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Es wird viel dafür getan, behinderte Menschen in die Welt der „Normalen“ zu integrieren werden, in den westlichen Ländern ist die „Inklusion“ im Schul-unterricht gerade ein großes Thema. Inkludiert heißt soviel wie „dazugehörig, mit eingeschlossen sein“, und genau das wird darunter verstanden, mit und ohne Behinderung gemeinsam im Klassenraum.
Es gibt ja nicht nur die Inklusion von offizieller Seite, sondern auch die von privater Hand. Über ein besonders gelungenes Beispiel schreibt hier Carina Meisel, es geht um die Inklusions-Tanzgruppen von Leylah Sadim, und deren Show-Auftritt in Enussahs Tanzstudio „Scarabeo Palace“.
Takamol –
Die etwas andere orientalische Tanz-Show

am 24.10.2015 in Nürnberg
Showbericht von Carina Meisel
Als eine „etwas andere Oriental Dance Show“ war die Show von Leylah Sadim am 24.10.2015 im „Studio Scarabeo Palace“ in Nürnberg angekündigt. Und wirklich, das trifft den Nagel auf den Kopf. Diese Show war in der Tat anders, und das liegt nicht zuletzt an den Menschen, die diese gemeinsam gestalteten. Seit nunmehr zweieinhalb Jahren trainiert Leylah Sadim, ausgebildete Tänzerin, Lehrerin und Choreographin für Orientalischen Tanz und Tribal, tätig in Enussahs Studio Scarabeo Palace und Leiterin von Showgruppen wie Eilistraee und Tribe of Goths, die Gruppe Takamol, was so viel bedeutet wie Integration. Die Gruppe besteht aus 13 Männern und Frauen mit einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung. Die Tänzer feierten bereits auf großen und kleinen Bühnen großartige Erfolge und vermitteln bei den Auftritten Lebensfreude und Spaß an der Bewegung - sie begeistern und berühren Zuschauer. Für beide Projekte konnte Leylah Sadim einen verlässlichen Kooperationspartner gewinnen, die Offenen Hilfen der Lebenshilfe Fürth.
Kein anderer Ort kam für sie in Frage als Enussahs Studio Scarabeo Palace, so wunderschön im orientalischen Stil gestaltet, dass alle Besucher sich sofort in die Welt aus 1001 Nacht versetzt fühlen, und welches über eine studioeigene Bühne verfügt. Hier trainieren die Gruppen Takamol und Tamasok ein Mal im Monat.
Dass die Show bereits, kurz nachdem der Kartenvorverkauf begonnen hatte, ausverkauft war, macht deutlich, wie groß das Interesse an eben einer solchen etwas anderen Show ist, und so umwehte an dem Abend eine erwartungsvolle, gespannte Stimmung den Zuschauerraum.

Die Gastgeberin Leylah Sadim eröffnet die Show, indem sie aus dem Halbdunkel auf der Bühne erscheint, sich zu sanften Klängen hin und her wiegt und die Zuschauer mit einem wunderschönen Schleiertanz zu Gänsehautmusik verzaubert und in Staunen versetzt, als sich ihr Schleier im Laufe des Tanzes als Voi entpuppt. Leylah Sadim strahlt übers ganze Gesicht, war es doch schon immer ihr großer Traum, genau eine solche Show auf die Beine zu stellen, in der Menschen mit und ohne Handicap, die sich im normalen Leben nie begegnet wären, zusammen eine komplette Show gestalten. Genau diese Freude bringt sie in ihrem Tanz zum Ausdruck - Ein wirklich würdiger Eröffnungstanz, der die Zuschauer wunderbar einstimmt und Lust auf mehr macht. 

Enussah, die Leiterin des Studios und Moderatorin des heutigen Abends betritt die Bühne und begrüßt die Zuschauer in ihrer gewohnt charmanten und bezaubernden Art. Sie übergibt das Mikrofon an die Gastgeberin Leylah, welche sich herzlich bei ihrer langjährigen Mentorin, Freundin, Chefin und Kollegin dafür bedankt, dass sie ihren Projekten, Takamol und Tamasok in ihrem Studio ein Zuhause gegeben hat, bevor die Show durch Max Linke, den Leiter der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Fürth, eröffnet wird.

