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grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
Warum ist der Tribal Fusion immer noch die lebendigste Variante des Tribal, er erfindet sich ja jedes Jahr neu? Und wie paßt der Gothic da ins Bild?

Diese Lebendigkeit freut mich sehr, ich empfinde sie allerdings nicht nur für Tribal Fusion im Speziellen, sondern für sämtliche Tanzarten. In unserer Sparte der „Ethno-Tänze“ sind die Entwicklungen insofern besonders spannend, da es nicht nur in ästhetischer, sondern auch in kulturhistorischer Sicht viel zu entdecken gibt. Die Auseinandersetzung mit Tänzen aus verschiedensten Regionen enthüllt deutliche Unterschiede in Tanzsituation, Aussagen und Formensprache, manchmal aber auch überraschende Gemeinsamkeiten. Im Verschmelzen eigentlich fremder Elemente können dann neue Aussagen entstehen oder Umdeutungen tradierter Muster geschehen. Tanz funktioniert meines Erachtens wie Sprache. Die Konservierung von Traditionen würde nur in einem abgeschlossenen Biotop funktionieren. Tatsächlich unterliegt der Tanz aber ständiger Veränderung durch teilweise unüberschaubare Einflüsse. Auch der Klassische Orientalische Tanz und Folklore waren, sind und bleiben nicht statisch gleich. ATS ist Fusion, Tribal Fusion fusioniert die Fusion. Ich selbst bin manchmal enttäuscht, wenn die einzige Reaktion auf ein Tanzstück von mir der Versuch einer Kategorisierung ist, da das Schöne am Fusion Dance in meinen Augen die unbegrenzten Möglichkeiten sind.

Gothic Fusion wiederum ist nicht zwangsläufig eine Spielart des Tribal Fusion, da zwar die Möglichkeit, nicht aber die zwingende Notwendigkeit besteht, ATS-Elemente einzubinden. Ganz wichtig ist für mich persönlich, dass Gothic Fusion mehr Inhalt haben sollte als in einem schwarzen Kostüm und ohne Lächeln auf den Lippen einen Tanz vorzuführen, der mit Lächeln, einem bunten Kostüm und fröhlicher Musik ebenso funktioniert hätte. Jeder weiß, daß das Leben nicht immer rosarot ist, daß es Dinge gibt, die uns ängstigen, weil wir ihnen machtlos gegenüber stehen. An der Konfrontation mit Krankheit und Tod kommt keiner von uns vorbei. Wir können die Existenz dieser Dinge verdrängen, daran verzweifeln oder uns künstlerisch damit auseinandersetzen. Dabei ist diese Form der künstlerischen Auseinandersetzung sehr viel älter als das Label „Gothic“. Ein schönes Beispiel hierfür sind Tödlein-Darstellungen aus der Kunst des Spätmittelalters und der Renaissance: Sie gemahnen an die Vergänglichkeit des Menschen und machen gleichzeitig aus dem übermächtigen Tod ein kleines, fast putziges Tödlein.

Traut man sich erst einmal, Vorurteile beiseite zu lassen, findet man z. B. in der Musik, eine schier unendliche Vielfalt von "Electro" oder knüppelhartem Metal über sanfte, romantische Klänge bis hin zu klassischer Orchestermusik. Auch ist die Verschränkung von bildenden und Performance-Künsten hier sehr lebendig. Nicht zuletzt macht es Spaß, selbst in extreme Rollen zu schlüpfen. Bei meinen Kursen im "Tanzkunstwerk Augsburg" ist der Gothic-Kurs derjenige, in welchem am meisten gealbert und gelacht wird.

Was hat dich bewogen, bei Manis' Sommer-Universität mitzumachen?

Seit ich den Orientalischen Tanz kenne, habe ich Manis auf den Bühnen Deutschlands gesehen und bewundert. Im "tanzhaus nrw" war ich das erste Mal 2006 im Ensemble von Sabuha Shahnaz dabei und habe sie dort auch - in all ihrer Herzlichkeit - persönlich kennengelernt. 2008 waren wir dann noch einmal mit einer persisch-orientalischen Show unter der Leitung von Sabuha und Hossein Fayazpour dort. Beide Male war ich hin und weg von der Bühne und der (leider nicht selbstverständlichen) Offenheit dieser Bühne gegenüber verschiedensten Tanzrichtungen. In Manis’ Sommer-Universität wird diesem Anspruch auf wunderbare Weise Rechnung getragen: Das Angebot erstreckt sich von Orientalischen Tänzen aus verschiedenen Regionen über Fusionen, "burlesque", Bollywood, Hula, Jazz, Modern Dance, Flamenco, Afro und Samba bis hin zu Hip-Hop und Dancehall. Darüber hinaus macht es nicht beim Tanztraining Halt, sondern bietet Einblicke in die Welt der Musiker und Make-up Künstler in den Workshops von Bruno Assenmacher und Sandra Lüpertz. Was will das Tänzerherz mehr? Ich freue mich riesig darüber, zu diesem Dozenten-Team zu gehören.
Was genau hast du in deinen Workshops vor?

Ich werde eine bunte Mischung von Themen mitbringen:

1. Tribal Fusion Drills, Conditioning and Dance Technique
Donnerstag, 30. Juli 2015, 18:00 - 21:00 Uhr, Level: A/M

Dieser Workshop richtet sich an alle, die Tribal Fusion entdecken wollen oder bereits Erfahrung mitbringen und die eigene Technik auf Hochglanz polieren möchten. Schritt für Schritt erarbeiten wir Isolationen durch gezielte Muskelkontrolle, darunter z.B. Shimmies in unterschiedlichen Dynamiken, Undulations, Locks und lässige Layerings. Wir erproben uns im Wechselspiel zwischen fließenden Übergängen und überraschenden Akzenten. Mein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der richtigen und vor allem gesunden Haltung: Sie sorgt nicht nur für schöne Körperlinien, sondern schützt den Körper auch in akrobatischen Figuren vor Verletzungen. Das besondere i-Tüpfelchen bilden elegante Oberkörper- und Armbewegungen.

