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Aus dem Inneren und tief ins Innerste - POESIE TRIFFT TANZ!
Eine Hommage an den libanesischen Dichter KHALIL GIBRAN
von Michaela Heimers
Über ein Jahr lang hatte Dahab Sahar zusammen mit ihren Schülerinnen, Gasttänzerinnen und mit viel Liebe zum Detail eine Show vorbereitet, wie man sie so noch nicht erlebt hat. Nicht unterbrochen durch Anmoderationen für die einzelnen Darbietungen, sondern in einem fortlaufenden Reigen von Tanzauftritten - vom Profi bis zur Schülerin vorgetragen - entstand ein überwältigendes Gesamtkunstwerk. Bildimpressionen aus der Natur führten die Zuschauer durch den Jahreslauf sowie das menschliche Sein und Vergehen. Die wunderschönen, philosophisch-tiefsinnigen Texte des libanesischen Poeten Khalil Gibran (1883-1931), teils live vorgetragen, teils eingespielt, regten zum Nach- und Weiterdenken an und fanden ihre Interpretation in den ausdrucksstarken Darbietungen der Tänzerinnen.
In glitzernd-klirrender Kälte fegte da zu Beginn der Show der Winter – getanzt von Artemis aus Stuttgart - über die ersten zart sich regenden Blümchen. Doch der Kälte trotzend brach sich der Frühling Bahn im Tanz der Blume
(Shara aus Bammental) Bahn. Wie anrührend setzte dann Sora mit ihrer kleinen Tochter das Gibran`sche Gedicht „Eure Kinder sind nicht Eure Kinder“ in Bewegung um. Laila Naima, die darauf folgte, wirkte in ihrer Interpretation des Gedichtes „Von der Liebe“ wie die personifizierte selbige, weiblich, kraftvoll, hingebungsvoll. Das Wasser und das Meer wurde von der Gruppe Farha aus Mosbach in wasserblauem Kostüm und weiss-transparenten Schleiern wunderbar fließend in Szene gesetzt. Begeistert konnten die Zuschauer ihre Freude bei der Darbietung Nylas nicht mehr zurück- halten, die temperamentvoll die Schönheit verkörperte. Im Duo mit ihrer Freundin Susanniya interpretierte Dahab Sahar – wie könnte es treffender sein - die Freundschaft in einem hinreißenden Schleiertanz. Der Sommerregen - getanzt mit Schleier zu einer Musik, bei der man die Regentropfen vor dem Fenster hätte tanzen sehen können - wurde von Artemis wunderschön umgesetzt. Der Jahreslauf schritt weiter fort, mit der Gruppe Farha tanzten im Wind die Herbstblätter in Rot.
Das Projektensemble Ashab Banati - bestehend aus Tänzerinnen aus Bammental und dem Schwarzwald - beendete vorerst den unbeschwerten Teil des Abends mit einem Tanz der Bauern (Saidi). Denn mit den direkt anschlie- ßenden Auftritten der Tänzerinnen Sora und Callisto aus Schweden, die „Schmerz“ und „Tod“ tanzten, wurde den Zuschauern viel abverlangt. Beide Darbietungen waren faszinierend und emotional herausfordernd. Ein Blick in die Gesichter der Gäste ließ offen die Betroffenheit und das nahezu körperliche Mitfühlen erkennen.
Nach drei Stunden (inklusive einer 40-minütigen Pause) schloss das Programm mit dem begeisterten und nicht enden wollenden Applaus der Gäste für alle aufgetretenen Künstler. Die Umsetzung einer Show dieser Art bedeutet für Dahab Sahar die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Ihr ist es hier gelungen, den künstlerischen Wert des orientalischen Tanzes deutlich und vor allem sichtbar zu machen.
Homepage Dahab Sahar:
www.dahabsahar.de
Aber damit noch nicht genug der Besonderheiten. Den abschließenden Programmpunkt bildete die tänzerische Umsetzung des epischen Musikstücks „Gabaar“ von Halim Hafez. Das Empfinden des lyrischen Ichs entwickelt sich hier von tiefer Trauer über den Verlust der Geliebten, die es betrogen hatte, über Hass auf die Liebe an sich und generelle Rachegelüste bis hin zur friedvollen Erkenntnis, dass dieses Liebesempfinden durch die Geliebte zwar enttäuscht, aber der grundlegende Wert der Liebe nicht zerstört wurde.

Dahab Sahar und Abeer Will hatten hier etwas ganz Spezielles in Angriff genommen: Im Projekt „Be Yourself
And Not a Copy“ erarbeiteten acht Frauen individuell Passagen dieses Liedes. Ihre Aufgabe war es, wie der Projekttitel schon sagt, ganz ihr Selbst im Tanz zu finden und auszudrücken, eben jenseits von „bloßem Nachtanzen“ einer vorgegebenen Choreographie. Im Wechsel der Tänzerinnen und einzelner Gruppenelemente ist eine eindrucksvolle tänzerische Umsetzung der emotionalen Wandlungen des lyrischen Ichs entstanden.
"Be Yourself And Not a Copy" -
Zu "Gabbar" von Halim Hafez
Artemis
Artemis
Nyla
Callisto
Sora
Ashab Banati
Sora und ihre Tochter
Gruppe Farha
Gruppe Farha
Susanniya & Dahab Sahar
Laila Naima
Shara
Maria & Tochter Luisa lesen ein Gedicht
Laila Naima und Gruppe - "Gabbar"
Dahab Sahars Schülerinnen - "Gabbar"
Projektgruppe Master, Dahab Sahar - "Be yourself and not a copy"
Laila Naima "Gabbar"
Heidi Ashauer - Be yourself ...
Sylvia Wolf - Be yourself ...
Finale
Fotos: Dieter Dewald
Was für eine Begegnung mit Poesie, Musik und Tanz, die die Zuschauer am Samstag, den 08.06.2013 im Martin-Luther-Haus in Neckargemünd miterleben durften! Bewegend, aufrüttelnd, anrührend, anders.
Die Autorin Michaela Heimers aus Villingen-Schwenningen tanzt bei der überregionalen Projektgruppe Ashab Banati und bei der Tanzgruppe „Bassima“ in ihrer Heimatstadt mit. Als solche wirkte sie auch auf der Veranstaltung „Poesie trifft Tanz“ mit und hat dort unter anderem die Gedichttexte gesprochen. Allgemein wurde ihre wunderbare Stimme gelobt. Lest nun ihre ganz persönlichen Eindrücke von dieser Show, die gewiß das Prädikat ungewöhnlich verdient hat.
"Poesie trifft Tanz" geht on tour ... Termine und Orte folgen ...