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Photos: wenn nicht anderweitig vermerkt, alle © Dan Fullard, Abb. geogr. Karte Großbritannien PD, Quelle: Wikimedia
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
TRIBAL IN GROSSBRITANNIEN

von Hilde Cannoodt & Philippa Gebhardt

übersetzt von Marcel Bieger

Wie hat es mit Tribal Fusion in Großbritannien angefangen?

Schwer zu sagen, wie alles angefangen hat, aber Ende der Neunziger Jahre bis etwa 2005 haben etliche OT-Tänzerinnen im Internet den Tribal entdeckt. Es gab aber noch keine Tanzschulen oder Workshops, in denen man Tribal lernen konnte, also haben diese Frauen sich das von Videos oder gleich aus dem Internet beigebracht. Janet Keates, die Lehrerin von Dawn O’Brien (von Dawn werden wir später noch hören) verlor 1997 ihr Herz an den Tribal und holte Paulette Rees Denis 1999 und 2000 auf die Insel. Im neuen Jahrtausend machten dann andere Tribes von sich reden, wie zum Beispiel „Barefoot Belly Dance“
und „Khalgani“.

Wendy Marlatt hat in der britischen Tribal-Szene eine sehr große Rolle gespielt. Seit 2003 gab sie Unterricht in Irland. Sie kam aus San Francisco, wo sie bei Fat Chance Belly Dance mitgetanzt hat. Wendy ist dann nach Dublin gekommen und hat gleich angefangen, Unterricht zu geben. Sie hat sich nicht nur von Carolena Nericcio inspirieren lassen, sondern auch von anderen Lehrerinnen. Ziemlich früh entstand ihre Truppe Rashani International, schließlich kamen Tänzerinnen von der ganzen Inselgruppe zu ihr.

Zu diesen Künstlerinnen gehörte übrigens auch Samantha Emanuel (damals noch Samantha Hasthorpe), die sich bis dato selbst anhand von FCBD-DVDs Tanz beigebracht hatte (sie hatte den Stamm beim Majma-Festival auftreten gesehen). 2005 ging Samantha nach San Francisco, um dort bei einigen der Größten Unterricht zu nehmen, wie Suhaila Salimpour, Carolena Nericcio und Rachel Brice. .
Wo liegen denn in Großbritannien die Zentren des Tribal?

Wir haben einige Regionen, in denen sich eine ganze Reihe Tänzerinnen um eine oder mehrere Künstlerinnen scharen, die schon länger dabei sind. Da wären zum Beispiel die Midlands (das Mittelstück Englands), wo Dawn O’Brien mit ihrem Stamm Khalgani sitzt. Sie organisiert seit 2005 Tribal-Veranstaltungen. Ebenfalls in diesem Landstrich findet man Donna Gardner und ihre Gruppe Pedaltra. Donna und ihre Stammesschwester Lesley Hogg haben übrigens vorher bei „Rashani International“ mitgetanzt. Und ebenso in den Midlands zuhause ist Alexis Southall. Sie beschäftigt sich seit 2006 mit Tribal Fusion und war eine von Dawn O’Briens ATS Schülerinnen. Wie die meisten Tänzerinnen in jener Zeit hat sie sich fast alles mittels DVDs beigebracht und ist zusätzlich zu Workshops ins Ausland gereist. Alexis lädt heute internationale Tänzerinnen zu sich ein, damit sie bei ihr Unterricht geben und den Tribal Fusion unter den einheimischen Künstlerinnen verbreiten. Und nicht unerwähnt bleiben darf eine weitere Frau aus den Midlands, Bex Priest. Sie war Schülerin bei Dawn O'Brien und hat sich darauf spezialisiert, Dark Fusion zu unterrichten und vorzuführen.

