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FLEXIBLE VARIATIONEN

- ein Gespräch mit Henneth Annun über ihre Tanzkostüme.

Mit der Künstlerin sprachen Konstanze Winkler und Marcel Bieger.

Nach ihrem Auftritt in der Gala-Show von „The Magic of Bellydance“ haben wir Gelegenheit, mit Henneth Annun ins Gespräch zu kommen. Die gefeierte Tribal-Fusion-Tänzerin liebt es, ihre Choreographien zu variieren, um ihrem Gefühl beim Tanz mehr Raum geben zu können und das oft genug so abwechslungsreich, daß man glauben kann, ein ganz neues Stück zu sehen. Ebenso viel Wert legt sie auf ihre Bühnenkleidung. Und darüber spricht sie jetzt:

„Ich mag „Vintage“ unheimlich gern, ich mag Balkan, es darf auch mal Gothic-angehaucht oder etwas Hip Hop drin sein – deswegen kann ich mir auch „Oriental Fusion“ sehr gut vorstellen, und sei es nur, um mal wieder einen kleinen Schritt zurück zur Basis zu tun, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Also zurück zum klassisch orientalischen Bauchtanz überhaupt.

Du wandelst deine Choreos ebenso wie die Zusammenstellung deiner Bühnenkleider?

„Ja, im Prinzip erspare ich mir mittlerweile den Streß, alles bis auf den letzten Takt genau vorab zu choreographieren. Bei den meisten Solo-Auftritten habe ich Eckpunkte, die sind fest. Aber je nach meiner Tagesform kann es vorkommen, dass ich bei einem bestimmten Eckpunkt abweiche und etwas ganz anderes tanze. Auch wenn ich schon lange vorher weiß, was ich tanzen werde, will ich mir trotzdem die Flexibilität bewahren, auch mal ein bißchen zu variieren. Aber das ist sehr vom jeweiligen Gefühl abhängig. So kommt ein gewisses Überraschungsmoment in meine Darbietungen, und die Leute können nicht sagen, Och, das haben wir aber schon mal gesehen. Das ist ja auch für mich ganz angenehm, weil ich das Gefühl, in dem ich mich gerade befinde, ausleben kann – statt mir sagen zu müssen, jetzt geht es links herum und gleich geht es rechts herum."

Wie gehst Du vor, wenn ein neues Stück entsteht. Was ist zuerst da, die Musik oder das Kostüm?

„Hm, meistens ist es so, daß ich irgendeine Musik höre, die mich total „flashed“, z.B. alte 20er-Jahremusik, dazu erwachen dann in meinem Kopf Bilder – zum Beispiel Vintage-Motive wie s/w-Fotos, Wasserwellenfrisur, Charleston, Rüschen, auch das Make-up wie es früher aufgelegt wurde, welcher Schmuck vielleicht passen könnte, welcher Haarschmuck dazu paßt und so weiter. Ja, so entwickelt sich dann das Kostüm, nachdem ich die Musik gehört habe. Also, erst die Musik, dann das Kostüm.“

Wie kommst du an die Sachen, die Dir für ein bestimmtes Stück vorschweben?

„Meistens ist das Marke Eigenbau. Wenn ich eine Idee habe, ziehe ich los und kaufe Stoff. Daraus wird dann zum Beispiel diese bunte, blumige Pluderhose und der dazu passend bezogene BH, und da nähe ich dann z.B. Schmuck oder Borten drauf, diese Dinge sind natürlich auch gekauft. Da wähle ich dann alles, was mich anspringt und dazu paßt. Vieles ist selbstgemacht, es gibt aber auch einiges, das ich mir gekauft habe, ausnahmsweise.“ (lacht). „Zum Beispiel was von ‚ShaliSari’, wie etwa den BH, Schürze und Rüschenhose(vom Auftritt am vorangegangenen Abend)„waren von ShaliSari. Ich brauchte was Neues, und weil ich keine Zeit hatte, mußte es eben etwas Gekauftes sein. Und weil die Sachen von denen sehr schön sind, kaufe ich halt gerne da.“

Besorgst du dir auch von ebay Nachschub?

„Oh ja, bei ebay kriegt man auch unheimlich viel, was so Einzelteile angeht, die man ja auch gut zweckentfremden kann. Ich hatte schon mal eine Gürtelschnalle im Haar, und all solche Geschichten. Manchmal gehe ich auch über den Trödelmarkt. Meine Freundin und ich haben da auch schon einige schöne Sachen gefunden. Irgendwelche Gürtel, die man zerschneidet und einen Kopfschmuck draus macht. Oder Spitzendeckchen, die in einen Rock eingearbeitet werden. Es wird alles unter dem Gesichtspunkt angeschafft, was kann ich daraus machen.“ (lacht) „Ich gehe schon gar nicht mehr anders einkaufen, außer vielleicht, wenn es um Lebensmittel geht. Aber wenn ich mit meinem Mann unterwegs bin, weil der neue Schuhe braucht, dann kriegt der natürlich auch seine Schuhe, aber dann sehe ich irgendwo ein Tuch und denke mir ‚Oh, das  könnte man so und so an einen Rock raffen’ oder ‚Hm, der Gürtel da ist schön.’ Ich glaube, ich kann schon gar nicht mehr anders.“

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Henneth Annun...
im neuen Kostüm....
...Rüschenhose, Gürtel mit Bahnenrock und Oberteil von ShaliSari
Henneth im "Vintage-Look"
Deswegen habe ich jetzt gerade ein wenig Geld verprasst, Ich habe mir ein wunderschönes ägyptisches Kostüm zugelegt, und als ich das anprobierte, fiel mir auf, daß ich noch immer meinen Tribal Schmuck trug und dieses ägyptische Stück auch Möglichkeiten zu einer schönen Mischung geben könnte. Ich liebe es, vielseitig zu sein.“
Henneth Annun bei "The Magic of Bellydance"