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"INDIA'S GOT TALENT"
Mihrimah Ghaziya
in Neu Delhi
Wir haben die Französin Mihrimah Ghaziya kennengelernt, als sie in Regensburg als Lehrerin an einer Tanzschule tätig war. Und wir haben sie kennengelernt, als wir über „BellyFusions“, dem alljährlichen Tribal-Festival in Paris berichtet haben, wo sie etliche Male auf der Bühne gestanden hat. Und wir waren sehr traurig, als sie uns 2010 eröffnet hat, Deutschland verlassen zu wollen. Weil es sie wieder hinauszöge in die weite Weit, weil sie wieder weiter müsse, auch wenn sie nicht wisse, wohin sie denn eigentlich wolle. Da haben wir erkannt, daß wir sie noch gar nicht richtig kennengelernt hatten. Das tun wir jetzt, nach und nach – und von Mal zu Mal mit wachsendem Interesse – mit jedem neuen Kapitel über die Tänze dieser Welt, an denen sie aktiv teilnimmt. Mihirimah ist seit vergangenem Dezember „on tour“, und wir freuen uns jetzt mit ihr, daß sie immer noch weiter will.

heute das zweite Kapitel:

Die Inderin Meher war in Europa, hat aber auch 16 Jahre in Oman gelebt und dort OT gelernt, ist nach Neu Delhi zurückgekehrt, hat dort angefangen Mode-Design zu studieren, und als ihr das nicht mehr gefiel, ist sie per Zufall daran geraten, Orientalischen Tanz zu unterrichten. Etwas später hat sie sich bei „India’s Got Talent“ (so etwas wie unser „Supertalent“) beworben, und von heute auf morgen war sie ein Superstar. Sie hat zwar nicht den ersten Platz gemacht, ist nur bis ins Halbfinale gekommen, wurde aber über Nacht berühmt und hat dem Bauchtanz in Indien den Boden bereitet. Davor führte der eher ein Nischendasein. Bauchtanz war zwar bekannt, wurde aber zumeist von Europäerinnen getanzt, kurzum es gab vorher keine Inderinnen, die ausgebildeten Bauchtanz darbieten konnten.

Nach diesem Erfolg hat Meher ihre Schule eröffnet … Diese Schule hat kein wirkliches Zentrum, sondern sie unterrichtet, wie in Indien üblich, in zwölf verschiedenen Studios in Neu Delhi. Mittlerweile unterstützt von anderen, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben.
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Homepage Mihrimah Ghaziya: www.mihrimah-ghaziya.de
Photos Meher Malik © Meher Malik, Gruppenfoto © Mihrimah Ghaziya
Letztes Jahr hat ihr Ensemble, Banjara school of Dance, dann bei „India’s Got Talent“ mitgemacht und es bis ins Finale geschafft, wenn auch nicht auf den ersten Platz. Das war dann der Startschuß für Mehers internationale Karriere. Ihre Kurse sind proppenvoll, und wohin sie auch geht, empfängt man sie wie einen Star. Ich habe es selbst miterlebt, was für einen Aufruhr sie auslöst – der Wahnsinn! Sie ist erst 22 Jahre alt, aber extrem talentiert, und sie kann sich rühmen, die einzige Bauchtanz-Tanzschule in Indien eröffnet zu haben und zu leiten. Sie reist sehr viel durch ganz Indien und gibt Workshops und Kurse. Auf der anderen Seite ist sie auch sehr lernbegierig und lernt sehr schnell, es ist unfaßbar. Sie tanzt so schön, ich war ganz begeistert. Es war die reine Freude, sie zu unterrichten, weil sie gleich alles in sich aufnimmt, und das auch noch mit Begeisterung. Sie ist sehr fleißig, wie die Inder halt alle sind. Ihre Schülerinnen, die ich auch unterrichten durfte, habe ich ebenfalls als sehr ehrgeizig erlebt, und als sehr diszipliniert. Bei einem dreistündigen Kurs habe ich nach anderthalb Stunden „Pause“ verkündet, aber das wollten sie nicht, sondern durchmachen. Ich muß zugeben, daß mir eine solche Einstellung gefällt und mich an einen solchen Arbeitsstil gewöhnen könnte. Man merkt diesen Frauen auch an, wie sehr sie das Tanzen lieben. Alle Inder haben eine Neigung zum Tanz, und niemand schämt sich, wenn irgendwer gleich zu welcher Musik anfängt, auf der Straße zu tanzen. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Betrunkenen oder Spinner vor sich zu haben. Für mich, die viel experimentiert und auch zeitgenössischen Tanz pflegt, ist das eine wunderbare Einstellung. Es ist eine echte Erleichterung, ringsum keine Gesichter zu sehen, die entsetzt in eine andere Richtung schauen und peinlich berührt sind. So etwas würde einem Inder nie einfallen, im Gegenteil, sie freuen sich über so eine Unterhaltung.
Meher Malik
Ich habe eben gesagt, daß alle Inder gern tanzen, aber natürlich gehören die Frauen in den Tanzstudios den höheren Kasten an. Nur Reiche können sich die Gebühren leisten. Und diese Frauen gehören auch alle der jüngeren Generation an, man findet in den Bauchtanz-Kursen keine, die über 35 wäre. 30 scheint eher die Obergrenze zu sein.
Die Inder haben mich als Lehrerin angenommen, weil sie mich als weiße Frau akzeptieren. Niemand hat Schwierigkeiten damit, daß ich unterrichte. Im Gegenteil, sie freuen sich, daß ich da bin, und einige haben sich bei mir bedankt, daß ich von so weit her gekommen bin.

