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"...AM LIEBSTEN BIS IN DIE SPÄTE NACHT WEITERGETANZT!"

ATS-Workshops mit Wendy Allen (FCBD)
im Oktober 2010 in Dillenburg

Eine Nachlese von Ursel "Naja Haje" Meyer

In den vergangenen Jahren hat sich das hessische Städtchen Dillenburg zunehmend zu einem Mekka der ATS-Fans entwickelt, und das aus gutem Grund: Im nunmehr 4. Jahr in Folge war dort vom 8.-10. Oktober 2010 Wendy Allen von Fat Chance Bellydance als Dozentin zu Gast, zum wiederholten Male assistiert von der inzwischen in Deutschland ansässigen Martha Saunders.

Dieses Mal hatte die Gastgeberin Gabriella zu diesem Anlaß für die ATS-Gemeinde ein besonders reichhaltiges Workshop-Paket geschnürt, und so begann für die ganz Enthusiastischen das Wochenende bereits am Donnerstagabend mit einem Näh-Workshop der sich mit dem Mysterium „Choli-Konstruktion“ befasste. Nach und nach verwandelten sich Stoffbahnen in Kleidungsstücke, und wer glaubte, daß Nähen sicher nicht so anstrengend sei wie Tanzen, der konnte an diesem Abend leicht eines besseren belehrt werden …

Die eigentlichen Tanz-Workshops wurden am Freitagnachmittag von Isarma und ihrem berühmt-berüchtigten Muskel-Workshop eingeläutet. Der Schwerpunkt lag dieses Mal auf Floorwork, also Bodentanz, als Vorbereitung auf den später folgenden FCBD-Workshop zu dem gleichen Thema. Die Teilnehmerinnen erfuhren detailliert, welche Muskeln ihres Körpers auf welche Weise dabei beansprucht werden, wie man sie gezielt trainieren kann und wie Verletzungen beim Bodentanz vermieden werden können. Ein hoch-informativer Workshop, der dem Kopf viel Nahrung bot und auch gehörig in die Beine ging.

Danach übernahm Wendy Allen das Zepter und unterrichtete das Thema Musik-Interpretation. Die Teilnehmerinnen erfuhren hier so einiges über Musiktheorie, und wie man musikalische Akzente sowohl bei schneller als auch bei langsamer Musik am besten umsetzt.

Zum Abschluß des Abends waren noch einmal die Beinmuskeln gefordert: Es ging zurück zum Floorwork, diesmal unter Wendys Anleitung. Und so lernten die Teilnehmerinnen, wie man sich auf FCBD-Art zum Boden begibt, was man dort anfangen kann, und wie man wieder elegant nach oben kommt. Der Workshop war nach dem Verlauf der Schwierigkeitsgrade gekonnt aufgebaut, so daß die Lernwilligen sowohl Erfolgserlebnisse bekamen als auch ihre (aktuellen) Grenzen kennenlernten – und an den folgenden Tagen waren sie nur unschwer am resultierenden Muskelkater zu erkennen.

Am Samstag wurde es dann richtig voll in der Dillenburger „Tanz-Oase“, denn nun gesellten sich viele Interessierte hinzu, die am Freitag noch hatten arbeiten müssen, oder die aus gesundheitlichen Gründen lieber auf Floorwork verzichteten. Dennoch waren das allgemeine tänzerische Level und der Stand der ATS-Kenntnisse recht homogen – die meisten Teilnehmerinnen waren denn auch „Wiederholungstäterinnen“, die nicht zum ersten Mal nach Dillenburg pilgerten. Und international ging es zu, denn die Teilnehmerinnen kamen nicht „nur“ aus ganz Deutschland - das Einzugsgebiet erstreckte sich dieses Mal auch nach Finnland und in die Schweiz.

Im ersten Samstags-Workshop ging es um das Geheimnis des „FCBD-Flairs“, und um nur scheinbar nebensächliche Bewegungsdetails mit großer Wirkung. Selbst altbekannten Grundbewegungen wurden dabei noch neue Geheimnisse entlockt, und die Lichter, die den Teilnehmerinnen reihenweise aufgingen, hätten problemlos den Raum erhellen können, hätte draußen nicht ohnehin die Sonne geschienen.

Mit Detailarbeit ging es im nächsten Workshop weiter, und man erfuhr genaueres über die Mechanik der Turns des langsamen Bewegungsspektrums, und wie man bei solchen Drehungen Gleichgewichtsproblemen entgegenarbeiten kann. Weiterhin gab es Tipps für schnelle Spins.

Den Abschluß dieses Tages bildete ein Workshop zu Tanzbewegungen mit abweichenden Zimbelmustern, denn auch FCBD zimbeln nicht ausschließlich den altbekannten Galopp. Eine Herausforderung für die Koordination von Händen und Hüften! Hinzu kamen die im ATS beliebten Partnervariationen, die nicht nur die eigene Bewegungskoordination fordern, sondern auch die Kontrolle über die Körpersprache, damit die Tanzpartnerin die Absichten nicht mißverstehen möge, der Cue aber gleichzeitig für ein potentielles Publikum unsichtbar bliebe.

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des miteinander Tanzens – dem Aspekt, in dem ATS unangefochten vor allen anderen Tribal-Formen die Führung hält. Zunächst ging es um die Vorbereitung und Gestaltung eines ATS-Sets, wobei für die Demonstration des Themas drei ausgewählte Frauen in wenigen Minuten das Grundgerüst für ein improvisiertes Set zusammenstellten, mit dem sie problemlos auf jeder deutschen Bühne Furore gemacht hätten. Danach wurden die Workshop-Teilnehmerinnen in zwei große Gruppen aufgeteilt, die zu der gleichen Musik jede ihr eigenes Set erstellen und vorführen sollten. Im Anschluß gab es Manöverkritik und Detailarbeit, insbesondere zum Verlassen des Chorus und die Rückkehr dorthin. Unter großer Heiterkeit wurden gute und weniger gute Methoden hierzu vorgestellt.

Der abschließende Workshop zu Tanzformationen fügte sich inhaltlich praktisch nahtlos an den vorhergehenden an. Hier lag der Schwerpunkt jedoch auf vom Standard abweichenden Aufstellungen, wie der Diagonale und den Dueling Duetts, sowie dem Wechsel der Gruppenausrichtung. Gerade das letzte Thema erwies sich als ausgesprochen anspruchsvoll, denn diese Tanzvariation erfordert ständige höchste Aufmerksamkeit, um den Richtungswechsel nicht zu verpassen, und um die Orientierung im Raum nicht zu verlieren – wie so ziemlich sämtliche Teilnehmerinnen beim abschließenden „In the Round“-Tanz erfahren durften. Ein Ansporn, hier verstärkt an sich zu arbeiten – was zum einen Wendy Allens großartigen Fähigkeiten als Lehrerin zu verdanken ist, und zum anderen der durchweg hervorragenden Stimmung im Raum. Und so löste sich die Runde dann am späten Nachmittag trotz allgemeiner Erschöpfung eher schweren Herzens auf, um den Heimweg anzutreten, denn am liebsten hätten alle bis spät in die Nacht noch weitergetanzt …

Die Teilnehmerinnen des Workshops mit Wendy Allen (Photo © Kerstin "Isarma" Kohlhöfer)
Wendy Allen (Photo © Kristina Adams)
Ursel "Naja Haje" Meyer (Photo © Anja Macht)
Homepage Ursel"Naja Haje" Meyer: www.naja-haje.de