Kommen wir damit zum englischen Südwesten. Hier wird natürlich der Einfluß von Samantha Emanuel am ehesten deutlich, die in der Grafschaft Devon lebt. Wenn sie gerade mal nicht in der Weltgeschichte herumreist, gibt sie bei sich Intensivkurse, zu denen Künstlerinnen aus ganz Großbritannien angereist kommen und bei ihr lernen wollen. In Bristol unterrichtet und tanzt Victoria Pearl Boheme, die gern die örtliche Szene mit internationalen Künstlern verwöhnt.
In Schottland war Deirdre McDonald lange Zeit die Nummer eins, bis sie in die USA gegangen ist. Sie war dort bei Paulette Rees-Denis von „Gypsy Caravan“. Heute wäre in Schottland vor allem Laura Monteith zu nennen, die früher bei Deirdre getanzt hat und seit 2005 selbständig Tribal Fusion unterrichtet. Sie leitet die Gruppe Sarasvati Tribal.
Seit einigen Jahren gedeiht auch in London eine Szene. Dort begann alles mit Lily Tsai und Hannah Mi, die 2005 das Duo Tribalkinesis gegründet haben und in der Stadt Unterricht geben. Hannah Mi hat später den Stamm
Atalantagegründet, zu dem auch zwei Amerikanerinnen gehören, Jesse Standbridge aus New York City und Kimberly Mackoy aus San Francisco. Kimberly hat bis 2011 in London Tribal Fusion Klassen abgehalten, danach ist sie nach Amerika zurückgekehrt.
Die andere Amerikanerin, Jesse, hat 2007 mit Philippa Gebhardt und Laura Dunne früher „Rashani International“) die Gruppe Moirai ins Leben gerufen. Moirai ist ein ATS-Stamm und ein „Sister Studio“ von FCBD. Die Mitglieder unterrichten überall auf den Inseln, und auch im Ausland. – Erwähnt werden muß auch Kerry Darkstar, die bei Hannah Mi gelernt hat und als eine der Pionierinnen des Dark Fusion in Großbritannien gilt. Sie orientiert sich stark an der US-Amerikanerin Ariellah.
Hilde Cannoodt (Photo © Polstar Photography)
Philippa Gebhardt
Samantha Emanuel
Wendy Marlatt und Rashani International
Donna Gardner und Pedralta
Alexis Southall
Dawn O'Brien und Khalgani
Bex Priest
Hannah Mi (© Maani Photography)
Victoria Pearl Boheme
Kimberly Mackoy
Kerry Darkstar
Moirai Tribal - Jesse Standbridge & Philippa Gebhardt
Im Südost findet man Hilde Cannoodt, die seit 2006 ATS und Tribal Fusion lehrt. Sie wurde in Belgien geboren und ist 2004 nach Brighton gezogen. Schon bald hat sie dort Unterricht gegeben und Veranstaltungen ins Leben gerufen, selbstredend tanzt sie auch selbst. Hilde leitet die
Masmoudi Dance Company und tritt mittlerweile nicht mehr nur auf der Insel, sondern auch in Festlands-Europa auf.

Zwei ihrer Schülerinnen,
Charlotte Wassell und Nicola Harding, die ebenfalls bei der „Masmoudi Dance Company“ sind, lehren an ihrer Schule ATS und haben 2010 das ATS-DuoTer’zim gegründet. „Ter’zim“ ist ebenfalls „Sister Studio“ von FCBD.
Gibt es in Großbritannien größere Tribal-Festivals?

Als das erste Festival mit Schwerpunkt Tribal gilt “Tribal Ford” Die alljährliche Veranstaltung fand in Nord-England statt, wurde von Lindsey Mac Queen durchgeführt und öffnete zum letzten Mal 2009 ihre Tore. In London haben die Belly Dance Super Stars 2008 und 2009 „Tribalondon“ organisiert, bei dem internationale und britische Tribal-Tänzerinnen aufgetreten sind sowie einige Mitglieder von BDSS.

In der nördlich von London liegenden Stadt Aylesbury gibt es den “Tribal Vibe”, veranstaltet von Steffi Colbert, Begründerin vonBarefoot Belly Dance und seit 2010 vonRed Tent Tribal. – „Tribal Goddess Retreat“ wird von Angela Noble vom Stamm Tribe Zuza organisiert und findet alljährlich in Northumberland statt.  – In Leicester kommt es jedes Jahr zum „Gothla UK Festival“, wo Gothic Belly Dance Lehrerinnen aus Großbritannien und anderen Ländern zusammenfinden. Organisert wird das Ganze von Akasha und Bridie.

