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Photos © Konstanze Wnkler
"BURLESQUE UND ORIENTALISCHER TANZ LASSEN SICH GUT MITEINANDER VERBINDEN"

Interview mit Tagiemana
von Marcel Bieger

Wenn man auf ein großes Festival geht, erwartet man dort auch große Stars. Für ein Magazin wie „Hagalla“ gibt es dort aber auch lohnende neue Künstlerinnen und Stile zu entdecken. Der Tanzstil „Burlesque“ ist zwar in vieler Munde, was es damit aber auch sich hat, und mehr noch, was es damit nicht auf sich hat, darüber herrscht noch wenig Klarheit. Halten wir deshalb fest, allein ein lustiges Hütchen aufzusetzen und die Beine zum Charleston zu schwingen, ist nicht Burlesque, sondern Tingel Tangel (gegen den hier aber nichts Böses gesagt werden soll). Ebenso hat Burlesque der modernen Art nichts mit Striptease zu tun (früher jedoch umso mehr). Dafür aber gehen Orientalischer Tanz jeglicher Spielart und Formen, Zubehör und Ausstattung des Tingel Tangel und der alten Revue- und Varieté-Shows gern und erfolgreich eine Verbindung miteinander ein. Und da bieten sich Tribal, Raks Sharki und dem Rest ganz neue Ausdrucks-, Verwandlungs- Spielmöglichkeiten. Frau schaue sich das mal bei der weltweit führenden Burlesque-Künstlerin „Princess Farhana“ an, die wirklich dringend zu einem größeren Auftritt nach Deutschland gehört.
Wenn wir von „Hagalla“ also eine Tänzerin sehen, die so etwas auf der Bühne zum Vortrag bringt, sind wir natürlich gleich neugierig. Die Künstlerin Tagiemana war so ein Fall, und sie hat uns sofort interessiert. Die aus Kassel stammende Tänzerin war gern zu einem Gespräch mit uns bereit, und das Ergebnis daraus folgt unten (Tagiemana wirkt in dem Projekt „Bellytrig“ mit, aus dem auch das „Duo Mystica“ hervorgegangen ist, und man erfährt auf der dortigen Homepage am meisten über sie www.bellytrig.com).
Erzähl uns bitte etwas über Deinen künstlerischen Werdegang.

Begonnen habe ich – ganz klassisch – in der Volkshochschule bei der Dozentin Delia, bei der ich noch heute tanze und die nun auch in unserem Tanzprojekt mitmacht. Von Beginn an unterrichtete sie eher Fusion, ein bunter Mix aus Bauchtanz und Einflüssen verschiedenster Tanzstile, seit einigen Semestern trat vermehrt auch Tribal hinzu. Vor allem habe ich bei ihr gelernt zu improvisieren, auf die jeweilige Musik einzugehen und verschiedene Stilrichtungen auszuprobieren. Drei Jahre lang habe ich dann noch zusätzlich einen Kurs in klassisch ägyptischem Tanz bei einer anderen Dozentin besucht und immer wieder an Workshops teilgenommen. Unter anderem einen ersten ATS Kurs.

In den letzten zwei Jahren hat sich enorm viel getan und ich habe meine derzeitigen Tanzpartnerinnen Amayena und Shalizar näher kennengelernt, die ich vorher nur lose aus dem Kurs kannte. Gemeinsam haben wir uns einen Trainingsraum gemietet, und im Rahmen unseres Tanzprojektes nutzen wir diesen Raum für kreative Entwicklungen, seien es Kostüme, gemeinsame Musikauswahl und natürlich auch Training.

Einen entscheidenden Einfluß auf meine Tanzentwicklung hatten die Workshops bei Tempest, die ich letztes Jahr im Rahmen des Tribal Festivals in Hannover besucht habe. Ihre einzigartige Art zu tanzen und besonders zu unterrichten, hat mir gezeigt, wie unterschiedlich die gleichen Bewegungen auf verschiedene Musik wirken können, und mich ermutigt, diese Beobachtung auch in meinem eigenen Tanz umzusetzen. 

Was hat Dich zur jüngsten Form veranlasst, die wir in Hannover gesehen haben?

