Startseite/Aktuelles
zurück zu ma kuck'n
Zu den bleibenden Eindrücken eines Festivals gehören oft gar nicht einmal so sehr die Superstars aus Gottweißwo, sondern uns bislang unbekannte Künstlerinnen, die etwas vorführen, was wir so noch nicht gesehen haben. Zu diesen gehört unbedingt Shawaza aus dem schwäbischen Weil der Stadt, die wir auf dem „Orientalischen Tanz-Festival“ von Artemis und Dieter Dewald in Stuttgart erlebt haben. Sie trat dort, obwohl sichtbar schwanger, nicht nur beim Wettbewerb in beiden Kategorien – „Belly Raks“ und „Belly Fusion“ – an, sondern hat auch in beiden einen der vordersten Plätze belegt. In diesem Jahr will sie wieder dort mitmachen. Und daß sie auch sonst etwas zu erzählen hat, erfahrt ihr hier:
„TANZEN, TANZEN, TANZEN –
GERNE AUCH MAL AUS DER REIHE!“

Interview mit Sha'waza

- von Marcel Bieger

Zu meiner Person:

Ich bin gebürtige Weil der Städterin (im Umland von Böblingen), studiere Psychologie an der Universität Tübingen und führe gerade eine Untersuchung für meine Diplomarbeit durch. Bin verheiratet und habe zwei Söhne (3,5 Jahre und 0,5,Jahre). Während meiner Schulzeit spielte ich im Theater, nahm klassischen Gesangsunterricht und war in Chören sowie als Solosängerin aktiv. Von Mozart bis Musical - z.B. „Hair“ - war alles dabei. Als „Walking Act“ stellten wir einmal für ein Museum und eine Kulturnacht das fahrende Volk dar, was tatsächlich dazu führte, daß wir für echte Sinti und Roma gehalten wurden (lacht). Daneben kümmerte ich mich auch um Requisiten, Bühnenbild und Tanz-Choreografien. Die Erfahrungen aus dem Theaterbereich haben mich gelehrt, daß man, auch wenn man "Hauptdarsteller" ist, ohne die Unterstützung der anderen Mitwirkenden nichts ist. Jeder ist wichtig.  Auf der Bühne bin ich eine "Rampensau" (Zitat von Jury: Azad Kaan) und tobe mich so richtig aus. Privat bin ein fröhlicher, aber auch ein zurückhaltender Mensch. Ich treffe gerne Menschen und freue mich auf viele weitere (künstlerische) Begegnungen.

Du bist eine sehr vielseitige Tänzerin, trittst mit OT und mit Tribal auf, normalerweise konzentriert sich eine Tänzerin auf eines von beiden. Was hat dich dazu bewogen, dich nicht festlegen zu wollen?

Ich würde mich selbst nie als Tribal-Tänzerin bezeichnen, weil ich das einfach nicht bin. Ich begreife mich als Orientalische Tänzerin. Ich liebe die orientalische Musik und tanze leidenschaftlich gerne zu Live-Musik! Der Facetten-Reichtum und die Wandelbarkeit des Orientalischen Tanzes machen für mich seinen Reiz aus. Daher ist es für mich einfach konsequent mich auch mit Tribal zu beschäftigen und mit neuen Musikströmungen und anderen Tanzstilen zu experimentieren.
So war ich auch in der Bollywood-Tanzgruppe von Naila Khan, um mich mit Bollywood und klassisch indischem Tanz auseinanderzusetzen. Meine allererste Tanzerfahrung hatte ich übrigens mit Square Dance, und im Schulsport hatte ich meine schlechteste Note (lacht).

Meine Leidenschaft neben dem klassischen Orientalischen Tanz sind Fusionen mit anderen Tanzrichtungen und Fantasietänze. Ich nutze dazu mein Wissen aus anderen Tanzarten wie Tribal, Tango, Bollywood, Zigeunertänzen und Jazz-Tanz. Für meine Fantasietänze u.a. lasse ich mich von Frauen-Biografien inspirieren wie Mata Hari, eine Kokotte aus Moulin Rouge, Medusa oder spiele nach Herzenslust eine Dämonin. Hier kann ich zusätzlich meine Erfahrungen aus dem Theaterbereich zu meinen eigenen Stil verbinden, mit dem Ziel den Zuschauer auf eine Reise mitzunehmen und zu berühren.

