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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Diesmal verschlug es “Hagallady” Anita Blake an die Ostsee, genauer gesagt nach Estland, wo zum zweiten Mal des “Infusion Tallinn”-Festival stattfand, eines der größten in ganz Nordeuropa.

Anita ist gebürtige Ukrainerin (lebt aber in Deutschland) und ist von dem Festival begeistert zurückgekehrt. Sie kam dort mit Menschen aus allen Ländern Nordeuropas zusammen, die in Frieden und Harmonie ein großes Tanzfest gefeiert haben. Wir möchten dies besonders betonen, weil wir darüber glücklich sind; vor allen in Zeiten, in denen die westlichen Medien nicht müde werden, den Kalten Krieg heraufzu- beschwören. Wie schön, wenn die Menschen soviel klüger sind als die, die ihnen das Denken abnehmen wollen.
INFUSION TALLINN

- von “Hagallady” Anita Blake
(Übersetzung Marcel Bieger)

Zum ersten Mal fand die “Infusion Tallinn” 2012 statt, damals noch mit 4 Workshops und einer Show. Dank seiner Popularität mauserte sich die Veranstaltung 2014 zu einem richtigen Festival mit 2 Shows, vielen Workshops, Gästen aus ganz Europa und sogar einigen Teilnehmern aus den USA.

In starkem Kontrast zum kalten Frühlingswetter stand der warme Empfang durch Veranstalterin Yahna beim Willkommens-Dinner mit den Dozentinnen (als „Hagallady“ war ich ebenfalls dazu geladen): Kami Liddle USA), Alexis Southall (Großbritannien), Violet Scrap (Italien) und den beiden mir noch unbekannten Laura Luna (Finnland) und Mari Ääremets (Estland). Das anstehende Wochenende versprach, sehr aufregend zu werden.

Der erste Festivaltag begann mit einer Besichtigungs-Tour durch die Altstadt von Tallinn, der Hauptstadt der baltischen Republik Estland.

Yahna, Lehrerin, Tänzerin und Veranstalterin des „Infusion Tallinn“-Festivals gilt als bekannteste estnische Tribal Fusion Tänzerin und eröffnete die Party mit einer Solo-Improvisation. Dabei interpretierte sie den Tribal Fusion eher traditionell zu elektrischer Musik und Folklore-Rhythmen. Alle hatten eine sehr gute Sicht auf ihre Darbietung und konnten sie entsprechend genießen. Der nächste Auftritt kam vom Mystica Tribe, der 2007 von Berit Vill gegründet worden ist. Er zeigte uns einen wunderschönen ATS-inspirierten Tanz mit bunten Röcken, reichlich Schmuck und Turbanen, die klassische Tribal-Aufmachung, von der wir nie genug bekommen werden.

Der Kaira Tribe, die Gruppe von Laura Luna aus Finnland, begann ihre Darbietung mit einem wunderbaren, langsamen Tanz zu Modern-Klängen mit indischen Motiven und wechselte dann zu krachendem Dub Step über, und auch die Komik kam in diesem Beitrag nicht zu kurz. Aus dem russischen St. Petersburg stammt Anna Donchak, ein Mitglied des „Sirin Tribe“ (FCBD „Sister Studio“). Sie trug ein Tribal Fusion-Solo zu moderner Musik vor und ließ sich ansonsten von einem Märchen zu dem Stück inspirieren.

Kaira Tribe
Yahna
Anna Afra und Amanda lehren und tanzen Tribal Fusion in Finnland. Sie tanzten im Duo zu einem Stück, das sie selbst erarbeitet haben. Eine traumhafte und dramatische Darbietung zu moderner Dubstep-Musik.

Marge Mägi aus Estland ist keine gewöhnliche Tribal Fusion-Tänzerin, und bei Licht besehen ist sie sogar überhaupt keine Tribal Fustion-Tänzerin. Sie hat erst ATS gelernt und dann klassischen OT, und heute zeigt sie uns als Debut ihren experimentellen Tanz zur Musik ihres Bruders Amiran.

Die russische Tanztruppe Silver Rose hat uns vom ersten Moment an begeistert. Zum einen mit ihren Kostümen aus Assuit und mit traditionellem Folklore-Schmuck verziert und zum anderen mit ihrem hübschen Tribal nach althergebrachter Art und spielerischer Technik, dazu viel Volksmusik aus ihrer Heimat. Man konnte gar nicht mehr wegsehen.

Als nächstes waren Arrakis aus Estland an der Reihe mit einem Balkan Tribal und der Choreographie von Mari Ääremets. – Natalia Angelfish aus Lettland erfreute uns mit einem Solo-Stück mit Hip Hop-Elementen zu Dub Step-Musik.

