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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
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TRAUMSCHÖNE TANZMODE
Interview mit
Susanne Hilse
von
„Bellydance Dreams“

von Marcel Bieger

Als wir auf der “World of Orient” an einer leibhaftigen Modenschau vorbeigekommen sind, haben wir erst einmal innegehalten. Und nicht nur hingeschaut und die schönen Modelle bewundert, sondern uns auch die Fragen gestellt: Wer steckt dahinter? Wir haben dann Susanne Hilse ausfindig gemacht, und die war bereit, sich mit uns über ihren Onlineshop, ihre Modenschauen und ihr von der Mode und dem Orientalischen Tanz bestimmtes Leben zu unterhalten. Nun hat bereits ihre zweite Bellydance Dreams (BdD) Modenshow (mit ihrer neusten Kollektion für 2011) auf der diesjährigen Orienta stattgefunden.
Stell bitte dich und die Idee hinter „Bellydance Dreams“ vor.

Ich bin 42 Jahre alt, lebe in Kempen am Niederrhein, betreibe nebenberuflich meinen Shop und bin hauptberuflich als Assistentin des GMs in einem großen Konzern tätig. Wie bin ich ans Kostüm-Design gekommen? Ich habe selbst sechs Jahre lang getanzt – klassischen Orientalischen Tanz, keinen Tribal, obwohl mich dieser Tanz und seine Kostüme immer schon fasziniert haben. Wie viele andere Frauen, so war ich immer auf der Suche nach ausgefallenen Kostümen. Eines Tages habe ich mir gedacht, du hast so viele Kostüm-Ideen im Kopf, wäre prima, wenn du diese umsetzen könntest. So bin ich ans Kostümbildnern gekommen und habe mir nach und nach meine Kontakte aufgebaut.
Wie zum Beispiel zu entsprechenden Schneidern, die meine Ideen umsetzen und den Qualitätsansprüchen genüge tun; vor allem letzteres ist mir sehr wichtig. Es gibt tatsächlich eine ganze Menge Schneider, die diesen Voraussetzungen leider nicht entsprechen, da das Anfertigen von exklusiven Bauchtanzkostümen ein besonderes Know-How erfordet. Meine Kostüme sollen keinen einheitlichen Wiedererkennungswert haben, wie das bei vielen anderen Modeschöpfern der Fall ist. Ich würde mir wünschen, daß Tänzerinnen auf das extravagante Design aufmerksam werden und fragen, von welchem Designer dieses Kostüm ist? Und erst dann erfahren, daß es von Bellydance Dreams stammt. Den Entwürfen sieht man teilweise meine Herkunft aus dem OT an, was aber nicht heißt, daß ich nicht auch den einen oder anderen Ausflug in den Tribal unternehmen möchte, sollte eine Kundin Interesse an einem neuen Design signalisieren – da ist noch eine Menge Potential drin, und es mangelt mir auch auf diesem Gebiet nicht an ausgefallenen Ideen. So habe ich auch in meiner neuesten Kollektion für 2011 ein
Susanne Hilse
Susanne und eine ihrer Mitarbeiterinnen
Design „Tribal Amazon“ bestehend aus klassischen Elementen wie Perlen und Pailetten kombiniert mit Tribalschmuck dabei.

Den Beruf der Schneiderin habe ich nicht erlernt, aber ich habe Schneider-Kurse besucht und mir nach und nach sehr vieles angeeignet und ich weiß durch meine Zeit als Tänzerin, worauf man bei einem qualitativ hochwertigen Bauchtanzkostüm zu achten hat. Es gibt eine ganze Menge Kostüme, bei denen der Rock super sitzt und der BH, sagen wir, eher bescheiden. Deswegen nähen wir in unsere Kostüme BH Cups ein. Bei vielen Anbietern sehe ich oftmals immer wieder Kostüm-Einerlei, da findet sich wenig, was sich von der Masse abhebt. Ich will nicht in dieses Massenangebot einsteigen, sondern eine extravagante Variante anbieten und auch neue Trends setzen. Ausgefallene Machart und Gestaltung in sehr guter Qualität, bei einem fairen Preis-/Leistungsverhältnis, und das für beide Seiten.

aus Susannes neuer Kollektion: 
Das Model "Tribal Amazon"
Ich setze immer wieder neue Inspirationen um. Auf dem Basar der World of Orient 2010 hatte ich Modelle mit bestickten Leggins dabei, die sehr gut angekommen sind. Natürlich kann man das Rad nicht neu erfinden. In der Mode, sei es Bauchtanz-Mode oder die allgemeine Mode, wiederholt sich alles immer wieder. Altes wird immer wieder neu aufleben. Für meinen Ausflug in den Steampunk-Bereich habe ich ein bißchen in der Vergangenheit recherchiert. Ich hole mir unter anderem Inspirationen, indem ich in anderen Zeitepochen herumschnuppere. Das ist aber nicht mein Schwerpunkt, sondern soll aufzeigen, was auch im Tribal-/Fusionbereich möglich ist. Das läuft neben dem klassischen OT her, und ich möchte feststellen, wie das einschlägt und sich etabliert. Auch auf diesem Gebiet gibt es in Deutschland bereits verschiedene gute Anbieter, mit welchen ich unter anderem bereits in Kooperation zusammenarbeite. Ich habe kein Interesse daran, dass man sich gegenseitig das Geschäft kaputt macht, sondern mein Motto lautet: Leben und leben lassen und vor allem neue Trends setzen, das heißt, nicht den existierenden Trends hinterherzulaufen.
Was bietest du im klassischen Bereich?

