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Interview mit Naheema
(Andrea Nadja Brüderlin)

von Marcel Bieger
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Photos Naheema: © Hans Mulle
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
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Du bist eine der bekanntesten Tribal Fusion Tänzerinnen der Schweiz. Wie bist du zum Tanz gekommen, was für eine Ausbildung hast du hinter dir, und warum mündete alles in den Tribal Fusion?

Zum Orientalischen Tanz bin ich durch eine lustige Geschichte im Herbst 2002 dank einer lieben Freundin gekommen, an dessen Ende ich mir am Ferienort Djerba (Tunesien) ein Bauchtanz-Hüfttuch erstanden hatte. Diese liebe Freundin wollte mich dann ab September 2002 mit in den Bauchtanzkurs nehmen. Deshalb sagte sie mir, ich soll doch ein Hüfttuch kaufen, damit ich schonmal eines hatte. Im September 2002 habe ich dann tatsächlich mit dem klassischen Orientalischen Tanz angefangen. Bald besuchte ich zwei Kurse pro Woche bei meiner ersten Bauchtanzlehrerin und übte morgens um 6 Uhr die einzelnen Bewegungen des Orientalischen Tanzes. Damals war ich hauptberuflich noch als Direktionsassistentin in einer Privatbank in Bern angestellt und für den Bauchtanz musste ich so früh aufstehen, damit ich um halb acht Uhr morgens im Büro sein konnte. Zwei Jahre später absolvierte ich bei SAFS Zürich die Ausbildung zum „Hip Hop Instructor“ (Lehrer). Danach entdeckte ich Modern Dance und stellte fest, daß mich diese Richtung so aufwühlte, daß ich das moderne Ballett intensiver und gründlicher erlernen wollte. Dies führte dazu, daß ich im März 2006 mit der Tanz- und Gymnastik-Ausbildung in der Tanzberufsschule Macciacchini in Zürich/Rupperswil begann, in welcher die Schwerpunkte auf Modern Dance, Gymnastik und die Bewegungslehre von Nina Macciacchini gelegt werden. Nebst Modern Dance (modernes Ballett) gehörten zu den Fächern Jazztanz, Hip Hop, klassisches Ballett, Anatomie, Pädagogik, Pilates, Bewegungslehre nach Nina Macciacchini, Choreographie, Improvisation sowie Gestalten von Tanzlektionen mit Warm up und Stretching. Die Ausbildung schloß ich im November 2009 mit Erlangen des Diploms ab.
Den Orientalischen Tanz praktizierte ich nebenbei selbstverständlich weiter. Im Februar 2007 habe ich dann das erste Mal Tribal Fusion auf einer Bühne in der Schweiz gesehen. Ich war sofort hin und weg! Diese Tanzbewegungen packte, die Kostüme faszinierten und die Musik ergriff mich. Was ich damals auf dieser Bühne sah, war genau das, was ich zukünftig machen wollte. Ich habe mich dann zuerst im Internet über Tribal Fusion informiert, wie und wo alles entstanden ist. Lernte bereits am nächsten Tag, welche Tänzerinnen zu den Pionierinnen der amerikanischen Tribal-Szene gehören und besorgte mir selbstverständlich die ersten Basic-DVDs über Tribal Fusion und ATS.
Kurze Zeit später war dann der Besuch bei Kami Liddles Workshop in Zürich angesagt. Daraufhin besuchte ich Workshops von Meissoun, Deva Matisa, Sharon Kihara, Samantha Emanuel, Moria Chappell, Asharah, Cera Byer, Fayzah, Mardi Love und Manca Pavli. In all diesen Workshops sah ich, daß das Training einer Tribal Fusion-Tänzerin ähnlich abläuft wie das harte Training z. B. einer Modern Dance-Tänzerin. Dies empfand ich als äußerst angenehm, und ich wußte, dass dies mein zukünftiger Tanz-Weg sein wird.
Du hast im letzten Herbst die allererste reine Tribal-Show der Schweiz organisiert, ausschließlich mit einheimischen Künstlern. Ist eine Fortsetzung geplant? Soll es bei rein einheimischen Zusammensetzungen bleiben, oder willst du aufs benachbarte Ausland übergreifen? Wie setzt sich die Schweizer Szene zusammen? Gibt es Verbindungen zwischen den einzelnen Sprachgebieten? 

Ja, wir planen eine Fortsetzung der Tribal Dimension, idealerweise im 2-jahres-Rhythmus, da wir ja noch jedes Jahr die Abschluß-Show der TTFE haben. Ob es rein schweizerisch bleiben soll, darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich bin da offen und glaube, daß es eine Überlegung wert isein dürfte, auch Tänzerinnen aus den Nachbarländern einzuladen.

