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SHIMMIES, HAREM UND ZWEI ARCHÄOLOGEN

8. Orientalisches Tanztheater
„Verliebt in Konstantiopel“

Kerpen, 2. April 2011

von Marcel Bieger

Wir sind in Kerpen, einer mittelgroßen Stadt in der Nähe Kölns, und wir sitzen in der Aula der Gesamtschule. Etwa 250 Menschen finden hier einen Sitzplatz, und so viele sind es heute auch.  Ein „Orientalisches Tanztheater“  soll es geben, also Orientalischer Tanz umrahmt von einem Theaterstück. Oder umgekehrt … Wir sind gespannt.

       Wie es mit Zweckbauten wie der Aula einer Gesamtschule nun einmal ist, bestechen sie selten durch architektonischen Charme oder gemütliches Ambiente. Deswegen haben die Künstler hier mit allerlei Kniffen und Dekorationsstücken für die passende Atmosphäre gesorgt. Ja, das ist ihnen gelungen. Wir sind erst recht gespannt, ob dieser gute erste Eindruck bestehen bleibt.

Leiterin dieses Unternehmens ist Anjuli, Roswitha Sieger, im Ort als Tanzlehrerin ansässig und unterstützt von einer Vielzahl von Helfern, die alles in liebevollen Eigenarbeit hergerichtet haben, daneben den Tanz übernehmen und auch noch die Rollen im Theaterstück besetzen.
Zur Eröffnung der Show tanzt hinter einer halbdurchsichtigen Trennwand Anjuli und ihr Schattenriß gibt eine Vorschau auf das, was uns an diesem Abend erwartet. In der Oper nennt man so etwas Overtüre.

Als nächstes tritt eine Art Geschichtenerzähler vor uns – wir erfahren später, daß es sich bei ihm um den Wesir des Sultans handelt, in dessen Palast in der Stadt Konstantinopel (natürlich fiktiv) das Geschehen angesiedelt ist. Er führt uns in die ortsüblichen Sitten und Gebräuche ein (diejenigen, die für das Verständnis der Handlung bekannt sein sollten) und weiß auch einiges zu den teilnehmenden Protagonisten mitzuteilen.

Abgelöst wird er wieder von
Anjuli, die uns einen temperamentvollen Raks Sharki vorführt, und sie kann’s, auch ihre Shimmies gefallen uns.

Und ihr wiederum folgt der Geschichten- erzähler mit weiteren Details, diesmal auch einigen pikanterer Natur, über das Leben in und mit einem Harem. Jetzt wissen wir schon ziemlich gut Bescheid, und im weiteren Verlauf der Handlung erfahren wir immer mehr und geraten immer tiefer in den Gang der Ereignisse, bis wir mitfiebern und den Archäologen Glück bei ihren Ausgrabungen und den beiden Liebenden einen guten Ausgang wünschen – und den anderen natürlich auch die Daumen drücken.
Zwischen den einzelnen Spielszenen, tritt Anjulis Tanz-Ensemble auf den Plan und erfreut uns mit gekonntem Trommelsolo, einer Art Tempeltanz mit Thai-Fingernägeln und einem unverfälschten Bollywood, man sieht ihnen an und spürt, was für eine Freude sie daran haben, die sich auf uns überträgt. Fast alle Darbietungen sind Formationstänze, und es ist ja bekanntlich eine hohe Kunst, sieben bis elf Künstlerinnen in geschlossener wie gelockerter Formation auftreten zu lassen. Zumal wenn die Bühne nicht übermäßig groß ist. Aber es klappt alles, es gibt keine Patzer, und eigentlich hätten die Tänzerinnen allein dafür schon einen Sonderapplaus verdient.
Im Stück haben wir inzwischen neben dem geschichtenerzählenden Wesir auch die Mutter des Sultans, zwei deutsche Archäologen und einen Dichter kennengelernt, der uns als beharrlicher Reimeschmied auffällt. Kleidung und Verhalten der Personen geben uns Aufschluß, daß wir uns in der Zeit zwischen ausgehendem 19. und beginnendem 20. Jahrhundert befinden.
Balkan-Folklore mit einem Schuß Zigeunertanz erwartet uns dann, die Mädels führen, wie in dieser Stilart üblich, kleine Geschichten auf, Markt- und Brunnenszenen zumeist, und die machen ja den eigentlichen Reiz dieses Genres aus. –

Wir erleben die Tänzerinnen mit Fächerschleiern, auch dies ein hübsches Stück Tanz, wenn auch diesmal nur vier Damen auf der Bühne wirken, aus einleuchtendem Grund, der Fächerschleier ist, wenn nicht in Bewegung gehalten, ein wenig berauschender Anblick, und fürs Flattern braucht man Platz. Und was das Quartett hier leistet, ist schon virtuos. –

Und wir sehen sie, in größerer Besetzung, mit Leuchtkugeln paarweise auf der abgedunkelten Bühne, und der Friedensgedanke erfährt besondere Würdigung, als jemand einen von innen leuchtenden Globus in das Lichtermeer hält.
Das Stück hat uns inzwischen einen Mönch, der Speis und Trank sehr zugetan ist, und den Palastkoch kennenlernen lassen. Man wundert sich nicht, daß diese beiden sich gut verstehen. Der dichtende Jüngling seinerseits wendet sich an die Sultansmutter, hat er sich doch unsterblich in eine der Haremsschönen verliebt. Leider waren bislang alle seine Versuche, zu seiner Angebeteten vorzudringen, vergeblich. In seiner Not wendet er sich eben an besagte Mutter, um von ihr Hilfe zu erlangen. –

Auch den Archäologen ist nicht nach frohem Sinn, wollen ihre Ausgrabungsarbeiten nach einem berühmten Diamanten doch einfach nicht zum gewünschten Ziel führen. Bis zur Pause verbleiben wir im Ungewissen, ob all diesen Unglücklichen geholfen werden kann...
Photos, Grafik und Gestaltung: Konstanze Winkler
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Anjulis Ouvertüre
Der Erzähler - Wesir des Sultans
Anjuli mit einem Raks Sharki
die deutschen Archäologen
Raks Sharki mit Trommelsolo
Tempeltanz mit Thai-Fingernägeln
Bollywood
die Mutter des Sultans
ein verliebter, reimeschmiedender Dichter
Balkan Folklore
Fächerschleiertanz
Lichtertanz
Ein unzertrennliches Paar...
... der Koch und der Mönch
der Dichter sucht Rat bei der Sultansmutter
missmutige Archäologen