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Wir verlieren eine der Großen unserer Zunft, die deutschrussische Künstlerin Delanna zieht nach Rußland. Sie war und ist eine der gefragtesten Tänzerinnen der jüngeren OT-Generation dieses Landes, und wir wünschen es jeder und jedem, sie noch einmal in Aktion zu sehen. Delanna tritt zum Beispiel in Enussahs Show „Total Oriental“ auf und gibt dort einen Workshop, der alle ihre überaus erfolgreichen Workshops geradezu genial zusammenfaßt. Doch lest selbst (unter anderem auch, ob wir sie wirklich für immer verlieren werden … )
AUS DEM RAHMEN GEHEN
UND WIEDER IN IHN HINEINFINDEN

Interview mit der deutschrussischen Künstlerin Delanna

- von Marcel Bieger

Grafische Gestaltung/Web Design: Konstanze Winkler
Delanna
Du bist nicht mehr lange in Deutschland, deshalb lohnt es sich also dringend, Dich auf der "Total Oriental" anschauen zu kommen, und warum lohnt es sich noch, Dich dort zu sehen?

ich gebe hier mein Studio auf, das ich 7 Jahre lang geführt und aufgebaut habe. Es hat einen guten Ruf in Osnabrück und Umgebung, und es hat Schüler, die mit mir durch gute und schlechte Zeiten gegangen sind, in gewissem Maße auch durch Träume und Ziele. Dem allen kehre ich den Rücken zu und gehe in eine Stadt, wo ich keine Ahnung habe, wie meine Zukunft aussehen wird. Einfach tun!

Es sind großartige Künstlerinnen, die Enussah jedes Jahr zusammen bringt. Jede/r von uns atmet mit dem Tanz, lebt damit und dafür. Ich glaube, ab einem gewissen Niveau und einer gewissen Größe eines Festivals (meiner Meinung nach gibt es in Deutschland nur vier oder fünf davon, und TOTAL ORIENTAL gehört dazu) verdienen sie es einfach, besucht zu werden.

Und genau darauf kommt es an, die Unterstützung des Publikums durch das Kommen, das Zuschauen, das Mitmachen, Neugierig sein, aktiv sein! Heute bin ich Tänzerin, morgen bin ich Publikum, heute bin ich Workshop-Leiterin und morgen die Schülerin. Denkt daran. Packt eure „Lohnt-sich-das-denn-für-mich“ in die hinterste Schublade, und feiert die Organisatoren, die Tänzer und Tänzerinnen und euch selbst, genießt die Workshops, glaubt an die Wichtigkeit des Orientalischen Tanzes und der großen Festivals!
Wie lange bis zu Deinem Umzug nach Rußland, und wann kommst Du wieder nach Deutschland?

Praktisch bin ich spätestens weg, wenn der Paß oder das Visum fertig sind. Das wird aber noch ein paar Monate dauern. Physisch ziehe ich im September hin. Bis dahin verabschiede ich mich in einer tanzreichen Zeit von meinen Schülern, Freunden und Kollegen hier. Das ist ein gar nicht so einfacher Prozeß nach dem, was wir gerade in Osnabrück alles zusammen aufgebaut und erreicht haben.
Und es wird mit jedem Tag, jedem Blick, mit dem mich die Muttis der Kinder anschauen, wie die Mädels plötzlich genau zuhören, schwieriger. Am Zielpunkt bringe ich noch mal meine kleinen und großen Kinder zu der Deutschen Meisterschaft und beende meine gerade laufende Tanzpädagogik-Ausbildung. Herz und Seele werden selbst entscheiden müssen, wann sie mitkommen ...
Zurückkommen im Sinne von „wieder hier leben“? Mit der Entscheidung, zu meinem Mann nach Moskau zu gehen, schließe ich einen Pakt mit der Ungewißheit ab (was komplett gegen meine Natur ist, und daran habe ich sehr zu knabbern). Daher, weiß ich noch gar nichts. Zurückkehren „als Gast(Arbeiter)“ hihi?! Ganz ehrlich, ich hoffe auf eine Fernbeziehung mit Deutschland. Meine Eltern bleiben hier, Freunde ... Hier habe ich tanzen gelernt, die ersten Schritte in der Szene und auf der Bühne gemacht. Leider für mich einen fühlbaren oder sichtbaren Halt noch nicht ganz geschafft, aber es gibt Kollegen die mit mir auch in Zukunft hier arbeiten wollen und das gibt mir ein gutes Gefühl. In der ersten Hälfte 2015 bin ich drei Mal in Deutschland.
Dein Workshop "Von der Choreo zur Performance" könnte auch (eine mögliche) Überschrift für eine Biographie sein, aber was genau willst Du da treiben?

Es wäre viel einfacher ein „normaleres“ und für die Teilnehmerinnen mehrsagenderes Thema wie zum Beispiel „Shaaby“ oder „Trommelsolo“ anzubieten. Aber Enussah gab mir die Möglichkeit zu experimentieren, und ich bin darauf eingegangen. Mein eigenes Tanzleben begleiten die Choreographien genauso stark wie die Improvisationen, und für mich entsteht eine Solo-Darbietung, wenn ich innerhalb der Choreografie auf Impulse reagieren kann. Tänzerische Freiheit besteht darin, aus dem Rahmen zu gehen und wieder in ihn hineinzukommen, ohne die Spannung zu verlieren. So wie im Leben auch.

Aziza (Kanada) lehrt in ihren Workshops immer „Tanze Choreo so, als ob du improvisieren würdest, und improvisiere so, als ob du Choreo tanzen würdest“ - kling plausibel und viele nicken dabei, aber das umsetzen? An den Weg dorthin arbeite ich, seitdem ich diesen Satz gehört habe (sehr lange), und durch die Tanzpädagogik-Ausbildung, Raksans TAI:Tools! und die Arbeit mit meiner eigenen Gruppe habe ich für mich den ersten Erfolg erlebt, dem näherzukommen.

Daher erstmal das Thema als Umsetzung in der Gruppe. Teamwork mit dem Ziel, einen Tanz zum Leben zu erwecken. Innerhalb der kurzen Workshopzeit ist das eine deutliche Heraus-forderung. Wir arbeiten mit choreographischen Elementen an einem wunderschönen lyrischen Lied und lassen daraus eine Performance mit spannenden Gruppenbildern entstehen, die man sowohl choreographisch als auch impulsiv in die eigene Tänze einbauen kann. Mehr verrate ich nicht. Nur daß die Teilnehmerinnen genug Lernstoff (sprich Choreo und Kombis) bekommen.

WORKSHOP mit DELANNA 
bei TOTAL ORIENTAL in Nürnberg/Fürth

Sa., 31.05.2014, 16:30 – 19:00 h
Delanna - Von der Choreo zur Performance (ab Level M)

Ein Workshop rund um die Gestaltung einer Performance für die Gruppe/Formation.
In diesem praxisorientierten Workshop entwickeln wir eine Gruppenperformance mit choreographischen Fragmenten, Improvisation, Gruppendynamik und einer Menge
kreativen Ideen zum sofort verwenden und weiter entwickeln.

Anmeldung hier: www.total-oriental.de/3.html

Homepage: www.delanna.de