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Photos © Konstanze Winkler
Wenn ein Großereignis der Tanzwelt über uns kommt, muß das normale Programm eben etwas zusammenrücken. Jillina war mit ihrer „Bellydance Evolution“ und deren drittem Programm – „Alice in Wonderland“ – zu dessen Europe-Premiere angereist, und der Termin fiel auf den des Tribal-Festivals zu Hannover. Also bekam die BDE den Freitag, und dem gewohnten Tribal-Programm verblieben Samstag und Sonntag. Die lachenden Gesichter am Sonntagabend verrieten, daß auch diese Lösung sehr gut angekommen war.

Der folgende Bericht über die Show „Alice in Wonderland“ wurde von Romy Mimus verfaßt. Romy ist Mitglied der Bellydance Superstars, und die Idee erschien uns reizvoll, die Veranstaltung durch ihre Augen zu sehen. Um es kurz zu machen, Romy haben die getanzten Abenteuer von Alice und all den anderen ausgezeichnet gefallen, und wir haben selbst noch etwas dazulernen können, als wir die Geschichte aus ihrem Blickwinkel gesehen haben. Romys BDE-Bericht ist zwischenzeitlich auch im führenden US-amerikanischen Fachmagazin „Zaghareet“ abgedruckt worden, von ihr selbst übersetzt.

Homepage BDE: www.bellydanceevolution.com
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
Tribal Festival Hannover: www.tribal-festival.de
BELLYDANCE EVOLUTION „ALICE IN WONDERLAND“
von Romy Mimus

Jillina – eine Name in der orientalischen Szene, der nicht mehr wegzudenken ist. Was diese Frau anpackt, das funktioniert. Mit einem regelrechten Feuerwerk an Eindrücken faszinierte Jillina mit ihrer Bellydance-Evolution Truppe den ganzen Saal in Hannover Langenhagen. In so kurzer Zeit ist so viel passiert, man konnte so viel sehen und bestaunen, wurde mit Farben, Lichtern, Tanz, Dynamik, Witz und Charme in Alice’s Wonderland mit hineingezogen und hat am Ende aus allen verschiedensten Eindrücken nur noch einen Gedanken im Kopf: Was für eine Show - oder wohl eher: was für ein Erlebnis!

 „Bellydance Evolution“ ist ein, von Jillina entwickeltes, ganz anderes und neues Konzept einer orientalischen Tanzshow. Es gibt immer eine feste Kernbesetzung, die jeweils von einem wechselnden Ensemble begleitet wird, welches extra für jeweils wenige Shows neu „gecastet“ wird. 

Für Musikalische Unterstützung sorgt zum größten Teil Jillina’s Eheman Paul Dinletir, ein Meister in seinem Fach. Und wer hätte nicht gern Musik, die extra und perfekt angepaßt für die eigene Show kreiert wird.

Um Teil des Ensembles zu werden, müssen die Tänzer sich per Video bewerben. Bedingung der Teilnahme ist allerdings während der einwöchigen Trainingsphase für die Shows  selbst für Anreise, Unterkunft etc. aufzukommen.  Eigentlich schade, da man viel Zeit, Arbeit und Geld investiert um vielleicht nur in wenigen Shows als Teil des großen Ganzen auf der Bühne zu stehen. Aber das darf natürlich jeder selbst entscheiden und schließlich gibt es intensives Training und Workshops für seine Mühen. 

Mit hohen Erwartungen und Notizblock gezückt wartete ich also gespannt auf den Beginn der Show und darauf, wie Jillina ihre neueste Geschichte wohl umgesetzt hat. „Alice im Wunderland“ – ein schwieriges Thema aber voll von unendlichen Möglichkeiten.

Vorhang auf, Licht an, Musik ab und los geht’s mit der sogenannten „Pre-Show“, in der sich das Ensemble vorstellt. Mit kurzen, sich abwechselnden Solos dürfen wir zunächst die Tribal-Tänzer genießen.  Als erstes bezaubert uns Eliana (Deutschland)  mit ihrer tollen Ausstrahlung. Sie wird abgelöst von Alice Shantala aus Italien. Als einziges männliches Ensemble Mitglied präsentierte sich anschließend Giulio Dilemmi (Italien). Darauf folgte Alexis Southall und zuletzt erlebten wir Barakalofi (Spanien), die es schaffte, mich kurzerhand zu begeistern. Abgerundet wurde die Vorstellung der Tribal-Tänzer noch einmal mit allen auf der Bühne. Jeder mit eigenem Stil, im eigenen Kostüm und trotzdem sehr harmonisch auf der Bühne.
Es geht weiter mit der Vorstellung der „Cabaret“- Tänzer (im Englischen wird der klassische Bauchtanz als „Cabaret-Style“ bezeichnet). Silvia Brazzoli (Italien) eröffnet in blauen Pailletten-Kostüm, gefolgt von Djamila (Deutschland) mit wunderschöner Ausstrahlung. Als nächstes sehen wir Francesca Donninelli (Italien) und danach Latifah (Tschechien) in raffiniertem grasgrünem Rüschenkostüm. Danach bezaubert uns Valentina (Italien) und anschließend übernimmt Selma (Deutschland) die Bühne. Einen tollen Eindruck hinterlässt Hayal (Brasilien/Frankreich) genauso wie die wunderschön anzusehende  Karima (Spanien) und schließlich Aica (Frankreich) - super Ausstrahlung.
Gemeinsam präsentieren sich noch einmal alle „Cabaret“-Tänzer auf der Bühne.
Ein toller Eindruck!