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe Festivals, die mittlerweile auch Tribal Fusion im Programm haben, wie zum Beispiel „Majma“, „Sirocco“, „Fantasia“, Belly Dance Congress“ und so weiter. Und wenigstens erwähnen sollte man das „Tribal UK Magazine“ unter der Leitung von Nicole Kilbane vom Bodhaia Tribe. Das ist zwar inzwischen eingestellt worden, hat aber in den Jahren 2005 und 2006 einen guten Überblick über die britische Tribal-Szene gegeben.
In Großbritannien gibt es auch eine eigene Tribal-Musik-Szene?

Ja, sogar eine ziemlich große. Man kann sie gar nicht alle aufzählen, deswegen seien hier nur diejenigen Musiker erwähnt, die zusammen mit Tribal Fusion-Tänzerinnen auftreten:

Oojami hat in den vergangenen acht Jahren fünf Alben herausgebracht und ist zusammen mit Hannah Mi, Moirai, Masmoudi Dance Company und einigen mehr aufgetreten. ---Phil Thornton – Phils letztes Album heißt „Nexus Tribal, und viele Tribal Fusion Tänzerinnen haben schon zu Stücken daraus getanzt, wie Nyoka, Kimberly Mackoy, Hilde Cannoodt, Moirai, Hannah Mi, Beatrice Flowers.

Phil Meadley: DJ Phil Meadley ist schon seit längerem in der britischen  Global Beats Szene ein Begriff. Er hat bislang 30 Compilations zusammengestellt, darunter “Waltzes, Glitches and Brass: the New Sounds of Vaudeville”. Auf verschiedenen Tribal Fusion Festivals sind sie alle schon zusammen mit ihm aufgetreten: Samantha Emanuel, Dawn O’Brien, Hilde Cannoodt, Kerry Darkstar und Hannah Mi.

Chaos Carousel wurde 2011 von Hilde Cannoodt, einer in Brigthon ansässigen Tribal Fusion Tänzerin, und Merlin Shepherd, einem der besten Klezmer-
Klarinettisten Großbritanniens, gegründet. „Chaos Carousel“ verbindet osteuropäische und Balkan-Musik mit Tribal Fusion..

Websites:

www.hildebellydance.co.uk

www.moiraitribal.com

www.pedralta.com

www.arabicdancer.com

www.hannahdancer.co.uk

www.kimberlymackoy.com

www.vagabondprincess.com

www.alexissouthall.com

links: Hilde Cannoodt (Photo © Konstanze Winkler),
rechts ihre "Masmoudi Dance Company" (© Polstar Photography)
www.darkstardance.co.uk

www.lilybellydance.com

www.pearlboheme.co.uk

www.bexbellydance.co.uk

www.rashanitribal.com

www.oojami.com

www.sarasvatitribal.co.uk

www.hipswithattitude.co.uk

Phil Thornton und sein Album
"Nexus Tribal" (Abb. © Phil Thornton)
Hilde Cannoodt & Chaos Carousel (Photo © James Hedley)
Wir haben Hilde Cannoodt im März dieses Jahres bei Beyond Bellydance III im Utrecht (NL) kennengelernt
und waren nicht nur von ihrem Tanz begeistert, sondern auch von dem,
was sie zu sagen hat.

Gemeinsam mit Philippa Gebhardt von "Moirai Tribal" hat sie uns einiges Wissenwertes über die britische
Tribal Szene zusammengetragen,
aber lest selbst ...
Zwei Jahre später wurde sie dann bei den Belly Dance Super Stars aufgenommen, der einzigen Britin, der bis heute diese Ehre zuteil geworden ist. Seitdem genießt sie bei uns das höchste Ansehen und hat einen enormen Einfluß.