Ich habe aber auch schon immer gerne mit anderen Künstlern zusammengearbeitet. So kam es, daß ich mich nicht nur auf Orientalischen Tanz im klassischen Sinne festlegte.
Gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Rebekka Hüsgen-Lieb entwickelten wir ein Kabarett-Programm „Sultan & Habibi“, mit Chor und Märchenerzählerin bestritt ich einen Konzertabend, mit den Musikern Jürgen Sturm und Mary Jane entwickelten wir das abendfüllende Projekt "1001 Nacht trifft Pink Floyd".

Als Tänzerin der Progressive Rock Band "Daedalous" gewannen wir beim Nordschwarzwald-Contest und erhielten den extra für uns ausgerufenen Sonderpreis für die "Beste Performance". Danach verbanden wir Musik mit Tanz und Theater in unserem Rock-Musical "Parts of a Dream". Auch durfte ich schon maßgeschneiderte Shows entwickeln, z.B. bin ich für eine Brautmodenschau in die Rollen des Vamp, der Lolita, des weiblichen Gigolo und der Heiligen geschlüpft.

Das alles macht soviel Spaß, und es ist toll, daß meine Projektpartner mir künstlerische Freiheiten geben und mir ihr Vertrauen entgegenbringen.

Wie ist die Bauchtanz-Situation im Kreis Böblingen, gibt es dort viele Veranstaltungen und Tänzerinnen? Warum hast du eigentlich in deinem Heimatort noch keine Tanzschule eröffnet?

Ich tanze viel im Raum Stuttgart und Tübingen. Es gibt überall Tänzerinnen, was ich auch schön finde. Ich sehe andere Tänzer nicht als Konkurrenten, sondern als Mittänzer. Man kennt sich, leitet auch Auftritte weiter und schätzt die Fähigkeiten der Anderen.

Da für mich schon früh klar war, daß ich jung Kinder bekommen und auch später als Psychologin arbeiten möchte, wollte ich keine Tanzschule eröffnen. Aber ich gebe Unterricht, Workshops und mache Unterrichtsvertretung in anderen Tanzschulen. Ich bekomme auch Anfragen für Einzelstunden von Tänzerinnen, die eigene Tänze kreieren möchten oder von Schauspielern, die gezielt Tanzunterricht und/oder Choreografien für deren Theaterstücke benötigen. Aufgrund meines Studiums unterrichte ich auch psychisch kranke Menschen. Für diese Zwecke und für kleine Kursgruppen habe ich glücklicherweise eine Unterrichtsmöglichkeit gefunden. Des weiteren beteilige ich mich auch bei Schul-Projekten und Unternehmungen wie die "Kinder(spiel)stadt", um den Orientalischen Tanz und dessen Kultur den Schülern und Kindern näher zu bringen.
Wie bist du auf das Artemis-Festival aufmerksam geworden? Was bedeutet es dir, und wo trittst du sonst noch in Deutschland auf?

Artemis war meine dritte orientalische Tanzlehrerin, von der ich nach einer langen tänzerischen Durststrecke enorm viel lernen durfte. Sie hat mich sehr gefordert, und so kam es, daß ich auch in ihrem Tanz-Ensemble "Oriental Amazones" mittanzen durfte. Sie war auch diejenige, die mich dazu motiviert hat, meine Tanzlehrerin-Ausbildung bei Ánatha Hahnemann in Frankfurt zu absolvieren.

Deine Homepage gibt breite Auskunft darüber, wie dein OT-Werdegang gewesen ist, über deinen Tribal-Weg erfährt man weniger. Kannst du das hier bitte nachholen?

Meine allererste Begegnung mit Tribal hatte ich bei Shahrazad. Das war vor sehr vielen Jahren, als Tribal in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte. Aber erst viel später kam ich durch Aela Badiana wieder in Kontakt mit Tribal. Aela Badiana kam extra zu einem meiner (klassisch orientalischen) Auftritte, da Tanzkolleginnen ihr erzählt hatten, sie solle sich das unbedingt ansehen. Wir verstanden uns sehr gut, und so kam ich in ihr Training. Ich durfte viel von ihr lernen und wurde in kurzer Zeit Stammesmitglied bei ihren "Wicked Hips". Zwischenzeitlich bin ich nicht mehr im Stamm und konzentriere mich auf meine Projekte.
Das OTF in Stuttgart, das von Artemis und Dieter Dewald mit viel Liebe und Hingabe organisiert wird und Jahr für Jahr stattfindet, bedeutet mir daher sehr viel. Hier treffe ich viele bekannte Gesichter und fühle mich wie in einer großen Familie. Auch kommen sehr viele Tänzer aus der ganzen Welt. Es hat sich zu einem wichtigen Festival nicht nur für die Stuttgarter Tanzszene entwickelt. Der tänzerische Anspruch ist sehr hoch, sowohl bei den Shows, als auch beim Rahmenprogramm und den Wettbewerben. Sehr gerne besuche ich dort unzählige Workshops, um mein tänzerisches Repertoire zu erweitern.