Nun betreten einige Mitglieder der Behindertentanzgruppe Takamol die Bühne. Zum Klassiker „Eskanderani“ zeigen sie ein flottes Popstück nach einer Choreographie von Leylah Sadim, welches die Zuschauer sofort zum Mitklatschen anregt. Ungewöhnlich ist, dass in der Gruppe neben drei Frauen auch zwei Männer vertreten sind. Gerade Steve, welcher beim Betreten der Bühne etwas schüchtern wirkt und der in der Mitte tanzt, geht im Laufe des Stückes voll in seinem Tun auf und scheint für die anderen einen Fels in der Brandung darzustellen. Auch für Carmen, die aufgrund ihrer Behinderung auf einen Rollator angewiesen ist. Sie strahlt über das ganze Gesicht und fühlt sich sichtlich wohl.
Danach sehen wir eine der Tamasok-Lehrerinnen – Laura Ammurah. Sie tanzt „Hanom“ ein klassisches Stück, aus Enussahs Feder, und nimmt das Publikum mit ihrem jugendlichen Charme und ihrem wunderschönen Tanzstil völlig gefangen. Mit diesem Stück konnte sie zwischenzeitlich den Titel „Deutsche Meisterin Junior“ und „Bellydancer of the world“ in der Kategorie Klassisch Orientalisch ertanzen – und das verdient. - Nun folgt Enussah selbst. Sie tanzt ein Orientalisches Medley mit einer rasanten Schleier-Eröffnung, energiegeladenen Shimmies, wunderschönen Akzenten und das auf einen gelungenen Zusammenschnitt einiger orientalischer Klassiker. Enussahs exakter, femininer und gefühlvoller Tanzstil und ihre faszinierende Bühnenpräsenz zeigen auch hier wieder – hier tanzt eine Ausnahmetänzerin!
Weiter geht es mit Leylah Sadims „Eilistraee – Mystic Dance Ensemble“. Die sieben Tänzerinnen – Enya, Samy, Naira, Lamia, Manjula, Elenya und Leylah Sadim - haben sich als Kollektiv zusammengefunden und ganz der etwas düstereren und mystischeren Seite des orientalischen Tanzes verschrieben. Dies zeigen sie mit einem beeindruckenden Säbeltanz, der das Publikum ergreift und die Luft anhalten lässt. - Die erste „inklusive“, also aus behinderten und nichtbehinderten Tänzern bestehende, Gruppe Tamasok ist die unter der Leitung der Lehrerinnen Levana und Janina. Sie zeigen einen gefühlvollen und sehr berührenden Schleiertanz zum Stück aus Disneys Aladdin „A Whole New World“, choreographiert von Levana. Die Gruppe wirkt so harmonisch und vertraut, die Behinderungen erscheinen hier völlig nebensächlich!
Naira, ebenfalls Tamasok-Lehrerin, startet mit einer rasanten Schleier-Eröffnung. Dem folgt ein flottes Trommelsolo, bei dem sie vom Publikum durch fleißiges Mitklatschen unterstützt wird. - Die zweite „inklusive“ Tanzgruppe des Abends tanzt unter der Leitung von Laura Ammurah und Natascha. Zum Stück „Alice In Wonderland“ betreten sie die Bühne ganz in ihre Isis-Flügel eingehüllt, um diese dann nach und nach zu öffnen und einen Fantasy-Tanz zu präsentieren, so bezaubernd, wie aus dem Wunderland entsprungen.
Damit endet die erste Halbzeit dieser etwas anderen Show und das Publikum wird in die Pause entlassen. Die zweite Halbzeit wird durch Enussah mit einem klassischen Shammadan-Tanz im Reda-Stil eröffnet. Mit Shammadan auf dem Kopf und Zimbeln in den Händen tanzt sie keck und gleichzeitig anmutig durch den Zuschauerraum, bis sie sich auf der Bühne einfindet. Bei ihrem anspruchsvollen Bodenteil, bei dem sie den Leuchter weiterhin gekonnt balanciert, geht ein beeindrucktes Raunen durch die Zuschauermenge. Es wirkt, als würde sie nie etwas anderes tun.

