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REGENSBURG FEIERT INTERNATIONALEN TAG DES TANZES
Oder was haben Michael Jackson und orientalischer Tanz zu bayerischer Musik gemeinsam?
von Nicole Honig-Lehneis
Zwei ‚schneidige Burschen’ werben ‚schuhplattelnd’ um drei hübsche Mädchen, die im Dirndl orientalische Tanzbewegungen aufführen, und das zu Polka-Musik. - Wir schreiben den 29. April 2010. Drei junge Choreographinnen, Mihrimah Ghaziya, Stella Agomor und Corinna Kullmann (Coco) aus Regensburg luden am Internationalen Tag des Tanzes zu ihrer Show, dem „Meeting Point“, ein. Dieser Tag erinnert an den Geburtstag des französischen Tanzreformers und Choreographen Jean-George Noverre und trägt die Botschaft, daß Tanz als ein Medium zu würdigen ist, mit dem alle politischen, kulturellen und ethnischen Grenzen überwunden werden. Mihrimah hatte die Idee, unter dem Motto „Meeting Point“ (= Treffpunkt) einmal eine etwas andere Show zu konzipieren, die nicht nur Hip Hop oder Orientalischen Tanz an sich darbietet, sondern „ein Treffpunkt zwischen Tanzarten sein sollte, auch für die Tänzer innerhalb ihrer Sparte.“
Neugierig und schon ganz gespannt auf die Darbietungen der fast 100 Teilnehmer, fanden sich die Zuschauer im Regensburger Antoniushaus ein. Gleich zu Beginn wurde die Bühne zur Wartehalle eines Bahnhofs. Plötzlich erschallte aus der Lautsprecheranlage nicht die übliche Durchsage, sondern orientalische Musik, mal ein Hip Hop-Song, und eine(r) der Reisenden begann zu tanzen.Durch die Wohltätigkeits-Veranstaltung zugunsten der AIDS-Hilfe Regensburg und des Sternschnuppen e.V. führte die charmante Moderatorin Isabella Schreier von Radio Galaxy. Schon zu Beginn der Show zeigte sich, daß Tanzen Groß und Klein verbindet. Die Kindergruppe Hip Hop Kids von Coco stellte unter Beweis, daß man eine einfache Choreographie schon in ein paar Minuten erlernen kann, und forderte das Publikum gleich zum Mitmachen auf.
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war ein wunderschönes Modern Dance Acrobatic Stück auf die Ballade Russian Roulette von Rihanna, das Coco zusammen mit ihrem Tanzpartner Jonas aufführte - das Ganze wurde mit Live-Gesang von Stella umrahmt. „Ich hatte schon seit Jahren den Traum, irgendwann einmal genau so eine Choreo zu machen! Ein Tänzer, eine Tänzerin und ganz viel Leidenschaft“, erklärt Coco.
Mit dem Stück „Down on My Knees“ von Sängerin Ayo ist Coco zusammen mit ihrem Modern-Kurs zudem eine wunderschöne und ausdrucksvolle Nummer gelungen. Erstmalig in einer Choreographie mit Formation, Partnerteilen und Hebefiguren umgesetzt, bittet Ayo ihren Liebsten auf Knien, er möge wieder zurückkommen.
Auch sonst wurde der Abend von den Darbietungen der sehr guten Hip Hop-Gruppen bestimmt. Stella präsentierte mit ihren Schülern ungewöhnliche Richtungen wie lyrical Hip Hop oder Dance Hall (eine auf Reggae aufbauende Musikrichtung, die Ähnlichkeiten mit Hip Hop besitzt und ihren Ursprung in Jamaika begründet). - Das lyrische Stück „Color Blind“ transportiert sehr ausdrucksstark, wie sich ein Mensch einsam und alleine gelassen fühlen kann, wenn da nicht Freunde wären, die seine Welt wieder zum Strahlen bringen und farbig werden lassen.
Zusammen mit ihrem Tanzpartner tanzte Stella das Hip Hop Duett und zeigte eingehend das Wechselbad der Gefühle, das ein Pärchen im Alltag durchleben kann. - Mit dem Medley von Michael Jackson-Titeln eroberten die Tänzer von Stella auf packende Weise das Publikum. Man spürte förmlich den King of Pop, als ob er selbst noch einmal bei seiner Best-of Show dabei sein wollte.

Daß Hip Hop und Modern Dance gut zusammenpassen, stellten Stella und Coco mit einer gemeinsamen Dance Hall-Choreographie vor. In einer abwechslungsreichen Nummer trugen sie die Botschaft des für Dance Hall typischen Sprechgesangs weiter.

"G4L"
"Russian Roulette"
"Down on my knees"
"Michael Jackson Medley"
"Color Blind"
Unter der Federführung von Romano Bier, dem Inhaber des Tanzstudios Ritmo in Regensburg, und seiner Partner Katharina Drescher entstanden die lateinamerikanischen Choreographien. Feurig und temperamentvoll präsentierten Romano und Katharina einen Bolero und einen Paso doble sowie weitere Tänze. Die Formation ihrer Schüler überzeugte durch Stücke wie „Mambo Tequila“ und „Chocolate“, bei denen die Zuschauer in die 1960er Jahre zurückgezaubert wurden.