Das hannover’sche Stück ist eine Melange aus verschiedenen Entwicklungen des letzten Jahres. Durch den Kurs bei Tempest und meine wachsende Begeisterung für die Steampunk-Bewegung, der ja eigentlich eher in der Gothic-Szene gepflegt wird, bin ich über Umwege zu dem gar nicht düsteren Lied der norwegischen Independent-Band „Katzenjammer“ gekommen. In Hannover stand ich vor der Entscheidung ein Potpourri aus dem Kinofilm „Burlesque“ vorzutragen – was noch etwas deutlicher in die Burlesque-Richtung gegangen wäre – oder das mir mittlerweile sehr liebgewonnene Stück zu tanzen, für das ich mich schließlich entschieden habe. Auch wenn der Kontrast zum Gothic-Stück des letzten Jahres (Tagiemana  ist bereits im Vorjahr in Hannover aufgetreten, Anm. d. Red.) sehr groß war, bin ich froh, diesen Schritt gewagt zu haben und werde wohl in nächster Zeit weitere Ausflüge in diese Richtung unternehmen.

Wie gehst Du überhaupt vor, wenn Du ein neues Stück entwickelst? Was kommt zuerst, die Musik, eine bestimmte Bewegung, ein neues Kostüm?

Zunächst steht bei mir meist eine Idee, ein Eindruck oder eine Erinnerung, die ich aufgreife und mich frage, in welche Richtung ich gehen will. Das kann ein Lied oder auch nur ein Schmuckstück sein, ein Bild aus einem Film oder einem Gedicht. Diese erste neue Idee bringe ich dann mit in unser freies Training und improvisiere – etwa mit dem Schirm. Gemeinsam überlegen wir dann, wie man die Idee noch ausbauen könnte oder welche Musik eventuell besser paßt, oft kennen mich meine beiden Tanzpartnerinnen da besser aus als ich selbst, die meisten endgültigen Musikstücke stammen von ihnen. Daraufhin entwickle ich Kostüm, Zubehör und Erscheinungsbild weiter. Gleichzeitig zähle ich das Stück aus und stelle mir Bewegungssequenzen vor, die zu dem jeweiligen Teil des Liedes passen, ist das Lied an dem und dem Abschnitt eher intro- oder extrovertiert, sollte ich eher isolieren oder mich bewegen. So baut sich das Stück nach und nach auf.

Warum nennst Du Deinen (neuen?) Stil Variety Steampunk?

Die Steampunk-Bewegung stammt zwar nicht ausschließlich aus der  Gothic-Szene, wird aber oft damit in Verbindung gebracht, und ein Teil der Musik hat eher düstere Anklänge. Ein anderer Teil ist jedoch eher ironisch und sehr fröhlich. Ebenso unterschiedlich sind auch die Kostüme und Figuren. Meine Interpretation dieser Richtung orientiert sich zwar an den - an die viktorianische Zeit angelehnten - Kostümen der Steampunk-Mode, mischt jedoch darüber hinaus Einflüsse aus den Goldenen Zwanzigern und anderen Abwandlungen wie Zirkus, Burlesque und Variete.

Wie sehen Deine weiteren Pläne undProjekte aus, wann können wir Dich wo wiedersehen?

Nachdem wir (die Projektgruppe) uns im letzten Jahr zum ersten Mal getraut haben, eine abendfüllende Show in Kassel auf die Beine zu stellen, haben wir den großen Wunsch, dies 2011 zu wiederholen, allerdings wird wohl erst im Januar etwas daraus. Dafür sammeln wir fleißig Ideen und Stücke, und ich beschäftige mich schon jetzt mit dem Entwurf der Kostüme. Kurzfristig werde ich einige kleinere Auftritte in Kassel haben – zu meiner Freude unter anderem auf einer steampunklastigen Party.

gut verbinden lassen – auch und gerade ohne sich auszuziehen. Interessiert habe ich mich schon lange für Burlesque, diesen jedoch in der stripteasebestimmten Ausprägung zu tanzen, kam für mich nie in Frage. Im Zuge meiner Auseinandersetzung mit der Steampunk-Bewegung habe ich mir viele Burlesque-Videos verschiedenster Tänzerinnen angesehen und bin so auf die Idee gekommen, einen Teil dieses interessanten Genres in meinen Tanz einzubeziehen.
Was interessiert Dich am Burlesque, wie bist Du auf ihn gestoßen?

Das Spiel mit dem Publikum, locken, ohne wirklich nahbar zu sein, und die Kunst, während des Auftritts eine Illusion aufzubauen, das sind für mich Elemente, die sowohl im Burlesque, als auch in vielen Stilen des Orientalischen Tanzes vorkommen und sich so

Homepage: www.bellytrig.de
Seitengestaltung: Konstanze Winkler
Tagiemana
Tagiemana "Steampunk - Burlesque"
Bellytrig - Tagiemanas Tanzkolleginnen
Tagiemana beim 3. Tribalfestival in Hannover (2010)