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EROTIK ALS SPIEL

Princess Farhana
im Münchner
„Zentrum für Orientalischen Tanz“

12. - 13. Februar 2011

von Marcel Bieger

Princess Farhana kommt für einen einzigen Auftritt nach Deutschland. Wir überlegen nicht lange. Nach München ist es zwar weit, aber wir sind schließlich auch schon woanders hingelangt, und wir sind neugierig auf diese Künstlerin, von der eine Aura ausgeht, als gäbe es wöchentlich einen neuen Skandal. Doch wenn man etwas tiefer gräbt, stößt man auf nichts dergleichen; dabei hat sie beileibe keine Karriere ohne Höhen und Kanten hinter sich. Was sie uns besonders sympathisch macht, Pleasant, wie sie mit bürgerlichem Vornamen heißt, hat alles schon einmal versucht und findet immer wieder etwas Neues.
Princess Farhana ist die Königin des „Burlesque“, der gerade bei uns populär wird. Es handelt sich dabei um eine Kunstform, für die es im Deutschen keine Entsprechung gibt. Jede Annäherung stößt an Grenzen. Die wörtliche Übersetzung ergibt „Burleske“, was soviel wie Bauerntheater heißt. Aber mal ehrlich, was hat Peter Steiner mit Princess Farhana zu tun? In den USA haben sich um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert Unterhaltungsformen entwickelt, die mit groben und derben Späßen das Publikum anzog (man bedenke, das Kino steckte noch in den Windeln, Radio und Fernsehen waren noch undenkbar und die Oper und dergleichen nur etwas für die bessere Gesellschaft). Auch eine Prise Erotik war immer dabei, wenn Damen, dem Anschein nach leicht beschürzt, auftraten, aber mehr verhießen als enthüllten. (Überhaupt ist es – entgegen landläufiger Meinung – beim richtigen, echten „Burlesque“ geradezu verpönt, sich zu entblättern.) Wir erinnern uns auch gern an den wunderbaren, aber irgendwie in Vergessenheit geratenen Film „Die Nacht, als Minsky aufflog“, in dem eine junge Frau mit bibelfester Erziehung nach New York kommt und in die Welt der Burlesque gerät. Unserer Meinung nach immer noch die charmanteste Beschäftigung mit diesem Thema. Mit einem Wort, wir sind gespannt, was uns in München erwartet. Burlesque war die Pop-Kultur, bevor das Kino mit dem Aufkommen des Tonfilms seinen Siegeszug antrat und alles andere verdrängte.
Eingeladen hat das Zentrum für Orientalischen Tanz von Ludmilla und Monika, eines der ersten Bauchtanzstudio Deutschlands
(
www.tanz-zentrum.de). Das Nachbargebäude nimmt ein Hotel ein, mit dem Monika und Ludmilla sich bestens arrangiert haben, beide Seiten profitieren davon. Das Studio selbst entspricht gehobenem Standard und atmet Tanzgeschichte. Alle paar Wochen, oft mehrmals im Monat, finden hier solche Studioshows statt, zu unterschiedlichen Themen, mit einer Vielzahl von Stargästen. Wenn man sich die Listen anschaut, kann man leicht glauben, daß buchstäblich alle schon einmal dagewesen sind (sind sie nicht, denn Ludmilla und Monika haben immer noch ein paar Wünsche offen – es bleibt also spannend).
Zwischen 60 und 80 Gäste finden sich ein, und da die Künstler ja auch etwas Platz für ihren Auftritt brauchen, ist der große Saal gut gefüllt. Man sieht der neue Trend wirft seinen Schatten voraus.
Zu Beginn der Veranstaltung tritt Dixie Dynamite ans Mikrophon, ihres Zeichens deutsche Künstlerin, findet ein paar einleitende Worte, die ihr nicht zu schwer fallen, ist sie doch auch Burlesque-Tänzerin und Lehrerin für ebendiesen Stil im „Zentrum für Orientalischen Tanz“ (unter anderem). Wir erfahren, daß Burlesque ein Spiel mit den Sinnen und Erwartungen der Zuschauer ist und bekommen noch einmal erklärt, daß eine Burlesque-Tänzerin zwar Erotik verbreitet, aber niemals die Hüllen fallenläßt. Wir sind erst recht gespannt, und schon geht es los.
Das Studio des "Zentrums für Orientalischen Tanz" , hier während eines Workshops von Princess Farhana
Princess Farhana
Photo © Pleasant Gehman
Den Anfang macht die Gruppe Nour El Ain von Monika, die auch die Choreographie entwickelt hat, eine Schülerinnengruppe des Hauses, das leichtfüßig und doch auch engagiert einen Baladi-Pop Oriental zum Besten gibt. – Und schon tritt Princess Farhana in das Rund und führt zunächst einen traditionellen Raks Sharki auf. Das hat sie schließlich gelernt, aus diesem Humus ist sie hervorgegangen, und ihre Wurzeln im OT hat sie niemals vergessen. Daß sie mittlerweile beim Burlesque angekommen ist (den sie aber nicht ausschließlich betreibt), erkennt man an ihrer sehr chiquen, eleganten und mit viel Verve vorgetragenen Darbietung. Sie nennt ihren Beitrag „Oriental Routine“.
Das Studio füllt sich langsam zur abendlichen Show
Als nächstes macht uns die Schülerinnengruppe von Angela (Natascha, Corinna, Claudia) mit einem Pop Baladi ihre Aufwartung, ein verpopter Orientalischen Tanz auf hohem Niveau (auch hier hat die Lehrerin selbst die Choreographie beigetragen.
Ein Trio überrascht mit einem choreo- graphierten Trommel- solo als Formations- tanz, leicht verspielt aber auch voller Leidenschaft.
Es ist dies die
Schülerinnengruppe von Ludmilla (Alex, Christine, Miriam) mit ihrem „Henkesh-Trommelsolo“
(Choreographie: Ludmilla).
Princess Farhana mit einer sehr chiquen, eleganten und mit viel Verve vorgetragenen Darbietung. Sie nennt ihren Beitrag „Oriental Routine“.
Dem folgt ein sehr emotions-
geladener Raks Sharki, sehr lebendig und mit viel Ausstrahlung.
Angela selbst gibt sich die Ehre.
Kurz vor der Pause erwartet uns die zweite Überraschung dieses Tanzabends:
Dixie Dynamite überrollt uns mit einem Charleston von solchem Elan, daß man mit den Blicken kaum den Beinschwüngen folgen kann. Als wäre das nicht genug, gibt es noch eine Stepptanz-Einlage. Wir fangen an zu verstehen, das ist die Musik der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, also der Hochzeit des Burlesque (und auch in dem Film „Minsky“ – s.o. – reichlich vertreten).



– Im zweiten Stück erscheint Dixie (die den Namen „Dynamite“ völlig zurecht trägt) hinter Federfächern zum ohnehin schon schwülen Stück „Sway“ (einem im Ursprung späten Swing-Klassiker) und tanzt in zeitgenössischer erotischer Seidenunterwäsche Vogelposen. Auch das „Burlesque“, wir sind begeistert.
weiter...
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Photos, wenn nicht anders vermerkt, © Konstanze Winkler
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Dixie Dynamite...
...macht ihrem Namen alle Ehre
Ludmillas Schülerinnen
Angela
Angelas Schülerinnen
Princess Farhana
Nour El Ain