacht).
Und wie gefällt dir die „Proserpina-Nacht“?

Bislang fand ich alles toll. Tut mir nur leid, daß ich die Offene Bühne verpaßt habe, weil ich mir gern alle Talente anschaue. Ich finde es großartig, wie freundlich hier alle sind, und die ganze Anlage hier gefällt mir sehr. Auch der Workshop-Raum ist prima, und die Schülerinnen arbeiten wirklich gut mit. Ich bin wirklich erstaunt, wie rasch sie alles begreifen. Jetzt freue ich mich auf die Show, weil da eine ganze Menge Leute auftreten, die ich noch nicht auf der Bühne gesehen habe. Also alles in allem kann ich nicht klagen (lacht).
Dann mal eine ganz andere Frage: Glaubst du auch, daß der Gothic Bellydance auf dem Rückzug ist, wie manche behaupten?

Ich glaube, daß der Gothic Bellydance ganz allgemein eine kleine Auszeit nimmt. Alles läuft wellenförmig ab, und mal ist diese Sache ganz oben und mal jene. Deswegen glaube ich, daß irgendwann alles wiederkommt. Aber zurzeit interessieren sich die Leute mehr für Zeitgenössisch und für den klassischen Orientalischen Tanz. Viele wenden sich wieder dem Raks Sharki zu, weil sie zurück zu den Wurzeln wollen. Gothic Bellydance hat sich aus dem Tribal Fusion abgeleitet, weil die Goths sich in den Bewegungen, den Kostümen und der Ästhetik des Tribal Fusion wiedergefunden haben. In ein paar Jahren entdeckt die Mode den Gothic wieder neu, und dann ist alles wieder da. Davon bin ich überzeugt.
Zurück zu dir, was sind deine persönlichen Höhepunkte in diesem Jahr?

Ach, es ist ein ganz besonderes Jahr (lacht), einige wirklich große Dinge stehen an. Im Mai fahre ich nach Kalifornien aufs Tribal Fest und gebe dort auch Workshops. Dann bin ich auf der Gothla Italia und unterrichte neben solchen Größen wie Sera Solstice, Ariellah und Morgana, das ist für mich, als wäre ein Traum wahr geworden. „Gott im Himmel, das sind die Künstlerinnen, die ich schon bewundert habe, als ich noch eine ganz kleine Tänzerin war.“ Man träumt davon, mit solchen Leuten einmal auf der Bühne zu stehen, glaubt aber nicht, daß dieser Traum jemals wahr wird. Weißt du, ich habe immer fleißig geübt und an mir gearbeitet, und irgendwann kam jemand und hat gefragt, möchtest du nicht Unterricht geben; da war ich im ersten Moment recht verlegen. Aber jetzt kommen immer mehr Angebote. Im Sommer gebe ich zusammen mit Ida Mahin und Deidre Anaid eine Intensiv-Woche Unterricht in Rumänien. Und am
8. November bin ich bei dir in Deutschland.

Bex ist am 8. November 2014 zu Gast bei
Latifah Abdels
"Oriental Varieté", Alle Infos hier