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Aus unserem Nachbarland im Westen, Belgien, haben schon viele sehr gute Tänzerinnen die Bühne betreten, spontan fallen uns Khalida und Amirah ein, die ja auch schon von dieser Zeitung vorgestellt und befragt worden sind. Wir freuen uns daher, heute diesem bunten Strauß eine weitere Blume hinzufügen zu können: Queenie aus Gent, eine OT-Tänzerin, der Sonderklasse, die nicht umsonst im vergangenen Jahr den 1. Platz in der Königinnen-Disziplin „Raks Sharki“ beim Wettbewerb „Bellydancer of the World“ belegen konnte. Queenie ist nicht nur eine tolle Tänzerin, sondern auch eine charmante Gesprächspartnerin mit einem sehr tiefen Sinn für Humor.

ICH BIN MIT LEIB UND SEELE ORIENTTÄNZERIN

Interview mit der belgischen Künstlerin
Queenie

von Marcel Bieger
(auch Übersetzung)

Erzähle uns bitte etwas über dein Leben vor dem Tanz, hast du einen Beruf erlernt, und kannst du mittlerweile vom Tanz leben?

Ich habe mit dem Bauchtanz auf der Universität angefangen, mit anderen Worten, mir blieb zwischen den einzelnen Vorlesungen und Seminaren genug Zeit zum Trainieren. Und auch in den Lehr-Veranstaltungen bin ich gern in Gedanken meine Choreographien durchgegangen. Da ist mir auch so richtig klar geworden, was es heißt, daß sich alles im Kopf abspielt. Auf jeden Fall haben mir solche Übungen geholfen, mir die Abfolgen von Bewegungen und Kombinationen besser einzuprägen. Ich gehe heute immer noch so vor, zum Beispiel auf längeren Autofahrten. Und ich sitze viel am Steuer und nutze die Zeit, um neue Musik anzuhören, neue Ideen zu entwickeln und mir Tanzschritte auszudenken, eben die nötige Kopfarbeit zu leisten.

Im Lauf der Jahre habe ich immer mehr getanzt. Dank der Unterstützung meiner ersten Lehrerin, Samyra, kam es dann auch zu ersten Auftritten und schließlich Lehraufträgen. Ja, ich konnte es mir irgendwann leisten, hauptberuflich zu tanzen … Bis uns dann die wirtschaftliche Krise und die Zumba-Welle gleichzeitig trafen. Seitdem ist es gar nicht mehr so einfach, vom Bauchtanz zu leben. Bald mußte ich mich nach einer Nebenbeschäftigung umsehen. Ich habe jetzt eine Teilzeitstelle als Dokumentarin.
Wie hat dich das Bauchtanz-Virus befallen?

Sertab Ereners Darbietung bei der Eröffnung der Grand Prix Eurovision 2004 hat mich infiziert und dazu gebracht, mich für Bauchtanz-Unterricht anzumelden. Aus heutiger Sicht gab es dort nicht so furchtbar viel Bauchtanz zu sehen, aber das bißchen reichte damals für mich vollkommen aus, um nicht mehr davon loszukommen. Die Tanzschulen bei uns hatten leider gerade Sommerferien, aber ich hatte Glück, meine spätere Tanzlehrerin gab in meiner Heimatstadt Gent bei einem Sommer-Festival einen Anfänger-Kurs, und den habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Das Ganze erwies sich aber als nicht so ganz so leicht wie erwartet. Samyra konnte mich jedoch beruhigen, ihr Workshop enthielte den Stoff von vier Klassen. Na dann! Mit frischem Mut kämpfte ich mich durch die Lehrhefte und ging im September zu ihr in den Unterricht. Aus einer Stunde in der Woche wurden zwei, aus dreien vier und irgendwann drohte mir alles über den Kopf zu wachsen.

Ich hatte schon vorher einige Tanzerfahrungen gemacht (Salsa, Tango, Ballett und sogar in modernem flämischen Volkstanz). Aber mit keiner Gattung habe ich mich so intensiv befaßt wie mit dem Orientalischen Tanz. Ich bin nämlich der Ansicht, daß man sich in verschiedenen Stilen gründlich üben sollte, um sich ein solides Basiswissen zu verschaffen, das einem im Bauchtanz sehr zugutekommt. Ganz gewiß hilft einem das bei der Balance und dem Bewußtsein für den eigenen Körper.
Du hast eindrucksvoll bewiesen, daß du eine ausgezeichnete Raks Sharki-Tänzerin bin. Auf deiner Homepage erfährt man zudem, daß du dich auch sehr mit dem Khaleegy beschäftigst. Warum gerade diese beiden?

Zunächst einmal möchte ich immer weiter lernen, denn es ist einfach ausgeschlossen, alles über diesen Tanz, über diese Kunstform zu wissen. Ich gehöre zu denjenigen, die gern aus dem Bauch heraus tanzen, die sich von der Musik davontragen lassen und die nicht nur nach der Musik tanzen, sondern im Tanz die Musik leben. Allerdings halte ich Tanztechnik für mindestens ebenso wichtig – wie meine Schülerinnen sofort bestätigen werden. Die Technik kommt bei mir immer an erster Stelle, damit die Bewegungen sich ins Gedächtnis der Muskeln eingraben und bei Bedarf abgerufen werden können.

