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FRANKREICH TANZT TRIBAL

Bellyfusions 2010

JEDER SOLL SEINE CHANCE BEKOMMEN

Interview mit Julie de St-Blanquat,Veranstalterin des Festivals Bellyfusions in Paris

von Mihrimah Ghaziya

Julie, kannst du dich kurz vorstellen ?

Nach 10 Jahre Praxis unterrichte ich heute orientalischen Tanz und habe 2008 die ersten regelmäßigen Tribalkurse in Paris eröffnet. Als leidenschaftliche Tänzerin habe ich viele internationale Dozentinnen des Bereichs ATS und Tribal Fusion eingeladen, um diese in Frankreich lange total unbekannten Stilrichtungen zu importieren. Heute entwickle ich diese Stile, indem ich eine Gemeinschaft aufkommen lasse und eigene Fusionen unterstütze.

Für mich ist orientalischer Tanz nur eine Sprache und es scheint mir notwendig zu sein,  sowohl diese Sprache zu beherrschen als sie zu vermählen, um neue Kreationen und Entwicklungen aufkommen zu lassen.

Aus diesem Grund habe ich ein eigenes Ensemble, „Urban Shamans“ (Titelfoto), gegründet. Mit ihm versuche ich, den Orientalischen Tanz sehr zeitgenössisch, ja experimentell wiederzugeben. Und genau diese Mischung von Westlichem mit Orient wollte ich mit Bellyfusions fördern. Das Festival hat das erste Mal 2008 stattgefunden, mit über 500 Teilnehmern und 60 internationalen Künstlern.

Wie ist dein künstlerischen Werdegang?

Ich habe 10 Jahre lang Orientalischen Tanz im regelmäßigen Unterricht oder Workshops gelernt. Meine Lehrer waren unter anderem Djamila Henni-Chebra, Yousry Sharif, Randa Kamel, Aïda Nour, Beata und Horacio Cifuentes, Mahmoud Reda, Farida Fahmy, Virginia, Nawal Benabdallah, Suraya Hilal, Fatima Chekkor, Fanyda und Simona Jovic. Ich habe mich bei Nùria Rovira Salat, Raja Shakarna weitergebildet und habe auch intensiv bei der zeitgenössischen orienatlischen Tänzerin Lamia Safiéddine gelernt. Lamia zeigte mir eine neue Dimension zur technischen Beherrschung des Körpers, sie vermittelte mir ihren Anspruch an die schauspielerische Darstellung (Mimik und Gestik) und den Ausdruck, die zu oft im orientalischen Tanz ignoriert werden. Durch sie konnte ich eine eigene künstlerische Persönlichkeit entwickeln und sie förderte auch meine Neugier auf andere Tanzrichtungen.

Und so lernte ich auch andere Tanzsparten, die meinen Tanzstil heute beeinflussen: kubanische Salsa (2 Jahre), argentinischer Tango (2 Jahre), Bollywood (1 jahr), Kalbeliya und Flamenco seit ein paar Monaten.

Ambre
Wie hast du denn Tribal gelernt, wenn du die erste Lehrerin in Frankreich bist?

Ich habe mehrere Intensivwochen mit Caroleena Nericcio und Megha Gavin (FCBD) in Europa besucht. 2009 habe ich das Teacher Training (Level 2) bei Caroleena abgeschlossen. Zusätzlich habe ich meine Kenntnisse in ITS und Tribal Fusion in Workshops mit Susan Frankovich, Gypsy Fire, Meissoun sowie Samantha Hasthorpe erlangt,


Was treibst du zur Zeit in Sachen Orientalischer Tanz und Fusion ?

Ich unterrichte „normalen OT“ weiter, aber natürlich auch ATS und Tribal Fusion. Ich gebe regelmäßig WS in ganz Frankreich und seit kurzem auch im Rest Europas. Ich arbeite sehr viel mit meinem Ensemble „Urban Shamans“ (9 Tänzerinnen), wir entwickeln zeitgenössische Fusionen mit verschiedenen anderen Tänzen. Seit einem Jahr wird auch das Ensemble regelmäßig auf verschiedene Bühnen eingeladen und bereitet auch eine eigene abendfüllende Show vor.

