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Interview mit Geneva Bybee
von Marcel Bieger
www.romatribal.com
Geneva beim Unterrichten
Geneva on tour
Geneva Bybee und "Gabriella"
Photos: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Geneva Bybee,
Isabel de Lorenzo und Gabriele Keiner
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Erzähle uns bitte etwas darüber, was du vor dem Tanzen gemacht hast.

Eigentlich habe ich mein ganzes Leben lang getanzt. Ich war immer in Bewegung, schon von kleinauf. Vom Turnunterricht ging es zum Cheerleading, vom Hip Hop und zum lateinamerikanischen Partnertanz.

Und wie kam es zum Bauchtanz?

Den habe ich bei meiner Schwester entdeckt, als ich sie in Los Angeles besucht habe. Sie befand sich gerade in der Bauchtanz-Ausbildung, und da habe ich sie zu einem Workshop begleitet. Und danach habe ich mir geschworen: Wenn es mit dem Cheerleading vorüber sein würde, hieße das nächste Kapitel Bauchtanz. Ich stamme aus Idaho, bin dann nach Phönix in Arizona gezogen und habe mich einer Bauchtanz-Gruppe angeschlossen, die auch öffentlich aufgetreten ist.

Ein paar Jahre bin ich dort geblieben, dann begann meine Reisezeit. Wohin ich auch immer gekommen bin, habe ich nach der örtlichen Tanzszene Ausschau gehalten. Alle größeren Städte, aber auch viele Kleinstädte konnten mit einer Anzahl von Tänzerinnen aufwarten.

Jedesmal, wenn ich Unterricht erteile, sei es in einem Projekt oder in einem Kurs, erlebe ich eine andere Situation, und das hängt mit dem Ort, den Menschen und damit zusammen, wie ihre und meine Kultur aufeinander reagieren. Ich habe noch nie zweimal den gleichen Kurs erlebt. Und ich bin davon überzeugt, daß die Schülerinnen mich auch noch nie zweimal gleich erlebt haben. Was für unglaubliche Erlebnisse und Möglichkeiten. Aus diesen Bausteinen setzt sich mein Leben zusammen. Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint.
Deine Reisen haben dich auch einige Male nach Europa geführt.

Stimmt. Ich glaube, 2006 bin ich das erste Mal nach Europa gekommen. Ich habe Gabriella aus Dillenburg 2005 auf einem Festival kennengelernt, und sie hat mich eingeladen, zu sich ins Studio zu kommen und dort Unterricht zu geben. Das habe ich auch getan, und nicht nur einmal.

Ich bin nach England zum Festival Tribal Ford gefahren, das meine liebe Freundin Lindsey MacQueen veranstaltet hat, mit der ich schon in Phoenix zusammen getanzt habe. Das waren meine Anfänge, dort habe ich meine ersten Kontakte geschlossen, und ich lerne immer wieder neue Tanzstudios kennen, die an meinem Unterricht interessiert sind. So reise ich ständig auf diesen Kontinent. Europa fühlt sich inzwischen für mich wie ein zweites Zuhause an. Ganz besonders bei Gabriella fühle ich mich wohl. Schon viermal war ich bei ihr, und das wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein.
Wo lebst du denn heute? 

In Montana, einem Nachbarstaat von Idaho. Ich bin süchtig nach Reisen, und es ist mir die größte Freude, tanzend um die ganze Welt zu kommen. Bauchtanz kommt meiner Reiselust sehr entgegen, beide bestärken einander (lacht). Meine ganzen Reisen waren einfach nur schön. Ich habe auch festgestellt, daß ich die geborene Tänzerin bin. Es fliegt mir wirklich zu, anderen etwas beizubringen. Dabei lerne ich beim Unterrichten ja auch selbst etwas, am meisten über mich selbst. Der Tanz hallt auf einer sehr tiefen Ebene in mir wider.

Bereist du auch andere Kontinente, wie Asien oder Südamerika?

Im Sommer war ich in Südamerika, aber auf Asien habe ich mich noch nicht vorbereitet. Natürlich würde ich gern an viele weitere Orte der Erde gelangen und auch über Europa hinauskommen, aber andererseits hängt mein Herz an Europa. Die Arbeit hier hat mir unbestritten eine Grundlage geschaffen und meine Karriere ins Rollen gebracht. Mir gefallen an Europa die vielen kulturellen Unterschiede, und ich freue mich auch, wenn es mich in ein osteuropäisches Land verschlägt. Ich hoffe, eines Tages kann ich eine Fahrkarte für Einmal-rund-um-die-Welt ergattern und dann mit all den wunderbaren Menschen dieser Erde tanzen.

