Startseite/Aktuelles
zurück zu ma kuck'n
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Seit dreißig Jahren strömen im Monat Juli Studenten und Jugendliche aus ganz Italien, aus dem deutsch-sprachigen Raum, aus Luxemburg, Frankreich, der Schweiz, ja sogar aus den USA nach Bozen; hier wird ihnen die Möglichkeit geboten, Tanz zu lernen und die Werke der größten internationalen Choreografen zu sehen. Die Zahlen sprechen für sich: Die Anzahl der Teilnehmer wuchs von 96 Eingeschriebenen im Jahre 1985 auf bis zu 1000 Teilnehmer in den vergangenen Jahren. Über 400 Choreographen aus fünf Kontinenten präsentierten ihre Arbeiten in Bozen. (Aus der Pressemitteilung zum 30-jährigen).

Für uns vor Ort: Gabriele Schrötter. Sie berichtet über den Auftritt von Manis, Bruno und Elli (ganz recht, die aus dem Düsseldorfer Tanzhaus).
"VERSCHIEDENE INSTRUMENTE,
VERSCHIEDENE STIMMUNGEN"

Zum Auftritt von Manis, Bruno und Elli auf dem Festival „Bolzano Danza“

- von Gabriele Schrötter

Am Donnerstagabend lädt die „Stagione Estiva Don Bosco 2014“ in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Kulturinstitut zum Konzert mit Manis & dem „MediterrAsian Percussion Duo“.

Aufgrund der unsicheren Wetterlage findet die Aufführung nicht wie geplant im Freien, nämlich im Park des Don-Bosco-Viertels von Bozen statt, sondern im Auditorium des „Liceo Scientifico Torricelli“.

Die Aula Magna bietet Platz für fast 300 Personen und war schon öfter Schauplatz von Tanzspektakeln. Als Elli und Bruno Assenmacher die Bühne betreten, beide im blauen bzw. schwarzen Kaftan und Hose, ist sofort klar: Hier haben die Schlaginstrumente das Sagen. Sie sprechen bekannte Sprachen z.B. Maksum oder Saidi, aber auch seltener gehörte, und sie kommen aus vieler Herren Länder: laut Programm aus Gibraltar, Kairo, Istanbul und Neu Delhi.

Nach der Eröffnung geht es „Schlag auf Schlag“ weiter: Manis tanzt im romantischen lilafarbenen Kostüm ein klassisches Trommelsolo, von Elli mit Zimbeln aufgelockert. Teilnehmerinnen von Manis‘ Wochenkurs freuen sich: Sie erkennen die eine oder andere eben erlernte Kombination wieder.

Alles ist Rhythmus: Musiker finden immer und überall etwas, womit man klappern oder rasseln, sprich Rhythmus herstellen kann. In Bozen sind es u. a. zwei große grasgrüne Plastiktonnen. Elli und Bruno haben Plätze getauscht. Sie entlocken sogar Schwingstäben Töne. Zwischendurch hören wir auch metallische Klänge, die uns Alpenländer natürlich gleich an Kuhglocken erinnern, während die Perkussionisten wohl eher an Samba gedacht hatten.

Als „Werkzeug“ (ein Holzstock) herunterfällt, kommt Brunos Stärke zum Tragen: Er läßt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Man könnte fast meinen, die Szene war geplant ... Als Sankt „Fallentin“ das zweite Mal zuschlägt, erntet Bruno jedenfalls Szenenapplaus … und auf einer Tonaufzeichnung – so es eine gäbe – hätte man keine Unterbrechung der Vorstellung bemerkt.


Nächster Halt: Saidi. In Luxor hat mich das „Mal d’Egypte“ befallen.  Ein kleines technisches Wunder – die Mizmar erklingt mittels App auf dem Ipad, hört sich aber noch einigermaßen künstlich an. Laut Bruno haben Türken die Anwendung entwickelt. Die sollten eigentlich wissen, wie eine Mizmar klingt, schließlich haben sie mit der „Zurna“ ein heimisches Folkloreinstrument, das genauso klingt.
hier nicht mit Bodhran-Trommel, aber dafür mit Davul - Bruno und Elli Assenmacher
Grüne Plastiktonnen und Schwingstäbe, außergewöhnliche Percussion mit Bruno und Elli
Foto links: Tänzerin Manis mit Elli und Bruno Assenmacher ,
dem "MediterrAsian Percussion Duo"
es geht weiter mit orientalischen Trommel-Rhythmen auf der Dabukka
Fotos ©: Bild 1 (Stagione Eviva Don Bosco), alle anderen © Konstanze Winkler
Manis erscheint im roten Einteiler. Das Stück beginnt schön langsam, was wichtig ist, da der Saidi in sich selbst ruht und man eigentlich von „invisible dancing“ sprechen sollte. Wer die Gelegenheit hatte, in Luxor einen Tahtib-Kampf oder die stolzen Saidi tanzen zu sehen, weiß, was gemeint ist.

Als der Rhythmus schneller wird, wechselt Bruno von Mizmar auf Tabla, und Manis schwingt, wirft und wirbelt ihren Stock (übrigens der handliche braune ohne Krücke). Den Abschluß bildet noch einmal das Duo Mizmar-Tabla baladi.

Erst sprechen, dann spielen und/oder beides - so und ähnlich wird in Indien getrommelt.  Das darauffolgende südindisch inspirierte Stück weckt in mir die Erinnerung an „KaLeBaShi“, womit Bruno auch Anfängern bereits komplexe Rhythmen näherbringt. Gespielt wird auf der Rahmentrommel, einem Instrument, das wohl überall auf der Welt anzutreffen ist: als irische Bhodran, als Schamanentrommel (bei den Indianern in Nordamerika, den Lappen und auch den Sibiriern zu finden),  als Duff und Bendir im arabischen Raum, oder als Schellentrommel/Tamburin im Mittelmeeraum und sogar in China. 
Elli wechselt an die Darabukka, und ab geht’s ins zweite  Trommelsolo. Manis erscheint im weiß-silbernen Zweiteiler. Verschiedene Instrumente wecken verschiedene Stimmungen. So wird das Trommelsolo spannend, indem Bruno mal Rahmentrommel, mal Tabla spielt. Manis Stärke, die Drehungen, kommt beim Ayoub sehr gut zum Tragen: Entsprechend erhält Manis Szenenapplaus, und das Publikum im fast vollen Saal begleitet sie klatschend durch das ganze Finale hindurch.

Schleiertänzerinnen dürfen sich auf Brunos nächste CD  freuen: „Moonlight Marmalade“ beginnt mit einem Kanun Taksim, umgesetzt von Manis mit dem Rücken zum Publikum stehend, zuerst mit geschlossenen Fächerschleiern. Kurz vor dem Übergang zur Melodie öffnet sie mit einer Drehung die Fächer zu „Wasserfällen“, und sofort fällt die fundierte Technik auf, alles ist absolut synchron.

Perfekt passen die grün-gelb-blauen Schleier und der weit schwingende bestickte Rock des lindgrünen Pharaonix-Kostüms zusammen. Die der Melodie folgenden Figuren sind harmonisch, fließend, elegant und werden mühelos dargebracht: einfach nur schön! Zu recht bildet diese wahre Augenweide Höhepunkt und Abschluß eines nicht alltäglichen Abends.

www.manis-tanz.de
Homepages:
www.bolzanodanza.it/de
www.bruno-assenmacher.de
Manis
Manis tanzt einen Saidi