Stehen bleibt anschließend Jasirah (Polen), die bei der Videobewerbung zum Publikumsliebling gekrönt wurde und deshalb ihr eigenes Solo bekommt. Trommelsolo vom Feinsten. Meine Notizen zu Jasirah sagen: Hammer-Kostüm in Türkis, hautfarben glitzernd (das brauch ich auch!), tolle Choreo, frisch, frech, technisch stark und eine  super Ausstrahlung. Was will man mehr. Die Worte ihrer Lehrerin Suraiya Ibrahim, die ich einen Tag später in Amsterdam traf fand ich sehr passend: „Oh yes, she’s a drum solo machine“.
Nachdem sich nun alle Mitglieder des aktuellen Ensembles vorgestellt haben, beginnt die eigentliche Bellydance Evolution Show „Alice in Wonderland“. 

Ich möchte hier keine Einzel-Beschreibung aller Stücke wiedergeben, da es so viel zu sehen, entdecken, bestaunen, hören und erleben gab, daß es eindeutig mein verfügbares Schriftzeichen-Limit sprengen würde. Ich möchte aber gerne von dem Eindruck und den Höhepunkten der neuen Bellydance Evolution Show erzählen und vielleicht Lust auf einen eigenen Besuch machen.

Ich muß außerdem gestehen, daß ich die Show auf zwei verschiedene Arten gesehen habe. Anfangs verfolgte ich die Tanz-Revue wie bei anderen orientalischen Shows üblich: Man achtet auf die Choreographie, die Umsetzung, die Ausstrahlung der Tänzer und mit dem Ziel einen Bericht darüber zu schreiben schaut man auch noch genauer hin. Aus diesem Grund war meine Begeisterung nach der ersten Hälfte der Show nicht ganz so groß, wie bei vielen anderen.

Es gab noch viele kleine Unstimmigkeiten und Unsicherheiten beim Ensemble, was nach einer Woche Training eigentlich nicht anders zu erwarten ist. Die Ausstrahlung mancher Tänzerinnen wurde sichtlich vom noch vielen Nachdenken beeinflußt. Aber die Mehrheit der Zuschauer im Foyer während der Pause war ganz eindeutig von den Socken. Das zeigte mir, ich muß das Ganze wohl mit anderen Augen sehen. Such nicht nach Fehlern oder Details sondern laß dich unterhalten, lehn dich zurück und genieße das ganze Bild. Und was soll ich sagen, „von den Socken“ trifft es auf den Punkt.

Die Show ist unterteilt in verschiedene Szenen um der bekannten Geschichte besser folgen zu können. Die Szenen gehen nahtlos ineinander über und die Show wird so zu einem durchgehenden und abwechslungsreichen Tanzerlebnis ohne Moderation oder vielen Klatschmöglichkeiten. Natürlich kein Hinderungsgrund für uns als Publikum. 

