Startseite/Aktuelles
zurück zu ma kuck'n
„Der Brunnen“
– ein getanztes Märchen

ein Bericht von Corinna Jedamzik

In der gut besuchten Halle des
Kultur- und Sportforums Bad Vilbel-Dortelweil stieg die Spannung am Samstag (18.9.) kurz vor Beginn der Vorstellung merklich an. Pünktlich um 19 Uhr öffnete sich dann der Vorhang zum getanzten Märchen „Der Brunnen“, geschrieben von Hanan Kadur.

"Lange Zeit herrschte Friede und Wohlstand in dem kleinen Dorf.
Garant dafür ist der Brunnen in der Dorfmitte. Als vor vielen Jahren eine Zauberin hierher kam, wurde diese freundlich empfangen und lebte unter ihnen, als eine der ihren. Dann musste sie das Dorf wieder verlassen. Als Dank sorgte sie dafür, dass der Brunnen nie versiegte und die Dorfbewohner keinen Mangel kannten. Allerdings mussten diese dafür den Brunnen hüten. Seine Wasser durften durch nichts verunreinigt werden. Doch eines Tages passierte dann doch das Unglück. Beim Spiel fiel dem Mädchen Ida ein Stein hinein. Voller Zorn über die Missachtung erschien die Zauberin, getanzt von Mellany Amar, und nahm das Mädchen zur Strafe mit sich. Rosa (Hanan Kadur), die Mutter des Mädchens war verzweifelt ob des Verlustes und beschloss ihre Tochter zu suchen. So machte sie sich auf den Weg und suchte in der ganzen Welt.
Das Märchen „Der Brunnen“ wurde von Mellany Amar, Hanan Kadur und Karima Giz sowie von zwei Projektgruppen auf die Bühne gebracht. Veranstalter war das Frankfurter Bauchtanzstudio „OT pur“. In einfühlsamen Gruppen- choreografien von Karima Giz, Mellany Amar und Hanan Kadur zeigten die Tänzerinnen das bunte Treiben im Dorf, die Anrufung der Mutter des Meeres, den Tanz der Sterne, die Wechselhaftigkeit des Windes, eine Horde Dschinnis sowie zum Schluss die Wiedersehensfreude in einem fröhlichen Hagalla.
Mellany Amar schlüpfte in die Rolle der Zauberin, die die kleine Ida, hier gespielt von ihrer eigenen Tochter Penelope, nach ihrer frevelhaften Tat entführte. Die bezaubernde Hanan Kadur spielte die besorgte Mutter Rosa, die sich mutig auf den Weg macht Ida zu befreien. Ihr Solotanz spiegelte die ganze Bandbreite der Emotionen wieder, welche Rosa durchlebt.
Einen schönen Kontrast bildete Karima Giz, als schillernde Mutter des Meeres, die in ihrem Tanz die Wogen des Wassers interpretierte. Sehr ausgefallen fiel dagegen der Auftritt des Herrn der Sonne aus. Seine Performance erinnerte an die isländische Sängerin Björk, die für ihre eher schrägen Interpretationen bekannt ist. Beeindruckend war auch der Tanz der Sterne, ein Lichtertanz der besonderen Art. Anstelle der doch eher stark flackernden Teelichter war auf helle LEDs zurückgegriffen worden. Außerdem war die Bühne komplett dunkel und die Tänzerinnen in Schwarz gekleidet. Dadurch wirkten die Lichter wie schwebende Sterne, die einen wundervollen Tanz aufführten. Zwischen den einzelnen Tänzen führte eine Stimme aus dem Hintergrund mit eher knappen Sätzen durch das Stück. An dieser Stelle hätte etwas mehr Märchen-Erzählkunst vermutlich noch besser gewirkt.
oben: Hanan Kadur als Mutter "Rosa" gemeinam mit Töchterchen "Ida", die von Mellany Amars Tochter Penelope gespielt wurde.
links: Karima Giz und die Formation zu "Mutter des Meeres"
unten: Der Herr der Sonne (Gernot Hilbel) und Ida, die den Stein versehentlich ins Wasser plumpsen lässt
Mellany Amar in der Rolle der Zauberin
Im großen und ganzen war das Stück jedoch ein Erfolg. Die Zuschauer waren begeistert und alles lief reibungslos. Jedenfalls gab es keine Pannen, die dem Publikum aufgefallen wären, was für eine hervorragende Organisation spricht. Die eingesetzte Technik war dem Anlass entsprechend ausgewählt und sorgte auch mit kleinen Spezialeffekten für eine entsprechende Wirkung innerhalb des Stückes. Auch die Musikauswahl war zwar teilweise recht ausgefallen, aber spiegelte die jeweilige Situation und Emotion der Protagonisten wieder. Das Bühnenbild war dem modernen Theater entsprechend recht sparsam. Von der tänzerischen Warte aus gesehen eine weise Entscheidung, doch für ein Märchen hätte man sich vielleicht noch ein bisschen mehr gewünscht.
Auf alle Fälle zeigte Mellany Amar mit ihren Kolleginnen und Tänzerinnen, dass orientalischer Tanz auch noch viel mehr sein kann, als nur Raks Sharki oder Baladi. Vielmehr gab es neben schön eingebundener Folklore in Form von Hagalla, Stocktanz und Karshilama auch brasilianische Einflüsse, etliche Fantasy-Elemente und klassisch indischen Tanz.
Sie fragte den Herrn der Sonne (Gernot Hilbel) und die Mutter des Meeres (Karima Giz) um Rat. Die Sterne wiesen ihr den Weg und die Dschinnis  versuchten sie zu hindern, das Dorf der Zauberin zu finden. Am Ende siegte jedoch die Mutterliebe und sie konnte ihre geliebte Tochter Ida wieder in die Arme schließen."
Der "Tanz der Winde" mit dem Doppelschleier
Die Märchen-Tanzshow "Der Brunnen" wird wegen des großen Erfolges ein weiteres Mal aufgeführt!

mit
Hanan Kadur (Tänzerin, Frankfurt), Mellany Amar (Tänzerin, Frankfurt), Shibani Deshmukh (Tänzerin, Frankfurt), Moulana (Tänzerin, Erfurt), Sora (Tänzerin, Eppelheim), Günther Biwer (Ehrenbürgermeister und Dorfältester, Bad Vilbel), Helmut Kellner (Märchenerzähler, Darmstadt) und der Projektgruppe des OT pur

29.01.2011

Einlass: 16:30
Beginn: 17:30

Schultheater-Studio (auf dem Gelände der Ernst-Reuter-Schule)
Hammarskjöldring 17a
60439 Frankfurt

weitere Informationen unter: 
www.ot-pur.de

Es gibt bereits einen Video-Zusammenschnitt der Show bei YouTube:
Fotos 3, 4, 5, 6, 7, 8 © Manuela Rogge, 1, 2 und 9 © Ralf Jedamzik
1
2
3
4
5
6
7
8
9