Ich betreibe meinen Shop seit nunmehr fast 2 Jahren und habe ganz klein angefangen. Ich habe mir das alles nach und nach aufgebaut, weil man auch erst einmal an die entsprechenden Kontakte kommen und vor allem das Vertauen der Kunden gewinnen muß. Ich produziere die Rohlinge meiner eigenen Designlinie BdD  inzwischen aus Qualitätsgründen nur noch in Deutschland, da diese Bestellungen überwiegend nach Maß angefertigt werden. Des weiteren bestehen ausländische Kontakte, und so habe ich in Hannover als auch auf der Orienta einige Stücke von brasilianischen Modeschöpfern wie Robby & Tony dabei gehabt, wohlgemerkt nicht meine eigenen Entwürfe, aber so etwas vertreibe ich eben auch, Kostüme, die es in Deutschland sonst nicht an jeder Ecke zu kaufen gibt.

Warum Brasilien? Nun, aus den klassischen „Bauchtanz-Ländern“. Ägypten und der Türkei, kommen die Kostüme mittlerweile en masse, und da sehe ich, für mich persönlich, kein Geschäftspotential. Ein Geschäft auf einem Markt zu etablieren, auf dem es schon hundert ähnliche Anbieter gibt, hat meiner Ansicht nach wenig Erfolg. Also muß man etwas suchen und finden, was nicht jeder andere auch im Angebot hat. Aus diesem Grund habe ich mit den brasilianischen Kostümen angefangen und mir, als die Zeit reif dafür war, gesagt, nun richtest du deinen Hauptfocus auf Dein ganz eigenes Design. Die brasilianischen Kostüme sollen ein zusätzliches Highlight für meine Kundinnen sein. Mittelweile habe ich meine eigene Designlinie BdD und konzentriere ich mich bei diesen Profikostümen auf meine eigenen Designideen.
Wie kommst du an deine eigenen Ideen?

Indem ich mit offenen Augen durchs Leben gehe. Kann sein, daß ich in einer Modezeitschrift ein interessantes Oberteil sehe, das ich dann in ein Kostüm einbaue; oder ich sehe in der Natur eine tolle Farbkombination, zum Beispiel bei Blumen; oder ich recherchiere, wie schon erwähnt, in anderen Zeitepochen.

ein brasilianisches "Tony & Robby" auch das gibt es bei
"bellydance dreams"
Mein Mann und ich reisen viel durch die Welt. Wir waren im Januar in Namibia, und da entdeckt man dann auch afrikanische Trachten und afrikanische Farbzusammenstellungen. Oder ich sehe auf irgendeinem roten Teppich ein tolles Abendkleid. Ich habe in meiner neuen Kollektion ein Kleid mit Blüten dabei, und dazu hat mich eben ein Abendkleid inspiriert. Ich sitze also nicht zuhause und warte auf einen Geistesblitz, sondern ich sehe etwas und denke darüber nach, wie sich das verwerten läßt. Oder ich sehe zum Beispiel einen tollen Stoff, kaufe den und überlege mir dann, womit läßt der sich kombinieren?
Wie spielt sich das denn ab, vom ersten Erblicken bis zum fertigen Modell?

Ich habe eine Idee, zeichne diese und spreche das Design mit meinen Schneiderinnen durch, die hin und wieder auch Änderungsvorschläge einbringen, die ich, wenn sie meiner Meinung nach Sinn machen, gerne berücksichtige. Und so entsteht ein neues Modell. Ideen und Inspirationen kommen spontan und das kann man sich auch nicht antrainieren.

Kostüme der BdD Linie sind kein Massenprodukt und es gibt sie ab ca. 450.- EUR. Wer gerade anfängt, kauft sich meist nicht sofort ein Kostüm in diesem Preislevel.  Mein Klientel liegt also schon eher in dem Bereich von professionellen oder semi-professionellen Tänzerinnen, die schon etwas länger dabei sind oder aber auch ambitionierte Schülerinnen, die sich etwas Ausgefallenes gönnen wollen. Das sind meine Geschäftsideen, und ich glaube auch, daß da der Markt noch nicht abgegrast ist.

aus der neuen Kollektion, das Tanzkostüm
mit Blütenrock
Ich stelle das auf Messen fest, das Interesse an guter, ausgefallener Ware ist groß. Eine positive Mund-zu-Mund-Propaganda meiner Kunden halte ich für eine der besten Werbungen. Ich habe in meinem Shop eine eigene Rubrik eingerichtet – „Zufriedene Kundinnen“ -, die mir oftmals Photos schicken, sobald sie in dem Kostüm aufgetreten sind oder beim Fotografen waren. Das ist insofern wichtig, weil ich ja selbst aus meiner aktiven Zeit weiß, daß ich bei Online-Shops erstmal eher skeptisch war. Da mir zufriedene Kundinnen sehr wichtig sind, gebe ich mein Bestes, um den Anforderungen und Wünschen der Kundin gerecht zu werden. Jede Kundin und deren Wunschvorstellungen werden von mir individuell betrachtet und auch so behandelt.
Photos © Detlef Hilse