Ich bin auch Präsidentin des ODC „Oriental Dance Circle“, einen Netzwerk für orientalischen Tanz in Frankreich

Wie weit sind denn überhaupt Fusion und Tribal schon in Frankreich verbreitet?

Es geht gerade los! Leider hat es eine ganze Zeit gedauert, bis diese Stilrichtungen nach Frankreich kamen. Viele Jahren lang waren sie uns vollkommen unbekannt. Erst mit You tube und den BDSS wurden sie dem breiten Publikum präsentiert. Aber danach mußten die neuen Freunde von Tribal und Fusion ins Ausland fahren, um sich überhaupt auszubilden und dann Shows und WS in Frankreich zu organisieren und diese Stilrichtungen bekannter zu machen. Genau darauf konzentriere ich mich ja, und das seit jetzt 4 Jahren. Und es war nicht einfach! Es gab viel Widerstand! Aber heute ist es soweit: Unser Fleiß trägt Früchte, und das Publikum profitiert endlich von der harten Arbeit einer Handvoll Leute.

Das Publikum folgt uns mit so viel Enthusiasmus daß ich schon vorhersagen kann, daß Fusion und Tribal, mit einem „French Touch“ eine große Zukunft vor sich haben. Es gibt noch viel zu machen, alles steckt noch in Kinderschuhen, aber genau das macht es auch so aufregend!

Anasma
Desert Sin
Ist das der Grund, warum du Bellyfusions veranstaltest ?

Ganz genau. Ich selbst war ziemlich frustriert über die mangelnde Unterstützung und das mäßige Interesse der Orientalischen Tanzgemeinschaft. In der Folge bin ich dann zu der Schlußfolgerung gelangt, daß das Wachsen und damit der Erfolg von Tribal und Fusion nur durch das Publikum kommen könne. Ich habe dann beschlossen, eine Veranstaltung, wie sie in Europa noch nicht sehr oft vorkommt, auf die Beine zu stellen – eine Plattfom allein für Orientalische Fusionen und Tribal. Ich wollte auch den ganzen versteckten Talenten, die mutig und innovativ waren,  endlich eine Bühne bieten. Da ich selber irgendwann keine Plattform mehr für meine Stücke fand und da ich mich schwer damit tat, engstirnige Gemüter zu öffnen, habe ich eben das Pferd von hinten aufgezäumt und uns eine neue Plattform eröffnet. Und dadurch eine richtige Chance durch eine richtige Bühne und professionelle Werbung (im Web, Fotos, Videos). Die orientalische Tänze sind lebendiger denn je, und daß sie von Künstlern mit verschiedener Entwicklung wieder neu erfunden werden, ist für mich die Zukunft.

Nach 2 Jahren (2009 und 2010) hat Bellyfusions schon sein Publikum gefunden. WS und Show waren ausgebucht: Ein Zeichen dafür, daß das Publikum für diese Entwicklung jetzt bereit ist. Und wir fangen erst jetzt an! 2011 wird das Festival zum ersten Mal über 3 Tage stattfinden. Wir werden 2 verschiedenen Bühnen haben und doppelt so viele WS.

Heute wird das Festival noch von Freiwilligen mit privatem Geld veranstaltet. Doch Schritt für Schritt, mit der Unterstützung der Künstler und des Publikums werden wir es schaffen, das Festival so bekannt zu machen wie es ihm zukommt. Tanz wird immer noch zu wenig unterstützt, im Vergleich zu anderen Künsten wie Musik, obwohl er genauso universell und zugänglich ist.

Wie kann man teilnehmen ?

Das Festival Bellyfusions findet in Januar 2011 statt, und man kann sich jetzt schon die Bewerbungsunterlagen auf der Homepage www.bellyfusions.com herunterladen. Dann ausfüllen und zu uns schicken! Das Team wird sich jede Bewerbung anschauen, denn wir wollen fair sein und keinen Künstler bevorzugen, weil er „bekannter“ ist. Denn nur so werden wir neue Talente bekanntmachen und sie dem Publikum präsentieren zu können.
Jeder soll seine Chance bekommen!

Fotos © Arnaud Joron und Nicolas Meunier
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