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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
„Horus“ ist ein neuer Stern am Tribal Fusion-Himmel und betritt in diesem Jahr auf dem Tribal Festival zu Hannover zum ersten Mal eine richtig große deutsche Bühne.

Der Portugiese erzählt uns hier, warum alles so gekommen ist und wie es gekommen ist. Eine seiner Antworten – die, warum er immer eine Maske trägt -, beantwortet er auch im
Tribal Festival Ticker 2015, es lohnt sich.
"IHR KRIEGT EINHUNDERT PROZENT VON MIR!"

Interview mit Horus Mozarabe

von Latifah Abdel und Marcel Bieger
(Übersetzung Marcel Bieger)

Wann hast du mit dem Tanzen angefangen? 
Wenn ich mich recht erinnere, war es im November 2007, ich bereitete mich gerade an der Universität der portugiesischen Stadt Coimbra auf meinen Abschluß in Biologie vor. Da sprach mich Petra Pinto an und lud mich ein, bei ihr Unterricht in Bauchtanz zu nehmen. Seit meiner Kindheit haben mich die orientalische und die ägyptische Kultur fasziniert, und deswegen wollte ich es auf einen Versuch ankommen lassen. Schon der erste Kurs hat meine Erwartungen übertroffen, und ich wollte immer mehr. Als mir klar wurde, was ich da wertvolles gefunden hatte, war ich schon mittendrin.

Wie hat der Tribal Fusion dich gefunden, und warum bist du an ihm hängengebleiben?
Mein erster Kontakt mit dem Tribal Fusion fand dank You Tube statt. Ich stieß dort nämlich auf Rachel Brice und war gleich hin und weg von ihr. Sie konnte allein mit ihrem Körper Musik lebendig machen und zeigte mir alle Freiheiten auf, die dieser Tanz einem Künstler gibt. Ganz abgesehen von den unterschiedlichsten Musikstilen, die man verarbeiten kann, und überhaupt dem gesamten künstlerischen Konzept dahinter. Gar nicht erst zu reden vom Körperbewußtsein und der unglaublichen Kontrolle, die man über seinen Körper gewinnt. Ich glaube, ich hänge am Tribal Fusion genauso fest, wie er an mir.
Bis vor einiger Zeit bist du nur in Maske aufgetreten, welches Geheimnis verbirgt sich dahinter?
Ja, die Maske … Also gut, dann erzähle ich die Geschichte von Anfang an. Ich bin mehr oder weniger auf die Bühne geworfen worden. Nachdem ich meine große Liebe zum Tanz entdeckt hatte, habe ich gleichzeitig Anfänger- und Fortgeschrittenen-Kurse besucht, weil ich die bislang vergeudete Zeit wettmachen und so rasch wie möglich so viel wie möglich lernen wollte. Nach zwei oder drei Monaten kam meine erste Tanzlehrerin Petra zu mir nach Hause und eröffnete mir, daß ich am 14. Februar zusammen mit ihr auftreten solle. Das war Anfang Februar, mir blieben also noch volle acht Tage, mich vorzubereiten, und Petra hat mich bei den Proben hart rangenommen. Dann kam der große Tag, und weil ich noch nie vor Publikum aufgetreten war, war ich psychisch und mental überhaupt nicht darauf eingestellt (ich war immer eher der schüchterne Typ). Ich habe das Petra gesagt, und gemeinsam haben wir uns überlegt, mit einem Tuareg-Turban aufzutreten, der bekanntlich das Gesicht des Trägers teilweise verdeckt.

Das wäre dann eine Art von Schutz-Barriere zwischen mir und dem Publikum gewesen. Und was soll ich sagen, das hat geholfen … Bald wurde richtig rätselgeraten, wer denn wohl der geheimnisvolle Unbekannte hinter der Maske sei. Genauso habe ich mir den Namen einer (ägyptischen) Gottheit gegeben. So ist „Horus Mozarabe“ entstanden, und der Name hat ebenfalls zum Geheimnis um den Unbekannten beigetragen. (Mozaraber sind die Christen, die während der islamischen Herrschaft über Spanien und Portugal ihren Glauben bewahrt, sich aber äußerlich den Moslems angepasst haben.)

Heute sind Maske und Namen mein Markenzeichen und Bestandteil meiner selbst geworden. Es gibt allerdings auch Gelegenheiten (nur selten), in denen ich die Maske nicht aufsetze. Die Maske war mir auch immer Hilfsmittel für meine Gestik und Körpersprache. Eigentlich spielt sie bei allem eine Rolle, was ich künstlerisch angehe.