Sie ist wirklich eine Meisterin ihres Fachs – nicht umsonst hat sie schon etliche Titel gewonnen und ist Leiterin des größten Studios in Süddeutschlang sowie Initiatorin renommierter Veranstaltungen wie der Total Oriental und der Tribal Convention.
Und es geht weiter mit Folklore. Die dritte inklusive Gruppe unter der Leitung von Naira und Elenya zeigt einen erdigen Stocktanz nach einer Choreographie von Naira, der vom Publikum nur zu gerne mitgeklatscht wird. In der Mitte der vier Tänzerinnen tanzt Tobi, der als „Hahn im Korb“ nicht nur authentisch mit Stock ohne „Krücke“ (Henkel) sondern auch ein extra für ihn inszeniertes Solo tanzt. Der Spaß, den die Tänzer/-innen auf der Bühne haben, ist wirklich ansteckend! - Danach sehen wir noch einmal Leylahs „Eilistraee Mystic Dance Ensemble“, diesmal mit einem rasanten, feurigen und fröhlichen Zigeuner-Tribal (Titelfoto). Die 7 Tänzerinnen erobern mit ihren funkelnden Augen, den bunten, weit fliegenden Röcken, den kraftvollen Tribalbewegungen zu Zigeunermusikklängen im Nu die Bühne und die Zuschauer.
Dieser tempogeladenen Darbietung folgen nun ruhigere Klänge mit einem Tüchertanz und der Behindertengruppe Takamol. Die sechs Tänzerinnen zaubern tolle Bilder mit ihren bunten Tüchern zum Stück „Eftah Albak Tefrah“ und einer Choreographie von Leylah Sadim. Herrlich, wieviel Liebe sie in ihren Auftritt stecken! Samy, die schon seit dem Kindesalter im Studio Scarabeo Palace tanzt und beim Wettbewerb „Oriental Rising Star“ der Total Oriental 2015 den zweiten Platz ertanzte, verzaubert mit einem gefühlvollen Schleier- und Fusiontanz zum James Bond Hit „Sky Falls“ – das geht wirklich unter die Haut!

Und die Spannung hält an, denn nun zeigen die Lehrerinnen Levana und Janina einen Schleierfächer-Fantasy-Tanz zum Stück „Ice Dance“ aus dem Film „Edward mit den Scherenhänden“ nach einer Choreographie von Leylah Sadim. Sie starten mit einem Schleierfächer, welcher sich im Laufe des Stückes als Paar herausstellt und zaubern damit wunderschöne Bilder und beeindruckend synchrone Tellerdrehungen.
Leylah Sadim tanzt einen ihrer Lieblingstänze, einen Gothic Bellydance Fusion mit Federfächern, in welchem sie die Geschichte eines gefallenen Engels erzählt, der sich nach seinem Fall besinnt und beschließt, wieder zu fliegen. Die ergreifende Musik und Leylahs Posen, in welchen sie die Fächer gekonnt so hält, dass es den Anschein hat, sie besäße Flügel statt Arme, lassen einen Fusion-Tanz der besonderen Art entstehen.
Das vorletzte Stück des Abends tanzt die vierte Inklusionsgruppe unter der Leitung von Samy und Petra. Zum Sommerhit „Fire Stone“ zeigen sie einen flotten Isis-Flügel-Tanz, der durch viele Posenwechsel und herrlich guter Laune auf der Bühne überzeugt. Dann sind wir auch schon am Ende dieser kurzweiligen, abwechslungsreichen und doch etwas anderen Show angekommen. Alle Tänzerinnen und Tänzer stürmen zum Mitklatschhit „So ya so“ von Mounir noch einmal die Bühne und tanzen jeweils nacheinander einen Part dieses Finalstücks nach einer Choreographie von Leylah.
Es ist wie eine große Party, bei welcher alle, egal ob mit Behinderung oder ohne, mitfeiern und sich über diese gelungene Show freuen – das ist wahre Inklusion. Die nächste Takamol Show ist für den 15.10.2016 geplant – man darf gespannt sein!
Eilistraee – Mystic Dance Ensemble
Gastgeberin Leylah Sadim
Enussah
Takamol
Laura Ammurah
Enussah
Tamasok
Eilistraee – Mystic Dance Ensemble
Naira
Enussah
2. inklusive Tanzgruppe
3. inklusive Tanzgruppe
Takamol
Leylah Sadim
4. Inklusionsgruppe
gemeinsamer Gruppentanz
Samy
Levana und Janina