        Der Orientalische Tanz ist den Indern fremd, vor allem die Musik. Der OT ist auch langsamer und gefühlvoller, was sie nicht einmal von ihrem Bollywood her kennen. Im allgemeinen bekommen sie in den ersten Monaten nur Trommelsoli und andere flotte moderne Stücke beigebracht, um sich erst einmal daran zu gewöhnen. Man kann bei ihnen nicht mit einem Baladi oder einem Raks Sharki anfangen, die sind ihnen viel zu fremd und viel zu langsam. Das würde sie langweilen und dazu bewegen, wieder auszusteigen. Außerdem ist ihnen das alles nicht popig und peppig genug, wie sie das vom Bollywood her gewöhnt sind.

Bollywood ist in Indien immer noch sehr angesagt, es gibt ihn ja auch schon ewig. Daß wir im Westen ihn als neu empfinden, liegt daran, daß diese Filme erst relativ spät zu uns gekommen sind. Die Eltern von Meher sind mit Bollywood aufgewachsen und können das sofort mittanzen. Ich war drei Wochen bei Mehers Familie zu Gast. Die Eltern haben mich gefragt, ob ich Bollywood mögen würde, und ich habe etwas ausweichend geantwortet, weil ich mich damit nicht so gut auskenne. Da hat die Mutter mir Bollywood-Filme im Fernsehen gezeigt und mir einiges erklärt. „Siehst du, das ist eine ganz alte Choreographie.“

Ich habe in Indien aber auch Butoh gelehrt, zeitgenössischen freien japanischen Tanz, und den haben die Schülerinnen auch gern angenommen, was nicht verwundert, denn er war ihnen doch so fremd wie der Orientalische Tanz. So gern sie auch lernen, so wenig Geduld haben sie auch, da muß immer alles gleich passieren und sitzen. Da merkt man schon einen Unterschied. Wenn man in Deutschland vor eine Bauchtanz-Klasse tritt, steht man nicht vor jungen Mädchen, sondern vor Frauen in den 30ern, oder um es höflicher auszudrücken, im Bauchtanz findet man im Westen eher reifere Jugend. In Indien hingegen steht man vor Mädchen und jüngeren Frauen. Die älteren bleiben eher weg, denen ist das oft alles zu bunt und so weiter.

NACHTRAG:  Meher tritt mittlerweile bei einem anderen TV Programm, und zwar sehr erfolgreich. Die Sendung heißt "Just Dance" und läuft seit Anfang Juni im indischen Fernsehen. Es handelt sich um eine Art "DSDS", aber für Tanz. Die Inder sind absolut verrückt danach. Seit Wochen schon ist Meher in dieser Show zu sehen und rasch zum Publikums- und Juryliebling  aufgestiegen. Sie hat es in die Top 10 geschafft!

Mehers Audition für JustDance:
http://www.youtube.com/watch?v=ISQXOxr2KMw

Einer von Mehers Auftritten in der Sendung:
http://www.youtube.com/watch?v=Y01ZadN9czE&feature=related
(Da mußten die Kandidaten eine andere als ihre normale Tanzart zeigen und Meher führte dann Latin und Popping vor).

Ihre Gruppe "Banjara Dance" ist auch sehr aktiv und tritt in einer anderen Wettbewerbs-Sendung auf, mit genau soviel Erfolg wieMeher, siehe http://www.youtube.com/watch?v=C7f5G78NShM&feature=youtu.be
Teil 1 "Radschastan"