Wie setzt sich die Schweizer Szene zusammen? In der Ostschweiz haben wir die großartige Viviane Gerhardt, in der Region Luzern haben wir auch einige Tribal Fusion-Tänzerinnen, und vielleicht auch dank der TTFE gibt es nun in Zürich und Bern ebenfalls mehrere TF-Frauen. Aus der Region Basel und aus dem Tessin höre ich grundsätzlich nichts zum Thema Tribal. Zwischen den französischen und deutschsprachigen Gebieten bei uns in der Schweiz gibt es seit dem letzten Jahr eine Kooperation. Zudem absolvieren zurzeit drei Tänzerinnen aus der französischen Schweiz die TTFE. In unserem Sonnengebiet, dem Tessin (italienische Schweiz) kenne ich persönlich die Tribal (Fusion)-Szene bis jetzt gar nicht.

Einige Male ist jetzt schon der Begriff TTFE gefallen, genauer "TTFE TANZKULT TRIBAL FUSION EDUCATION" an. Wie ist diese Tribal-Fusion-Schule entstanden? Für wen ist diese Ausbildung geeignet, welche Dozentinnen unterrichten bei dir, welche Themen werden behandelt, und warum ist die Unterrichtssprache Englisch? 

Da ich selber eine Tanzausbildung absolviert habe, kam mir schon bald die Idee bzw. der Wunsch, ein einjähriges Tanzausbildungsprojekt zu lancieren. Ich fand es einfach toll, wie man sich in einer gewissen Zeit in einer Ausbildung weiterentwickeln kann.

Man hat während einer gewissen Frist die gleichen Schülerinnen, mit denen man intensiv arbeiten kann. In der Bauchtanzszene sah ich dann leider auch oft, daß viele Frauen OT-Kurse besuchten, jedoch praktisch nie Haltung, Ausdruck, Kraft oder Beweglichkeit trainieren. Dem wollte ich ein wenig entgegenwirken und beschloß, einen einjährigen Lehrgang zu planen. Mit meinem neuen Lebensinhalt „Tribal Fusion“ ließ sich das enorm gut umsetzen, denn im TF sind Haltung, Ausdruck, Kraft sowie Beweglichkeit das A und O. Die TTFE ist für alle Frauen oder Männer geeignet, die sich in Tribal Fusion weiterbilden, spezialisieren oder professionalisieren möchten.
An der TTFE unterrichteten und unterrichten Manca Pavli, Fayzah, Ariellah, Morgana, Anasma, Deva Matisa, Mirjam Sutter, Meissoun, Arzo-Carina Renz, Alessandro Pitzalis, Roman Buss und meine Wenigkeit Im Lehrplan behandeln wir Ballett, Kräftigung, Stretching, Rhythmuskunde, Modern Jazz Orientale, Improvisation, Choreographie und Ausdruck. Da ATS einen wichtigen Teil bei TF ausmacht, widmen wir ein ganzes Wochenende dem Tribal Style. Bei TF lehren wir die Basis-Technik (muskuläre Technik), Isolationen, Layering, old School TF, Locking, Popping, Breaks & Waves, robot style, Floorwork und Zimbeln. Zudem gehören zu den Fächern: Marketing für Tänzerinnen, Geschichte ATS und TF, Make up, Frisuren und Kostümierung.

Die Unterrichtssprache ist nur bei den Dozenten aus Spanien oder den USA Englisch, und das aus dem einfachen Grund, weil diese Dozenten nicht deutsch sprechen. Meine Assistentin, Natascha Ratzlaff, übersetzt zudem während des Unterricht jederzeit auf Wunsch das Englische ins Deutsche und umgekehrt.

Wie sehen deine weiteren Pläne und Projekte aus, bleibt dir als Schulleitern noch die Zeit, selbst auf die Bühne zu gehen?

Ziel ist, zuverlässig jedes Jahr eine TTFE durchführen zu können, mit spannenden Themen und Dozentinnen/ Dozenten, und meine eigenen TF-Klassen zu erhalten und auszubauen. Auch möchte ich meine eigenen Tanz-Produktionen sei es in der Gruppe oder Solo vermehrt auf der Bühne präsentieren.

Da ich mich seit Juli 2011 voll und ganz aufs TANZEN UND TANZKULT konzentrieren kann, bleibt mir genügend Zeit für meine Klassen, für die TTFE und auch, um selbst auf die Bühne zu gehen und wer weiß, vielleicht auch noch für weitere spannende Projekte. An den Ideen mangelt es bei mir nie.
Naheema (Andrea Nadja Brüderlin)
Alessandro Pitzalis
Manca Pavli
Fayzah
Ariellah
Morgana
Anasma
Deva Matisa
Mirjam Sutter
Meissoun
Roman Buss
Arzo-Carina Renz
... und natürlich Naheema
Das Dozententeam der TTFE
TANZKULT TRIBAL FUSION EDUCATION
'TRIBAL FUSION – ICH WAR GLEICH HIN UND WEG!"