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UNSTERBLICHES VERLANGEN - Ein Tanzspiel in 19 Aufzügen
BELLYDANCE EVOLUTION
Europapremiere in Hannover

von Marcel Bieger

EINFÜHRUNG

Ein Gespenst geht um in der Welt, und hat vor kurzem auch Europa heimgesucht. Eine neue Form des Tanztheaters, besser noch, und für uns viel interessanter, eine neue Form des Orienttanz-Theaters. Shows mit einem Konzept, Shows unter einem Motto oder Shows mit dem Schwerpunkt auf einem bestimmten Genre, das hat es alles schon gegeben, und auch Welt-Tourneen sind so neu nun auch wieder nicht (man denke nur an die vor Jahren ebenfalls in Deutschland gastierenden „Bellydance Superstars“; die haben zwar einiges vorgemacht, aber eben noch kein richtiges Theater).

Bericht: Marcel Bieger
Fotos und Layout:
Konstanze Winkler
Und seit 2009 ist es so weit: „Belly Dance Evolution“ zieht über die Kontinente. Unter der künstlerischen und auch sonstigen Leitung von Jillina kommen, und wir bleiben jetzt mal in der Theatersprache, jeweils sechs Hauptdarstellerinnen und 12 Nebendarstellerinnen nebst zwei männlichen Tänzern und zwei Trommlern auf die Bühne. Begonnen hat das Ganze, wo sonst, in den USA, wo man Ende 2009 die Welturaufführung des Stücks „Immortal Desires“ (die Übersetzungen reichen von „Unstillbares Verlangen“ bis „Unstillbare Sehnsucht“, und beides trifft zu) im kalifornischen Los Angeles feierte. Anfang 2010 ging es weiter nach New York City. Klare Verhältnisse: Die Westküste wähnt sich gegenüber der Ostküste führend, also fängt man oder frau in Kalifornien an.

Weiter ging es erstmal nach Fernost, ins japanische Tokio und dann ins indonesische Bali. Und im Frühjahr war dann Europa an der Reihe. Am 12. März in Hannover, und am 14. März in die ungarische Hauptstadt Budapest. Anfang Juni war schließlich auch Afrika an der Reihe. Man tanzte in Marokko, genauer in Casablanca und Rabat. Damit nicht genug, kehrt man im Sommer in die USA zurück. Die nächsten Stationen lauten Los Angeles (August) und Washington, D.C. (Oktober). Und im Dezember ist dann erneut der Ferne Osten an der Reihe, man tritt auf Taiwan auf. Wenn es zwischen den einzelnen Auftritten zu längeren Pausen kommt, liegt das vornehmlich darin begründet, daß die Welt-Tournee weder räumlich noch zeitlich festgelegt sind. Noch während man hier auf der Bühne steht, verhandelt man bereits mit dort, und zumindest sollen dem Vernehmen nach, wiederum Europa 2011 bespielt und betanzt werden. Wir hoffen sehr auf Deutschland oder Westeuropa. Ach was, wir gehen einfach mal davon aus, daß sie wieder hierher in die Nähe kommen!!!

Daß „Belly Dance Evolution“ nach Deutschland gekommen ist, und Hannover sogar die Europa-Premiere des Stücks „Immortal Desires“ feiern konnte, ist im wesentlichen das Verdienst von Asmahan el Zein, unter den deutschen Orienttanz-Veranstalterinnen eine der wagemutigsten. Die Show ist nicht billig, und man muß schon aus einem besonderen Holz geschnitzt sein, um nicht auf Sicherheit zu setzen, sondern sich auch einmal etwas ganz, ganz Großes ins Haus zu holen. Der Auftritt der Belly Dance Evolution fand unter dem Dach der Veranstaltungsreihe „World of Orient“ statt, die in diesem Jahr zum 11. Mal stattfand. Hier hat Asmahan schon über die Jahre die halbe Tanzwelt versammelt, und eine gleichwertigen Rahmen für „Immortal Desires“ findet man bei uns nur schwerlich.

Abb. BELLYDANCE EVOLUTION Plakat © BELLYDANCE EVOLUTION
DIE PERSONEN

Wie eingangs erwähnt, sehen wir Haupt- und Nebendarsteller. Erstere stehen fest und wechseln nur, wenn eine oder einer vorher aussteigt. Anders sieht es bei den unterstützenden Tänzern aus. Sie gehen aus einem Wettbewerb hervor, den Jillina auf jedem in Frage kommenden Kontinent durchführt. So gibt es die amerikanische, die asiatische und die europäische Gruppe. Diese treten nur auf ihrem Erdteil in Erscheinung, das heißt, Jillina und ihre Haupttänzer tanzen mit drei verschiedenen Ensembles.

