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GOLDMÄDEL AUS DER GOLDSTADT

Interview mit der Tänzerin
Mayyadah

von Marcel Bieger
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Was werden wir von Dir in diesem Jahr auf dem Orientalischen Festival erleben?

Am Freitag zuerst einen sehr speziellen Workshop, mit speziell meine ich eben nicht irgendeine schon zigmal dagewesene Technik oder Grundkombination. Wie ihr am Anfang schon lesen konntet, habe ich den Drang, immer wieder Neues zu kreieren und Überraschungen zu finden, natürlich immer in Einklang mit der jeweiligen zu respektierenden Tradition. Ich werde den klassischen Teil aus der neuesten CD meines Lieblingsmusikers Dr. Samy Farag choreografieren. Es ist das erste Stück auf dieser CD und für einen kurzen Workshop sehr geeignet, man kann hier sehr gut für den Unterricht trennen, da der andere Teil, ein herrlicher Saidi übrigens, zu anderer Zeit gelehrt werden kann.  Man hat auch die Möglichkeit, ganz andere Tanzstücke mit diesem klassischen Part zu verbinden!
Bei meinen Choreografien habe ich immer das Bestreben, den Zuschauer in den Bann zu ziehen, zu unterhalten, zu faszinieren, seine Gefühle dabei zu berühren, ihn die Musik auf besondere Weise erleben zu lassen, und das bis zur letzten Sekunde. Aus diesem Grunde benutze ich keine herkömmlichen Bewegungsmuster, sondern probiere immer wieder überraschende Zusammensetzungen und Reaktionen aus, damit kein Tanz dem anderen gleicht und jeder seine eigene Farbe und Stimmung hat. Das ist natürlich auch mit viel Arbeit für mich und den Schüler verbunden! Aber sind wir doch mal ehrlich, wer möchte schon alltäglich sein? Es lohnt sich doch, dafür schweißtreibend und mit allen Sinnen daran zu arbeiten, die Bühnen mit mehr Leben und Gefühlen gekonnt zu bereichern! Ich halte auch nichts von geklonten Tänzerinnen, die tanzen wie XY. Aus diesem Grunde gebe ich sehr viele Impulse an die Schülerinnen weiter, damit sie mit Hilfe meiner Arbeit ihren ganz persönlichen Tanz finden, in dem sie sich selbst spüren, nur so kann der Funke zum Publikum, für das wir ja letztendlich auf die Bühne gehen, überspringen. Aber das kann nur mit einem Wörtchen funktionieren – Arbeit, und dem stetigen Willen und der Ausdauer, voranzukommen!
Und am Samstag natürlich der Auftritt in der Nachmittagsgala  meines Ensembles El Saherat mit einem neuen ungarischen Tanz und mit mir eine mit tollen Latino-Elementen gewürzten Sharki, beides ebenfalls zu Musikstücken vom Meister Dr. Samy Farag
10 Jahre Ensemble El Saherat, da gibt es doch sicher einiges zu erzählen, von der Gründung über lustige Begegbenheiten bis heute.

2001 entstand die Idee, aus einer Schülergruppe der Fortgeschrittenen (damals waren es 15, die ich in einem Tanz mit den unterschiedlichsten Rollen auf die

Bühne brachte), ein festes Ensemble mit 12 Tänzerinnen zu gründen, welches die Möglichkeit bekommen sollte, sich auf größeren Veranstaltungen zu präsentieren, d.h. der erste Schritt,  von der Hobbygruppentänzerin aus dem XY-Kurs, die nur für die Jahresshow die Möglichkeit hatte, sich mit ihren Tanzkolleginnen aus demselben Kurs dort zu präsentieren, zur Ensembletänzerin, die jetzt über den Tellerrand der eigenen Tanzschule hinaus tanzt, war gemacht. Damit das auch funktioniert, mußte ich in kommenden Jahren sehr oft auch negative Erfahrungen machen, bis ich die vielen Schlüssel für einen, na, sagen wir mal, harmonisch zu aller Zufriedenheit funktionierenden Schlüsselbund zusammen hatte, aber das alles niederzuschreiben würde sämtliche Rahmen sprengen.
Ich kann mit Stolz sagen, ich leite ein inzwischen auch international sehr beliebtes fantastisches Ensemble mit wundervollen Frauen, die wirklich ihre ganze Liebe und Bereitschaft hier einbringen, sich als ein Gesamtwerk sehen, welches die Zuschauer zu begeistern und zu berühren sich als oberstes Gebot gesetzt haben, und das, ohne sich im Einzelnen beabsichtigt hervorzuheben.


Da eine neue Generation herangewachsen ist, werde ich demnächst diesen jungen hochmotivierten Tänzerinnen die Möglichkeit geben, sich in einem neuen Ensemble genauso auszutoben. Für mich gibt es nichts Befriedigenderes, als mein Wissen und Können optimal weiterzugeben und in den Genuss zu kommen, das dann alles erleben zu dürfen!
Lustige Begebenheiten mit El Saherat ...

Da gab es jede Menge, und ich befürchte, auch das würde hier den Rahmen sprengen. Na vielleicht eine, die mir gerade einfällt: Toronto Festival 2008,  die Mädels hatten in der Gala sowas von abgeräumt mit unserem Sahara-Doppelschleier (den sie übrigens bei Leyla letztes Jahr auch präsentieren durften) ganz in Beige, Gold und Silber. Sie haben die 1800 Zuschauer damit von den Stühlen gerissen, welche laut Beifall klatschten und vor Begeisterung trampelten, mitten im Tanz wohlgemerkt. Ich stand seitlich am Bühneneingang, da ich danach mit Amir dran war.  So verdutzte unglaubwürdige und verdatterte Gesichtsausdrücke in meine Richtung hatte ich von den Mädels noch nie erlebt!

Das sah so zum Brüllen aus, natürlich nur für mich, das Publikum hat es nicht bemerkt, ich kenne eben jede verzogene Augenbraue oder die berüchtigten ´Hä?`-Blicke  meiner Goldstadtmädels
(so heißen sie auch seit dem, immerhin ist Pforzheim ja auch die Goldstadt, da hier früher die Hochburg der Gold-und Uhren-industrie war). Nach diesem grandiosen Auftritt konnten sie sich vor Interviews und Fotoattacken mit internationalen Fans nicht mehr retten, Amir und ich waren daneben richtig uninteressant (ich muß immer noch lachen, wenn ich daran denke, weil das für Amir auch eine neue Erfahrung war), alle sprachen nur noch von den Golden Girls from Germany.
Homepage: www.mayyadah.de
19. Orient. Tanzfestival Europas, 18. - 28.11.2011 in Duisburg
www.leyla-jouvana.de
Grafische Gestaltung: Konstanze Winkler
Photos ©: Titelbild André Elbing
1 Matthias Kotsch, 2 Konstanze Winkler, 3 Birgit Hyna
Mayyadahs Ensemble "El Saherat"
Mayyadah
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