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EINE FAMILIE NAMENS TRIBAL

Zum 6. Tribal Festival
der Russian Tribal Federation
13. - 16. April 2013 in Moskau
Man sagt, in Rußland sei es kalt …  

… und das ist nicht übertrieben. Unsere Winter sind lang und lähmend. Aber wenn nach einer langen Periode der Untätigkeit das Leben wieder er- wacht, strömen auch die Menschen, die den Tribal lieben, aus aller Herren Länder und auch allen Ecken unseres Mutterlandes herbei, um unser all- jährliches Festival der Tribal-Kultur zu feiern. Dieses Festival hat sich längst zu einer Tradition entwickelt. Und wir alle warten das ganze Jahr hindurch darauf, daß dieses große Ereignis endlich wieder beginnt, daß wir uns dafür fertigmachen können und daß wir immer nervöser werden. Jedes Jahr kommen mehr Gäste und wird das Festival bunter und einzigartiger.
Wenn man den Samen des Wissens in Menschen aussät, erhält man die wunderlichsten Früchte. Und das umso deutlicher, je mehr es den Menschen nach Wissen und Entwicklung verlangt und er sich nicht davor fürchtet, den auserwählten Weg zu beschreiten.
Vor sechs Jahren hat es Frauen nach diesem Wissen verlangt und in den Workshops auf den Festivals der Russian Tribal Federation haben sie dieses Wissen gefunden; sie haben die dieses Wissen unermüdlich im Tanzunterricht in die Tat umgesetzt und sich selbst wie auch ihren Stil gemäß dem Wissen verändert, das hinzugekommen ist und ihren Erfahrungsschatz erweitert hat; und aus diesen Frauen sind mittlerweile selbst Lehrerinnen geworden. Etliche von ihnen haben inzwischen ihre eigenen Tanz-Studios und reichlich Erfahrungen als Lehrerin sammeln können. Und die besten von ihnen wurden zum jüngsten Festival eingeladen, um ihre Erkenntnisse und Kenntnisse mit uns zu teilen:
Milana (Oxana Pesljak) ist die Leiterin des FCBD® “Sister Studio” Sirin Tribe, kommt aus St. Petersburg, und mit ihrem Auftreten und Stil spiegelt sie die Grazie, Feinheit, Vornehmheit und Eleganz ihrer Heimatstadt wieder, die man nicht zu Unrecht auch das Venedig des Nordens nennt. Desgleichen auch auf der Bühne. Wenn sie tanzt, können sich die Augen nicht sattsehen, man wird ihrer nie müde. Gleich, ob Milana solo oder mit dem „Sirin Tribe“ auftritt, beim Zuschauer bleibt stets ein Gefühl der Leichtigkeit und Beschwingtheit zurück.

Amir (Igor Rodin) ist unser strahlener und einzigartiger Tribal-Prinz und Meister darin, auf der Bühne Geschichten zu erzählen. Wenn er die Bühne betritt, schlägt er gleichsam einen Roman auf, der einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und mit dem Reichtum seiner Ideen überwältigt. Amir stammt aus Pensa (550 km südöstlich von Moskau) und leitet den Tribal-Stamm „Flourish“, welchen das Publikum wegen seiner interessanten und ungewöhnlichen Choreographien liebt.

