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Interview mit
zu ihren Balkan-Kostümen

Wenn „perlatentia“ auf dem Programm stehen, kann man sich auf einen besonderen Tanzgenuss gefasst machen. Dabei wird aber allzu leicht übersehen, dass man ein Gesamtkunstwerk geboten bekommt. Auch ihre Kostüme, all das, was sie mit auf die Bühne bringen, ist ja ebenfalls sehenswert und, wie wir gleich erfahren sollen, auch durchdacht. Wir verabreden uns mit ihnen zu einem Gespräch über ihre Tanzgewandung.

Der Sonntagmittag des 30. Augusts im Gemäuer des Klosters Knechtsteden – wir finden endlich zueinander. Sie sind alle gut drauf, sie lachen viel und sie reden gern durcheinander. Ein wirkliches Erlebnis und ein begeisterndes dazu, weil sie wirklich etwas zu sagen haben. Die größte Freude machen sie uns auch damit, uns nicht mit Debil-Denglisch zu quälen, im Gegenteil: Selbst in der größten Aufregung bekommen sie noch druckreif gesprochene Sätze hin. Respekt!
Von einem mussten wir allerdings Abstand nehmen: die einzelnen Aussagen namentlich kennzeichnen zu wollen. Deswegen kann hier nur angedeutet werden, dass jetzt gerade eine andere als vorher spricht. Aber so etwas drückt auch die Quirligkeit und Lebendigkeit dieser Truppe aus und bei „perlatentia“ wollen wir es auch gar nicht anders haben. Auch darin äußert sich schließlich das Gesamtkunstwerk „perlatentia“

Gestern bei Eurem Auftritt habt Ihr wie immer fabelhaft ausgesehen.

Danke, du meinst unsere Balkankostüme? Die nennen wir auch unsere „Westchenkostüme“. Wir haben eine Kostümschneiderin, die uns solche Sachen näht. Die ist total fit. Wir haben ihr vorher beschrieben, was wir gern hätten: Westchen mit Schnürung, das soll so und so aussehen. Sie hat uns dann verschiedene Sachen auf Photos gezeigt. Danach hat sie jede einzelne von uns noch einmal befragt, damit wir unsere ganz speziellen Wünsche angeben konnten. Die Stoffe haben wir gemeinsam ausgesucht, aber jede von uns hat eine eigene Farbe bekommen. Und um diese Weste herum haben wir dann den Rest zusammengestellt. Zum Beispiel einen passenden BH, der gut zu sehen sein sollte.

von Marcel Bieger

Das habt Ihr dann aber selbst gemacht.

Ja. Einen BH kauft man sich ja sowieso selbst und bezieht oder benäht ihn dann. Da macht jede von uns ihr eigenes Ding. Wir alle haben ja unseren Farb-Code. Meine Weste (Patricia) ist pink mit rosafarbenen Blumen, in diesem Fall ist mein Farbcode "Waldbeere“, weil ich alles in Beerenfarben habe. Ich habe mir auch einen Münzgürtel gekauft, der solche Töne aufweist, den dann auseinandergenommen und auf den BH genäht. Unten herum haben wir uns auf Hosen und knielange Röcke geeinigt. Seit zwei Jahren oder so ist das ja die Mode im Tribal Fusion, das kam glaube ich mit Ultra Gypsy auf. Die ersten, die ich mit so etwas gesehen habe, waren Shir o Shakar.  Da kam uns dann die Idee, das würde doch zu den Westchen passen. Und inzwischen tragen das ja alle (lacht) Ist ja auch ne super Kombi. Dazu habe ich mir dann ein pinkfarbenes Röckchen selbst genäht. Der Spitzenstoff und so weiter ist alles „meinem“ Farbspektrum. Bei den anderen Mädels das Gleiche: Imme hat ein grünes Westchen und ihre Farben sind grün, beige, oliv. Elena hat ihre Weste in türkis und als zusätzliche Farben schwarz und gold. Solche individuellen Züge sind uns schon sehr wichtig und wir sprechen auch viel über unsere Farben. Mit anderen Worten: Da wird keiner vorgeschrieben, was sie zu tragen hat. Wir erzählen uns von unseren Ideen und das befruchtet sich dann gegenseitig. So kommt es dann, dass wir am Ende ähnliche aber doch ganz unterschiedliche Kostüme haben

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Ich (Imme) bringe die italienische Note hinein, wegen der Assoziation „Oliven mit Ciabatta“. Das grün habe ich mit Kauri-Muscheln belegt und da meinte mal jemand, das sähe aus wie Edelweiß. Ich glaube, das geht uns allen so, ich habe am Anfang nie eine konkrete Idee, was das für ein Kostüm werden soll. Ich ruiniere regelmäßig meine ganze Wohnzimmereinrichtung, weil ich alles rauskrame, was ich an Bastelutensilien habe. Das liegt dann eine Woche oder so auf Tischen und Bänken. Nach der Woche gucke ich es mir an und meistens verwerfe ich es dann noch fünfmal. Erst dann nähe ich, schaue nochmal kritisch drauf und sage mir: „Nee, das passt noch nicht so richtig“ und rupfe alles wieder runter. Wie gesagt, ich habe vorher nie einen konkreten Plan, dies und das wird da und dort hingenäht. Vielmehr fordert das Kostüm irgendwann: Hier muss noch was hin und dort muss noch was weg. –

Ich (kl. Wiebke) laufe auch gern über Flohmärkte, um erstmal alles zu sammeln. Ich habe so einen Sammeltrieb à la Jäger und Sammler, finde immer hier noch was und da noch was. Mit der Folge, dass ich bei mir Zuhause zehntausend Schmuckschatullen herumliegen habe mit allerlei Krimskrams drin. Irgendwann wird das dann alles auseinander geräumt.

Elena und ich (kl. Wiebke) haben zum Beispiel noch ganz viel Stoff übrig und da haben wir uns auf der Hinfahrt hierher nach Knechtsteden überlegt, dass wir daraus ein neues Kostüm machen könnten. So fängt das immer an: Eine macht was Neues, wir reden darüber und am Ende sieht es dann doch bei allen wieder harmonisch aussieht. - Gleich und doch nicht gleich. Wir haben ja auch unsere „Geschmacksrichtungen“ (alle lachen).

Elena
kl. Wiebke
Imme
Patricia