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"Wer nicht alle Mühe darauf verwendet, Nachrichten und Zeitungen zu meiden, wird von den Unruhen in Ägypten (und anderswo) zu Beginn dieses Jahres gehört haben. Gleich wie man die Umbrüche und Verwerfungen sehen und bewerten mag, dieser Prozeß ist nicht innerhalb weniger Wochen abgeschlossen, und der Ausgang steht noch völlig offen. Aus diesen Gründen sind wir froh und stolz, einen Bericht über das letztjährige „Ahlan Wa Sahlan“ in Kairo präsentieren zu können, das bedeutendste OT-Festival der Welt. Wir wünschen der Veranstaltung für die Zukunft alles Gute, sie kann es gewiß brauchen, und wir danken Autorin Nabila dafür, uns diese Einblicke zu gewähren."
(Marcel Bieger)
Am Donnerstag, den 24. Juni 2010, flogen mein Mann Andreas, unser Freund Said el Amir aus Deutschland und ich gemeinsam von Zürich nach Kairo, um wieder am größten Orientalischen Tanzfestival der Welt teilzunehmen.

Bereits am ersten Abend hieß es sich elegant anziehen und auf die große Opening Gala im Khalife Ballsaal zu gehen. Die festlich gedeckten Tische waren schnell besetzt, und mit dem Einzug einer Folkloregruppe ging es los –
3 Tanouratänzer zeigten ihre fantastische Kunst, sich unglaublich lange in verschiedenen Tempi zu drehen und dazu noch die unterschiedlichsten Bilder mit ihren weiten schweren Röcken zu erschaffen. Amir Thaleb erfreute uns mit einem leider nur sehr kurzen Tanz. Anschließend wurde für das erste Orchester aufgebaut, und Katia eröffnete die Gala. Sie ist Russin, lebt und tanzt aber seit 15 Jahren mit großem Erfolg in Kairo. Nach ihrem Auftritt begann der Sturm auf das große Buffet, das ich dieses Jahr geflissentlich mied, da ich in den Vorjahren jedes Mal danach große Probleme mit dem Verdauungstrakt gehabt hatte.


Ein neues Orchester füllte die Bühne und die zierliche kleine Sorraya Zayied eroberte mit ihrem Temperament das Publikum. Sie stammt aus Brasilien, lebt und arbeitet aber ebenfalls schon viele Jahre in Kairo und gilt neben Dina und Randa als eine der ganz großen Stars der orientalischen Szene. Ihre Shimmies sind legendär und ihr langes Trommelsolo brachte den Saal zum Kochen! Nach einer weiteren Umbauphase für das nächste große Orchester betrat die Nummer 1 die Bühne: Dina! Strahlend schön, unglaublich weiblich, mit einem einzigartigen Gefühl für die Musik tanzte sie sich in die Herzen aller – ein Traum ihr zuzusehen! Dann war Partytime – eine orientalische Folkloreband heizte ein, und lustig maskierte Tänzer weckten selbst die gesättigsten Gäste auf. Es wurde getanzt, was das Zeug hält. Müde aber glücklich wankten wir alle morgens um 3 Uhr ins Bett.

Der erste Workshoptag begann für mich um 13 Uhr bei Dr. Mo Geddawi, Doktor der Tropenmedizin, Gründer der Hathor Dance Troupe und weltweit als Lehrer und Choreograph tätig. Sein Unterricht ist gut strukturiert, seine Choreographien wunderschön und es wird auch viel Hintergrundwissen vermittelt. Für Lehrerinnen ist sein Unterricht sehr interessant aufgrund seiner guten Erklärungen und Vergleiche, die er im Unterricht anwendet.

Danach wieder drei Stunden Workshop mit Amir Thaleb, dem Superstar aus Argentinien. Amir hat eine charismatische Ausstrahlung und alleine wenn er auf die Bühne kommt und eine Pose einnimmt, beginnen die Frauen bereits zu klatschen! In diesem Workshop unterrichtete er eine wundervolle Choreo zu Oum Kaltoums „Enta Omri“. Auch das improvisierte Tanzen kam nicht zu kurz und so konnten wir el Maestro in seinem Element genießen.
Nach 6 Stunden Tanz meldete sich der Hunger, eine Suppe im Restaurant musste genügen, schnell duschen und ab zur Teachers Gala. An diesem Abend haben alle Tänzerinnen und Tänzer, die auf dem Festival unterrichteten, die Möglichkeit sich auf der Bühne zu präsentieren. Einige waren wirklich sehr gut, wie z.B. Munique Neith aus Barcelona, Amara aus Brasilien, Samara Hayat aus Madrid, Fathiem aus den USA und natürlich Said el Amir! Karim Nagi, der Gründer von Turbo Tabla begeisterte mit seinem virtuosen Spiel auf der Tabla – und er tanzte auch noch dazu! Wieder war es 3 Uhr bis ich im Bett war!