Welche Tanzausbildung hast du genossen?

Fast alle Ausbildung habe ich in Workshops und Projekten bekommen, aber ich habe nie formellen Unterricht in Orientalischem Tanz oder Tribal absolviert. Wenn mir ein bestimmter Stil gefällt, stürze ich mich mit Leib und Seele drauf, um so viel wie möglich über ihn zu lernen.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Die Grundlage meines Tanzes stellt der Hip Hop dar, mit dem bin ich schließlich aufgewachsen. Für mich ist Hip Hop auch eher ein Rhythmus als ein ausgewiesener Tanz. Ich kann mir Choreographien wirklich gut einprägen, und bestimmte Kombinationen bleiben mir sofort im Gedächtnis haften. Das hat mir dabei geholfen, genau zu beobachten und erst dann meinen eigenen Stil zu entwickeln. Nicht gerade selten verändern Schülerinnen eine bestimmte Bewegung, die ich ihnen gerade beigebracht habe. Auch diese Veränderung merke ich mir, und oft genug führe ich dann im Unterricht diese Variante vor und lobe die Betreffende für ihren persönlichen Stil. Da ich bei allen Bewegungen so verfahre, ist es natürlich von großer Wichtigkeit, mit der eigenen Körpermechanik zu arbeiten und sich selbst einen so angenehmen wie natürlichen Ausdruck zu erwerben.

Wann werden wir dich das nächste Mal in Deutschland sehen?

Ich hoffe, daß ich in nicht zu ferner Zeit wieder bei Gabriella unterrichten kann. Seit unserer ersten Begegnung kenne ich sie nur als offen und wunderbar, als interessiert und immer fröhlich. Ich glaube, sie hat sehr viel für die Tanzbewegung in Deutschland getan und auch die in anderen Ländern Europas gestärkt. Ich bin sehr stolz, ihre Freundin zu sein und etwas Anteil an ihrer Entwicklung zu haben. Und ich bin glücklich, Zeit in ihrer Frauengemeinschaft verbracht zu haben.

Das Festival läuft über drei Tage und beinhaltet das Forum, zwei Shows und 15 Workshops. Wir wünschen uns als Ergebnis, daß am Ende ein stärkeres Tribal-Netzwerk über ganz Europa entsteht. Isabel de Lorenzo und Lara Rochetti aus dem San Lo’ Tanzstudio in Rom haben die wundervolle Aufgabe bewältigt, mitten in Rom eine unglaubliche Basis für Tanzwillige zu schaffen, in der eine Vielzahl von Lehrern alle nur denkbaren Arten und Formen von Bewegungen unterrichten. Ich habe Isabel 2007 in Mailand kennengelernt, zusammen mit Les Soeurs Tribales, Gypsy Caravan, Darsha und Neas Tribal. Seit dieser Zeit arbeiten wir in jedem Jahr zusammen. Das San Lo’ kommt mir schon wie meine eigene Basis vor. Ich wünsche mir, daß möglichst viele Menschen dieses Gefühl auch bald bekommen.
www.genevabybee.com
Du bist aber auch in Italien tätig und veranstaltest dort sogar zusammen mit einem Tanz-Studio ein Festival in Rom.Seit über vier Jahren reise ich auch nach Italien und unterrichte dort. Und jetzt bin ich froh und bewegt, an der ersten Ausgabe des Roma Tribal Meeting mitwirken zu dürfen. Zu dieser Veranstaltung konnten sich auch Dozentinnen bewerben, und wir haben uns für sieben sehr gute aus Europa und den USA entschieden. Sie alle lehren Tribal. Wir möchten mit dieser Veranstaltung auch mehr über den Tribal erfahren und haben deswegen die Musik-Gruppe “Helm” eingeladen, die die Bewegung ja von Anfang begleitet haben. Sie sollen uns Einblick geben, wie diese Tanzbewegung funktioniert. Dazu gibt es eine offene Forums-Diskussion mit allen anwesenden Lehrerinnen, um über die Ursprünge des Tribal zu diskutieren, darüber, was sich gerade in ihren Städten tut, und schließlich, wie die Zukunft des Tribal aussehen könnte.
links: Geneva Bybee und Isabel de Lorenzo, eine der beiden Veranstalterinnen von Roma Tribal
ICH BIN SÜCHTIG NACH REISEN