Kami Liddle eröffnete die Workshop-Runde mit einem 3-stündigen Kurs, in dem es um Tribal Fusion-Techniken ging. Ihr Workshop entwickelte sich zu einem Aufwärmen für die Eröffnungs-Party "Tribal Fusion Delights", die im „Mystica Dance Studio“ stattfand.
Dann war die bereits erwähnte Mari Ääremets, eine weitere führende estnische Tänzerin, mit einem Tribal Fusion-Solo an der Reihe: Alles began mit einem flüssigen und ausdrucksstarken langsamen Reigen, aus dem sich ein modernes Stück zu Beatbox-Musik entwickelte.

Die Schülerinnen des Mystica Dance Studios trugen eine verrückte Choreo ihrer Chefin Yahna vor, Stichwort „Monkeymusic“. Ihr großartiges frisches und flottes Zusammenspiel bewies, auf welchen Traditionen der Bauchtanz basiert.

Als letzter Beitrag im ersten Show-Block führten Jamila eine verspielte und sehr rhythmische Bollywood-Nummer vor.

Den zweiten Block eröffnete Yilan Kabileshi aus Finnland, eine Schülerinnentruppe von „Alli Ruth’s American Cabaret Bellydance“-Unterricht. – Die Mittelklasse-Schülerinnendes Mystica Studios zeigte unter der Leitung von Yahna einen Balkan-Tanz.

Amada Nousiainen aus Finnland tanzte uns eine Choreographie von Violet Scarp, und man erkannte bald, warum ihr die so wichtig ist. – Ihr folgte die Valante Dance Group, eine kreative Gruppe unter der Leitung der Lehrerin Valante aus Lettland. Die Formation hat sich wegen ihres ungewöhnlichen Stils einen guten Namen gemacht, denn jede Nummer erzählt eine eigene Geschichte in der Sprache der Choreographie.

Ungewöhnlich auch das folgende Duo um Kati Elvelt und Kristina. Hier trafen sich Bauchtanz und Zumba zum Bauchtanz-Zumba. – Und darauf eine weitere Schülerinnengruppe mit einer Choreographie von der unglaublich kreativen Yahna, diesmal mit einem lustigen Stück aus den “Zwanziger Jahren”.

Dann war ich an der Reihe, Anita Blake, „Hagallady“. Ich hatte mir zu diesem Anlaß eigens von einem Musiktitel zu der getanzten Großstadt-Melancholie inspirieren lassen. - Anna Sizova belustigte uns mit einem verrückten Auftritt darüber, das man das tun soll, was man mag, ohne sich dabei um die Meinung anderer zu scheren.

Die erstaunlichen Tänzerinnen Krete und Maris aus Estland verliehen einer Choreographie von Yahna um die Liebe und das Leben Ausdruck. – Die Hafla endete mit einer ATS-Vorführung des Tribal-Dance-Center Helsinki unter der künstlerischen Leitung von Anna Artemenkova.
DIE SAMSTAG GALA-SHOW

Die diesjährige Gala-Show des Festivals stand unter einem Motto, nämlich “Rund um die Welt”. Alle Künstler stellten deshalb in ihrem Tanz eine andere Erdgegend vor.

Die große Reise begann in der Wüste Sahara. Fata Morganas, Sandstürme, Sandteufel … Illusion oder Wirklichkeit? Was ist falsch, und was ist wahr? Die russische Silver Rose Dance Company sandte uns mit ihrem magischen Tanz durch diese Geheimnisse. - Nächster Halt: Mailand, die neue Hauptstadt der Mode. Senjoritas Banditas aus Tallinn entführten uns in die Welt der Mannequins, wo es verrückt, verrucht und knallhart, aber manchmal auch einfach nur schön zugeht. Wir fanden uns alle im Mailänder-Mode-Fieber wieder.

Die Nordamerikanerin Kami Liddle erfreute uns mit einem sehr ausdrucksstarken Ausflug in das moderne Tribal Mekka: San Francisco. – Man sagt ihr weiche Biegungen, elegante Linien und nahtloses Fließen nach, zu Recht. - Alexis Southall aus Großbritannien, die uns mit ihrem Hip Hop-Tanz New York City näherzubringen versuchte, folgte Kami.

Laura Luna, eine finnische Tribal Fusion-Tänzerin und –Lehrerin, bescherte uns mit ihrem hypnotischen Tanz eine gehörige Portion Gänsehaut. Wir spürten förmlich den Wind des geheimnisvollen Transsylvaniens über uns wehen.  – Von Rumänien in den deutschen Schwarzwald, die führende lettische Künstlerin Katerina Shuraeva entführe uns mit ihrem leichtfüßigen Tanz nahezu mühelos dorthin.

Die Estin Raqs Marissa drängte es dann zurück in die Sonne, und zwar die über Miami. Ihr strahlendes Lächeln und ihre fröhliche Darbietung taten ein übriges, die Strände Floridas vor unserem geistigen Auge entstehen zu lassen. – Weiter in den Fernen Osten, Gita aus Schweden bescherte uns tänzerisch die Kirschblütenzeit Japans.