Alice (Lauren Boldt) beginnt und wird schnell vom restlichen Haupt-Ensemble tänzerisch und in zauberhaften bunten Kostümen unterstützt.  Das Europa-Ensemble kommt hinzu. Unglaublich viele Tänzer in enger V-Formation eröffnen die Geschichte mit einem gelungenem Tabla-Solo. An der Tabla live Khader Ahmad (Deutschland). Anschließend stellt sich die Kerntruppe mit kurzen Solis ebenfalls vor. Jillian Carlano als Herzkönigin, Heather Aued als verrückter Hutmacher, Sharon Kihara als Raupe, Louchia Tschuchri als die Herzogin und Shalymar (Deutschland) bezaubert als Grinsekatze. Mit viel Humor wird Danielo Mendes als weißes Kaninchen ebenfalls in die Geschichte mit eingebaut. Er sorgt mit seiner lockeren, frechen Ausstrahlung und tollen, nicht-orientalischen Tanztechnik immer für gute Stimmung und Abwechslung.
Der Gesamteindruck der Show war wirklich überwältigend. Die perfekt abgestimmte Musik passend zu den einzelnen Szenen, die vielen Geschehnisse und durchdachten Choreographien sind nur weitere Punkte, die diese Show so stimmig machen. Am meisten fasziniert haben mich die Kostüme, die Ideen und deren Umsetzung mit einem Ergebnis, das überzeugte. In der Szene „Painting it red“  wurden durch raffinierte Ideen die weißen Kostüme des Ensembles unbemerkt in rote verwandelt, die Szenen wurden untermalt mit Kostümen, die authentischer kaum sein können. Tänzer werden zu Tisch und Tee-Service, Pilzen oder Blumen. Selbst auf kleinste Details wurde geachtet. Der Einsatz von Regenschirmen bekommt eine ganz neue Bedeutung. Röcke aus Gumminetzen mit faszinierenden Effekten. Auch an Accessoires mangelte es den Tänzern nicht. Leuchtstäbe, Saidi-Stöcke, Schleier, Fächer, Fahnen, Vois, Masken, Kindertunnel (Alice muß schließlich in den Kaninchenbau gelangen), überdimensionale Uhren („wir haben doch keine Zeit“), oder große Trommeln.
Auch die Kostüme des Haupt-Ensembles überzeugen auf voller Strecke. Zum Beispiel Lauren Boldt in blau, Heather Aued mit Hut, Danielo Mendes mit Hasenohren-Kappe, Jillina mit Herzen bestickt oder Shalymar mit süßen Katzenohren und einem Schwänzchen am Kostüm. Schließlich bleiben sie zum großen Teil in ihrer Rolle und haben wenig Kostümwechsel. Da muß das Kostüm schon auch was hermachen. In ihren  Soli werden sie jeweils von Teilen des Europa-Ensembles unterstützt, welches einen perfekten Hintergrund schafft, um die Solo-Auftritte noch eindrucksvoller zu gestalten. Und natürlich darf auch ein Jillina-Live –Tabla-Solo in dieser Show nicht fehlen. Mit Einbezug des Publikums und viel Charme sowie scharfer Technik umgesetzt.
Letztlich erinnert Jillinas neue Evolution Show mehr an ein „Dancical“ oder eine Revue-Show als an eine klassische orientalische Tanz-Show. Das Augenmerk wurde ganz klar stärker auf die Inszenierung mit ihren vielen Effekten gelegt als auf reine Tanztechnik, oder Konzentration auf die Einzelkünstler. Der Gesamteindruck, der dadurch beim Publikum entsteht, läßt schnell über kleine Schwachstellen in Ausführung, Koordination oder Ausstrahlung hinwegsehen. Der Name „Bellydance Evolution“ ist also Programm.

Ich hoffe einen kleinen Eindruck vermittelt und Lust auf mehr gemacht zu haben. Eine absolut sehenswerte Show, die für jeden etwas bereithält, ob Fachpublikum oder zufällig darüber gestolpert.  Nächstes Frühjahr auch noch einmal in Berlin zu sehen. Mein Tipp: zurücklehnen und genießen.

Ich kann mich nur wiederholen. In so kurzer Zeit ist so viel passiert, man konnte so viel sehen und bestaunen, wurde mit Farben, Lichtern, Tanz, Dynamik, Witz und Charme in „Alice in Wonderland“ mit hineingezogen und hat am Ende aus allen verschiedensten Eindrücken nur noch einen Gedanken im Kopf: Was für eine Show - oder wohl eher: was für ein Erlebnis! Und ich frage mich, ob meine Karte nicht vielleicht zu günstig war …

BDSS Romy
Homepage Romy: www.romy-dance.com
Foto rechts: Das große Finale
Foto links: Grinsekatze Shalimar umrahmt von einem Schirmchen-Puzzle
Herzkönigin Jillina
"Painting it red" - Szenenbild mit Spielkarten
Heather Aued als "Verrückter Hutmacher" - Im Hintergrund die Teeparty
Shalimar - Die "Grinsekatze"
Hip-Hopper Danielo als das "Weiße Kaninchen"
"Raupe" Sharon Kihara
"Herzogin" Louchia und ihr Gefolge
Lauren Boldt als "Alice"
links: Das komplette Ensemble stellt sich vor
Die klassisch-orientalischen Tänzerinnen stellen sich vor
Publikumsliebling Jasirah aus Polen tanzt ihr Solo
Die gecastete Tribal-Crew macht den Anfang ... Alexis, Barakalofi, Giulio, Alice und Eliana
Jillina - Gründerin und Kopf der "Bellydance Evolution"
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BELLYDANCE EVOLUTION "Alice in Wonderland"
von Romy Mimus
Europa-Premiere beim Tribal Festival in Hannover, 13. Juni 2014