Unser lieber Gast aus dem nahen (und doch so fernen) Nachbarland Kasachstan heißt Dhija (Olga Schereikaite). Sie nimmt an allen Veranstaltungen der „Russian Tribal Federation“ teil, gibt in verschiedenen russischen Städten Workshops und ist so oft mit uns zusammen, daß wir mitunter vergessen, wie weit sie es hat. Dhija ist eine echte Tanzbegabung und eine tolle Künstlerin, die unermüdlich an sich arbeitet. Ihre Auftritte, ob allein oder mit Gruppe, sind stets aufs neue eine Offenbarung, weil sie so viele Ideen hat. Viele kommen eigens wegen ihr zu den Shows, um zu erleben, was sie in diesem Jahr wieder ausgeheckt hat. Und für ihre Schülerinnen in Rußland bereitet Olga stets Unterricht vor, der fleißiges Üben und Hingabe an den Tanz voraussetzt.
Niafa, was? Die Niafa (Julia Chmelnitskaja)? Sie ist einer unserer kreativsten Köpfe, eine herausragende Künstlerin mit hohem Wiedererkennungswert und die Vize-Präsidentin unserer „Russian Tribal Federation“. Und sie leitet den Stamm „Tribal Virus“ in Krasnodar (zwischen Krim und Kaukasus, unweit des Olympia-Ortes Sotschi, gelegen). Ihre Kreativität umfasst so viele Tönungen und Schattierungen, daß man gar nicht erst versuchen sollte, sie mit Worten zu beschreiben. Am besten sollte man Niafa gesehen haben, denn auf sie trifft das Sprichwort zu „Besser einmal mit eigenen Augen gesehen als hundertmal davongehört“. Ihre Tanz-Experimente sind berühmt, und auch wenn manche davon die Zuschauer spalten und hitzige Debatten, mitunter sogar Kontroversen auslösen, fest steht, daß sie niemanden kalt lassen.
Divon (Jekaterina Konowalowa) ist einfach nur unglaublich. Sie erschafft derartige Choreographien, daß man beim ersten Hinschauen glaubt, die kann niemand nachtanzen, das kann doch einfach nicht gehen! Aber es geht doch, und es ist vor allem wunderschön. Wenn man anfängt, diese Choreo einzuüben, fällt einem auf, daß sie eigentlich ganz einfach ist. So, wie alles Geniale im Grunde ganz einfach ist. Divon beherrscht diese besondere Kunst perfekt. Mit den einfachsten Elementen entfacht sie die bezauberndsten Bewegungen. Und aus all dem entströmt ihre göttliche Ausstrahlung, ihr ganz eigener Charme und ihre Hingabe zu ihrem künstlerischen Tun. Ihre Liebe zum Tanz hat sie auch dazu bewogen, ihren eigenen Stamm zu gründen, „Tarot Noir“, der aus sehr begabten jungen Tribal-Tänzerinnen aus Moskau besteht.
Eine andere russische Stadt, Jekaterinburg (an der Grenze zu Sibirien, im Ural, unsere Eliana kommt dort her – Anm. d. Red.),
ist seit jeher für ihre Handwerkskunst berühmt. Die von dort stammende Jelena Arslanowa, die regelmäßig jedes Jahr zum Tribal Festival kommt, darf aufgrund ihrer tänzerischen Kunstfertigkeit ebenfalls als Kunst-Handwerkerin bezeichnet werden. Sie ist die Chefin eines Stamms mit dem Namen „Tribal Beat Dance Company“. In der Gala-Show des 6. Tribal-Festivals führte diese Truppe einen überragend hübschen und kunstfertigen Tanz auf, in dem viele ein altes Märchen, eine Sage aus dem Orient wiedererkannten. Ein Bravo dafür!
In Sibirien, wo ja nach allgemeiner Ansicht noch stärker als in Rußland das kalte Wetter zuhause ist, erhebt sich die Stadt Nowosibirsk, wo der Tribal sein eigenen Haus hat: Das „Tribal-House of Novosibirsk“.
Die Herrin dieses Hauses heißt
Jewgenija Akimowa, und bei ihr strahlt aus jeder Pore Sonnenschein. Wo sie auftaucht, sind der Sommer, der Duft von Obst und das Lachen nicht weit. Genau so wie der American Tribal Style®, den das „Tribal House Of Novosibirsk“ in der Gala-Show zur Aufführung gebracht hat; so wie wenn jeden Moment tropische Blumen auf der Bühne erblühen würden …
Wie beschreibt man die Atmosphäre auf einem solchen Festival? Alles hier atmet Einigkeit: die Verständigung untereinander, das gemeinsame Lernen, die gemeinsamen Mahlzeiten und der gemeinsame Informationsaustausch oft bis tief in die Nacht. Wir leben in den verschiedensten Ecken eines Riesenlandes, aber einmal im Jahr kommen wir an einem Ort zusammen, und schon verwandelt sich dort alles. Im Umkreis von mehreren Quadratkilometern ist alles „Tribal-durchtränkt“. In der Psychologie nennt man so etwas wohl „Angleichung“ oder Konvergenz, wenn die Herzen aller Menschen hier im selben Rhythmus zu schlagen scheinen. Und das nicht nur, weil wir zur gleichen Musik tanzen und zimbeln. Nein, da steckt viel mehr dahinter. Ein großer Fluß, in den wir eintauchen und der uns für die Festival-Tage mit dem richtigen Rhythmus und Geist vorantreibt.

Das Ausmaß und die Konzentration von Kreativität an diesen Tagen und an diesem Ort sind so hoch, daß sie Neues erzeugt und gebiert: Projekte, Ideen und Möglichkeiten, sie umzusetzen. Wie Batterien speichern wir das ganze Jahr über Tribal-Energie in uns, die wir beim Festival in ein gemeinsames Ganzes freisetzen, um in selbiges einzutauchen, wo eine magische Umwandlung mit uns stattfindet. Am Ende eines solchen Festivals haben wir gegenüber früher immer etwas verändert.

Diese Tribal-Magie nehmen wir in unsere eigenen Ecken unseres Riesenlandes mit, um sie dort zu bewahren und weiterzuentwickeln, um sie mit unseren Schülerinnen und mit den Zuschauern zu teilen, die zu unseren Veranstaltungen kommen. So leben wir, die wir in der Tanz-Tradition aufgehen, wie bei den Gezeiten geht es darin auf und ab, und wir wollen gar kein anderes Leben führen.