Bleiben wir in Europa, hier sind es ein Dutzend Nebentänzerinnen, die aus mehreren Ländern stammen. Zwei Deutsche sind auch dabei, Eliana aus Offenbach und Shalymar aus Berlin. In einem späteren Beitrag wenden wir uns diesen jungen Damen im besonderen zu, unter anderem auch der Frage, wie sie in dieses Ensemble gelangt sind. An dieser Stelle mag es genügen zu sagen, daß Jillina viel in der Welt herumgekommen ist, auch in Europa, und eine Menge Tänzerinnen gesehen hat. Wer ihr bereits einmal positiv aufgefallen ist, hatte beim Wettbewerb bessere Aussichten. Im folgenden die 12 Tänzerinnen:

-      Eliana und Shalymar aus Deutschland

-      Nelly aus Griechenland

-      Sarah Shahine aus Italien

-      Nabila aus Österreich

-      Alba Hayal und Nefershu aus Spanien

-      Badriyah, Eglal, Katka, Latifah aus Tschechien

-      Edit Kiss aus Ungarn

Aus Europa, genauer den Niederlanden, stammt zwar auch Aisa Lafour (und ist ebenfalls aus einem Wettbewerb hervorgegangen), aber sie war schon in Amerika dabei – und sie tanzt eine der Hauptrollen im Stück, die der Peitho.
Eliana
Shalymar
Nelly
Sarah Shahine
Nabila
Alba Hayal
Aisa Lafour
Nefershu
Badriyah
Eglal
Edith Kiss
Latifah
Katka
Und keine Regel ohne zweite Ausnahme, das europäische Ensemble ist auch nach Afrika mitgereist, besser gesagt, acht von ihnen, und die Lücken wurden dann mit einheimischen marokkanischen Kräften gefüllt.
Diese Frauen tanzen meist im Ensemble oder im Chorus, nur gelegentlich geben sie ein Solo oder Duo. Sie begleiten die Götter, sie stellen Volk, Gäste, Kriegerinnen und Gefährtinnen dar. Für die Geschichte, für das Stück und für die Tanzdarbietungen sind sie schlechthin unersetzlich, und man merkt ihren Gesichtern an, daß sie sich der hohen Ehre bewußt sind, an dieser Aufführung teilnehmen zu dürfen.

-      Jillina als „Medusa

-      Heather Aued als „Persephone

-      Kaeshi als „Pandora

-      Louchia als „Aphrodite

-      Elizabeth Strong als „Thalia

-      Sharon Kihara als „Orakel

Hinzu kommen drei Männer:

-      Ozzy als „Thor
(er ist kein Tänzer, aber Tabla-Trommler)

-      Guram als „Loki

-      Zurab als „Apollo

Die eigentlichen Stars sind,
mit ihren Rollen:
Jillina (Medusa)
Heather Aued (Persephone)
Kaeshi (Pandora)
Louchia (Aphrodite)
Elisabeth Strong (Thalia)
Sharon Kihara (Orakel)
Guram Buchukuri (Loki)
Ozzy (Thor)
Zurab Dudashvili (Apollo)
Guram Buchukuri und Zurab Dudashvili stammen beide aus dem Kaukasus, genauer aus der Republik Georgien. Sie gehören beide dem georgischen Staats-Tanz-Ensemble an und können nicht nur ausgezeichnet tanzen, als Kaukasier beherrschen sie auch die Kosakentänze und –sprünge, was sie während der Show ausgiebig unter Beweis stellen. Zurab verletzte sich während der hannoverschen Vorführung, und seine Rolle wurde im wesentlichen von Guram (unvergesslich sein Schwert-Zweikampf-Solo) und, wo immer möglich, von Ozzy mit übernommen. – Eine weitere Besonderheit in diesem Ensemble ist Louchia, gebürtig in Moldawien, einem Nachfolgestaat der Sowjetunion. Sie bringt Balkanatmosphäre und –tanz in die Show ein, und zusammen mit den Kosakentänzen verleiht dies der Aufführung einige besondere Noten, welche sie über den Rahmen einer rein orientalischen Tanz-Darbietung weit hinausheben.
Zur Vorstellung in Hannover gesellt sich noch als Gastmusiker Tiziano Ronchetti, ein international gern gesehener Tabla-Spieler. Und zum Finale gesellt sich auch Sharon Kihara zu den Trommlern, um aus dem Duo ein Trio zu machen.

Der eine oder andere, der sich in der Sagenwelt auskennt, mag sich ein wenig wundern, wie nordische und griechische Götter an einem Ort zusammenfinden. Doch versetzt die Geschichte uns auf eine himmlische Ebene, auf der unsere Gesetze keine Rolle mehr spielen und alles möglich ist. Das Stück ist Fantasy, und Fantasy zeichnet sich gegenüber anderen Genres dadurch aus, daß alles möglich und Logik keine Prämisse ist.

Guram und Zurab aus Georgien
v.l.n.r. Ozzy, Tiziano Ronchetti, Sharon Kihara