Nicht zuletzt ist dieser beeindruckende Abend der Initiatorin Mihrimah zu verdanken. Wer sie kennt, weiß, daß sie gerne ungewöhnliche Choreographien wagt. Mit „Meeting Point“ wollte sie die Idee umsetzen, z.B. auch einmal „orientalischen Tanz auf klassische oder bayerische Musik zu probieren“, und so entstanden in ihrer Kreativwerkstatt sehr interessante Stilkombinationen. Eines der Eröffnungsstücke war „Schwanensee“. Vielen wird Schwanensee eher als eines der berühmtesten Ballette zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski bekannt sein. „Ich stand vor der Herausforderung, die (undurchführbare) Fusion zwischen Ballett und Orientalischen Tanz zu vermeiden, und mich strikt an die Bauchtanzbewegungen zu halten“, so die Maxime von Mihrimah im ersten Teil, „während der zweite Teil im Duett mit Maria ausdrucksvoller wirken sollte“. Im zweiten Teil des Stückes stellten Maria, als weißer Schwan, und Mihrimah, als schwarzer Schwan, die beiden Facetten eines Geschöpfes dar, das Liebreiz und Zartheit und gleichzeitig das Böse repräsentiert. Diese Zerrissenheit der Seele führt unweigerlich zum Tod der Schwäne.

Nun kündigte Isabella unter dem Gelächter der Zuschauer Blasmusik und Tänzerinnen im Dirndl an. Als die Musik zu spielen begann, tanzten die drei feschen Mädel jedoch keine Polka, sondern gaben sich wie im Tribal Style „geheime Zeichen“ und tanzten Orientalisch. Zwei an einem Nachbartisch kartenspielende Burschen bemerkten den Spaß, den die drei beim Tanzen hatten und stimmten schuhplattelnd und schnalzend in das fröhliche Treiben ein.

Eine ganz besondere Botschaft sollte den Raum erfüllen, als der Gospelchor Viehhausen/Sinzing mit der Tänzerin Heike ein afrikanisches Gospellied mit Trommelbegleitung vorführte. Leider war das Stück nach dem fulminanten Auftritt des Michael Jackson Medleys etwas unglücklich platziert und die Zuschauer von dem plötzlichen Stimmungsbruch etwas irritiert. Im Zentrum standen die runden, aber dynamischen Bewegungen von Heike. „Die Idee hier war auch die fülligen Formen der Tänzerin zum Ausdruck zu bringen. Ich nahm den Kreis als Leitmotiv des Ganzen, durch die Bewegungen, die Tänzerin, die Aufstellung des Chors und die Trommel“, erklärte Mihrimah.

Bavarian Tribal
Als besonderen Überraschungsgast hießen wir Farahnaz Holz willkommen, die anläßlich der Show eigens aus Düsseldorf angereist war. Ihr Fortgang aus Regensburg vor einem Jahr hinterließ in der Orient- und Bollywoodszene der Region ein beträchtliches Loch. Aber an diesem Abend durften wir zwei Stücke von ihr genießen. In einem Solo interpretierte sie ein temperamentvolles wie sinnliches Gypsy Flamenco Stück, in dem einem Liebenden leidenschaftlich nach seiner Geliebten verlangt.
Zusammen mit Mihrimah erlebten wir Farahnaz in einem ganz besonderen Duett zu dem indischen Lied „Nimbooda“: Mihrimah tanzte auf die Originalfassung des Liedes aus Radschastan, während Fahrahaz eine moderne Bollywood-Choreographie vorstellte.
Da Mihrimah eine Meisterin des Zigeunertanzes ist, durfte natürlich auch diese Sparte nicht im Programm fehlen. Für den internationalen Tag des Tanzes hat sie eine Choreographie zu dem Lied „Mana Birjar„ der rumänischen Musikerin Oana Catalina Chitu ausgewählt. Das Lied ist ursprünglich ein Zigeunerlied, verschmilzt jedoch die traditionelle Musik Rumäniens temperamentvoll mit argentinischem Tango.
Der russische Komponist Alexander Borodin hätte sicher nicht damit gerechnet, daß seine „Polowetzer Tänze“ mit persischen Tanzelementen interpretiert werden. Mit dem Schleiertanz beschreiben die Tänzerinnen die Schönheit der Heimat der Polowetzer, wie Wind und Weite sowie Blütenpracht die Landschaft prägen. - Zum Lied „Hot Stuff“ traten die Tänzerinnen von Hip Hop und Oriental gegeneinander in Wettbewerb. „Who is the Dancing Queen in Disco“ schien das Motto der Choreographie von Stella und Mihrimah zu sein.
Beim Madison, einem Partytanz der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, hatten alle Teilnehmer ihren Spaß. „Das sollte einfach ein leichtes Stück sein, ohne großes Konzept.“ Alle Tänzerinnen und Tänzer folgten der typischen Madison Schrittfolge. Wer wollte, konnte nach vorne treten, und seinen Lieblingstanzstil vorstellen, egal ob Hip Hop, Modern, Dance Hall, Break Dance, Orientalisch mit Zimbel oder gar Tribal.
Farahnaz Holz
Mihrimah Ghaziya
Polowetzer Tänze
Madison
Beim Schlußstück waren dann alle 100 Teilnehmer auf der Bühne versammelt. „Shake Your Tail Feather“ lehnte Mihrimah an die Originalchoreographie im Film “Blues Brothers” an. Jetzt zählte nur noch der Spaßfaktor, und man merkte sichtlich, wie die Anspannung von den Gesichtern fiel und alle das Gefühl eines gelungenen Abends mit nach Hause trugen.

Im Übrigen kamen nicht nur die Eintrittsgelder der Aids-Hilfe Regensburg und dem Sternschnuppen e.V. zugute, sondern es verzichteten auch alle Tänzerinnen und Tänzer auf ihre Gage, so daß für beide Hilfsorganisationen jeweils ein Spendenbetrag in Höhe von 320 EUR zusammenkam. Die Veranstalter und Organisationen danken für die Unterstützung.

Fotos Nr. 2, 3, 4, 7, 8, 10 © A. Hönig
Fotos Nr. 1, 5, 6, 9 © Nicole Honig-Lehneis
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Grafik und Layout: KonstanzeWinkler