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Ein Bericht von Marcel Bieger
Fotos: André Elbing www.andre-elbing.de
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IM HERBST 2009 DREHTE DER KÜNSTLER RICHTIG AUF!
André Elbing gehört zu den wenigen Männern, die in der ganzen deutschen Bauchtanz-Szene ein Begriff sind (und weit darüber hinaus in vielen anderen Ländern). Diesen Ruf hat er sich vor allem als Photograph für Orientalischen Tanz und artverwandte Sparten erworben. Dahinter steht zu Unrecht etwas zurück, dass er auch auf diversen anderen Gebieten tätig ist. So manche Show, so manche Veranstaltung und so mancher Basar hätten ohne ihn im wahrsten Sinn des Wortes kümmerlich ausgesehen, denn er verfügt über einen riesigen Fundus an Dekorationsstücken, Stoffen und anderem Zubehör. Und neben vielem anderen ist er auch Moderator, Veranstalter und seit neuestem auch Jubilar. Davon abgesehen ist sein Künstlerinnen-Verzeichnis legendär, es gibt wohl national wie international kein(e) Künstler(in) von einigem Rang, die nicht dort verzeichnet sind.

Im vergangenen Herbst hatten wir Grund, ihn gleich zweimal zu besuchen und zu bewundern. Traditionell im September lädt André in das Köln benachbarte Erftstadt, um dort sein Festival  „Orient Pur“ abzuhalten. Letztes Jahr mußte der Termin aus Überlastung entfallen, sonst hätte es heuer ein weiteres Jubiläum gegeben – 5 Jahre Orient Pur. So traf man sich hier erst zum vierten Mal, zwar ohne Basar, und an einer anderen Stätte, aber in alter Frische. Und wenn André Elbing ruft, kommen sie aus aller Herren Länder, vielen war es ja nicht möglich, auch an der späteren Jubel-Feier zum 20-jährigen Bühnenjubiläum teilzunehmen, und so geriet dieses „Pur“ ein wenig zur Vorfeier.

Wie stets bei ihm überwog der traditionelle Orientalische Tanz – er versteht sich ja als Freund und Förderer des traditionellen Bauchtanzes -, aber André ist offen genug, auch Tribal und Fusion zu ihrem Recht kommen zu lassen. Und in der Auswahl, die für „Pur 4“ gefunden wurde, spiegelt sich das wider, was sich das ganze Jahr über schon mehr oder minder stark feststellen ließ (zum ersten Mal ist uns das so richtig schon bei Duo KarMas „Orient Desaster 4“ aufgefallen) – die Rückbesinnung auf den traditionellen Orientalischen Tanz. Keine Wiedergeburt der alten Formen, sondern eine neue Auseinandersetzung mit dem, woraus alles Neue entstanden ist. Und in gewissem Sinne kann man bei einer ganzen Reihe von solchen Versuchen bereits von „Fusion“ sprechen, im Sinne von Crossover. Der Schleiertanz, das Trommelsolo oder den Baladi mit neuen Formen, anderer Musik und so weiter mischen. Am weitesten dürfte da inzwischen der Schwerttanz gekommen sein.

Zu Pur: Die Halle in Lechnenich weist 180 Plätze auf, und die waren alle besetzt, ein Ergebnis, das ja im zurückliegenden Jahr nicht allzu vielen Veranstaltungen vergönnt gewesen ist.
Szauzan Ibrahim eröffnet die Show mit einem Leuchtertanz, den sie sehr lebendig vorträgt (gerade in dieser Disziplin belassen es einige Künstlerinnen ja beim bloßen Herumschreiten, das ist hier aber mitnichten der Fall), und im zweiten Teil reichert sie ihn auch noch mit Bodenakrobatik, Trommelsolo und Flötenspiel an.
Yasmina el Rakkasah kommt uns mit körperbetontem Baladi und Trommelsolo. Sie lebt den sehr einfühlsam vorgetragenen Tanz, kann aber auch schon mal ausgelassen burschikos werden.
Sehr modern wird es bei Carina Stefania und ihrem Orient Pop mit Disco und Hip Hop druntergemischt. Gutes Layering, aber auch immer wieder Rückbesinnung auf klassischen OT. Wir glauben, auch Ballett-Figuren darunter zu entdecken.
Zu Musik aus dem Film „Titanic“ tanzt Nahida eine weiblich temperamentvolle Phantasie. Auch in ihrem zweiten Stück geht es sentimental emotional zu pompöser Orchestermusik zu.
Ein tolles Jahr für Izida, die sich 2009 selbständig gemacht hat und seitdem auf vielen Veranstaltungen gern gesehen wird. Die gebürtige Bulgarin ist eine der leidenschaftlichsten Tänzerinnen, die wir hierzulande zu sehen bekommen, und ihr heutiger Auftritt bildet da keine Ausnahme. Es dürfte dies hier einer ihrer ersten Auftritte nach dem – freundschaftlichen – Ausscheiden bei Shahrazad sein. Ziehharmonika und Trommel heizen uns zum Raks Sharki ein, und die rassige Künstlerin beweist einmal mehr, warum ihre Bühnenpräsenz und ihre Körperbeherrschung ihresgleichen suchen. Scheint sie zur Ziehharmonika noch wie ein Vogel zu fliegen, tanzt sie das nachfolgende Trommelsolo, als würden ihr Körper und das Instrument miteinander verschmelzen.
Nun wird es ägyptisch, Kalima lässt ihre Truppe zum Schreittanz auflaufen, der sich an antiken Tempelbildern in den Stätten am Nil orientiert. Im ersten Teil mit Lichtern auf dem Kopf, im zweiten mit Isis-Flügeln. Man glaubt, das schon aus dem Bangles-Hit „Walk Like an Egyptian“ zu kennen, und doch ist es anders.
Zu einem sehr melancholischen Tango lädt nun Samira, den sie mit sehr akzentuierten Bewegungen aus dem klassischen Bauchtanz mischt, doch sie wahrt das Sinnliche beider Tänze. Im zweiten Teil wird es leidenschaftlicher, da spürt man, wie es unter der Oberfläche brodelt, und das trotz der eher einschmeichelnden Melodie.
Alitza zeigt uns, daß Raks Sharki und Trommelsolo immer auch etwas mit weiblichem Stolz zu tun haben. Sie weiß in jeder Sekunde, was sie tut, und so lassen sich die Zuschauer gern zu der Geschichte entführen, die sie zu erzählen hat. Denn sie versteht sich pointiert darauf, mit dem Publikum zu kommunizieren.

ANDRÉ ELBING, EIN PHOTOKÜNSTLER BLENDET AUF -
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20 Jahre Bühnenphotographie und mehr... ~