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Schmuck, DIY
Das war für mich insoweit interessant, weil ich mal wegwollte vom Orientalischen Tanz und in etwas ganz anderes eintauchen. Zur gleichen Zeit habe ich im Fernsehen eine Sendung über „Cirque de Soleil“ gesehen (modernes Zirkustheater aus Kanada). Die Artisten trugen eigenartige Kostüme, die den Eindruck vermittelten, sie seien in die Haut eines anderen Wesen geschlüpft, Phantasiewesen zumeist, und das fand ich sehr faszinierend. Das hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen, und ich habe mir vorgenommen, etwas mutiger in die Kostümkiste zu greifen.

Ich wollte nicht mehr so sehr Sophia Chariarse als Vogelwesen auf der Bühne darstellen, sondern das Thema mit dem Kostüm selbst  lebendig werden lassen. Als mein Kostüm dann seine erste fertige Fassung gewonnen hatte, habe ich es angezogen und die Musik aufgelegt. Mir kam es dann so vor, als gebe das Kostüm die Bewegungen vor. Ja, es bekam wirklich so etwas wie ein Eigenleben. Das hat mich ungeheuer fasziniert und mir sind ganz viele neue Ideen gekommen, die ich in meinen Tanz mit eingebaut habe.

Du variierst Deine Kostüme auch von Auftritt zu Auftritt, nicht wahr?

Ja, mir kommen manchmal Ideen, wie ich ein Kostüm noch verfeinern könnte. Beim „Vogelkostüm“ erschien es mir richtig, noch ein paar Farbtupfer hinzuzufügen. Auf dem Video hatte ich gesehen, daß es insgesamt  immer noch zu dunkel wirkte. Meistens hat man auf der Bühne ohnehin schon einen schwarzen Hintergrund, und die Wirkung der Bewegungen geht verloren, wenn das Kostüm zu sehr mit der Farbe des Hintergrundes verschmilzt.  Daraufhin habe ich das Kostüm mit etwas Türkis weiter aufgehellt.

Dieser Auftritt im Vogelkostüm war für Dich auch der Durchbruch dazu, etwas Neues auszuprobieren, nicht wahr?

Ich habe ja vorher hauptsächlich indisch oder Indian Fusion getanzt und wollte jetzt mal ausbrechen aus der, wie soll ich sagen, puren Technik oder der Bewegung gemäß einer Tanzrichtung. Der Vogeltanz geht ja mehr hin zum Ausdruckstanz, weil das Thema im Vordergrund steht und die Energie und die Gedanken, die ich darstellen möchte, anstatt zu zeigen, wie toll und wie genau bzw. präzise bestimmte Schritte oder Bewegungen getanzt werden können.

Das heißt nicht, dass ich nicht hart an mir und meiner Technik arbeite, denn nach oben hin ist vom Technik Niveau immer alles offen, es geht immer noch besser, und man darf als Tänzerin nie aufhören, zu trainieren, Unterricht zu nehmen oder sich zwischendurch coachen zu lassen. Zum Glück habe ich erfahrene Kolleginnen, von denen ich mir Feedback geben lasse, sowie meine Mutter, die eine meiner härtesten Coaches ist, denn ihr entgeht nichts.

Zurück zu dem Vogeltanz: Wenn ich mit diesem Stück auf der Bühne stehe, kommt unheimlich viel von mir, kommt vieles aus mir heraus, über das ich manchmal selbst erstaunt bin, und deswegen ist und bleibt der Vogeltanz eine Improvisation. Ich wollte es mal choreographieren, bin dann aber wieder davon abgekommen und habe nur so weit choreographiert, um ein Gerüst zu haben. Seitdem mache ich an verschiedenen Stellen bei jedem Auftritt das Gleiche, aber insgesamt tanze ich mich da regelrecht in eine Art Trance hinein.

Das merkt man den Auftritten an.  Nicht ohne Grund bist du mit dem Stück einem neuen und größeren Publikum bekannt geworden.

Dankeschön. Ich weiß noch, daß die Moderatorin damals, Helena Lehmann, meinen Auftritt mit der Bemerkung ankündigte, sie sähe es schon vor sich, wie nachher in der Pause alle Kritiker sich zusammenstellten und fragten, was war denn das? (lacht).

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Gespräch mit Sophia Chariarse über ihre Tanz-Kostüme

von Marcel Bieger
Fortsetzung
Fotos: André Elbing
DAS KOSTÜM 
GIBT DIE BEWEGUNGEN VOR