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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Bridget bei facebook

Workshops Bridget Quinn Fearn

Mo. 28.7.: Street Jazz für Einsteiger (Level: A/AmV)
20:00 - 22:00 Uhr

Do. 31.7.:
Street Jazz (Level: A/AmV)
18:00 - 19:30 Uhr

Do. 31.7.:
Just Dance (Level: A/AmV)
19:30 - 21:30 Uhr

Do. 7.8.:
Skanderani Melaya Leff Choreo
Level: ab M
19:30 - 22:00 Uhr

Sa. 2.8.:
Street Jazz-Choreografie -
Hot, Sexy, Cool !!!
(Level: M)
15:00 - 18:00 Uhr

So., 10.8.:
Musical Classic / Chair Choreos
(Level: M)
11:00 - 14:00 Uhr


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Anmeldung ...

STREET JAZZ:
TRICKS UND KNIFFE

Interview mit Bridget Q. Fearn

von Marcel Bieger

Seit der Hip Hop seinen Siegeszug in der ganzen Welt angetreten hat, hat er auch die anderen Tanz-Genres durcheinandergewirbelt, zumindest aber gehörig beeinflußt. Überall entstehen neue Misch-Genres, Fusionen und Umwälzungen. Wo „Street“ draufsteht, darf man sich auf neue Formen alter Stile gefaßt machen und freuen.

Bridget Quinn Fearn, Lehrerin am „tanzhaus.nrw“ ist Expertin, sowohl für Jazz-Tanz wie auch für Hip Hop, und so nennt sie ihren Stil auch „Street Jazz“. Den unterrichtet sie am Summer-Camp von Manis, und sie freut sich schon auf die OT- und die Tribal-Tänzerinnen, die dort zu ihr kommen, denn sie glaubt, daß beide Seiten eine Menge voneinander lernen können. Aber lest selbst, was sie zu sagen hat..
Erzähle uns bitte über dich und deinen Werdegang.

Ich stamme aus San Diego im schönen Kalifornien. Dort habe ich auch in verschiedenen privaten Tanzschulen Ballett, Jazz-Tanz, Stepp-Tanz und Modern gelernt. Mit achtzehn Jahren bin ich nach Deutschland gezogen und habe als Tänzerin und Lehrerin in der „Werkstatt“ angefangen, der Vorläuferin des heutigen „tanzhaus.nrw“. Nach zwei Jahren bin ich aber wieder fort von Düsseldorf und bin durch die Welt gereist, um Jazz-Tanz zu unterrichten, und das in solchen Weltengegenden wie Finnland, Rußland und Alaska. 1992 bin ich nach Deutschland zurück und hier geblieben, um wieder zu tanzen und zu unterrichten. Darunter einige Theater- und Fernseh-Produktionen. Zu jener Zeit steckte Hip Hop in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Ich kann zwar nicht guten Gewissens von mir sagen, den Hip Hop nach Deutschland gebracht zu haben, aber ich darf von mir behaupten, ihn nach Düsseldorf gebracht zu haben.
Ein Kollege von mir und ich haben die ersten „Hip Hop Tanztage“ in der „Werkstatt“ ins Leben gerufen und Workshops und Shows geboten. Die Reihe ist heute noch populär. Wir haben auch bekannte Hip Hop-Tänzer und Lehrer nach Düsseldorf geholt, um hier Unterricht zu geben und ihre Kunst zu zeigen.

1996 bin ich wieder zurück in die Staaten, um mein Studium abzuschließen und an San Francisco State University meinen Bachelor und meinen Masters in Deutsch und Deutscher Literatur gemacht. In San Francisco habe ich dann auch bei mehreren Musical-Produktionen mitgewirkt, nicht nur als Tänzerin, sondern auch als Choreographin. Darunter die Hauptrolle in “Little Shop of Horrors”, “West Side Story” und “Sweet Charity”. Außerdem Choreographien und Auftritte in den Musicals “Crazy for You” und “Anything Goes”. Daneben habe ich bei der im gesamten Großraum San Francisco (der “Bay Area”) bekannten Hip Hop Tanztruppe „New Style Motherlode“ mitgemacht und dort auch Jazz-Tanz unterrichtet.
2005 bin ich dann mit meiner ganzen Familie nach Deutschland gekommen und habe wieder im „tanzhaus.nrw“ angefangen. Diesmal, um „Street Dance“ zu unterrichten. Seitdem habe ich bei den verschiedensten Theater- und Fernseh-Produktionen mitgewirkt und den unterschiedlichsten Choreographen zusammengearbeitet. So richtig stolz hat mich bei der Choreographierung und Aufführung von „Tanzhaus Dancemob“ für den Eurovision Song Contest 2011 gemacht, wo 3 000 Menschen live im Fernsehen meine Choreographie
getanzt haben.

