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HÜTE, STARS UND PARANOIA
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„The Violet Tribe“
tritt mit Qntal auf

von Bianca Stücker/Marcel Bieger
Am  23. Oktober fand  in der Zeche Carl in Essen ein Doppelkonzert statt, das für die Verbindung von Bauchtanz und Mittelalter-Rock beispielgebend gewesen sein dürfte: „The Violet Tribe“, das Ereignis im Tribal des Jahres 2010, und „Qntal“, die avantgardistischste Mittelalter-Kapelle des Landes, traten gemeinsam auf. Einige hundert Besucher erschienen, diesem kulturellen Urknall beizuwohnen.
„The Violet Tribe“ trat als Vorgruppe auf und hat ungefähr eine Dreiviertelstunde gespielt, also nicht das ganze Programm gegeben, „Qntal“ haben etwas länger Tasten und Saiten bedient. Höhepunkt war sicher, als „Cinnamon Star“ von „The Violet Tribe“ zur Darbietung von „Qntal“ getanzt hat. Geplant und angekündigt war dieses Doppelkonzert schon seit längerer Zeit, „The Violet Tribe“ arbeiten ab und zu mit der Konzertagentur zusammen, die auch „Qntal“ betreut (www.wod.de).
Es soll nicht bei dem einen „Vorfall“ bleiben, das nächste Mal spielen „The Violet Tribe“ mit „Qntal“ zusammen bei einem Festival in Bielefeld (am 5. Februar).
(
www.myspace.com/violettribe) (www.qntal.de)      
Einmal durften wir im Vorprogramm der berühmten Band Qntal auftreten.

„Ich bin schon ganz aufgeregt“, erklärte Lily bereits Tage, bevor es soweit war.

Endlich brach der wichtige Abend an. Oliver und ich trafen zuerst in der Zeche Carl in Essen ein. Wir erhielten einen saalartigen Seminarraum als Backstagebereich und jede Menge Erfrischungen und Pralinen. Die Erfrischungen und Pralinen können sich alle künftigen Veranstalter, denen wir noch begegnen werden, auch gern angewöhnen, wenn es nach uns geht.

Der Doktor und ich waren so zeitig dran, dass wir gemächlich auf dem Gelände herumbummelten und uns den Soundcheck von Qntal ansahen. Urplötzlich rief mich Syrah zur Bühne.

„Du“, sagte sie, „hättest du Lust, zu einem Lied von uns zu tanzen?“

„Äh“, erwiderte ich bestürzt.

„Das würde bestimmt gut passen“, vermutete sie.

„Aber wir sind insgesamt fünf Tänzerinnen“, hörte ich mich stammeln, „vielleicht gefallen euch die anderen ja besser?“

Okay, dachte ich, das ist nicht gerade das, was selbstbewusste, durchsetzungsfähige, in sich ruhende Menschen in dieser Situation gesagt hätten. Was mache ich falsch? Alles, behauptete meine innere Stimme und schüttelte verständnislos den Kopf.

„Ach“, winkte Syrah ab, „mach du das ruhig mal!“

„Na gut“, lenkte ich ein, „ihr könnt es euch ja später noch überlegen!“

Meine innere Stimme verdrehte die Augen und raufte sich die Haare.

„Ich muss euch etwas sagen“, gestand ich den anderen, als sie unseren Backstagesaal betraten. Dann berichtete ich, was mir zugestoßen war.

„Mach das ruhig“, sagte Arzo, „ich hätte auch sofort Ja gesagt!“

„Auf jeden Fall“, pflichteten die anderen ihr bei und nickten.

Na bitte, redete meine innere Stimme ungefragt dazwischen, da haben wirs! Es klang hochnäsig.  

Vor unserem Auftritt versammelten wir uns im Qntal-Backstageraum, der direkt am Zugang zur Bühne lag.

„Ich bin schon seit Tagen total aufgeregt“, sagte Lily.

„Also, ich kannte euch überhaupt nicht“, sagte Mariam.

„Ist ja nicht schlimm“, sagte Syrah, setzte den Mad-Professor-Hut auf und ließ sich von Mariko knipsen.

Zuerst wussten die Qntal-Fans noch nicht so richtig, was sie von uns halten sollten, doch mit der Zeit gewöhnten sie sich an uns und begannen sogar im Takt zu wippen. Wir gaben unser Bestes, was nicht leicht war, da auf der Bühne große Enge herrschte. Die Qntal-Fans hatten zudem keine Scheu, ihre Fotoapparate und Handtaschen auf dem Bühnenrand abzulegen, obwohl wir wie die Irrwische vor ihnen herumberserkten.

Dann war der Auftritt vorüber, Mariam machte sich auf den Weg zu einer weiteren Veranstaltung, bei der sie zu dreiundzwanzig Liedern tanzen musste, Lily, Annun, Svahara und Arzo zogen sich wieder an, um entspannt das Konzert zu genießen, und ich bekam es mit der Angst zu tun. Reflexartig malte ich mir die alleralbtraumhaftesten Schreckensszenarien aus. Das ist ganz meine Art, wenn mir etwas Aufregendes bevorsteht, denn da es normalerweise nie so schlimm kommt, wie man es sich vorgestellt hat, hat man nachher immer einen Grund erleichtert zu sein. Alter Paranoidentrick!

Zum Glück gelang dann tatsächlich alles sehr gut, ich passte sogar den Schluss des Liedes, zu dem ich zum Tanzen aufgefordert worden war, Name der Rose, versehentlich haargenau ab, als hätte ich es wochenlang einstudiert.

Danach gesellte ich mich zu den anderen und freute mich an Hits wie Ad mortem festinamus.

„Toll“, schwärmte Lily, „wie damals als Kind im Zwischenfall!“

Am Ende dieses denkwürdigen Tages waren wir alle sehr zufrieden und blickten motiviert den Ereignissen des darauffolgenden Wochenendes entgegen, das uns nach Erkrath führen würde, zur Zauberei der Kamele.

Der folgende Text stammt von „Cinnamon Star“, die bei „My Space“ ein Blog über „The Violet Tribe“ führt. Wir drucken den folgenden Beitrag daraus mit freundlicher Genehmigung der Autorin ab:
Photos: Titelbild © www.colorful-darkness.de, "Syrah mit Hut" © Violet Tribe,
alle anderen © www.vampyres.tk
Grafik und Layout: Konstanze Winkler