Der zweite Workshoptag begann mit Amir Thaleb. Eine rasante Raks Sharki Choreo mit vielen Elementen des argentinischen Stils so ganz nach meinem Geschmack wurde von Amir gut strukturiert unterrichtet. Diese Choreo nehme ich sicher in mein Repertoire auf. Anschließend 3 Stunden bei Superstar Sorraya. Zu einem derzeit angesagten Arabic Pop Hit zeigte sie uns eine tolle Choreo. Leider ist Sorraya sehr klein, die Masse der Schülerinnen sehr groß und so war es äußerst schwierig, alle Elemente genau zu sehen.

Danach genoss ich nochmals drei Stunden bei Momo Kadous. Momos Choreographien sind unglaublich harmonisch auf die Musik abgestimmt und in seine Workshops kommen die ganz Großen der Szene wie Jillina, Samara Hayat, Munique Neith etc.

Said und ich hatten nach diesem langen Tag keine Zeit für eine Pause – schnell duschen und schon wurden wir zum Nile Maxim Boat gefahren, um an einer Dinnerfahrt teilzunehmen. Endlich was zu essen – Fisch und Reis. Während der Fahrt begann dann die unglaubliche Show des derzeit gefragtesten Tanouratänzers: Aman! So etwas hatten wir beide noch nie gesehen! Aman drehte sich in einem Wahnsinnstempo und steigerte sich am Schluss nochmals - einfach unvorstellbar!! Und dann kam Randa Kamel – sie wird jedes Jahr noch schöner, strahlender und umwerfender im Tanz! Eine wahre Augenweide! Mit ihrem sehr dynamischen Stil, wunderschönen neuen Kostümen und dem bezaubernden Lächeln hatte sie sofort das ganze Publikum in ihren Bann gezogen.
Müde und glücklich kamen wir wieder im Mena House an und beschlossen, noch einen Drink an der Bar zu nehmen. Da waren wir gleich in guter Gesellschaft: André Elbing hatte Geburtstag und saß mit Hermina aus Frankreich (Herausgeberin einer OT-Zeitschrift), deren Mann und den drei Lehrern und Choreographen Momo Kadous, Dr. Mo Geddawi und Zaza Hassan in der gemütlichen Bar. Wir verbrachten eine wundervolle Nacht, lachten über die vielen Witze, die Momo, Mo und Zaza erzählten, hörten interessiert die Geschichten über die alten Zeiten und kamen somit erst um 5 Uhr ins Bett!!
Zusammen mit ihr, Said el Amir, Sarah Shahine aus Italien (wie ich eine BDE-Tänzerin) und Jade el Jabel (Brasilien) wurden wir zum Grand Hyatt Hotel am Nil gefahren und begaben uns dort auf das Dinner-Schiff. Jade berichtete uns von ihren vielen lustigen Erlebnissen bei Kairo-Aufenthalten, und bald tat uns der Bauch weh vom vielen Lachen. Nach dem obligatorischen Essen (Reis und Fisch) trat Camilla auf und unterhielt uns mit ihrer „Hairographie“ – das ist eine Wortkreation von Jillina und bezeichnet den „unkonventionellen“ Stil dieser Tänzerin, ihre Haare andauernd in den Tanz mit einzubeziehen. Sie tanzte nicht schlecht, zeitweise traten noch 2 Männer mit ihr auf und wir wurden zum Schluss auch noch auf die Bühne geholt um mitzutanzen!
Ich erwachte um 11 Uhr und dachte, dass ich ruhig noch eine Stunde schlafen kann, da mein WS bei Dandash erst um 13 Uhr begann. Gesagt – getan – nur leider erwachte ich das nächste Mal erst um 13:40 Uhr!! Schreck lass nach … zuerst wollte ich trotzdem noch auf den Workshop, doch dann siegte der Hunger. Nach dem Verspeisen einer heißen Suppe fühlte ich mich wieder fit.
Anschließend war Shoppen im Bazar angesagt: Drei neue Kostüme waren das Ergebnis. Auch Jillina schlenderte durch den Bazar und wir verabredeten uns für eine weitere Dinnerfahrt auf einem anderen Boot.
Jillina
Tänzerin Nabila und ihr Mann Andreas
Der "Khalife" Ballsaal
Dina
Sorraya Zayied
Nabila und Amir Thaleb
Die Skyline von Kairo, im Vordergrund der Nil mit den Ausflugsbooten
Randa Kamel
Mena House
Der "Ahlan Wa Sahlan" Basar
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Photos © 1 und 4 André Elbing, 5 und 8 Crazy Move,
2, 3, 6, 7, 9, 10 Andreas Natter
TÄNZERINNEN
AUS ALLER HERREN LÄNDER

Ahlan Wa Sahlan Festival 2010,
Mena House Oberoi in Kairo

von Nabila