Wenn ich an meine eigenen ersten Begegnungen mit dem Tribal zurückdenke, danke ich immer noch dem Schicksal dafür, mir die Chance und die Gelegenheit geschenkt zu haben, mit Swetlana Dworetskaja zusammengekommen zu sein, unserer Tribalmutter. Sie war, sie ist, und sie wird, hoffentlich, immer meine Lehrerin sein. Swetlana ist eine Magierin und gleichzeitig die Frau, die den Tribal in Rußland vorangetrieben und vor sechs Jahren die „Russian Tribal Federation“ gegründet hat.
Sie leitet außerdem die Gruppe „Ujbaba“, das erste russische FCBD®-„Sister Studio“. Ihr haben wir es zu verdanken, wenn wir von den Gründerfrauen des ATS® und des Tribal Fusion lernen konnten. Was sie alles geleistet hat, kann man kaum ermessen, und ihre Arbeit kann man nur verstehen, wenn man sich wie sie einer Bewegung verschrieben hat, bei der einem das Herz schneller schlägt und in der man neue Kraft findet.
Aus den Frauen von „Ujbaba“ (Foto li.) ist eine richtige Familie erwachsen. Sie sind es, die beim Festival die Gäste in Empfang nehmen, die bei der Unterbringung behilflich sind, die bei allen organisatorischen Fragen Rat wissen, die bei den Workshops dolmetschen und die dann auch noch auf der Bühne Kunst darbieten, die einem den Atem nimmt. Sie sind effizient, kompetent und mit dem Herzen dabei. Sie sind unermüdlich bei der Sache, und ihre Liebe, Treue und Hingabe zum Tribal machen es erst möglich, daß die riesige Organisationsaufgabe bewältigt werden kann.

Ich beobachte sie immer wieder dabei, und gelegentlich kommt es mir so vor, als lebten sie in einer anderen Welt. Eine Welt, in der man um das Geheimnis weiß, wie man in gewissen Momenten mehr zu leisten vermag als die Normalmenschen. Man mag es kaum glauben, aber allein schon ihnen zuzusehen, fasziniert und baut einen auf. Sie sind uns allen leuchtendes Vorbild. Das Tribal Festival und die Tribal Fair finden im Frühjahr, beziehungsweise Herbst statt und stehen in direkter Beziehung zueinander.

Zur Herbst-Veranstaltung bringen wir die Ernte dessen ein, was im Frühjahr ausgesät wurde, wenn die Samen des Festivals in den fruchtbaren Geist derjenigen gefallen sind, die bereit waren zu lernen, sich entsprechend zu entwickeln und mit den anderen im großen Fluß zu schwimmen. Diese Bewegung richtet sich an alle, die keine Angst vor Veränderungen und Verwandlungen haben, die sogar danach streben und sie im Tanz erleben und zur Vollendung bringen. Denn wir sind alle eine große Tanz-Familie, und die hört auf den Namen Tribal.
Festival: www.tribalfest.ru
Forum: www.tribal.su
RTF web-site: www.RFTribal.ru
Studio ‘UJBABA’: www.ujbaba.ru
Photos © Alexey Mashutikov
Graphische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
Das 7. Festival der Russian Tribal Federation findet statt vom 10. - 14. April 2014!
Finale
oben und rechts:
Ujbaba

unten:
Svetlana Dworetskaja
oben: "Tribal-House of Novosibirsk"
links: "Tribal Beat Dance Company"
Fotos:

links: Dhiya
rechts: Divon
unten: Niafa
Milana
Amir
- Original-Text von Walerija Potapowitsch,
ins Englische übertragen von Anna Chrupkina,
ins Deutsche übertragen von Marcel Bieger
Vorbemerkung der „Hagalla“Redaktion: Schon seit längerem interessiert es uns zu erfahren, was in Sachen Bauchtanz und Tribal in Rußland abgeht. Die „Russian Tribal Federation“, übrigens „Sister Festival“ des Tribal Festivals Hannover, hat sich freundlicherweise bereiterklärt, uns einen Bericht über ihr Festival im April des Jahres 2013 zu schreiben. Wir hatten sie gebeten, sich dabei auf die eigenen Künstler zu konzentrieren. schließlich sind uns die Künstlerinnen aus Rußland und den GUS-Staaten  – noch - fremd, aber das ändert sich hoffentlich mit diesem Artikel, der dank seines besonderen Stils fast schon poetisch zu nennen ist.
Zum Festival 2013 hatten wir ein paar wunderbare Dozenten eingeladen: Ariellah, Tjarda, Wendy und Sandi von „FatChanceBellyDance®“, Frank Farinaro und Amy Sigil. Sie alle brachten interessante Workshops, ihre eigenen Visionen und ihre Sicht auf den Tribal und sein Wesen mit. Bei jedem Tänzer löst es Entzücken aus, bei Menschen lernen zu können, die diesen Tanz ständig neu erfinden und seine Grenzen immer weiterschieben.
Soviel Schönheit, Anmut und endlose Möglichkeiten für kreative Experimente
hält dieser Tanz für uns bereit.