Wie würdest du deinen Tanzstil beschreiben?
Das werde ich oft gefragt, und ganz ehrlich, so ganz genau kann ich das gar nicht. Aber wir können festhalten, daß ich Tribal Fusion-Tänzer bin und versuche, für alle Stile so offen wie möglich zu sein. Den größten Einfluß auf mich hatte der Raks Sharki, und sehr wichtig waren und sind Zeitgenössisch, Modern und der Indische Tanz. Petra hat mich mit dem Sufismus in Berührung gebracht, und darüber bin ich auch auf einige heidnische Religionen gestoßen. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, bekommt man eigentlich meine tiefsten Gefühle und Regungen zu sehen, welchen ich mit meinen Körperbewegungen Ausdruck verleihe. Deswegen könnte man vielleicht sagen, daß mein Tanzstil die Definition meines wahren Ichs darstellt, und natürlich die des „Horus“.
Wieso gibt es in der Szene eigentlich nicht mehr männliche Tänzer?
Das frage ich mich auch! Ich glaube, dahinter steckt ein typisch abendländisches Vorurteil, nach dem der Bauchtanz nur etwas für Frauen sei. Im Orient kennt man sehr viele männliche Tänzer, auch wenn diese eher im Rahmen von Familienfesten auftreten. Meinen Freunden, männlichen wie weiblichen, erzähle ich immer, daß man den Bauchtanz einmal ausprobieren sollte, um am eigenen Leib zu erfahren, wieviel Leidenschaft in diesem Tanz steckt, wie er dem Körper nutzt und wie er einem im Leben weiterbringt.

Zur Zeit habe ich übrigens zwei männliche Schüler. Das heißt doch wohl, daß da einiges in Fluß gerät.

Bist du schon einmal in Deutschland aufgetreten?
Ja, 2012 in Berlin,  dann noch einmal 2013 in Dresden (da habe ich auch Workshops gegeben) und jetzt zum dritten Mal nach Hannover zum Tribal Festival. Darüber bin ich sehr glücklich und stolz.

Was können wir auf dem Tribal Festival von Horus erwarten?
Daß es dort 100 Prozent von mir gibt. Einen verrückten, eingeschworenen und leidenschaftlichen Tänzer und Lehrer.

Was können wir in deinen Workshops lernen? 
Es ist mir wirklich sehr wichtig, in den beiden Workshops etwas mit euch gemeinsam zu erarbeiten. Bei beiden handelt es sich um meine Lieblings-Kurse.

Bei „Slow-Mo-Tion“ werden wir ganz langsam und mit aufmerksamer Kontrolle unserer Muskeln schlangengleiche Bewegungen ausführen. Wir behandeln Beweglichkeit, wie man alle Körperteile harmonisch und stilecht verbindet und wie man die eigene Energie verändert, je nachdem, ob man sie dem Publikum gibt oder sie von ihm nimmt. Alle diese Punkte spielen im Workshop eine große Rolle, denn wir wollen in unseren Auftritten die langsamen Momente einbauen, die den Zuschauern das Erlebnis bescheren, in eine andere Wirklichkeit befördert zu werden.  

In “Secret Drills and Combos” zeige ich euch meine täglichen Übungen, wie ich mich steigere und meine Grenzen überwinde. Dazu gibt es Übungen, wie wir unsere Technik, Stärke und Beweglichkeit verbessern.

Wie sieht es in Portugal mit dem Tribal Fusion aus?
Hier bei uns ist der Tribal Fusion noch ein kleines Kind, das aber beständig heranwächst. Wir sind nur eine handvoll professioneller Tänzer, doch wir haben uns fest vorgenommen, Portugal wachzurütteln und es dazu zu bringen, diese wunderbare und vielschichtige Kunstform kennenzulernen und zu verstehen. Wir haben hier ein eigenes Festival, das „TribalX Fest“, das von Jahr zu Jahr größer wird, und ich bin sehr stolz, dorthin als Lehrer und Tänzer eingeladen zu werden.
Die Workshops mit HORUS MOZARABE

Slow-mo-tion for the 3rd Dimension (Samstag, 13.6., 12:30 - 14:30 h. Level: AmV/F)
Drills und Combos im speziellen Horus Stil. Langsame Moves vs. schnellere, legato vs. staccato. Sei bereit für die 3. Dimension!

Secret Drills & Combos (Sonntag, 14.6., 10:00 - 12:00 h, Level: alle)
Von einfachen Isolationsübungen bis hin zu Kombinations-Übungen wird Horus in diesem Workshop seine Tanz- und Trainings-Geheimnisse mit euch teilen. Er bietet dabei verschiedene Optionen für alle Levels an.

Anmeldung
hier ...
Homepage: www.horusfusiondance.weebly.com
facebook: www.facebook.com/horus.tribalfusion
Photos © Pedro Santos und Joao Ramos
Photo Joao Ramos