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Schmuck, DIY
Du fällst nicht nur durch Deine Tänze, sondern auch durch Deine ausgefallenen Kostüme auf. Erzähle uns bitte, wie sie entstehen.

Meine Kostüme haben immer mit dem Tanzstück, mit seinem zentralen Thema zu tun. Die Tänze selbst entstehen als Improvisation auf eine bestimmte Musik, die mich fasziniert. Oder ein Thema beschäftigt mich, und ich suche mir dann die passende Musik dazu. Beim „Vogeltanz“ war zuerst die Musik, und ich habe darauf improvisiert. Ich habe das meiner Mutter gezeigt, um zu hören, was sie davon hält. Sie war früher auch Tänzerin, allerdings Semi-Profi. Hauptberuflich war sie Sängerin, hat aber auch getanzt und stand oft auf der Bühne.

Ihr Fach war aber hauptsächlich das Ballett mit Ausflügen in klassischen indischen Tanz und asiatische Tänze z.B. indonesischem Tanz. Nun, als meine Mutter diese improvisation gesehen hat, meinte sie spontan: „Das ist ein Vogeltanz! Du bewegst dich wie ein großer Vogel und solltest dir dazu ein Kostüm mit Federn nähen.“ Sie hat schwarze Federn vorgeschlagen. Ich war aber noch skeptisch und glaubte nicht, dass ich so ein Kostüm hinbekommen könnte. Die Kostüm-Idee lag also erstmal auf Eis.Als ich das Stück dann uraufgeführt habe, habe ich dazu ein ganz „normales“ Tribal Fusion-Kostüm getragen. Allerdings schon in Schwarz, denn die Musik hat ja auch etwas Düsteres. Als ich meinen Tanz auf Video gesehen habe, war mir auch klar, das Thema heißt Vogel. Ich dachte aber erst einmal an die Sagensgestalt „Phönix aus der Asche“. Ich fragte mich, ob ich nicht doch versuchen sollte, mir ein paar Federn an mein Kostüm zu nähen. Dann bin ich einfach auf gut Glück in die Stadt gefahren und habe mit dem Thema im Hinterkopf nach etwas Passendem gesucht. Wenn das Thema erst einmal steht, dann fließt es plötzlich, dann hat man die richtigen Sachen zur Hand.
In einem Karnevalsladen hatte ich mit einem Mal eine schwarze Feder-Boa in den Fingern und bekam die Idee, sie auf den BH zu nähen. Dann bin ich auf schwarze Federn gestoßen. Ich habe mich einfach von meinem Bauchgefühl leiten lassen, mit dem Gedanken, mal gucken, was draus wird. Und so kam ein Teil zum anderen. Zum Beispiel eine Maske, bei der habe ich zuhause das Gesicht herausgeschnitten, bis nur noch ein Rahmen übrig war. Da waren schon Federn dran, allerdings Pfauenfedern, was ja erstmal nicht so paßt. Eigentlich schwebte mir die Idee eines schwarzen Vogels vor, einer Krähe vielleicht. Aber ein paar Farbtupfer erschienen mir schließlich doch ganz passend, nur alles in Schwarz wäre vielleicht zu eintönig, zu farblos auf der Bühne. Ich habe mich nach dem Einkauf mit all meinen Schätzen zuhause hingesetzt, und dann ging alles irgendwie sehr schnell. Plötzlich war das Kostüm fertig, zwar noch nicht bis in alle Einzelheiten, aber zumindest im Rohbau. Ich war selbst ziemlich erstaunt über das Ergebnis.
Nach dem Gespräch mit meiner Mutter hatte ich mich ja noch gefragt, wie soll das denn gehen? Ich glaube, das sagt letztlich auch viel über mich und meine Herangehensweise aus, wie bei mir Themen im Tanz entstehen, ich lasse mich von Intuition und Gefühl leiten. Dieses Kostüm hat sich dann immer mehr weiterentwickelt, immer neue Sachen kamen hinzu. Zum Beispiel hat meine Mutter mir eine Modeschmuckkette aus den 50er Jahren gebracht.

Ich ließ mich auch sehr von einigen Büchern inspirieren, zum Beispiel dem Buch „Variete´Tänzerinnen um 1900“, und von dem französischen Bildband „La Danse“, der ebenfalls Tänzer und Tänzerinnen um die vorige Jahrhundertwende zeigt. Beides sind dicke Wälzer mit vielen Abbildungen und Fotos sowie Hintergrundinformationen wie teilweise das Variete´ die „ernsthafte“ Tanzkunst beeinflusst hat, und wie die Tänzerinnen der heutigen orientalischen Tanzszene teilweise immer noch von bestimmten Kostümideen, Tanzideen und Accessoires (z.B. das zweiteilige Kostüm, Schleier, Isis Wings, Serpentintanz, Fantasythemen wie pharaonischer Tanz, Schmetterlingsflügel...alles gab es damals schon) besonders der amerikanischen Variete´ - Künstlerinnen beeinflusst sind, viele sogar ohne es zu wissen. Das Rad wurde also schon erfunden... Übrigens: Auch das Buch „Die Schlange vom Nil“ ist diesbezüglich interessant und war mir schon Inspirationsquelle.

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Gespräch mit Sophia Chariarse über ihre Tanz-Kostüme
Teil I

von Marcel Bieger

Fotos: André Elbing

DAS KOSTÜM 
GIBT DIE BEWEGUNGEN VOR