TabTar heißt ein Duo aus dem estnischen Tartu, und die beiden zog es nach Ghana, wo sie einen mystischen Geistertanz für uns bereithielten. Sie übertrugen das sehr geschickt auf Tribal-Verhältnisse.

Wie traurig es doch ist, ständig nur im Kreis laufen zu können. Amanda Nousiainen aus Finnland drückte damit das trostlose Leben eines Gefangenen aus. Sie hat vor kurzem eines der berüchtigsten Gefängnisse der Welt besucht, Alcatraz. - Violet Scrap betrat nun die Bühne und entführte uns in die heitere Atmosphäre einer jüdischen Hochzeit in einem osteuropäischen Stetl. Ein ebenso gefühlvoller wie technisch beeindruckender Beitrag.

Laura Luna
Katerina Shuraeva
Raqs Marissa
Gita
Silver Rose Dance Company
Senjoritas Banditas
Kami Liddle
Alexis Southall
Tribal-Dance-Center Helsinki
Anita Blake
Valante Dance Group
Amanda Nousiainen
Jamila
Amanda & Anna Afra
Schülerinnen Mystica Dance Studios
Silver Rose
Nach einer kurzen Pause begann die zweite Reise-Staffel mit einem Aufenthalt in Paris. Das russische Duo Maiastra betonte mit ihrem anmutigen und grazilen Tanz die romantische Atmosphäre, die man gemeinhin mit der französischen Hauptstadt verbindet. - Tanja Gruberte kommt aus Lettland und ließ sich bei ihrem Vortrag von den Niagara-Fällen inspirieren. Ihr funkelndes Kostüm ließ einen an Wassertropfen im Sonnenlicht denken, und ihr flüssiger und sehr kraftvoller Tanz erschuf erst recht das Bild von einem Wasserfall. – Zurück nach Florida, die Finnin Anna Afra, Tribal Fusion-Lehrerin aus Helsinki, entschied sich aber nicht so sehr für Sonne und Strand, sondern für die alljährliche dortige Wirbelsturm-Saison.  
Mit dem Tribal steht es in Lettland noch nicht zum Besten, und so war das von dort stammende Duo Samai glücklich und stolz, mit ihrem Tanz über den Regenwald Amazoniens Flagge zu zeigen. – Noch einmal flogen wir in den Fernen Osten, zu einem der entlegensten Orte der Welt, die verlassene japanische Insel Hashima. Violet Scraps hypnotische Darbietung ließ uns diesen Ort abstoßend und anziehend zugleich erscheinen.

Berit Vill und Müstika Maagiline Teater aus Estland nahmen uns in die phantastische Welt Atlantis mit; uns erwartete eine atemberaubende Aufführung voller Fabelwesen und Engelsgestalten von unwiderstehlicher Kraft. - Pernilla kommt aus dem schwedischen Malmö. Sie ließ uns mit ihrer anmutigen Darbietung den kalten Wind des sibirischen Winters spüren.
Die letzte Station brachte uns dann ins Berlin der Zwanziger Jahre: Kami Liddle beschloß die Gala mit einem sehr schönen und anmutigen Tanz zu fröhlicher Jazz-Musik.

Als letzten Gedanken möchte ich zum Ausdruck bringen, daß „Infusion Tallinn“ mit seiner zweiten Ausgabe zu den wichtigsten Festivals Europas aufgestiegen ist. Einige phantastische Tage liegen hinter uns, mein Dank und meine Glückwünsche gelten Yahna und ihrem Team sowie Mari Ääremets, die sich während der ganzen Zeit so liebevoll um mich gekümmert hat und die ohnehin schon schönen Tage noch angenehmer gemacht hat.
Homepage Anita Blake: www.lamiadance.com
Homepage Infusion Tallinn: www.yahna.eu
Die nächste "Infusion Tallinn" findet statt vom
20. - 22. März 2015!
photos ©: Freitag-Party: Dan Fullard, Samstag-Gala: Mats Oun
TabTar
Amanda Nousiainen
Violet Scrap
Duo Maiastra
Tanja Gruberte
Duo Samai
Violet Scrap
Pernilla
Alexis Southall
Berit Vill & Müstika Maagiline Teater
Paradise Circus & Yahna
Finale
Alexis Southall (England) erwartete uns dann schon in den Straßen von Marrakesch. Ihr tempogeladener Tanz zu Volks-Rhythmen ließen uns die ganze Schönheit des orientalischen Bauchtanzes spüren.

Eine tropische Insel bedeutet nicht immer nur kristallklares Wasser und bunte Cocktails, sondern mitunter auch ein Geheimnis, wie in diesem Fall, als sich der Stamm
Paradise Circus und Yahna begegneten. Einfach unglaublich!
Kami Liddle