Heutzutage trete ich nicht mehr als Tänzerin auf, weil es mir wichtiger erscheint, alle meine Energien ins Lehren und darin zu stecken, die nächste Generation von Tänzern und Tanzlehrern vorzubereiten. Ich gebe wöchentlich in mehreren Klassen am „tanzhaus.nrw“ Unterricht und führe alljährlich ein Projekt auf professionellem Niveau in ebendieser Einrichtung durch. Ich habe dieses Projekt eigens für Tanzstudenten entwickelt, damit sie aus erster Hand erfahren, was eine richtige professionelle Produktion so alles mit sich bringt: von den Proben bis zu den Kostümen, vom Makeup zum Styling, bis hin zum eigentlichen Auftritt. Wir sind unlängst am 17. Juni 2014 mit dem Projekt aufgetreten, und meine Schüler haben dabei wertvolle Erfahrungen
sammeln können.

Sie waren zwischen 17 und 50 Jahre alt und unter ihnen alle Erfahrungsstufen, von vollkommenen Neulingen bis zu halbprofessionellen Tänzern. Und so liegt mittlerweile auch der Schwerpunkt meiner Arbeit darauf, meinen Schülern dieses Wissen zu vermitteln.
Welche Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte haben Musical-, Street- und Jazz Dance und der Orientalische Tanz?

Jazz-Tanz an sich beinhaltet ja schon vom Namen, daß wir es hier mit einer Vermengung verschiedener Stile zu tun haben. Der Begriff Fusion stammt ja aus dem Jazz. Und das trifft natürlich auch auf meinen Unterricht zu. Ich betitele ihn „Street Jazz“, zum einen, um ihn von anderem, eher klassischen Jazz-Unterricht zu unterscheiden, und weil ich Hip Hop-Elemente in meinen Unterricht einfließen lasse. Bei mir gibt es Jazz in allen Fusionformen: mit Modern, mit Lyrical, mit Mainstream, Hip Hop, Musical und so weiter.
Am Orientalischen Tanz gefallen mir besonders seine Leidenschaft, sein Geschichtenerzählen, seine tollen Darbietungen, seine präzisen Bewegungen und seine Sorgfalt im Umgang mit dem ästhetischen Auftritt. Auf diesen Ebenen treffen sich auch unsere beiden Genres. Und ja, eine ganze Menge Orienttänzerinnen kommen im „tanzhaus.nrw“ auch in meinen Unterricht, weil sie mehr über die Leidenschaft und die Konzentration meiner Schüler auf die Qualität ihrer Darbietung erfahren wollen.
Was hat dich bewogen, bei Manis' Sommer-Universität mitzumachen, und was genau hast du dort in deinen Workshops vor?

Ich schätze Manis als Kollegin, wir kennen uns ja seit längerem, und ich habe ihre Arbeit immer wertgeschätzt. Als sie mich gefragt hat, ob ich bei ihr im Summer-Camp mitmachen wolle, war die Antwort für mich gleich klar. Sie ist eine tolle Lehrerin und versteht sehr viel von dem, was sie unterrichtet.

Ich plane meine Kurse und Workshops immer äußerst gründlich, selbst nach 25 Jahren Unterrichten sind sie nicht bloß Routine geworden. Ich habe nämlich gelernt, daß es nun einmal ohne Plan nicht geht, und ohne kann man schon gar nicht die Freiheit der Spontaneität genießen. Ich möchte gern wissen, mit wem ich arbeite, und darauf dann aufbauen. In der Sommer-Universität erwartet mich also eine ganz neue Klientel, und ich bin schon sehr neugierig auf die neuen Tänzer und Lehrer.

In meinen Workshops geht es doch letztendlich darum, eine arbeitsfähige Choreographie zu erarbeiten, welche die Tänzer eigenständig vorführen, damit spielen und vielleicht sogar nach eigenem Gusto ummodeln können. Sie erhalten also neuen Stoff, den sie mit nach Hause nehmen und ihren Schülern weitervermitteln können. Bis es so weit ist, haben wir unsere Aufwärm- und Dehnungsminuten und lernen wir Tricks und Kniffe, um uns noch besser zu drehen, noch besser zu treten und vielleicht sogar noch besser zu springen. Es gibt auch Bewegungssequenzen, die für einen besseren Bewegungsfluß und Darbietungsablauf sorgen, während wir uns durch einen Raum bewegen. Und wenn wir fertig sind, stellen wir fest, daß wir so ganz nebenbei auch einige neue Schritte, einige neue Bewegungen und ein paar neue Ideen erlernt haben. Und freuen uns, daß wir dabei so einen Riesenspaß gehabt haben.

eine von Bridgets Gruppen beim Teilnehmerfest Anfang Juli '14 im "tanzhaus nrw"