An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an alle meine lieben Lehrerinnen aussprechen, die mich aufnahmen, ihr Wissen mit mir geteilt haben und mich gefördert haben!

Ich bin hauptsächlich in Baden Württemberg unterwegs, wobei sich auch schon Auftritte in Niedersachsen, Thüringen und Rheinland-Pfalz ergaben.

Was hat dich bewogen, am "Belly Raks" und am "Belly Fusion"-Wettbewerb teilzunehmen, und was bedeutet dir dein hervorragendes Abschneiden in beiden Kategorien?

Das wollte ich schon seit längerem einfach mal machen. Zu diesem Zeitpunkt war ich im 5. Monat  meiner zweiten Schwangerschaft. Ich war unsicher, wie die Reaktion auf eine tanzende Schwangere sein würde. Umso mehr hat es mich gefreut, daß meine Tänze so gut ankamen. Es war wundervoll, vor so einem tollen Publikum und einer Jury zu tanzen. Tanzkolleginnen bezeichneten mich danach auch als Rockstar unter den Bauchtänzerinnen (lacht). Mit oder ohne Gewinn ist für mich dennoch ganz klar, dass Tanz mein Leben weiterhin begleiten wird.

Warum trittst du in diesem Jahr wieder in beiden Kategorien an, viel besser kannst du dich doch kaum platzieren?

Danke. Jeder, der tanzt, weiß, Tanz ist eine stetige Weiterentwicklung. Ich sehe die Wettbewerbe als Chance, mich vor einem großen Publikum zu präsentieren und konstruktives Feedback von der Jury zu erhalten. Und vielleicht als Sahnehäubchen einen Preis zu gewinnen.

Wie sehen deine weiteren Pläne aus?

Privat möchte ich die Zeit mit meiner Familie genießen und mein Studium abschließen. Nach der erfolgreichen Uraufführung des Pink Floyd-Projekts findet dieses wieder am 31. Oktober in Ammerbuch statt. Ich werde mit der Eventagentur und dem unabhängigem Musikverlag "Pangalatic Records" zusammenarbeiten und bei der Steampunk-Band "Tales of Nebelheym"  und der Coverband „The Undercover Project“ auf Konzerten auftreten. Ebenso bin ich die Tänzerin bei der Releaseparty der Deutsch-Rockpop CD "Ariel" von Vanessa Sprio.

Im Dezember werde ich meinen Gewinnertanz, meine Mata Hari Fantasie vom "Belly Fusion"- Wettbewerb, in London beim Fantasia Festival von Josephine Wise vorführen.

Weiterhin möchte ich meine tänzerischen Ideen umsetzen, nach dem Motto: „Tanzen, tanzen, tanzen; gerne auch mal aus der Reihe“. Ich habe vor, mich wieder im indischen Tanz, Bollywood und die Tänze der Sinti und Roma zu vertiefen und weiter zu lernen, lernen, lernen! Es gibt noch soviele wundervolle Tänze!

Neben all den Projekten werde ich auch weiter klassisch orientalisch tanzen, sowohl auf der Bühne als auch ganz nah beim Publikum, denn das ist und bleibt meine erste große und dauerhafte Liebe.

Homepage Sha'waza: www.shawaza-tanz.de

Sha'waza bei facebook
Sha'waza ist zu Gast bei Artemis und Dieter Dewalds "Orientalischem Tanz-Festival"
21./22. März 2015 in Stuttgart
www.orientalisches-tanzfestival.de
Photos ©: 1, 6, 7, 8 und 10 Konstanze Winkler, 3 und 9 Sabine Schreiber
Sha'waza - Mata Hari Fantasie
2. Platz "Miss Belly Raks" 2014
Siegerehrung "Miss Fusion Raks" 2014, v.l.n.r.: Prakasha, Latifa Abdel, Sha'waza, Dieter und Artemis Dewald
1. Platz "Miss Fusion Raks 2014"
Sha'waza, unterwegs mit Rock Band Daedalous
"1001 Nacht trifft Pink Floyd"
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler