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Photos © Konstanze Winkler
Grafik /WebDesign: Konstanze Winkler
Pierre Moussa ist Libanese, lebt aber in Düsseldorf, wo er auch sein Tanzstudio und seine Schneiderei betreibt. Er ist schon ewig dabei und kennt die Szene wie seine Westentasche. Wenn Pierre (nicht zum ersten Mal) ein eigenes Festival ausruft – bei ihm heißt das „Orientalisches Tanz-Feuerwerk“ -, dann darf man sich darauf gefaßt machen, daß die ganze Region bebt. Die für den Libanon typischen orientalischen Tänze liegen ihm besonders am Herzen, und so erwarteten uns auch die "Nächte von Beirut".

Den Abend eröffnet, natürlich, das Ensemble Pierre Moussa, ein elegantes Dutzend bezaubernder Damen mit einer geschickten OT-Choreographie, bei der das Publikum gleich mitgeht und klatscht. – In der Folge erleben wir Marie Moussa, die es für diesen Abend unternimmt, uns durch die Show zu führen. Sie erledigt diese Aufgabe mit viel Esprit und Humor, ja, sie kann auch über sich selbst lachen, und Pierre und Seine Ex-Frau foppen sich gern, was immer gut ankommt.

Nun erfreut uns ein ägyptische Volkstanz, ein Baladi, den Kalima sehr rhythmusbetont und mit sichtlicher Freude vorführt. Obwohl ehedem ein ländlicher Tanz, hat er sich längst die ägyptischen Städte erobert und gilt inzwischen als eigene Kunstform; Kalima läßt uns daran teilhaben, warum das so ist. – Die Gruppe Mojgan beschert uns etwas nicht Alltägliches, nämlich einen kurdischen Volkstanz. Farbenfroh, lebhaft und fröhlich wirbeln die neun Mitglieder über die Bühne, und mitunter wird es sogar wild und leidenschaftlich. Mal tanzen sie im Kreis, mal in Kleingruppen, dann im Halbkreis und auch mitten im Publikum.

Mona Okon, die Miss OT aus Mülheim/R. führt zurück ins klassische Fach, ihr Raks Sharki nach ägyptischem Vorbild, ihre Haltung und ihr Ausdruck beeindrucken, und sie zeigt uns die ganze emotionale Bandbreite von romanisch bis leidenschaftlich. – Das Duo Karma, um das es lange ruhig war, steht wieder auf der Bühne und zeigt uns eines ihrer Standard-Stücke, ein futuristisches Trommel-Solo. Man merkt bald, daß die beiden es immer noch drauf haben.

Kalima nun mit Gruppe, der Gruppe Kalima, und die bescheren uns einen Tanz mit Isis-Flügeln und ein samba-lastiges Trommelsolo. Das Quintett ist mit großem Elan und Feuer dabei. – Sophia Chariarse, die Expertin schlechthin für alle Arten des indischen Tanzes, kommt uns heute mit einem klassischen Stück. Sie tanzt mit großer innerer Hingabe und geht ganz in dem Stück auf.

Apsara Habiba darf man mit Fug und Recht als Pionierin der orientalischen Tanzkunst in Deutschland bezeichnen, und auf Pierres Show widmet sie sich dem Zigeunertanz, besser gesagt, seinen Spielarten. Sie beginnt langsam, aber immer schneller werdend, sich nach Russenart zu drehen, bis sie kaum noch von einem Wirbelwind zu unterscheiden ist. Danach geht es spanisch weiter, und sie tanzt durchs Publikum und setzt sich einem Zuschauer auf den Schoß.

Die Gruppe Safira ist von Manis ins Leben gerufen worden und bekommt von ihr wunderschöne Choreographien auf den Leib geschrieben. Heute ist das ein Revue- oder Musical-Tanz mit drei Damen und drei „Herren“, die sich flott und mit dem richtigen Gefühl für Tingel-Tangel in Kleingruppen und im Ensemble zu bewegen verstehen. – Manis gibt sich danach solo die Ehre: Mit Doppelschleider interpretiert sie ein Stück von Lindsey Stirling voller Romantik. Wir schmelzen dahin.

Aus Pforzheim ist Mayyadah angereist und entbietet uns ihren Gruß mit einem teils eleganten, teils wehmütigen Raks Sharki; da stimmt einfach alles. – Den Abschluß der ersten Spielzeit bildet Pierre Moussas Ensemble, allerdings ohne den Meister selbst. Wir erfreuen uns an einem flotten Dabke, den Pierre „Dabke-Fusion“ nennt.

Nach der Pause eröffnet Jasmin Moussa, die sehr talentierte Tochter Pierres, den zweiten Block mit einem klassischen Raks Sharki und zeigt uns, daß wir zurecht noch Großes von ihr erwarten dürfen. – Ihr folgt Mona Okon und erweist sich mit ihrem zweiten Beitrag an diesem Abend, wiederum einem Baladi, als noch leidenschaftlicher und gewandter. Dann gesellt sich Monas eigenes Ensemble zu ihr, und nun tanzen alle den schwungvollen und lebendigen Baladi gemeinsam bis zum Schluss.

Manis und ihre Gruppe Sinam entflattern ihre Fächerschleier. Dieses Septett ist so etwa die dritte Generation dieses Ensembles und tanzt so bunt und vielfältig, daß man glauben könnte, es sei die nie gealterte Ur-Besetzung.

Mojgan tanzt einen persischen Tanz, und es gibt wohl nur sehr wenige, die sich so wie sie auf die Interpretation zentralasiatischer Tänze verstehen. Dazu ist sie auch noch flott und lebhaft. – Das Ensemble Pierre Moussa zeigt uns einen weiteren Raks Sharki mit Trommelsolo, und es fällt hier, wie auch schon vorher auf, wie gut die Damen zusammenpassen. Auch die Folklore- und Dubstep-Elemente wollen gefallen.

Zu heftigem Heavy Metal-Rhythmus, dazwischen schwermütige orientalische Musik, dazu Versatzstücke des orientalischen Bewegungs-Repertoires, das nennt Duo Karma „afghanisches Trommelsolo“, und dies ist wohl der eigenwilligste Beitrag des Abends. – Krachender Dub Step und Hip Hop-Bewegungen, Apsara Habiba macht auch der Tribal Fusion Spaß, und wieder schafft sie sich auf der Bühne. Das anschließende Trommelsolo krönt den gelungenen Vortrag.
Es wird wieder Zeit für das Ensemble Pierre Moussa, das rasant und rassig einen libanesischen Dabke vorführt. Eine hübsche Choreographie rundet die Darbietung ab. – Sophia Chariarse entführt uns in die Welt des Bollywood, zuerst mit einer flotten und ansehnlichen Darbietung, dann mit einer popigeren Vorstellung, die schon fast etwas von Swing an sich hat. – Und zum Schluß, Ehre wem Ehre gebührt, der Chef selbst: Pierre Moussa zaubert uns eine „libanesische Fantasie“ auf die Bühne, eine flotte Solonummer mit Stocktanz und was ihm sonst noch alles so liegt.

Ein schöner Abend liegt hinter uns, den wir, Nummer für Nummer, genossen haben. Aber wir kommen sehr gerne wieder, wenn Pierre Moussa erneut am Himmel der „Nächte von Beirut“ ein Feuerwerk des Tanzes entfacht.

Noch einmal Mayyadah wiederum mit einem klassischen Raks Sharki. Sehr stimmungsvoll und mit Verve dargeboten und auslaufend in einem Trommelsolo. – Die Gruppe von Mojgan, das sind acht Frauen mit einem popigen Trommelsolo und einem flotten und fitten Schleiertanz.
Pierre Moussa/Jasmina Basar bei facebook
Ensemble Pierre Moussa - Raks Sharki
Marie Moussa - Moderation
Gruppe Mojgan - kurdischer Volkstanz
Kalima - Baladi
Duo KarMa - futuristisches Trommelsolo
Mona Okon - Raks Sharki
Sophia Chariarse - Indisch
Apsara Habiba - Zigeunerfantasie
Safira - "Oriental-Musical-Dance"
Gruppe Kalima - Isiswings und Trommelsolo
Manis- Doppelschleier
Ensemble Pierre Moussa - Dabke-Fusion
Mayyadah - Raks Sharki
Mona Okon und ihr Ensemble - Baladi
Jasmin Moussa - Raks Sharki
Manis und SINAM - Fächerschleier
Mojgan - persischer Tanz
Duo KarMa - Folkmetal
Ensemble Pierre Moussa - klass. Raks Sharki
Mayyadah - Raks Sharki
Apsara Habiba - Tribal Fusion
Sophia Chariarse - Bollywood
Gruppe Mojgan - Schleiertanz
Ensemble Pierre Moussa - Dabke
Pierre Moussa - Libanesisch
Marie und Pierre Moussa - Finale
NÄCHTE VON BEIRUT- 20 JAHRE „Jasmina-Basar“

im Theatersaal der Rudolf-Steiner-Schule,
Düsseldorf, 25. Oktober 2014

Showbericht von Marcel Bieger