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WIR RUFEN ALLE TRIBAL-RICHTUNGEN ZUSAMMEN

Interview mit Isabel de Lorenzo
Veranstalterin von
Roma Tribal Meeting

von Marcel Bieger
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Tribal-Festival in Rom abzuhalten?

Die Vorstellung, Tribal-Tänzerinnen in Rom zusammenzubringen, ist schon recht alt, aber aus einer Vielzahl von Gründen ließ sich dies nicht früher in die Tat umsetzen. Aber in diesem Jahr hatte ich endlich das Gefühl, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Dahinter steht eine lange Geschichte, die sich parallel zu meiner Lebensgeschichte entwickelt hat. Ich will versuchen, es kurz zu machen.
Vor zwölf Jahren (damals war ich 30), bin ich von Brasilien nach Europa gezogen, um mir ein neues Leben aufzubauen, neue Leute kennenzulernen, zu reisen, neue Sachen zu lernen und dem Orientalischen Tanz näher zu kommen. Ich war vorher als Autorin und Literaturlehrerin tätig, aber in Italien habe ich fünf Jahre lang als Bauchtänzerin gearbeitet. 

Eines Tages habe ich Lara Rocchetti getroffen, ebenfalls Tänzerin, die genau wie ich nach etwas anderem als klassischem OT suchte. Wir stellten rasch fest, daß wir ziemlich ähnliche Vorstellungen über Tanzkultur und –gemeinschaft hatten, und so haben wir nach einem Ort gesucht, wo wir das erleben und entdecken konnten. Aber das war leichter gesagt als getan. Rom (und überhaupt ganz Italien) begriffen nicht, was wir wollten.

Und so reifte in uns ein Projekt heran: die Gründung einer eigenen Tanzschule, in der alle ethnischen Tänze miteinander in Dialog treten, wo interkulturell etwas geschaffen wird, wo wir auch Aufführungen und Tanz-Shows haben. Wo wir uns auch anderen modernen Kunstformen öffnen und mit einer neuen Vision von einem Land zusammenwachsen würden, das sich gerade dank der Ankunft so vieler Menschen aus so vielen Ländern im Wandel befand. Italien öffnete damals gerade seine Tore für Einwanderer. In einem Dachgeschoß im Zentrum von Rom gründeten wir dann 2003 das „San Lo’“-Studio (www.sanlo.it). Zur gleichen Zeit verlegte sich unser tänzerisches Interesse vom OT zum Tribal. Der Aufbau des Studios war mit einer Menge Arbeit verbunden, und ebenso mühsam war es, eine Tribal-Szene in Rom aufzubauen. Seit den letzten sieben Jahren arbeiten wir nun daran. Wir haben den ersten italienischen Tribal-Stamm gegründet, „Carovana Tribale“.
Am Anfang waren wir nur zu dritt, aber mittlerweile tanzen wir zu siebt, und wir haben ganz viele Schüler und Fans! 2007 habe ich in Mailand Geneva Bybee kennengelernt, und sie ist seitdem häufig in unser Studio gekommen, um dort zu unterrichten. Dank ihrer wächst bei uns nun auch das Interesse am Tribal Fusion. Nun ist unsere Freundschaft fest, unser Studio voll, und da haben wir uns gedacht, warum nicht den nächsten Schritt tun in dieser Stadt, wo alle Zeitalter und Vorstellungen schon seit Jahrhunderten nebeneinander leben.
Da ihr also das erste Tribal Festival veranstaltet, hat es denn in Rom schon andere solche Veranstaltungen gegeben – für klassischen OT etwa -, und ist die römische Tribal-Szene groß genug für das Festival, oder ladet ihr dazu auch Künstler aus ganz Italien ein?
Es gibt in Rom kein großes Tanz-Festival, aber viele kleinere, die mehr oder weniger friedlich nebeneinander existieren. Wir organisieren des öfteren Workshops mit italienischen und internationalen Tänzern (BDSS, Mahamoud Reda, Anasma, Geneva Bybee, Leila Haddad, Susan Frankovich, Kimberly Mackoy, Myriam Szabo, Karim Nagi und andere), aber diesmal rufen wir alle Tribal-Richtungen zusammen, um mit uns zu tanzen und über die Geschichte und die Zukunft des Tribal zu diskutieren. Kurz gesagt, wir arbeiten an neuen Wirklichkeiten und dem Frieden in der Welt!
Tanzt ihr beide immer noch OT oder nur noch Tribal?

Lara und ich haben zwar beide mit OT begonnen, aber ich bin inzwischen vollständig auf Tribal umgestiegen. Lara hingegen tanzt auch noch ganz gern klassischen Bauchtanz. Wir beiden nehmen auch an Theaterexperimenten teil und interessieren uns für zeitgenossische Kunst und Musik. Die dritte im Bunde, Geneva, ist durch und durch Tribal.

Wie seid ihr an „Helm“ geraten?

Ich habe Ling Shien und Mark Bell letztes Frühjahr in Fairfax getroffen, ihrer kalifornischen Heimatstadt unweit von San Francisco. Ich bin dorthin, um mir ihren Live-Auftritt anzuschauen, zusammen mit Fat Cance Bellydance. Die Show war großartig, und sie waren so nett zu uns. Diese Leute atmen und verströmen Tribal seit dessen ersten Tagen. Also habe ich sie zu unserem Tribal-Meeting eingeladen, und sie haben ja gesagt. Um die Reisekosten zu teilen, habe ich zwei Tanzschulen gewinnen können (eine in Frankreich und eine in Slowenien), die zur gleichen Zeit Workshops mit ihnen anbieten wollen.

Wie viele Leute passen in euer Studio und können sich die Show ansehen?

Das San Lo’ hat drei Räume (für 35, 35 und 15 Tanzschüler) und eine Tanzfläche. Am Freitag, dem 19. November, findet die Show in einer Konzerthalle mit 250 Plätzen statt. Die Offene Bühne am folgenden Samstag halten wir im Studio, und da können 60 Menschen zuschauen.

Soll das Roma Tribal Meeting zu einer regelmäßigen Einrichtung werden, vielleicht auch mit noch mehr internationalen Gästen?

Wir haben noch eine Menge Ideen …

www.romatribal.com
Lara Ronchetti
Isabel de Lorenzo
eines der Tanzstudios des "San Lo"
"Carovana Tribale"
Geneva Bybee
Photos: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Roma Tribal
Grafik und Layout: Konstanze Winkler