Ja, der Khaleegy. Ich kann nicht mehr dazu sagen, als daß er mich einfach glücklich macht. Der Rhythmus nimmt mich so mit, daß ich ihm einfach nicht widerstehen kann. Ich bin mit Leib und Seele Orienttänzerin, und der Raks Sharki ist meine große Liebe. Und ich lerne immer noch neue Seiten an ihm kennen, die mich immer aufs neue mit Liebe zu ihm erfüllen.
Erzähle uns bitte etwas über die Gruppe „Raks Pro“ und deine anderen Projekte mit der Künstlerin Khalida.

Ich war zwei Jahre mit „Raks Pro“ zusammen, im ersten als Gast-Choreographin und im zweiten als stellvertretende Leiterin, als Khalida so viel anderes zu tun hatte, daß sie bei der Gruppe etwas kürzer treten mußte.

„Raks Pro“ setzt sich aus eigenständigen professionellen Tänzerinnen zusammen, und es lohnt sich immer, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die etwas von der Sache verstehen. Für alle war dieses Projekt neu, denn normalerweise arbeitet man nur auf einen bestimmten Auftritt hin und trainiert nur für denselben.

Letztes Jahr habe ich „Raks Pro“ wieder verlassen, weil ich einfach immer weniger Zeit dafür hatte, danach stand und steht die Gruppe alleine unter der Leitung von
Artemisia. Es ist mir wirklich nicht leicht gefallen, dieser Gruppe Lebewohl zu sagen. Aber die belgisch-niederländische Bauchtanz-Szene ist ja eher klein, und so trifft man sich häufig hinter der Bühne wieder, und daraus entstehen dann die absonderlichsten Photos, die man tags drauf bei „facebook“ bewundern kann.

„Raks Pro“ war das erste Projekt, bei dem ich mit Khalida zusammengearbeitet habe, aber es hat dann trotzdem noch eine Weile gedauert, bis wir zwei wie Pech und Schwefel waren. Unsere ersten verrückten Pläne haben wir vor zwei Jahren in Duisburg geschmiedet, zwischen zwei Workshops auf dem Orientalischen Festival von Leyla Jouvana und Roland!
Auf dem Festival von Leyla Jouvana und Roland trifft man besonders beim Contest „Bellydancer of the World“ immer einen belgischen Block an, der seine Landsleute lautstark anfeuert (dich hört man übrigens immer heraus). Von anderen Ländern kennst man das nicht so. Warum halten die belgischen Tänzerinnen so zusammen?

Also ganz ehrlich, Belgien ist ein ziemlich kleines Land, und es ist praktisch unmöglich, nicht jeden in unserer Tanzgemeinde zu kennen. Aber davon abgesehen muß man auch anerkennen, daß in den letzten Jahren einiges bei uns passiert ist. Tanzfreunde und aktive Tänzer kommen immer häufiger zusammen, man trifft sich online, und so ist aus uns erst so richtig eine Tanzgemeinde geworden. Und drittens wärmt es uns ganz schön das Herz, wenn belgische Tänzerinnen anderen belgischen Tänzerinnen zujubeln und sie anfeuern. Besser als sich nur in Konkurrenz und Rivalität zu begegnen.
Wie sehen deine weiteren Pläne aus, wann sehen wir dich in Deutschland wieder?

 
Das Jahr fing schon gut an mit meinem Auftritt bei Leyla Jouvanas Ostertanzwoche. Des weiteren erwarten mich „Jewel of Yorkshire“ in England, Aiza Lafours „Orientalicious 3“ in den Niederlanden, Azizas „Dreamcamp“ in Kanada, „Shimmy in the City“ in London, dazwischen gibt es hier in Belgien natürlich auch das eine oder andere Ereignis und am Ende vom Jahr wieder Leyla Jouvana mit der 20. Ausgabe ihres Orientalischen Festivals. In diesem Jahr sitze ich übrigens auch in der Jury bei ihrem Contest „Bellydancer of the World“, und ich werde Workshops geben. Ich liebe dieses Festival wegen seiner guten Stimmung, und weil es für mich immer eine besondere Bedeutung haben wird. Und ich glaube, in diesem Jahr wird es noch besser als in allen vorhergegangenen!

Am meisten bin ich aber auf die beiden Bootcamps gespannt, die Khalida und ich gemeinsam durchführen. Die Grundidee ist sehr einfach: vier Tage Intensiv-Training mit Workshops von Khalida, mir und einer Gast-Dozentin, und zum Abschluß eine Hafla. Zuerst hatten wir nur an eine solche Veranstaltung gedacht – vom 5.-9. Juli mit deutschen Gast-Dozentin Constanze Jannssen, einer Ballett-Lehrerin -, aber dann war das BOOTCAMP in nullkommanichts ausverkauft, und es führte kein Weg mehr daran vorbei, eine zweite Veranstaltung mußte her. Diesmal vom 19.- 22. Juli, dann mit der belgischen Tribal Fusion Tänzerin Amirah, die eine Hälfte des Duos Kokoro und „Bellydancer of the World“ des Jahres 2010 in der Kategorie „Tribal Fusion – solo“. Auch für dieses Bootcamp sind nur noch wenige Karten erhältlich. Wir haben inzwischen für die erste Veranstaltung eine Warteliste angelegt.

Das wird bestimmt anstrengend, aber auch ein Heidenspaß. Ich kann es kaum erwarten.
Homepages:
Queenie: www.belly-dance.be
Queenie: facebook
"BOOTCAMP" mit Queenie und Khalida:
www.belly-dance.be/en/classes/bootcamp/
Photos © Konstanze Winkler
Grafik & WebDesign Konstanze Winkler