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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
So wie Süd-Tirol, im obersten Norden Italiens, als Grenzregion immer schon ein Land der Begegnung der Kulturen war, so ist „Tanz-Bozen“  ein Festival der Begegnung von Tänzern und Tänzen aus der ganzen Welt. Fortgeschrittene treffen auf Neulinge, viele Bozner nutzen das Angebot „vor der Haustür“, aber auch Leute aus ganz Südtirol finden sich ein, um sich, wie Tanzinteressierte aus dem restlichen Italien, der Schweiz und Deutschland, zu bewegen.
"BOLZANO DANZA": Bozen tanzt
Zum gleichnamigen Festival in Südtirol
Bozen, 14. - 26.07.2014

von Gabriele Schrötter
Eine Besonderheit des Festivals ist nämlich neben den Kursen, die von Montag bis Samstag jeweils über 90 Minuten gehen,  auch das Angebot an tanznahen Bewegungsprogrammen wie Joga und Pilates. Dazu kommen Kinderkurse (Angebote für Kinder und auch für Tanzpädagogen) und sogar Einblicke in die Tanzmedizin in Form von Workshops und Vorträgen. Unter den Teilnehmern finden sich auch nicht wenige Familien, bei denen Frau und Kinder tanzend, der Mann auf dem Fahrrad oder auf Schusters Rappen die Naturschönheiten Südtirols erfahrend, ihre Ferien genießen.
„Bolzano Danza“: Bozen tanzt. Immer im Sommer und immer 14 Tage lang. Seit nunmehr 30 Jahren gehört die Hauptstadt Südtirols Ende Juli den Tänzern ...
Um die Mittagszeit, wenn schon mal über 30°C erreicht werden, sieht man in der Nähe der Hallen fast ausschließlich Tänzer auf den Straßen: Wer sich nicht gleich durch das Tragen des T-Shirts – heuer in Kirschrot – solidarisch zeigt, der verrät sich spätestens durch Haltung und Gang.

Der Kurs „Oriental“, wie Orientalischer Tanz knapp bezeichnet wird, ist seit einigen Jahren im Programm. Bruno und Elli Assenmacher begleiten die Kurse schon länger, Manis Sjahroeddin wurde in diesem Jahr das erste Mal eingeladen. Die Grundstufe 0-A für Anfänger und Anfänger mit Vorkenntnissen war mit 17 Teilnehmern gut besucht, in Kurs B Mittelstufe und C Fortgeschrittene fanden sich die ‚üblichen Verdächtigen‘ (= 8 bzw. 9 Tänzerinnen) ein: Daß es eine neue Referentin gibt, muß sich eben erst herumsprechen.

Die ist auch gleich am ersten Kurstag schon voll gefordert. Da gibt es Italienerinnen, die kein Deutsch verstehen, aber Englisch, Deutsche, die Englisch nur schlecht verstehen, dafür aber gut Italienisch sprechen ... Man hilft sich gegenseitig: Aus Manis‘ wohlbekanntem „Häschen“ wird die „posizione coniglietto“ (die Hasen-Position), was sich sogar für deutsche Ohren schon lustig anhört, und „Öhrchen“ (Step-Touch-Schritt) wird mit „Orecchiette“, also Pasta, assoziiert: Lachend lernt sich eben leichter.

Der C-Kurs  erlernt die Doppelschleier-Technik. Dazu gehören tägliche Fingerübungen, Mr. Spocks „live long and prosper“ läßt grüßen. Später ärgert sich so manche, daß der Körper die Bewegungen noch nicht umsetzt, die der Kopf längst verstanden hat, und so wird wiederholt. „Nochmal bitte“,  Bruno entlockt dem Ipad Kanun-Klänge. Seine Komposition tauft er treffend „Noch m’Al“.

Zufrieden sind auch die Damen im Kurs. Neben der Vertiefung der Technik nehmen sie jede Menge Anregungen für die eigene Arbeit mit.  Saubere Drehtechnik inklusive Fußarbeit wird, einmal ins „Muskelgedächtnis“ übergegangen, eine energie- sparende und präzise Schleierarbeit erlauben. Erlernte Kombinationen ergänzen in das eigene Bewegungs-Repertoire. Manis’ Art, die Dinge gern durch Bilder zu erklären, erwähnen nicht nur die Anfänger lobend: Dadurch wurde sofort verstanden, was gemeint ist. Sogar der 0-A-Kurs erhielt eine kurze Einführung in die orientalische Folklore, selten, aber wichtig für die Musikinterpretation. Das Sahnestückchen, darin sind sich alle einig, war die einfühlsame Begleitung mit Live-Musik. Sie erlaubt die Anpassung der jeweils notwendigen Geschwindigkeit. Und das fundierte Einwärmen und die Entspannung nach der Stunde werden vom Muss zum Genuss.
Das „Orientalische Drumsolo mit Afro-Elementen“ für Kurs B erweist sich als zweigeteiltes Trommelsolo. Das fröhliche Nubisch geht in schweißtreibendes afrikanisches „Saatgut in den Boden stampfen“ über und endet in einem spritzigen klassisch-orientalischem Trommelstück voll mit spannenden Akzenten. Wie so oft kommt es anders als erwartet. Die Teilnehmerinnen können vom Afro nicht genug kriegen und stecken in den orientalischen Teil entsprechend weniger Energie. Sind es die dunklen/tiefen Trommeln, die als Botschafter des schwarzen Kontinents auftreten? Trotzdem ist Manis mit den 6 erarbeiteten Minuten  zufrieden: „Sieht gut aus“.
"Orientalisches Drumsolo mit Afro-Elementen - vorn im Bild, Bruno und Elli Assenmacher
"fix und alle" - Bruno Assenmacher
Workshop "Doppelschleier" mit Dozentin Manis (vorne links im Bild)
Fingerübungen für die richtige Halte-Technik
glückliche Kursteilnehmer - (Die Dozenten: vorne rechts: Manis, hintere Reihe: Bruno und Elli)
Fotos ©: "Kinder"-Patrick Grigo, alle anderen Gabriele Schrötter