2. Tanz mit Zimbeln
Freitag, 31. Juli 2015, 18:00 - 21: 00 Uhr, Level: A/M

Wir beginnen mit den Grundlagen und den Zusammenhängen von Takt, Rhythmus und musikalischem Motiv. Ich möchte erreichen, dass die Teilnehmer die Verbindung zwischen Musik und Bewegung verstehen und in die Lage versetzt werden, dieses Wissen im Tanz umzusetzen. Der Fokus liegt auf 4/4tel-Rhythmen.
Virtuos zu zimbeln erfordert regelmäßige Übung und die kann ich leider keinem ersparen. Aber hat man die Prinzipien, Schlagtechniken und Variationsmöglichkeiten erst einmal begriffen, so wird aus dem Zimbelspiel im wahrsten Sinne des Wortes ein Spiel.
Ich bin von meinem System überzeugt, weil ich mit Freuden sehe, wie ungezwungen und lässig meine Schüler neue Muster ausprobieren. Also auch wenn ihr glaubt, das mit dem Zimbeln und euch sei vergebene Liebesmüh – traut euch! Es ist eine wahre Bereicherung, sich selbst im Tanzen instrumental zu begleiten!

3. Prince(ss) of Persia – Fusion mit persischen Elementen
Samstag, 1. August 2015, 11:00 - 13:00 Uhr, Level: offen

Hier werde ich auf die Besonderheiten von persischem Hoftanz und Folklore eingehen und diese anschließend mit Elementen aus dem ATS und dem Orientalischen Tanz fusionieren. Im persischen Hoftanz liegt der Fokus auf dem Oberkörper. Hände, Schultern, Kopf und Gesicht kommunizieren subtil mit dem Zuschauer. Charakteristisch sind außerdem elaborierte, schwebend anmutende Bewegungen durch den Raum und atemberaubende Drehungen. In der Folklore finden sich erdige Schrittfolgen, pulsierende binnenkörperliche Akzente sowie kleine, schnelle Schultershimmies. Für mich es eine Tanzart, in der Emotionen authentisch vermittelt werden können und ein spannendes Spiel mit Nähe und Abstand zwischen Tänzer und Zuschauer entsteht. Im Fusion-Tanz erweitern diese Elemente das Spektrum des individuellen Tänzers um Aspekte, die in immer neuen Kontexten überraschende Wirkungen hervorrufen.

4. Swing People, Swing!
Samstag, 1. August 2015, 14:00 - 18:00 Uhr, Level: M/F

In dieser Choreographie werden wir den Fusion Bellydance direkt in die Swing-Ära 1920er- bis 1940er-Jahre katapultieren. Weich fließende Snakemoves treffen auf knackige Akzente und locker-flockige Swing-Bewegungen. Wir tanzen zu Blue Harlems Interpretation von "Swing Brother, Swing": https://youtu.be/55_3DZRoAV0. Dabei werden wir die unerlässliche Showgirl-Attitude und eine gehörige Portion Lässigkeit kultivieren. Dieser Workshop ist übrigens ein Sneak Peak auf die brandneue Choreographie meines Bühnenensembles Ereshkigal. Jump in, jive an' wail!

5. Goth My World
Sonntag, 2. 8. 2015, 11 - 15 h, Level; A/M

In dieser Choreographie lassen wir die Untoten tanzen! Wir tun dies zu Juno Reactors "God is God": https://youtu.be/v8LY2VgiikE. Findet euren individuellen, authentischen Ausdruck und entdeckt, wie viel Spaß es macht, böse zu sein. Zum Thema Gothic Fusion Dance siehe bitte meine Ausführungen weiter oben. :)

Ich kann meine Premiere bei Manis’ Oriental SummerCamp kaum erwarten und freue mich sehr auf das gemeinsame Tanzen, Lernen und Lachen!

Homepage: www.ida-mahin.de

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Manis' Summercamp 2015
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Photos ©: 1, 3 und 6 Konstanze Winkler, 2 Dar Soul Photography, 4 Uwe N. Philipp, 5 Birgit Hyna
Wenn Ida Mahin erklärt, was beim Fusion (gleich ob Tribal Fusion oder sonstige) eigentlich passiert, werden alle die, die sie schon einmal gesehen haben, sagen: Genau das macht Ida doch auf der Bühne. Und so ist es ja auch. Kaum eine andere Künstlerin erfindet sich so regelmäßig und originell neu wie Ida Mahin. Sie ist seit Jahren dabei, und warum sie erst jetzt als Dozentin zur Sommeruniversität der Manis stößt, ist eines der großen Rätsel der modernen Tanzgeschichte. Manis und Ida schätzen sich nämlich seit langem. Ida zählt nicht nur zu den führenden Tribal Fusion-Choreographen in Deutschland, ihr Herz hängt auch am Gothic. Aber warum das so ist, das fragt ihr sie am besten selbst, zum Beispiel auf dem Oriental Summer Camp …
"DAS SCHÖNE AM FUSION SIND DIE UNBEGRENZTEN MÖGLICHKEITEN"

Interview mit Ida Mahin

- von Marcel Bieger