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JAHRESZEITEN BEI LEYLA

von Marcel Bieger


Alle Welt kennt Leyla Jouvana und Roland. Das rührt daher, daß sie alle Welt zu ihrem alljährlichen großen Festival – dem größten Europas – einladen, und auch daher, daß sie das ganz Jahr hindurch in aller Welt unterwegs sind, um dort ihre Tanzkunst zu zeigen und neue Leute kennenzulernen, die sie dann wiederum auf ihre Festivals einladen können. Ein überzeugendes System, das allein schon ausreichen dürfte, sich in der Ruhmeshalle des Bauchtanzes einen guten Platz zu sichern.

Und doch betreiben die beiden noch mehr, bei ihnen kann man auch im kleineren und familiäreren Rahmen feiern: Wenn Leyla nämlich in ihrem Studio ihre Party oder Hafla gibt. Im letzten Jahr waren es deren drei – Frühjahr, Sommer und Herbst, der Winter gehört dann ja wieder dem Festival.Wenn eine neue Jahreszeit gekommen ist und Leyla und Roland wieder eingeladen haben, hockt alles (nicht eng, nur nahe) im großen Saal beieinander, und die Tänzerinnen, die dort auftreten, sind mitunter nur einen halben Meter von einem entfernt. Im anderen großen Raum gibt es einen kleinen und übersichtlichen Basar, und an einer Seite kalten und warmen Imbiß zu zivilen Preisen.
Das Schöne ist, hier hat man wirklich Gelegenheit, mit einem Star ins Gespräch zu kommen. Sogar mit ihm oder ihr ein Glas Sekt zu trinken. Oder auch mit Leyla selbst ein paar Worte zu wechseln, mitunter sogar mit dem ständig fleißigen Roland, oder mit Leylas rühriger Mutter, die sich aufs Kochen versteht. Will sagen, hier geht es viel familiärer zu als auf dem großen Festival, wo Tausende bewegt werden müssen – im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne.

Da hier kein Festival-Programm geboten wird, wo ein Star dem nächsten folgt, findet man auch Gelegenheit, sich stärker auf diejenigen, die hier auftreten, zu konzentrieren. Wie gesagt, tanzen die Künstlerinnen in erheblich reduzierter Entfernung vor dem kleinen Publikum (60 – 80 Leute), und so kann man das Gewand auch besser in Augenschein nehmen, die einzelnen Bewegungen und Posen bewundern und sogar die Mimik und Gestik genauer verfolgen.

Aber hier gibt es nicht nur Weltstars zum Anfassen, Leyla nutzt die Veranstaltung auch, um Kontakt mit den umliegenden Tanzschulen und Gruppen zu pflegen. So wie Duisburg am Zusammenfluß von Rhein und Ruhr liegt, finden sich bei ihr auch Tänzerinnen vom Niederrhein wie aus dem Ruhrgebiet ein, und das lohnt sich oft genug ungemein. Schlußendlich bekommt man hier auch gestandene Tänzerinnen und neue Lehrkräfte aus Leylas eigenem Tanz-Studio zu sehen, gleich ob sie sich schon auf der Bühne der Rheinhausen-Halle bewährt haben, oder nicht.

Den Auftakt, wie auch den Schwerpunkt dieser kleinen Reihe bietet stets die Oster-Tanzwoche, wo die Hafla gleichsam in ein mehrtägiges Workshop-Angebot eingebettet ist. Im Juni (meistens) dann die Sommer-Party, und im Spätsommer/ Fastherbst die Abschluß-Feier, dann ist das Jahr auch schon wieder fast herum, um mit dem Festival zum Adventsbeginn neu anzufangen.

Leyla Jouvanas Projektgruppe, die auf dem Festival den zu Unrecht etwas ins Hintertreffen geratenen Dabke neu belebte, führt hier in Formation einen Hagalla-Tanz auf, voller Witz und mit Raum für kleinere Soli. (Wir bekommen den Dabke dann aber im Herbst nochmal zu sehen.) – Leylas Jugendgruppe ist ebenfalls dabei und beweist, daß Talent nicht erst mit dem Erwachsenwerden kommt. – Die Showgruppe der Gastgeberin zeigt noch einmal den Pharaonen-Schreittanz vom Festival, und man hat jetzt Muße, sich diese raffinierte Interpretation alter Tempelmalereien genauer anzuschauen.
Natürlich treten Leyla & Roland auch gemeinsam auf. Sie zuerst mit einem Schwertertanz voller anmutiger Akrobatik und später mit einem unbändigen Trommelsolo, Roland mit seiner eigenen Erfindung, dem Fuß-Tabla. Sie umgarnt ihn und treibt ihn zu immer neuen Höchstleistungen an, die beiden sind nicht nur privat, sondern auch auf der Bühne ein Paar.
Die türkischstämmige Behiye gehört zu den deutschen Tänzerinnen, die aus Leylas Tanzschule hervorgegangen ist und sich längst einen eigenen Namen gemacht hat. Aber man bleibt einander treu, und so findet man sie und oft auch ihre Gruppe eigentlich regelmäßig auf den Festivals und den Parties. Sie führen mit den ihren oder allein OT, Bollywood und auch Tribal Fusion vor, eine faszinierende Bandbreite. – In diesem Garten ist auch Galathea gewachsen, die sich seitdem für die eher düstere oder Endzeit-Ausrichtung entschieden hat. Auf einer von Leylas Haflas sieht man sie dann, wenn auch mit einer langsameren (und zahmeren) Nummer. – Nelifer führt einen Beduinentanz auf, ein ungewohntes Spektakel voller Wildheit und Wüsten-Lebendigkeit. – Und auf solchen Haflas ist durchaus auch Platz für verwandte Gebiete: Snezana und Necky demonstrieren, was in ihrem Salsa-Kurs geboten wird und fordern (fast hundertprozentig erfolgreich) den ganzen Saal zum Mitmachen auf.
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Necky und Snezana
Roland und Leyla Jouvana
Leylas Projektgruppe
Leylas Jugendgruppe
Leylas Projektgruppe mit einem hagalla
Roland und Leyla Jouvana
Shir o Shakar verwöhnen uns im Duo (Nicole und Alex) und zeigen einen perfekt synchronen Tribal Fusion. - Dalia Shiva und ihr Ensemble vom Tanzstudio Traumzeit Dorsten gehört zu den vielen, die auf Leylas Parties die aus der Region kommen und traditonelle Flanke mit Raks Sharki, Trommelsolo und Orientalischem Tanz in der Formation bedienen
Dalia Shiva und ihr Ensemble
Nicole und Alex von Shir O Shakar